Aufrüstung : Indonesien plant Kauf deutscher Leopard-Kampfpanzer

Die Bundesregierung steht bereits für die geplante Lieferung von Panzern nach Saudi-Arabien in der Kritik. Nun geht die nächste heikle Anfrage ein.
Ein Leopard 2 auf dem Truppenübungsplatz Letzlingen © Sean Gallup/Getty Images

Die indonesische Regierung hat der Bundesregierung ihr Interesse an deutschen Kampfpanzern vom Typ Leopard 2 signalisiert. Der südostasiatische Inselstaat plant seine Armee aufzurüsten und will dabei wie in der Vergangenheit auf Kriegsgerät aus der Bundesrepublik zurückgreifen. Die Anfrage nach schweren Kriegswaffen aus Indonesien fällt mit heftiger Kritik der Opposition im Bundestag an einem der umstrittensten Rüstungsdeals der Nachkriegsgeschichte zusammen: Saudi-Arabien will 270 Leopard 2A7+ von Krauss-Maffei Wegmann (KMW) aus München kaufen . Das Regime in Riad verhandelt momentan mit KMW. Aus Unternehmenskreisen verlautete, der Deal stehe kurz vor dem Abschluss. In der vergangenen Woche hatten Grüne und Linke das geplante Geschäft im Bundestag erneut scharf kritisiert.

Das Interesse Indonesiens an deutschen Kampfpanzern kommt für die Bundesregierung also zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Fachmedien der Rüstungsindustrie hatten jüngst berichtet, Kanzlerin Angela Merkel wolle vor der Bundestagswahl 2013 keine kritischen Rüstungsdeals mehr genehmigen. Seit vergangener Woche lenkt zudem die Kampagne "25.000 Euro" die Aufmerksamkeit auf den Panzerdeal mit Riad.

I n der Vergangenheit hatten Rüstungsgeschäfte mit Indonesien zu Kritik von Menschenrechtsgruppen und Friedensaktivisten geführt. Das Verhältnis des Landes zum Nachbarn Malaysia ist wegen umstrittener Grenzverläufe angespannt. Zudem kämpfen die indonesischen Sicherheitskräfte gegen Aufständische auf mehreren Inseln und gegen islamistische Terroristen. 100 Leopard 2 will die Regierung in Jakarta nun beschaffen. Mit den schweren Panzern sollen die rund 150 leichten Fahrzeuge des indonesischen Heeres ersetzt werden.

Sein Land könne die Panzer direkt aus Deutschland kaufen, sagte der stellvertretende indonesische Verteidigungsminister Sjafrie Sjamsoeddin im Frühjahr der Zeitung Jakarta Post . Indonesien habe zunächst in den Niederlanden angefragt, das künftig komplett ohne Kampfpanzer auskommen will und seine Leopard 2 aussortiert. Der Generalsstabschef Pramono Edhie Wibowo sagte jedoch im März der Jakarta Post , in den Niederlanden gebe es Probleme mit dem Parlament, das Vorbehalte gegen den Verkauf von Panzern an Indonesien habe.

Das Bundesverteidigungsministerium bestätigte das Interesse an dem Waffensystem made in Germany in einer Antwort auf eine Anfrage von Jan van Aken von der Linkspartei. "Die indonesische Regierung hat Anfang 2012 das Bundesministerium der Verteidigung mündlich über ihr Interesse an deutscher Technologie (Kampfpanzer Leopard 2) für die Modernisierung der indonesischen Streitkräfte informiert."

Die Bundeswehr sortiert Panzer aus

Unklar bleibt, ob Indonesien gebrauchte Panzer der Bundeswehr erwerben, oder neue Fahrzeuge vom Generalunternehmer Krauss-Maffei Wegmann bestellen will. Noch liege keine Anfrage der indonesischen Regierung zur Überlassung von Material aus Überschussbeständen der Bundeswehr vor, teilte das Verteidigungsministerium mit: "Auch wurde seitens der Bundesregierung kein Angebot unterbreitet." Indonesische Medien berichteten, ihre Regierung wolle Leopard-Panzer vom Typ A6 und A4 beim deutschen Verteidigungsministerium kaufen, die dann modernisiert werden sollten.

