AufrüstungIndonesien plant Kauf deutscher Leopard-Kampfpanzer

Die Bundesregierung steht bereits für die geplante Lieferung von Panzern nach Saudi-Arabien in der Kritik. Nun geht die nächste heikle Anfrage ein. von 

Ein Leopard 2 auf dem Truppenübungsplatz Letzlingen

Ein Leopard 2 auf dem Truppenübungsplatz Letzlingen  |  © Sean Gallup/Getty Images

Die indonesische Regierung hat der Bundesregierung ihr Interesse an deutschen Kampfpanzern vom Typ Leopard 2 signalisiert. Der südostasiatische Inselstaat plant seine Armee aufzurüsten und will dabei wie in der Vergangenheit auf Kriegsgerät aus der Bundesrepublik zurückgreifen. Die Anfrage nach schweren Kriegswaffen aus Indonesien fällt mit heftiger Kritik der Opposition im Bundestag an einem der umstrittensten Rüstungsdeals der Nachkriegsgeschichte zusammen: Saudi-Arabien will 270 Leopard 2A7+ von Krauss-Maffei Wegmann (KMW) aus München kaufen . Das Regime in Riad verhandelt momentan mit KMW. Aus Unternehmenskreisen verlautete, der Deal stehe kurz vor dem Abschluss. In der vergangenen Woche hatten Grüne und Linke das geplante Geschäft im Bundestag erneut scharf kritisiert.

Das Interesse Indonesiens an deutschen Kampfpanzern kommt für die Bundesregierung also zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Fachmedien der Rüstungsindustrie hatten jüngst berichtet, Kanzlerin Angela Merkel wolle vor der Bundestagswahl 2013 keine kritischen Rüstungsdeals mehr genehmigen. Seit vergangener Woche lenkt zudem die Kampagne "25.000 Euro" die Aufmerksamkeit auf den Panzerdeal mit Riad.

Anzeige

I n der Vergangenheit hatten Rüstungsgeschäfte mit Indonesien zu Kritik von Menschenrechtsgruppen und Friedensaktivisten geführt. Das Verhältnis des Landes zum Nachbarn Malaysia ist wegen umstrittener Grenzverläufe angespannt. Zudem kämpfen die indonesischen Sicherheitskräfte gegen Aufständische auf mehreren Inseln und gegen islamistische Terroristen. 100 Leopard 2 will die Regierung in Jakarta nun beschaffen. Mit den schweren Panzern sollen die rund 150 leichten Fahrzeuge des indonesischen Heeres ersetzt werden.

Sein Land könne die Panzer direkt aus Deutschland kaufen, sagte der stellvertretende indonesische Verteidigungsminister Sjafrie Sjamsoeddin im Frühjahr der Zeitung Jakarta Post . Indonesien habe zunächst in den Niederlanden angefragt, das künftig komplett ohne Kampfpanzer auskommen will und seine Leopard 2 aussortiert. Der Generalsstabschef Pramono Edhie Wibowo sagte jedoch im März der Jakarta Post , in den Niederlanden gebe es Probleme mit dem Parlament, das Vorbehalte gegen den Verkauf von Panzern an Indonesien habe.

Das Bundesverteidigungsministerium bestätigte das Interesse an dem Waffensystem made in Germany in einer Antwort auf eine Anfrage von Jan van Aken von der Linkspartei. "Die indonesische Regierung hat Anfang 2012 das Bundesministerium der Verteidigung mündlich über ihr Interesse an deutscher Technologie (Kampfpanzer Leopard 2) für die Modernisierung der indonesischen Streitkräfte informiert."

Die Bundeswehr sortiert Panzer aus

Unklar bleibt, ob Indonesien gebrauchte Panzer der Bundeswehr erwerben, oder neue Fahrzeuge vom Generalunternehmer Krauss-Maffei Wegmann bestellen will. Noch liege keine Anfrage der indonesischen Regierung zur Überlassung von Material aus Überschussbeständen der Bundeswehr vor, teilte das Verteidigungsministerium mit: "Auch wurde seitens der Bundesregierung kein Angebot unterbreitet." Indonesische Medien berichteten, ihre Regierung wolle Leopard-Panzer vom Typ A6 und A4 beim deutschen Verteidigungsministerium kaufen, die dann modernisiert werden sollten.

