RegierungsbildungDas tollkühne Machtkalkül der griechischen Linken

Die Regierungsbildung in Griechenland steht vor dem Aus. Das liegt nicht nur an festgefahrenen Positionen. Die radikale Linke will an die Macht.

Der Vorsitzende der Radikalen Linken, Alexis Tsipras (Mitte)

Der Vorsitzende der Radikalen Linken, Alexis Tsipras (Mitte)

Nach wenigen Stunden war es schon vorbei. Die erste Verhandlungsrunde zur Bildung einer neuen Regierung in Griechenland ist schnell geplatzt. Die Verantwortung trägt der Vorsitzende der konservativen Nea Dimokratia, Antonis Samaras. Seine Partei holte zwar die meisten Stimmen bei der Wahl am Sonntag und war mit der Regierungsbildung beauftragt. Doch Samaras scheiterte an seiner perfiden politischen Strategie.

Für eine neue Regierung unter seiner Führung hätte er mindestens zwei weitere Parteien gebraucht, die ihn unterstützen. Doch der Konservative hat jegliches Vertrauen in der politischen Klasse Griechenlands verspielt. Immer wieder verkündete er im Wahlkampf, unter gar keinen Umständen eine Koalition eingehen zu wollen. Kaum waren die ersten Ergebnisse bekannt, sprach er von dem historischen Auftrag für ihn, eine Regierung der nationalen Rettung zu bilden, und zwar mit einer breiten Koalition.

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Die sozialistische Pasok hätte bei diesem Spiel noch mitgemacht. Aber alle anderen möglichen Partner erteilten Samaras ziemlich bald eine rüde Absage. Viel Raum für Verhandlungen blieb ohnehin nicht, zumal die politische Ordnung in Griechenland in zwei Lager gespalten ist. Nea Dimokratia und Pasok vertreten weitgehend den harten Sparkurs, den EU und Internationaler Währungsfonds einfordern. Alle anderen gewählten Parteien sind dagegen.

Zacharias Zacharakis
Zacharias Zacharakis

Zacharias Zacharakis ist Nachrichtenredakteur bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.


Also geht der Auftrag zur Regierungsbildung nun an die zweitstärkste Kraft, das Radikale Linksbündnis Syriza unter der Führung von Politstar Alexis Tsipras. Aber auch der 37-jährige Bauingenieur wird keine Wunder vollbringen können, um dieses politische Patt aufzulösen. Denn um eine Regierung ohne die Nea Dimokratia zu bilden, müsste er sich mit noch viel konservativeren Kräften einlassen. Das aber wäre politische Schizophrenie. Tsipras hat dennoch den Auftrag zur Regierungsbildung angenommen, damit es hinterher nicht heißt, er habe verantwortungslos gehandelt. In Wahrheit aber hat er einen anderen Plan gefasst.

Neuwahl in einem Monat

Tsipras sieht eine realistische Machtperspektive für sich und ein rein linkes Bündnis durch eine Neuwahl. Die Termine für die Abstimmung kursieren längst: Genannt werden entweder der 10. oder der 17. Juni. Wäre Syriza dann die stärkste Kraft, würde sie – wie in der Verfassung vorgesehen – den Zuschlag von 50 Sitzen im Parlament bekommen. Ein möglicher Partner wäre dann die Demokratische Linke, die sich zu einer Kooperation bereit erklärt hat.

Die sozialistische Pasok dürfte ebenfalls in eine solche linke Regierung einsteigen, auch wenn sie bisher das Sparprogramm nicht aufkündigen wollte. Sie wird sich aber kompromissbereit zeigen, wenn nur Teile der bereits beschlossenen Maßnahmen wieder rückgängig gemacht werden. Das hat Parteichef Evangelos Venizelos bereits eingestanden. Schließlich haben auch die Sozialisten diesem Programm nur unter dem enormen Druck der internationalen Geldgeber zugestimmt.

Warum sollten EU und IWF aber einen solchen Richtungswechsel in Griechenland mitmachen? Bisher haben die internationalen Geldgeber immer darauf bestanden, dass es zu den geforderten Reformen keine Alternative gebe. Das hat auch Kanzlerin Angela Merkel am Montag noch einmal betont.

Leserkommentare
  1. wenn grosse (?) nationen schlafen, zeigen die kleinen den weg.
    aber widerstand ist in DE vor allem, ein fremdwort.

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    Zum Glück, kann man da nur sagen.

    Zum Glück, kann man da nur sagen.

  2. "die Banken haben ihre Griechenland-Anleihen alle schon auf Null abgeschrieben."

    Wie verträgt sich diese Einlassung mit dem Gewese rund um den Schuldenschnitt?

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    , das sollte Sie nicht durcheinander bringen.

    Zur Bewertung von GR Bonds hier ein aktueller Meinungsstand.

    http://www.datev.de/porta...

    Grüße

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    Zur Bewertung von GR Bonds hier ein aktueller Meinungsstand.

    http://www.datev.de/porta...