An gebrauchtem Gerät gibt es keinen Mangel: Verteidigungsminister Thomas de Maizière plant, den Bestand an Kampfpanzern in der Bundeswehr weiter zu senken. Künftig soll die Truppe mit rund 220 Leopard 2 auskommen. Der Panzer wird von der Bundeswehr nicht in den aktuellen Auslandseinsätzen verwendet. Die deutschen Streitkräfte haben seit dem Fall der Mauer und dem Ende des Kalten Krieges Hunderte Leoparden aussortiert. Singapur, Chile, Griechenland und die Türkei kauften ausgemusterte Leopard 2 aus Bundeswehrbeständen .

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Kommentare

115 Kommentare Seite 1 von 13 Kommentieren

Wieso nicht

Israel bekommt ja auch waffen. sogar umsonst.
es werden plaene zum selber herstellen von gewehren verkauft. in afghanistan wird saemtliches kriegs geraet beim abzug da gelassen. mitterweile sind da auch panzerhaubitzen. die werden dann auch verkauft.
also was für einen unterschied macht da noch indonesien oder saudi arabien.

Was man alles mit den Leos sonst noch machen Kann:

Josef Joffe:"Die Leos sind wie mit Brillanten besetzte goldene Rolex-Uhren, die in die längst überquellenden Schatullen der Scheichs wandern. Die Schmuckstücke sind zum Angeben, nicht zum Tragen gedacht. Deshalb darf man den Panzer-Export unter "Industriepolitik" einreihen, genauer: unter "Petrodollar-Recycling"

Die Saudis benutzen diese „mit Brillanten besetzten Rolex-Uhren“ ja angeblich für die Falkenjagt als Stoppuhren.

" Im Gegensatz zu Saudia-Arabien ...

... ist Israel allerdings ein demokratischer Rechtstaat ... "

Ja.
Ein demokratischer Rechtsstaat.
Was soviel heißt, wie, dass das Regime mittels Wahlen an die Macht gekommen ist und das, wenn z.B. ein Palästinenser willkürlich von einem IDF-Soldaten abgeknallt wird, dieser theoretisch(!) damit rechnen muss, dafür vor einem Gericht zu landen und bestraft zu werden.

Klar, dass ist besser als die Situation in Saudi Arabien oder im Iran, wo es für die Opfer staatlicher Gewalt nichtmal theoretisch irgendwelche Rechtsmittel gibt.
Aber trotzdem kein Grund, dorthin Waffen zu liefern, erst recht nicht, Waffen zu verschenken.

@69: "Indonesien ist nicht das Terrain ..."

Wie wollen Sie das begründen?

Das Territorium, ob autochton oder annektiert, ist gut 5 x so groß wie das der BRD.
Die terrestrischen Grenzen zu den Nachbarstaaten Malyasia, Papua-Neuguinea und Osttimor sind über 2.000 km lang.
Westguinea wurde 1962 völkerrechtswidrig annektiert, Osttimor von 1974-1999 annektiert. Genozidale Austreibungs- und "Besiedelungs-"okkupationen. Bilanz: mehrere 100.000 getötete indigene Zivilisten.

ziemlich...

...dumm und einfach gedacht bzw. geschrieben, das wenn man Selbst in einem reichen Land lebt und von dessen hoch entwickelten Produkten in jeglicher Form partizipiert, herummeckert. Geht's noch??!! ALLE Industieländer nehmen für sich das uneingeschränkte Recht auch auf Waffengeschäfte in Anspruch, warum sollen ausgerechnet wir mit dem größten know how und Exporterfolgen darauf freiwillig verzichten? Es kann nur heißen Alle oder Keiner, denn Waffen sind immer im Umlauf. Alles andere ist Lebenslüge.

