Euro-Krise : Großbritannien bereitet sich auf Euro-Austritt der Griechen vor
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Massive Kapitalflucht

Das britische Finanzministerium, Beamte der britischen Notenbank und die Aufsichtsbehörde für Finanzdienstleistungen berechneten Szenarios, um die Auswirkungen des Euro-Austritts abschätzen zu können. Demnach könnte der griechische Austritt ähnlich schädliche Folgen für die globale Wirtschaft haben wie die Pleite von Lehman Brothers im Jahr 2008. Laut Guardian planen die Experten bereits notwendige Schritte, um diese Auswirkungen im eigenen Land abfedern zu können.

Der britische Premierminister David Cameron sagte in Manchester vor seinem Flug zum Treffen der G-8-Staaten, dass schnell entschieden werden müsse, ob die Euro-Zone weiter bestehen oder ob sie aufgelöst werden soll. Wenn es die Euro-Zone weiter geben solle, müssten ausreichende Brandmauern eingeführt werden, um die schwächsten Mitglieder zu schützen. Oder aber man schlage einen neuen Weg ein.

Es gehöre zur "unerbitterlichen Logik" der Gemeinschaftswährung, dass erfolgreichere Nationen bereit sein müssen, mehr zu tun, um schwächere Staaten zu stützen, sagte Cameron mit Blick auf Deutschland. Hochdefizitäre Länder wie Griechenland müssten ihre Haushalte in Ordnung bringen. "Es wird aber zunehmend klar, dass es unwahrscheinlich ist, dass sie in der Lage sind, diese notwendigen Korrekturen politisch und ökonomisch zu schultern, wenn nicht die Eurozone gemeinsam mit der Europäischen Zentralbank mehr tut, um die Nachfrage zu stützen und die Bürde der Korrekturen mit abdeckt."

Die britische Regierung ist verärgert über die gescheiterten Versuche der Regierungsbildung in Griechenland. Zudem wird die Sorge negativer ökonomischer Konsequenzen für das eigene Land durch Berichte gesteigert, nach denen es in Griechenland zu massiver Kapitalflucht kommt. Viele Griechen haben begonnen, ihre Ersparnisse von den Banken abzuheben. Binnen weniger Tage verloren die Banken Hunderte Millionen. Ein möglicher Euro-Austritt Griechenlands hat zudem den europäischen Börsen stark zugesetzt. Der Euro fiel unter die Marke von 1, 27 Dollar.

Befürchtungen, auch in Spanien würden die Bürger beginnen, ihre Ersparnisse von den Banken zu holen, tritt die dortige Regierung entgegen. Einen Bericht der Zeitung El Mundo vom Donnerstag, wonach Kunden der kriselnden Sparkasse Bankia im Laufe einer Woche mehr als eine Milliarde Euro abgehoben haben, ließ das spanische Wirtschaftsministerium dementieren. "Es ist nicht wahr, dass es einen Geldabfluss bei der Bankia gibt", sagte Vize-Wirtschaftsminister Fernando Jimenez Latorre. Die Bank habe alles, was sie brauche, um erfolgreich zu sein – sie brauche nur etwas Zeit, fügte er nach Angaben des britischen Telegraph hinzu.

 

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Kommentare

104 Kommentare Seite 1 von 12 Kommentieren

In den USA ...

haben die Jungs von JP Morgan gerade 3 Milliarden US$
versenkt.

Wie die jüngere Geschichte beweist, "können" Banken
Milliardenverluste ganz gut selbst "kreieren".
Sie brauchen dazu niemanden sonst......

Auch an dem "Schönrechnen" Griechenlands vor seiner
Aufnahme in die EU war eine Großbank, Goldman Sachs, maßgeblich beteiligt.

Mein Mitleid mit der Finanzwirtschaft, es hält sich
sehr in Grenzen.

Bitte nicht Äpfel mit Birnen vergleichen

Kommentar 1: "In den USA ... haben die Jungs von JP Morgan gerade 3 Milliarden US$ versenkt."

Das ist richtig. Da es sich aber um Verluste aus Finanzkontrakten handelt, hat irgend jemand anders (vermutlich sind es viele Andere) die Summe von 3 Mrd. Dollar verdient. Volksvermögen ist dabei nicht verloren gegangen; es gab also keine "realen" Verluste. Auch wenn JP Morgan ärmer geworden ist - die Welt ist es nicht.

Bei der Euro-Krise handelt es sich aber um realwirtschaftliche Verluste: Kredite an Griechenland haben nicht zu entsprechender Wertschöpfung geführt, so dass nicht nur Werte umverteilt, sondern *real* vernichtet wurden. Das ist insgesamt sehr viel bedenklicher: Denn es hat nicht jemand anders das Geld verdient, das in Griechenland verloren wurde, sondern das Geld ist weg. (Auch "die Spekulanten" haben es nicht.) Hier ist die Welt real ärmer geworden. Das ist erheblich bedenklicher.