An gebrauchtem Gerät gibt es keinen Mangel: Verteidigungsminister Thomas de Maizière plant, den Bestand an Kampfpanzern in der Bundeswehr weiter zu senken. Künftig soll die Truppe mit rund 220 Leopard 2 auskommen. Der Panzer wird von der Bundeswehr nicht in den aktuellen Auslandseinsätzen verwendet. Die deutschen Streitkräfte haben seit dem Fall der Mauer und dem Ende des Kalten Krieges Hunderte Leoparden aussortiert. Singapur, Chile, Griechenland und die Türkei kauften ausgemusterte Leopard 2 aus Bundeswehrbeständen .

Leserkommentare
  1. Israel bekommt ja auch waffen. sogar umsonst.
    es werden plaene zum selber herstellen von gewehren verkauft. in afghanistan wird saemtliches kriegs geraet beim abzug da gelassen. mitterweile sind da auch panzerhaubitzen. die werden dann auch verkauft.
    also was für einen unterschied macht da noch indonesien oder saudi arabien.

    8 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...die deutschen Waffen überlassen werden, können Sie das belegen?

    Im Gegensatz zu Saudia-Arabien ist Israel allerdings ein demokratischer Rechtstaat, daher halte ich es auch für falsch, dass Saudi-Arabien sogar das technologische Wissen erhalten hat, um das G36 selbst zu produzieren.

    • joG
    • 29. Mai 2012 16:05 Uhr

    ...oder sollte man vielleicht nachdenken darüber, ob man selbst einmal gegen seine Panzer wird kämpfen müssen. Hätte man Syrien Panzer geliefert so würde das geschehen, wenn man in einem R2P Einsatz Soldaten schicken würde. Da ist der Gewinn aus vielen Geschäften rasch verbraucht.

    • Afa81
    • 29. Mai 2012 17:26 Uhr

    Also, dazu würde mich auch mal eine Quelle interessieren. Weil das wäre unverantwortlich und eine riesige Sauerei.

    Oder ist das ein billiger Versuch der Diffamierung?

    • cvnde
    • 29. Mai 2012 18:07 Uhr

    Davon träumern Sie vielleicht, aber die Afghanis können mit demGerät doch nichts anfangenm, weil die Ausbildung fehlt und die Ersatzteile.

    Außerdem was will Indonesien mit schweren Leo2?

    Indonesien ist nun nicht das Terrain auf dem man schwere MBT einsetzt.

  2. Atomwaffen made in Germany? Nordkorea, Sudan, Syrien, Israel (Rund um die Welt), bis wir uns gegenseitig in die ewigen strahlenden Gründe befördern?

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...dumm und einfach gedacht bzw. geschrieben, das wenn man Selbst in einem reichen Land lebt und von dessen hoch entwickelten Produkten in jeglicher Form partizipiert, herummeckert. Geht's noch??!! ALLE Industieländer nehmen für sich das uneingeschränkte Recht auch auf Waffengeschäfte in Anspruch, warum sollen ausgerechnet wir mit dem größten know how und Exporterfolgen darauf freiwillig verzichten? Es kann nur heißen Alle oder Keiner, denn Waffen sind immer im Umlauf. Alles andere ist Lebenslüge.

    Mit Waffensystem dieser Art kann man viel mehr nachhaltige Geschäfte gestalten. Service, Aufrüstung durch neue Nachfolgesysteme, Empfehlung an befreundete Länder.

  3. ... was hat man nicht vor dem Eurovision Wettbewerb auf die schlimme Menschenrechtslage hingewiesen oder im Falle von Weißrussland gar eine eigene Ikone gegen die tyrannische Herrschaft erkoren; immer mit neuen Meldungen. Und natürlich haben sich auch unsere Politiker geäußert und die Menschenrechtslage verurteilt. Undenkbar, dass man an solche Staaten Waffen, die letztendlich gegen die eigene Bevölkerung gerichtet wird, liefert. Außer bei Saudi-Arabien und ähnlichen zahlfähigen Staaten, da spielt Moral und Menschenrecht keine Rolle mehr. Erinnert sich noch jemand daran zurück wie die Saudi-Araber einen - eigentlich vom Westen prinzipiell sympathisierten - Aufstand in Bahrain gegen die korrupte und menschenverachtende Regierung mit Panzern niedergeschlagen haben? Gut, dass wir Deutschen uns darum gekümmert haben, dass Saudi-Arabiens antidemokratische Haltung (es ist eines der letzten Plätze auf dem Demokratie-Index!) zementiert wird. Aber klar, geht ja auch um die Wirtschaft und eigentlich gibt es ja schon genug Schurken, da braucht man nicht noch die Saudi's kritisieren, man hat ja Syrien, Weißrussland, Kasachstan und mindestens 160 weitere Staaten, mit einer menschenverachtenden Regierung, die es eventuell zu intervenieren gilt.
    Und jetzt Indonesien. Das Land mit den meisten Muslimen und da dort auch Armut herrscht sicherlich ein Land, in dem - neben der autoritären Regierung - Islamismus einen guten Nährboden findet. Aber das geht schon in Ordnung. Sie zahlen.