Sie sitzen den Irrtümern typischer "Realpolitiker" auf,

geschätzer Mitforist "reiserolli".
Ist es eine akzeptable Haltung, zu sagen: Wenn wir das Unheilvolle nicht tun, dann tun es andere?
Meiner Ansicht nach jedenfalls nicht. Sondern jeder Staat, welcher auf Rüstungsexport verzichtet, bedeutet: eine Waffenquelle weniger. Und da Deutschland nun auch noch ein wirtschaftlich und politisch einflußreiches Land ist, würde ein solches Signal viel bewirken.
Kriegsursachen sind oft komplex - aber die Tatsache, daß Rüstungsfirmen und Waffenhändler mit ihrem Gewerbe mit gewaltige Profite erzielen, bestimmt zweifellos Verlauf und Intensität bewaffneter Konflikte auf der Welt: Nachschub von Waffen und Munition heizt Konflikte an und macht ihre friedliche Lösung unwahrscheinlicher, moderne Waffen zudem - wie z. B. die fluchwürdige AK-47 - erhöhen die Intensität und steigern die Bilanz an Toten und Verstümmelten. Welche dann, sollte mal ein Waffenstillstand geschlossen werden, erst recht Anlaß für Revanchegelüste beider Seiten ist, so daß die Kriegsprofiteure schon bald wieder hinzuverdienen können ...
Es ist sicher problematisch, einem Arbeiter bei KWM, MBB oder Heckler & Koch seine Tätigkeit vorzuwerfen - aber sinnvoll ist sie jedenfalls nicht (dies gilt für andere Tätigkeiten sicher auch). Und umso höher man aber im Management steigt, desto größer wird die Mitverantwortung für Kriegsunheil in der Welt. Aber sicher werden die Topmanager der Rüstungsindustrie antworten, sie müßten ja auch bloß ihre Familien ernähren ...

"Alle oder Keiner"

" Geht's noch??!! ALLE Industieländer nehmen für sich das uneingeschränkte Recht auch auf Waffengeschäfte in Anspruch, warum sollen ausgerechnet wir mit dem größten know how und Exporterfolgen darauf freiwillig verzichten? Es kann nur heißen Alle oder Keiner, denn Waffen sind immer im Umlauf. Alles andere ist Lebenslüge. "

Die einzige Lebenslüge ist die, dass so etwas wie Zivilisation existieren könnte, wenn alle ihr Mitglieder faule Opportunisten und Mitläufer wären, die ihre Entscheidungen einzig davon abhängig machen, ob es ihnen selbst einen Vorteil bringt und jedwege Anstrengung scheuen, das eigene Leben an so etwas wie moralischen Prinzipien auszurichten.

Seltsame Bigotterie ...

... was hat man nicht vor dem Eurovision Wettbewerb auf die schlimme Menschenrechtslage hingewiesen oder im Falle von Weißrussland gar eine eigene Ikone gegen die tyrannische Herrschaft erkoren; immer mit neuen Meldungen. Und natürlich haben sich auch unsere Politiker geäußert und die Menschenrechtslage verurteilt. Undenkbar, dass man an solche Staaten Waffen, die letztendlich gegen die eigene Bevölkerung gerichtet wird, liefert. Außer bei Saudi-Arabien und ähnlichen zahlfähigen Staaten, da spielt Moral und Menschenrecht keine Rolle mehr. Erinnert sich noch jemand daran zurück wie die Saudi-Araber einen - eigentlich vom Westen prinzipiell sympathisierten - Aufstand in Bahrain gegen die korrupte und menschenverachtende Regierung mit Panzern niedergeschlagen haben? Gut, dass wir Deutschen uns darum gekümmert haben, dass Saudi-Arabiens antidemokratische Haltung (es ist eines der letzten Plätze auf dem Demokratie-Index!) zementiert wird. Aber klar, geht ja auch um die Wirtschaft und eigentlich gibt es ja schon genug Schurken, da braucht man nicht noch die Saudi's kritisieren, man hat ja Syrien, Weißrussland, Kasachstan und mindestens 160 weitere Staaten, mit einer menschenverachtenden Regierung, die es eventuell zu intervenieren gilt.
Und jetzt Indonesien. Das Land mit den meisten Muslimen und da dort auch Armut herrscht sicherlich ein Land, in dem - neben der autoritären Regierung - Islamismus einen guten Nährboden findet. Aber das geht schon in Ordnung. Sie zahlen.

Autoritaere Regierung?

Sie scheinen im Hinblick auf Indonesien noch in der Vergangenheit zu leben. Indonesien hat seit fast 15 Jahren eine demokratische Regierung, keine autoritaere. Bei allen internen Problemen des Landes koennen sich alle anderen Laender der Region im Hinblick auf die Demokratieentwicklung eine Scheibe an Indonesien abschneiden.

