Alexis Tsipras, Chef des Linksbündnisses Syriza © John Kolesidis/Reuters

Nach dem Scheitern des Konservativen Antonis Samaras bei ersten Sondierungsgesprächen für eine Regierungsbildung soll jetzt der Vorsitzende des Bündnisses der Radikalen Linken (Syriza), Alexis Tsipras , einen zweiten Versuch starten. Wie aus Kreisen der Präsidentschaft verlautete, lud das Staatsoberhaupt den Vorsitzenden der zweitstärksten Kraft im neuen Parlament ein, um das Sondierungsmandat zu erteilen.

Die Erfolgsaussichten von Tsipras wurden von Beobachtern in Athen als gering eingestuft. Das Mandat gilt gemäß Verfassung lediglich drei Tage. Wenn es bis zum 17. Mai keine neue Regierung gibt, muss das Land erneut wählen.

Die Regierungsparteien des überschuldeten Griechenlands hatten wegen ihrer harten Sparpolitik bei der Parlamentswahl am Sonntag deutliche Verluste hinnehmen müssen, was Koalitionen erschwert.

Der Chef der stärksten Partei Nea Dimokratia (ND), Samaras, hatte schon nach wenigen Stunden das Sondierungsmandat an Staatspräsident Karolos Papoulias zurückgegeben, weil seine Bemühungen um die Bildung einer Regierung der Nationalen Rettung gescheitert war.

Treffen ohne Ergebnis

Samaras traf Tsipras am gestrigen Montagnachmittag. Der Linke sagte nach dem Treffen, seine Partei lehne die Thesen der Konservativen ab. Sie stünden im Widerspruch zu den Positionen der Syriza. Samaras habe das Sparprogramm unterzeichnet und deswegen gebe es keinen Spielraum für eine Kooperation mit ihm.

Tsipras Partei hatte am Sonntag ihre Kräfte vervierfacht – von 4,6 Prozent 2009 auf 16,78 Prozent am Sonntag.

Das anschließende Treffen mit dem Chef der Sozialisten ( Pasok ), Evangelos Venizelos, blieb ebenfalls ohne konkretes Ergebnis. Venizelos sagte danach, seine Partei sei drittstärkste Kraft und sehe es als notwendig, dass sich die Konservativen und das Bündnis der Linken sowie andere pro-europäische Parteien auf ein Minimalprogramm einigen, das als Ziel haben soll, dass das Land im Euro bleibt.

Kommunisten wollten nicht kommen

Später scheiterte auch ein Treffen mit einer der kleinen linken Parteien, der Demokratischen Linken. Die Faschisten, die erstmals ins Parlament einziehen, traf Samaras nicht. Die Kommunisten und die rechtsgerichtete Partei der Unabhängigen Griechen wollten gar nicht zum Treffen mit Samaras kommen.

Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis haben die Verfechter des im Volk umstrittenen Sparprogramms die Mehrheit im Parlament um zwei Abgeordnete verfehlt. Die ND und die Pasok stellen zusammen nur 149 der 300 Abgeordnete im Parlament.