    6 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Sie scheinen im Hinblick auf Indonesien noch in der Vergangenheit zu leben. Indonesien hat seit fast 15 Jahren eine demokratische Regierung, keine autoritaere. Bei allen internen Problemen des Landes koennen sich alle anderen Laender der Region im Hinblick auf die Demokratieentwicklung eine Scheibe an Indonesien abschneiden.

    Eine funktionierende Demokratie wie Indonesien mit dem wahabitisch-feudalen und unfreien Saudi-Arabien auf eine Stufe zu stellen, nur weil in beiden Laender Moslems leben, ist schon eine ziemliche Frechheit.

  4. ist wohl das neue deutsche Wirtschaftswunder-so wie wir den Ausstieg aus der Atomindustrie entschieden haben wäre die nächste Entscheidung keine Rüstung mehr zu produzieren sicherlich auch eine Revolution im deutschen Denken-

    immerhin stehen wir ja auch mit dem Atomausstieg fast alleine auf der Welt-

    und jetzt bitte nicht wieder die Arbeitsplätze die dann verloren gehen ins Argumentationsfeld führen, sondern darüber nachdenken ob dieser Industriezweig nicht auch etwas Sinnvolles produzieren könnte das den Menschen gut tur-

    man stelle sich diese Entscheidung der deutschen Regierung einmal vor, dieses würde sicherlich nicht schaden sondern nutzen-und die ganze Welt würde auf uns schauen und das sicherlich positiv-

    14 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Frieden lässt sich nicht von oben verordnen, und Feinde aller Art, von Unrechtstaaten bis zu Terrorgruppen gibt es immer. Außerdem entstehen bei der Entwicklung von Militärtechnik zahlreiche technologische Innovationen, die langfristig auch der Allgemeinheit zugute kommen, von der Weltraumfahrt, über das Internet, und das Motiontracking (Zielerfassung- und Verfolgung) für die Tricktechnik, bis hin zu GPS und dem A380.

    Ihre Meinung, doch auf die von Ihnen dabei aufgezählten Produkte könnte die Welt sicherlich völlig schmerzfrei verzichten-und die Rüstung in Deutschland nicht mehr zu produzieren heißt ja sicherlich nicht das es dann keine mehr gibt-jedoch wären wir sicherlich das erste Angiffsziel das Terroristen dann von ihrer Liste streichen würden

  5. Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Der gewinn von den Waffengeschäft geht dann direkt an die Griechen? Na dann sind die Griechen sehr dankbar...und können so mit dieser finanzieller "Hilfe" weiterhin die deutsche waffenindustrie unterstützen! Bei mancher Leser Kommentare wird mir immer klarer warum Deutschland bei der PISA Studie immer so gut abschneidet...Bild euch eure Meinung!

  6. ...die deutschen Waffen überlassen werden, können Sie das belegen?

    Im Gegensatz zu Saudia-Arabien ist Israel allerdings ein demokratischer Rechtstaat, daher halte ich es auch für falsch, dass Saudi-Arabien sogar das technologische Wissen erhalten hat, um das G36 selbst zu produzieren.

    Antwort auf "Wieso nicht"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Entfernt. Bitte verfassen Sie sachliche Kommentare zum konkreten Artikelthema. Danke, die Redaktion/au.

    ... ist Israel allerdings ein demokratischer Rechtstaat ... "

    Ja.
    Ein demokratischer Rechtsstaat.
    Was soviel heißt, wie, dass das Regime mittels Wahlen an die Macht gekommen ist und das, wenn z.B. ein Palästinenser willkürlich von einem IDF-Soldaten abgeknallt wird, dieser theoretisch(!) damit rechnen muss, dafür vor einem Gericht zu landen und bestraft zu werden.