Eine funktionierende Demokratie wie Indonesien mit dem wahabitisch-feudalen und unfreien Saudi-Arabien auf eine Stufe zu stellen, nur weil in beiden Laender Moslems leben, ist schon eine ziemliche Frechheit.

die Rüstungsindustrie

ist wohl das neue deutsche Wirtschaftswunder-so wie wir den Ausstieg aus der Atomindustrie entschieden haben wäre die nächste Entscheidung keine Rüstung mehr zu produzieren sicherlich auch eine Revolution im deutschen Denken-

immerhin stehen wir ja auch mit dem Atomausstieg fast alleine auf der Welt-

und jetzt bitte nicht wieder die Arbeitsplätze die dann verloren gehen ins Argumentationsfeld führen, sondern darüber nachdenken ob dieser Industriezweig nicht auch etwas Sinnvolles produzieren könnte das den Menschen gut tur-

man stelle sich diese Entscheidung der deutschen Regierung einmal vor, dieses würde sicherlich nicht schaden sondern nutzen-und die ganze Welt würde auf uns schauen und das sicherlich positiv-

Ohne Rüstung geht es nicht,

Frieden lässt sich nicht von oben verordnen, und Feinde aller Art, von Unrechtstaaten bis zu Terrorgruppen gibt es immer. Außerdem entstehen bei der Entwicklung von Militärtechnik zahlreiche technologische Innovationen, die langfristig auch der Allgemeinheit zugute kommen, von der Weltraumfahrt, über das Internet, und das Motiontracking (Zielerfassung- und Verfolgung) für die Tricktechnik, bis hin zu GPS und dem A380.

@ #57

Tja zu schade nur, dass es in der Geschichte der Menschheit schon immer Waffen gab und sich das vorraussichtlich auch nicht ändern wird. Zu glauben, die Welt stünde ohne Waffen da, nur weil die Top 10 Waffenexporteure nichts mehr liefern, ist einfach nur naiv. Keine Waffen zu haben bedeutet für manche eine Notlage, und Not macht erfinderisch. Dann werden einfach neue Waffen gebaut, vielleicht nicht gleich so perfekt und modern, aber zum Zivilisten abknallen wird es immer reichen, davon ist auszugehen.

Indonesien hat keine äußeren Feinde

Die Rüstung der indonesischen Armee wird derzeit ausschließlich dazu gebraucht, die eigenen Völkerschaften unter Kontrolle zu halten. Äußere Feinde gibt es nicht! Die indonesische Armee ist nach wie vor eines der größten Wirtschaftsunternehmen der viertgrößten Demokratie der Welt - in der momentan die islamischen Hardliner immer mehr an Einfluss gewinnen und die von einem ehemaligen Armee-General regiert wird... Gerade erst hat man wegen des Drucks von lokalen Islamistengruppen auf dem seit Jahrhunderten protestantischen (sic! die Bonn-Beuler Mission war da) Sumatra 17 Kirchen schließen lassen. Ohne Rüstung geht es nicht - auch im "toleranten Tropenislam" Indonesiens... Ob wir DAS unterstützen sollten?

Innovation durch Krieg

" Außerdem entstehen bei der Entwicklung von Militärtechnik zahlreiche technologische Innovationen, die langfristig auch der Allgemeinheit zugute kommen ... "

Dass ist wie bei neoklassischen Ökonomen, die glauben es sei effizient, einen Spatzen zu füttern, indem man ein Pferd hält und das kleine Vögelchen fortan vom Pferdekot zu ernähren ("thrickle down"-Theorie).

Oder Politiker die glauben, es sei vernünftig, einer Bank 100 Milliarden zinsgünstig zu leihen, damit die der Wirtschaft 10 Milliarden für Investition leiht und den Rest als billiges Spielgeld fürs Finanzkasino nimmt.

Es ist zwar richtig, dass bei der Entwicklung von Militärtechnik immer auch neue gewisse Technologien oder Innovationen entstehen, die später zivil genutzt werden.

Diese Technologien und Inovationen können sie aber auch komplett abseits des Militärischen haben.
Der Staat müsste halt nur die Entwicklung finanzieren.
Prinzipiell ganz einfach.
Und das wäre viel viel billiger, ressourcenschonender und ohne Tot und Elend anderer in Kauf zu nehmen.

Der ehemalige Armeegeneral...

der jetzt Präsident ist, war einer der Architekten des Friedens und der Unabhängigkeit von Ost-Timor sowie der Beilegung des Konflikts in Aceh und er war 1988 eine der Hauptfiguren in der Armee, die sich dafür eingesetzt haben, dass die Demokratiebewegung damals nicht brutal niedergeschlagen wurde.
Wollen Sie ihm das jetzt vorwerfen? Die indonesische Bevölkerung tut es ganz offensichtlich nicht, sie hat ihn zweimal mit großer Mehrheit zum Präsidenten gewählt.

