Die Erwartungen an die heute begonnenen neuen Gespräche mit dem Iran über sein umstrittenes Atomprogramm sind hoch, die Hoffnungen auf eine Lösung des Streits trotz positiver Entwicklungen vorher gleichwohl gedämpft. Zwar hatte der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA , Yukiya Amano, nach seinem Besuch in Teheran am Dienstag bereits eine Einigung angekündigt : Schon in den kommenden Tagen könne demnach ein Abkommen unterzeichnet werden, das die Überprüfung iranischer Atomanlagen durch ausländische Inspektoren regeln soll. Sich von den Verhandlungen einen Durchbruch zu versprechen, wäre aber sicher allzu optimistisch.

Dafür gehen die bisher bekannt gewordenen Zugeständnisse des Iran nicht weit genug. Und der Zugang zu den Nukleareinrichtungen ist auch nur eine Seite dessen, was die fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats und Deutschland bei dem Treffen in der irakischen Hauptstadt Bagdad erreichen wollen. Ihr Ziel wird es sein, den Iran dazu zu bringen, die Anreicherung von Uran auf 20 Prozent ganz einzustellen und darüber hinaus bereits in größeren Mengen hoch angereichertes Spaltmaterial ins Ausland abzugeben.

Die lange versteckt gebliebene Anreicherungsanlage in Fordo, nahe der heiligen Stadt Ghom, wollen sie am liebsten demontiert sehen. Sie ist das Sinnbild aller Befürchtungen des Westens, nach denen der Iran neben den bereits inspizierten Einrichtungen im Geheimen an einer Atombombe arbeitet – und bei den Verhandlungen auf Zeit spielt, um seine Anlagen vor einem Angriff zu schützen. Einen solchen Schritt lehnt der Iran aber offenbar weiter ab.

Von ähnlich zentraler Bedeutung für die Verhandlungen wird der Zugang zum Militärstützpunkt Parchin sein. Die IAEA hatte zuletzt vermutet, dort könnten Zündmechanismen für atomare Sprengköpfe entwickelt und bereits Explosionen simuliert worden sein. Auch hierüber gibt es noch keine detaillierte Einigung. Gleichzeitig befürchten Beobachter, dass der Iran dabei ist, Spuren dieser Tests zu beseitigen.

Bei allem Misstrauen gegenüber den militärischen Absichten des Atomprogramms darf man nicht vergessen: Der Iran hat jedes Recht auf eine friedliche Nutzung der Kernenergie, etwa zur Stromerzeugung und für medizinische Zwecke. Im Kern muss sich der Westen deshalb mit dem Land konkret darüber einigen, wie hoch es in Zukunft welches Kernmaterial zu welchem Zweck anreichert und ob diese Anreicherung nicht auch im Ausland stattfinden kann. Im Gegenzug, so ist zu hören, könnten Einfuhrbeschränkungen gelockert werden; auch technische Unterstützung für die wenig entwickelte iranische Energieindustrie und Hilfe bei der nuklearen Sicherheit sind im Gespräch.