Fazit: Ein Spekulationsverlust wie der von JP Morgan und die Verluste im Rahmen der Griechenlandkrise sind absolut nicht vergleichbar.

Wirtschaft ist kein Nullsummenspiel

Kommentar 94: "...es ist genau das gleiche.....das Geld wurde ja nicht gedruckt, jemandem als Schuld aufgebürdet und dann eingeäschert. [Absatz] Die schönen Summen liegen bei 'Anlegern'."

Wenn Kommentar 94 (der nicht sehr klar formuliert ist) damit das Geld aus den Griechenland-Verlusten meint, dann liegt er eindeutig falsch. Während es am Finanzmarkt viele Kontrakte gibt, die ein Nullsummenspiel sind (was der eine verliert, gewinnt der andere - deshalb werden sie manchmal salopp als "Wetten" bezeichnet), so ist Wirtschaft als Ganzes kein solches. Die Eurokrise macht die Welt insgesamt viel ärmer, und eben auch Banken, Versicherungen und andere Anleger, die Geld in Griechenland oder bei Instituten investiert hatten und haben, die direkt oder indirekt von der Krise dort betroffen sind.

Gibt es vielleicht "Spekulanten", die bei der Griechenland-Krise durch richtiges Timing oder geschickte "Wetten" Geld verdient haben? Es mag einzelne geben, aber dann hat die Masse der Banken, Versicherungen und der anderen Anleger nur noch mehr Geld verloren.

Der Unterschied zwischen "Finanzverlusten" und "realen Verlusten" ist nicht jedem klar. Vielleicht gibt es deshalb einige Missverständnisse bei der Beurteilung von solchen Krisen.

Lieber WolfHai....

...Sie schrieben, dass die Kreditsummen sich in Luft aufgelöst hätten (sinngemäß jedenfalls).

Das stimmt einfach nicht, Ihre nachgeschobene Erklärung hingegen schon.

"Ärmer" wurde die Welt durch die Eurokrise um die 1XX Mrd€, die im Schuldenschnitt gestrichen wurden. Alles andere wurde lediglich umgeschichtet.

Zum Nullsummenspiel: doch, leider schon.....es ist lediglich so zeitversetzt, dass es nicht wie ein solches aussieht.
Geld entsteht nur und ausschließlich durch IOUs (also Kreditaufnahme), entsprechend ist Wachstum immer ein Wachstum auf Pump.

(Fast) alles Geld was D und die anderen Geberländer an Griechenland überwiesen haben, diente der Bedienung von Altschulden und laufender Zinsleistungen. Diese Altschulden "gehörten" den "Anlegern", die ausbezahlt wurden. Die Schulden haben Sie und ich jetzt an der Backe, der "Anleger" wurde schadlos gehalten. (außer des PSI Anteils, wie oben beschrieben).

Ich vermute, dass die Summen zum Teil dafür verwendet werden auf die Pleite anderer Eurostaaten zu wetten. Tja...so isses halt.....unser Geldsystem.

Die Verteilung der Verluste

Richtig ist, dass von der realen Verlusten, die die Griechenland Krise den Anlegern beschert hat, die Öffentlichkeit (in Form der Regierungen, die Rettungsfonds gründeten und in Form der Europäischen Zentralbank, die Staatsanleihen aufkaufte) einen großen Anteil übernommen hat. Aber sicherlich nicht alles.

Wenn z.B. die EZB oder die Rettungsfonds Staatsanleihen Griechenlands zu einem Kurs von unter 100% gekauft haben, dann stellt das für der ursprünglichen Anleger einen klaren Verlust dar - nur weniger, als wenn die staatlichen oder quasi-staatlichen Stellen diese Anleihen gar nicht gekauft hätten. Nicht erst der formale Schuldenschnitt hat die Anleger also Geld gekostet.

Und die Verluste, die bei den staatlichen und quasi-staatlichen Stellen gelandet sind, werden uns alle noch viel Geld kosten - auch die Anleger: durch Steuern und Inflation. Anders als bei Finanzwetten gibt es hier nur vielleicht ein paar glückliche Spekulanten - die meisten gehören zu den Verlierern.

die das Geld haben, was den Armen fehlt

sollten sehr beunruhigt sein!

Geiz ist nur bis zu einem gewissen Punkt geil.

Der Punkt ist erreicht wenn Menschen hungern müssen. Ja die Briten und auch andere Nationen, die meinten, alleine auf Dienstleistungen zu setzen werden in wenigen Monaten, in Abhängigkeit zu den Geschehnissen in Griechenland, zum Teufel fahren.
Danach können wir uns über ein neues System unterhalten! In diesem Sinne handele ich wie Oscar. Wir müssen erst einmal gegen die Wand gefahren sein, ehe es sich lohnt sich der Sache anzunehmen!

Austritt Deutschlands ist dagegen ein Schnäppchen

Der Austritts Deutschlands aus dem Euro kann da nicht viel teurer sein und stellt die einzige vernünftige Lösung dar.