    Grüße

  3. Ich bin auch für eine Wachstumspolitik - diese sollte aber auch ihren Namen verdienen.

    Und anstatt in ideologisch beschränkten Lagern zu denken sollten wir lieber an die Zukunft denken.
    Und solange dabei die Politiker wie bisher einen Großteil ihrer Fiskalpakete auf Schulden gründen und dabei ihre gemachten Schulden nicht bezahlen führt kein Weg dran vorbei.

    Ich wäre aber nicht für eine Schuldenbremse sondern für ein effektives Refinanzierungskonzept: Das heißt: Jedes Fiskalpaket muss eine Refinanzierung inbegriffen haben die die Kosten dieses Paketes deckt.

    Doch so wie bisher argumentiert wird ist es entweder nur so, dass man zwischen Schuldenbremse und Geld-Ausgeben denkt...Und das ist problematisch.

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  4. Wie lange werden wir Neuwahlen fordern? Bis die altenParteien gesiegt haben?

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    So, erneut für alle verblendeten Verschwörungstheoretiker:

    Artikel 37 der Verfassung Griechenlands:

    "Artikel 37. (1) Der Präsident der Republik ernennt den Ministerpräsidenten; auf dessen Vorschlag ernennt und entläßt er die übrigen Mitglieder der Regierung und die Vizeminister.
    (2) ...........
    (3) Besteht diese Möglichkeit nicht, so erteilt der Präsident der Republik dem Vorsitzenden der zweitstärksten Parlamentspartei einen Sondierungsauftrag, bleibt dieser Versuch weiter erfolglos, so erteilt er dem Vorsitzenden der drittstärksten Parlamentspartei einen Sondierungsauftrag. Jeder Sondierungsauftrag gilt für drei Tage. Bleiben alle Sondierungsaufträge erfolglos, so ruft der Präsident der Republik alle Parteivorsitzenden zusammen und erstrebt die Bildung einer aus allen im Parlament vertretenen Parteien bestehenden Regierung zur Durchführung von Wahlen, falls die Unmöglichkeit der Bildung einer das Vertrauen des Parlaments genießenden Regierung bestätigt wird; im Falle des Mißerfolgs beauftragt er den Präsidenten des Staatsrates oder des Kassationsgerichtshofes (Areopags) oder des Rechnungshofes mit der Bildung einer Regierung auf möglichst breiter Grundlage zur Durchführung von Wahlen und er löst das Parlament auf.

    Nicht wir fordern, die Verfassung fordert. § Tage pro Versuch.

    Soweit klar?

    Grüße

    So, erneut für alle verblendeten Verschwörungstheoretiker:

    Artikel 37 der Verfassung Griechenlands:

    "Artikel 37. (1) Der Präsident der Republik ernennt den Ministerpräsidenten; auf dessen Vorschlag ernennt und entläßt er die übrigen Mitglieder der Regierung und die Vizeminister.
    (2) ...........
    (3) Besteht diese Möglichkeit nicht, so erteilt der Präsident der Republik dem Vorsitzenden der zweitstärksten Parlamentspartei einen Sondierungsauftrag, bleibt dieser Versuch weiter erfolglos, so erteilt er dem Vorsitzenden der drittstärksten Parlamentspartei einen Sondierungsauftrag. Jeder Sondierungsauftrag gilt für drei Tage. Bleiben alle Sondierungsaufträge erfolglos, so ruft der Präsident der Republik alle Parteivorsitzenden zusammen und erstrebt die Bildung einer aus allen im Parlament vertretenen Parteien bestehenden Regierung zur Durchführung von Wahlen, falls die Unmöglichkeit der Bildung einer das Vertrauen des Parlaments genießenden Regierung bestätigt wird; im Falle des Mißerfolgs beauftragt er den Präsidenten des Staatsrates oder des Kassationsgerichtshofes (Areopags) oder des Rechnungshofes mit der Bildung einer Regierung auf möglichst breiter Grundlage zur Durchführung von Wahlen und er löst das Parlament auf.

    Nicht wir fordern, die Verfassung fordert. § Tage pro Versuch.

    Soweit klar?

    Grüße

    • lamara
    • 08.05.2012 um 21:24 Uhr

    kein gutes Beispiel, den ganzen Tag mit sich selbst beschäftigt, gibts die überhaupt noch man hört nichts mehr von ihnen. Die hatten ihre Chance und sie haben sie vergeigt aber nach allen Regeln der Kunst.

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Was erwarten Sie?"
  5. wird jeder Linke zum Lamm!

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  6. Wie wäre es denn zur Abwechslung mal mit der Beschneidung obszöner Gewinnerwartungen? Z.B., weil sich das mittelfristig als die klügere Variante erwiese (Stichworte: Binnennachfrage, Sozialbeiträge, Wegfall von Lohnzuschüssen).

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  7. Zum Glück, kann man da nur sagen.

    Antwort auf "once again"

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