    Klar, dass ist besser als die Situation in Saudi Arabien oder im Iran, wo es für die Opfer staatlicher Gewalt nichtmal theoretisch irgendwelche Rechtsmittel gibt.
    Aber trotzdem kein Grund, dorthin Waffen zu liefern, erst recht nicht, Waffen zu verschenken.

  7. Frieden lässt sich nicht von oben verordnen, und Feinde aller Art, von Unrechtstaaten bis zu Terrorgruppen gibt es immer. Außerdem entstehen bei der Entwicklung von Militärtechnik zahlreiche technologische Innovationen, die langfristig auch der Allgemeinheit zugute kommen, von der Weltraumfahrt, über das Internet, und das Motiontracking (Zielerfassung- und Verfolgung) für die Tricktechnik, bis hin zu GPS und dem A380.

    6 Leserempfehlungen
    Antwort auf "die Rüstungsindustrie"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Ohne Rüstung geht es nicht"

    Ohne Rüstung geht was nicht?

    ... die berühmte Teflonpfanne vergessen !

    Keine Kriege, ohne Waffen.
    Keine Waffen, ohne Kriege.
    Ohne Kriege, keine Waffen.
    Und ohne Waffen, keine Kriege.

    So einfach kann es manchmal sein.

    • asx
    • 29. Mai 2012 17:16 Uhr

    Ich stimme vollständig zu.
    Es empfiehlt sich, mal einen Blick auf die Haupttatwaffen der Genozide in Ruanda und Kambodscha zu werfen.
    Überraschenderweise keine Panzer, sondern Äxte, Macheten, Benzin etc. Alles originär Rüstungsgüter, ohne die unser Alltag sicher schöner wäre...

    • TRK
    • 29. Mai 2012 18:39 Uhr

    brauchen wir das alles?????

    Die Rüstung der indonesischen Armee wird derzeit ausschließlich dazu gebraucht, die eigenen Völkerschaften unter Kontrolle zu halten. Äußere Feinde gibt es nicht! Die indonesische Armee ist nach wie vor eines der größten Wirtschaftsunternehmen der viertgrößten Demokratie der Welt - in der momentan die islamischen Hardliner immer mehr an Einfluss gewinnen und die von einem ehemaligen Armee-General regiert wird... Gerade erst hat man wegen des Drucks von lokalen Islamistengruppen auf dem seit Jahrhunderten protestantischen (sic! die Bonn-Beuler Mission war da) Sumatra 17 Kirchen schließen lassen. Ohne Rüstung geht es nicht - auch im "toleranten Tropenislam" Indonesiens... Ob wir DAS unterstützen sollten?

    " Außerdem entstehen bei der Entwicklung von Militärtechnik zahlreiche technologische Innovationen, die langfristig auch der Allgemeinheit zugute kommen ... "

    Dass ist wie bei neoklassischen Ökonomen, die glauben es sei effizient, einen Spatzen zu füttern, indem man ein Pferd hält und das kleine Vögelchen fortan vom Pferdekot zu ernähren ("thrickle down"-Theorie).

    Oder Politiker die glauben, es sei vernünftig, einer Bank 100 Milliarden zinsgünstig zu leihen, damit die der Wirtschaft 10 Milliarden für Investition leiht und den Rest als billiges Spielgeld fürs Finanzkasino nimmt.

    Es ist zwar richtig, dass bei der Entwicklung von Militärtechnik immer auch neue gewisse Technologien oder Innovationen entstehen, die später zivil genutzt werden.

    Diese Technologien und Inovationen können sie aber auch komplett abseits des Militärischen haben.
    Der Staat müsste halt nur die Entwicklung finanzieren.
    Prinzipiell ganz einfach.
    Und das wäre viel viel billiger, ressourcenschonender und ohne Tot und Elend anderer in Kauf zu nehmen.

  8. Nachdem Griechenland zunächst mal als Käufer für neue Waffensysteme ausfällt, müssen die Rüstungsschmieden neue Kunden akquirieren.

    Indonesien hat nicht genug Geld um die Menschen zu füttern, aber für Leopard 2 reicht es.

    Nur wer im Wohlstand lebt, lebt angenehm (B.Brecht)

    12 Leserempfehlungen

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service