Oder haben wir aus Griechenland nichts gelernt?

Als Nächstes kommt übrigens Spanien und Italien. Also nichts wie raus da!

Im Übrigen haben wir aufgrund der ständigen Vertragsverletzungen unserer Euro-Vertragspartner ein außerordentliches Kündigungsrecht, d.h. wir können den Vertrag lösen, ohne danach auch nur eine müde Mark zahlen zu müssen. Wäre ja auch noch schöner, wenn der Gutsbesitzer von seinem untreuen und korrupten Gutsverwalter erfolgreich verklagt werden könnte, nachdem er ihm fristlos gekündigt hat.

Schon mal was von europäischen Recht gehört?

Entschuldigung, aber das ist kompletter Unsinn! Es gibt kein außerordentliches Kündigungsrecht. Ihr Vergleich ist auch nicht tragbar, denn es geht hier um europäisches und internationales Recht und nicht um Gutsbesitzer. Es besteht keinerlei rechtliche Möglichkeit, ein Land wie auch immer aus dem Euroraum auszuschließen.
Man kann es 1000 mal beschreien in allen Zeitungen oder kann schöne Artikel schreiben, wie sich schon alle angeblich drauf vorbereiten, aber es ist rechtlich nicht möglich und die EU ist eine Rechtsgemeinschaft und die Mitgliedsstaaten Rechtsstaaten.
Das Einzige, was rechtlich möglich ist, ist ein freiwilliger Austritt aus der EU (nicht aus dem Euroraum!), aber irgendeinen Zwang von anderen Staaten gibt es auch da nicht.

Natürlich kann man es Griechenland nahe legen, den Euro aufzugeben, aber wenn die neue griechische Regierung, wenn es sie denn gibt, nicht will (und Syriza, der mögliche Wahlsieger noch das griechische Volk in seiner Mehrheit wollen nicht), wird es keinen Austritt Griechenlands aus dem Euroraum geben.

Das heißt, man kann jetzt natürlich Szenarien durchrechnen, aber die Wahrscheinlichkeit, dass irgendein Land aus dem Euro freiwillig austritt ist eher gering und die Wahrscheinlichkeit, dass ein Land ausgeschlossen wird, geht gegen Null.

Bleiben Sie nicht am Wortlaut haften (Auslegungs-Grundregel)!

Wenn Sie etwas mehr juristischen Sachverstand hätten, dann wüßten Sie, dass es aufgrund der gewaltigen Vertragsverletzungen unserer lieben Vertragspartner absolut vertetbar ist, ein außerordentliches Kündigungsrecht anzunehmen.

Dem steht auch nicht entgegen, dass der Vertrag zum Euro nicht explizit ein Kündigungsrecht vorsieht, da sich ein außerordentliches Kündigungsrecht ja gerade nicht auf eine Vertragsklausel stützt, sondern auf eine (gravierende) Vertragsverletzung und auf die daraus resultierende Unzumutbarkeit für den dadurch geschädigten Vertragspartner, weiter am Vertrag festzuhalten.

Dessen ungeachtet ist eine Pflicht zur ewigen Bindung meines Erachtens bereits per se sittenwidrig und daher unwirksam.

Hilfsweise muss jedem Vertragspartner jedenfalls auch ein ordentliches Kündigungsrecht eingeräumt werden, wobei man über die Länge der Kündigungsfrist streiten kann.

Und das sage ich Ihnen als Volljurist und viele andere Juristen (mit guten Noten) sehen das übrigens genauso wie ich.

Europarecht ist nicht Privatrecht...

Ob Sie es glauben oder nicht, ich habe auch Jura studiert, allerdings kein Privat-, sondern Europarecht. Und da funktioniert nunmal ein bisschen anders als Privatrecht zwischen 2 Vertragspartnern.

Ihre Thesen sind doch, dass es a) gravierende (!!) Vertragsverletzungen gibt. Schon das ist falsch, denn natürlich gibt es Vertragsvletzungen wie so oft bei internationalen Verträgen und deshalb gibt es einen Europäischen Gerichtshof, der dafür zuständig ist.
Schwerwiegende Vertragsverletzungen können vom Rat nach Artikel 7 EUV geahndet werden, von daher sieht auch das der Vertrag vor. Allerdings wurde das bisher nur 1 mal angewandt und hat nichts mit der aktuellen Situation in Griechenland zu tun.
Daher kann man natürlich laut schreien, dass es gravierende Vertragsverletzungen gibt. Aber dann sieht die wohl kein Europarechtler oder irgendein Richter im EuGH oder im BverfG?

Natürlich könnte man einseitig behaupten, wie Sie es tun, dass diese Vertragsverletzungen bestehen und dann einseitig von einem Vertrag zurücktreten. Aber auch dann würde man sich sehr schnell vor Gericht wiederfinden, denn ich als Staat hätte einiges dagegen, wenn die Bundesrepublik nach Gutdünken meint, sie könnte mal von einem international geschlossenen Vertrag einfach zurücktreten...