Und wen meinen Sie konkret, wenn Sie schreiben, dass "die islamischen Hardliner immer mehr an Einfluss gewinnen"? Meinen Sie die paar tausend Salfisten, die medienwirksam auf sich aufmerksam machen, wenn sie z.B. Wirte verprügeln, die im Ramadan Schweinewürstchen verkaufen, deren Partei bei Wahlen in Indonesien aber ständig marginal unter "Sonstige" landet?

Ihre Aussage

nach der Indonesien keine aeusseren Feinde habe, wird wohl von kaum jemandem in Indonesien geteilt, insbesondere im Hinblick auf die schwelenden Konflikte mit Malaysia. Im uebrigen leisten sich auch alle anderen Laender ohne aeusseren Feinde in der Regel eine Armee - z.B. die Bundesrepublik, ohne dass ich mich erinnern kann, dass die Bundeswehr daher vor allem gegen die eigene Bevoelkerung eingesetzt wird. Ihr Argument ist daher per se nicht besonders stichhaltig.

Das Bild, das Sie von Indonesien zeichnen, kann man auch anders darstellen: ein Land, dass sich aus eigener Kraft die Demokratie erkaempft, mit Wahlen, die internationalen Standards genuegen, einem hohen Mass an Presse- und Buergerfreiheiten, einem toleranten Staat, der alle Religionen (trotz grosser islamischer Mehrheit) als gleichberechtigt ansieht, ein Praesident, der Ost-Timor in die Selbstaendigkeit entlassen und Frieden geschlossen hat, der den jahrhundertealten bewaffneten Konflikt in Banda Aceh beendet hat...das alles sollen wir nicht unterstuetzten? Dass es daneben genug Konflikte in einem so grossen und bevoelkerungsreichen Land gibt - geschenkt! Bei aller grundsaetzlichen Reserviertheit gegenueber Waffenexporten sollte man aber doch beruecksichtigen, ob der Empfaengerstaat eine (wehrhafte) Demokratie ist oder ein vielleicht oelreiches, aber undemokratisches und hoechst unfreies Regime wie Saudi-Arabien ist.

Beispielhafte Demokratie - mit Panzern?

Die "Beilegung des Konflikts in Aceh" endete in einem Verhängen der islamischen Scharia über das Gebiet. Ich sah die Scharia-Polizei dort verschleierte Frauen verhaften, weil die Ärmel ihrer Blusen zu kurz waren. Dort wurden auch erst vor einigen Tagen durch den Staat (!) 17 protestantische Kirchen geschlossen, weil die islamistische FPI es so wollte. Und vor drei Tagen, um ein aktuelles Beispiel anzuführen, "verbot" die FPI dem Staat eine komplett ausverkauftes Lady-Gaga-Konzert in der indonesischen 19-Millionen-Metropole Jakarta "aus religiösen Gründen". Diese Art "islamistischer Hardliner" meine ich! Aber vielleicht braucht Susilo Bambang Yudhoyono die Leopard-Panzer ja, um die Demokratie gegen diese gesamtgesellschaftlich immer mehr an Einfluss gewinnenden Islamisten zu bekämpfen...? Und nicht etwa die Unabhängkeitsbewegung West-Papuas, welches seit 1969 unter äußerst fragwürdigen Umständen (vgl. http://de.wikipedia.org/w...) von Indonesien besetzt ist? Indonesien ist eine starke und beispielhafte, islamisch dominierte Demokratie - wozu also braucht es deutsche Leopardpanzer?

Ja und?

Ihnen scheint ein Buergerkrieg in Banda Aceh also einer (sehr gemaessigten) Form der Scharia, die von der ueberwaeltigenden Mehrheit der Bevoelkerung dort gewuenscht wird, also als das kleinere Uebel. Mir nicht.

Im uebrigen ist mir nicht klar, warum Sie so sehr bemueht sind, die indonesische Regierung als Instrument islamistischer Hardliner darzustellen. Mit der Realitaet hat das absolut nichts zu tun.

