Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident François Hollande © Guido Bergmann/dpa

Beim ersten Rendezvous von François Hollande und Angela Merkel war von Romantik wenig zu spüren. Keine Küsschen im Regen von Berlin , nur ein höflicher Handschlag. Keine liebevollen Gesten, bloß nüchterne Politik. Das Treffen der deutschen Kanzlerin mit dem französischen Präsidenten am Tag seiner Vereidigung blieb kühl. Die Beziehung der beiden steht erst am Anfang, doch das Stadium "Schatz, wir müssen reden" ist bereits erreicht. Mit der Verspätung des Franzosen, dessen Flugzeug ein Blitzeinschlag zur Umkehr zwang, hatte das noch am wenigsten zu tun.

Europa schaute darauf, wie dieses ungleiche Paar seine ersten Schritte tat, weil hier – nach allem, was man zuvor voneinander wusste – zwei vermeintlich unvereinbare Positionen aufeinander trafen, wie mit der Krise im Euro-Raum umzugehen sei: Auf der einen Seite Merkels unbeirrbares Spardiktat, das bislang den europäischen Weg aus den Schulden bestimmt hat; auf der anderen Seite Hollandes Wahlkampfmantra vom Wachstum, das vor allem durch Investitionen zu erreichen wäre. Eiserne Haushaltsdisziplin und dennoch die Nachfrage stärken – geht das zusammen? Wirklich beantwortet haben die neuen Partner diese Frage bei ihrem ersten Treffen noch nicht.

Dabei schien es durchaus eine Annäherung zu geben, wenn man nur genau hinhörte zwischen all den Formeln, mit denen Hollande und Merkel die gemeinsame Verantwortung und den Willen zur Zusammenarbeit beschworen. "Ich bin dafür, einen Haushalt solide zu führen", sagte Hollande. Damit wurde klar: Grundsätzlich hat er nichts gegen das Sparen. Das wäre angesichts des französischen Staatsdefizits von mittlerweile 4,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts allerdings auch fahrlässig.

Merkel deutet Entgegenkommen an

Wollte Hollande die europäischen Stabilitätskriterien erfüllen, käme er an Ausgabenkürzungen, wenn nicht gar an Steuererhöhungen kaum vorbei. Manches Wahlversprechen von der Rente mit 60 bis zum Einfrieren der Benzinpreise dürfte währenddessen wie eine Luftblase zerplatzen. Letztlich hätten die Bürger weniger Geld in der Tasche, es würde Einschnitte bei den Sozialleistungen geben, ohne die Garantie, dass es bald wieder aufwärts ginge.

Eigentlich also verständlich, wenn der Franzose danach strebt, die strikte Haushaltsdisziplin des Fiskalpakts aufzuweichen oder zumindest mit einer Wachstumskomponente zu flankieren. Dabei wiederum deutete Merkel wenn schon nicht Wohlwollen, so doch Entgegenkommen an. Warum auch sollte sie etwas gegen Wachstum haben? Nur auf Pump soll es nicht sein. Aber auf Dauer wird auch Deutschland mit seinen boomenden Exporten und kauflustigen Verbrauchern nicht gegen die sich ausweitende Rezession der Euro-Krise immun sein.

Gleichzeitig weiß die Kanzlerin, dass sie mit dem Beharren auf einem reinen Sparkurs für Europa zunehmend isoliert ist – nicht erst seit den Wahlen in Griechenland und Frankreich . Währungsfonds, Europäische Zentralbank und EU-Kommission haben sich längst mit einer Anpassung der Strategie angefreundet. Krisenstaaten in Wartestellung im Süden des gemeinsamen Währungsraums suchen ebenfalls das Licht am Ende des Tunnels. Und innenpolitisch tritt Merkel eine gestärkte SPD entgegen, die in Hollande ihren Verbündeten sieht und den Fiskalpakt im Bundesrat blockieren könnte.