Im Gegenteil

Lieber Doktor Faust, dass die Scharia in Aceh ein Wunsch der Mehrheit gewesen sei, ist nachweislich Unfug und Teil der dazugehörigen Regierungspropaganda (faktische Informationen aus erster Hand siehe z.B.: http://home.snafu.de/watc...). Es war im Gegenteil ein raffiniertes Mittel, um ein nach Unabhängigkeit strebendes Volk endgültig zu disziplinieren. Und ich sehe die indonesische Regierung keineswegs als Instrument islamistischer Hardliner: Sie ist aber oft genug deren Geisel. Trotz sinkender Wählerstimmen jagen die einflussreichen Islamisten gesellschaftspolitisch die Regierung immer wieder vor sich her - aktuell bei den Kirchenschließungen oder dem Konzertverbot für Lady Gaga... Die Demokratie sieht in letzter Zeit oft blaß, kraftlos und müde aus in Indonesien, leider. Das ist die Realität, die auch viele Indonesier frustriert.

Danke für den kenntnisreichen Kommentar,

Indonesien ist zweifellos nicht das "Musterland", in welches Deutschland nach seinen eigenen Kriterien Waffen exportieren sollte.
Aber mal abgesehen von derartigen Kriterien: Grundsätzlich sollten gar keine Waffen hergestellt und selbstverständlich auch keine gehandelt werden!
Dies müßte das Fernziel einer jeden demokratischen und verantwortungsbewußten Regierung sein. Und der Weg zu diesem Ziel sollte durch konkrete Schritte, welche Waffenproduktion und -besitz in wachsendem Maße einschränken, glaubhaft gemacht werden.
Nichts davon in Deutschland (und den meisten anderen demokratischen Ländern mit nennenswerter Rüstungsindustrie). Dabei wäre es ein Gebot der Stunde, die Rüstungskonzerne zu zerschlagen und - in einem Zwischenschritt - die zur Zeit noch für unbedingt nötig erachtete Waffenproduktion, etwa für die Polizei, zu verstaatlichen.
Ziel muß eine Abschaffung der Profiterzielung durch Waffenherstellung und -handel sein. Die Arbeiter, also die eigentlichen Produzenten, müßten durch geeignete Sozialmaßnahmen in menschenfreundlichere Tätigkeiten umgelenkt werden.
Alles andere perpetuiert die heuchlerischen Sonntagsreden der Politiker, denen die Realität der Toten und Verstümmelten in aller Welt gegenübersteht.

Wahlergebnisse

die in einer demokratischen Wahl zustande gekommen sind, als Regierungspropaganda zu bezeichnen, ist schon recht abwegig. Und dass die Parteien, die fuer die Einfuehrung der Scharia in Banda Aceh in recht gemaessigter Form dort die Mehrheit haben, werden wohl selbst Sie nicht bestreiten. Gut, Sie scheinen die Fortdauer des Buergerkriegs dort der bestehenden Situation vorzuziehen. Man muss kein Freund der Scharia sein, um das fuer unakzeptabel zu halten.

Dass es in einem Land mit 250 Millionen Einwohnern auch ein paar Gruppierungen gibt, die fundamentalistisches und intolerantes Gedankengut vertreten, hat niemand bestritten. Sie sollten aber nicht so tun, als seien diese Splittergruppen repraesentativ fuer Indonesien. Im uebrigen hat kein anderes mehrheitlich muslimisches Land so viele Terroristen verhaftet und verurteilt wie Indonesien.

Ihr Indonesienbild scheint sehr stark von Vorurteilen, aber eher wenig von persoenlicher Erfahrung gepraegt zu sein.

Im Gegenteil 2

Seit wann ist die Scharia in Aceh das Ergebnis einer Wahl gewesen? Das war ein kluger Schachzug der Zentralregierung in Jakarta und die Bedingung dafür, dass die demokratisch gewählte GAM lokal regieren durfte. Der Bürgerkrieg dort war ein jahrzehntelanger Freiheitskampf, bei dem auf Regierungsseite übrigens auch alte NVA-Ausrüstung aus Helmut Kohls Freundschafts-Lieferungen an Suharto zum Einsatz kam; eine Leopardpanzerlieferung würde deshalb in unguter Tradition stehen. Die Befriedung des Acehs-Konflikts hat nichts mit der Schariaverhängung (die eine Folge, keine Ursache war), sondern vor allem mit dem Tsunami von 2004 und geduldiger schwedischer Vermittlung zu tun. (Meine Meinung über Indonesien verdanke ich übrigens zahlreichen beruflichen Aufenthalten zwischen Aceh und Westpapua sowie täglichem Austausch mit zahlreichen indonesischen Freunden vor Ort.)