Nahost-BesuchGauck distanziert sich von Merkels Haltung zu Israel

Gehört die Sicherheit Israels zur deutschen Staatsräson? Die Kanzlerin hatte dies vor der Knesset proklamiert. Und der Bundespräsident hat diese Aussage nun relativiert.

Bundespräsident Joachim Gauck (rechts) besucht mit Israels Präsident Schimon Peres die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem.

Bundespräsident Joachim Gauck (rechts) besucht mit Israels Präsident Schimon Peres die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem.

Bundespräsident Joachim Gauck hat sich bei seinem Israel-Besuch indirekt von der Aussage von Kanzlerin Angela Merkel distanziert, das Existenzrecht Israels sei deutsche Staatsräson. Gauck sagte, die Sicherheit und das Existenzrecht Israels seien "bestimmend" für die deutsche Politik. Merkels Wort von der Staatsräson könne die Kanzlerin aber noch in "enorme Schwierigkeiten" bringen. Er wolle nicht in Kriegsszenarien denken, sagte Gauck mit Verweis auf die Debatte um einen möglichen Krieg zwischen Israel und dem Iran.

Nach Angaben der Zeitung Die Welt traf er diese Unterscheidung vor dem Hintergrund der Auslandseinsätze der Bundeswehr: "Wir haben uns entschlossen, aber wir sehen – etwa in Afghanistan mit dem UN-Mandat –, wie schwer das umzusetzen ist in der Öffentlichkeit. Und ich will mir nicht jedes Szenario ausdenken, welches die Bundeskanzlerin in enorme Schwierigkeiten bringt, ihren Satz, dass die Sicherheit deutsche Staatsräson ist, politisch umzusetzen."

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Es überrascht, dass der Bundespräsident sich so wahrnehmbar von der Kanzlerin distanziert und Merkel unterstellt, die Folgen ihrer Wortwahl nicht bedacht zu haben. Merkel hatte in der Knesset gesagt, die Sicherheit Israels sei Teil deutscher Staatsräson. Sie hatte den Satz gesagt, als es um die Frage eines Angriffs Israels auf den Iran ging, um den Bau einer iranischen Atombombe zu verhindern.

Dabei bestritt der Bundespräsident weder die Gefahr eines atomar bewaffneten Iran noch die deutsche Solidarität mit Israel. "Deutschland sollte das allerletzte Land sein, das Israel seine Freundschaft und Solidarität aufkündigt", sagte Gauck bei seinem Besuch. Dem Bundespräsidenten geht es also um die Entscheidung zwischen Freundschaft und Solidarität auf der einen, und der Verknüpfung von Existenzrecht und Staatsräson auf der anderen Seite.

Gauck warnt vor Eskalation

Gauck hat Israel vor einer militärischen Eskalation des Konflikts mit dem Iran gewarnt. Zu der Gefahr des iranischen Atomwaffenprogramms sagte er: "Dies ist eine Bedrohung nicht nur für Israel, sondern eine potenzielle Gefahr auch für Europa. Verhandlungen müssen konkrete Ergebnisse bringen." Zugleich hatte der Bundespräsident auf die Verantwortung Deutschlands für den jüdischen Staat hingewiesen und bei seinem Empfang durch Israels Präsidenten Schimon Peres gesagt: "Israel und Deutschland sind enger verbunden als jemals zuvor."

Am zweiten Tag seines Staatsbesuchs in Israel trifft sich Gauck am Mittwoch mit Regierungschef Benjamin Netanjahu zu einem Gespräch. Dabei dürfte es erneut um das iranische Atomprogramm und um die umstrittene Siedlungspolitik Israels in den palästinensischen Gebieten gehen. Am Abend ist ein Treffen mit Überlebenden des Holocausts geplant.

Der frühere israelische Botschafter in Deutschland, Avi Primor, wertete Gaucks Israel-Besuch bislang als positiv. Im Bayerischen Rundfunk sagte Primor, dass Gauck auch Kritik an Israel offen angesprochen habe. "Eine Freundschaft muss auf Offenheit und Ehrlichkeit beruhen. Bundespräsident Gauck hat den richtigen Ton gefunden."

 
Leserkommentare
  1. der Bundesregierung abgestimmte Haltung des Bundespräsidenten? Steht ihm das wirklich zu?

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    " eine nicht mit
    der Bundesregierung abgestimmte Haltung des Bundespräsidenten? Steht ihm das wirklich zu?"

    selbstverständlich! aber: keine panik - es ist folgenlos, was ein bundespräsident abstimmt, oder nicht.

    Es wäre schlimm, wenn der BP nur Marionette wär. Ich wünsche mir einen, der sagt, was Sache ist, aber den richtigen Ton treffen kann. Dennoch war er bisher sehr vorsichtig. Ich bin mit ihm durchaus bisher zufrieden.

    • Puh
    • 30.05.2012 um 16:53 Uhr

    Dass er das mit der Kanzlerin abgestimmt hatte, davon gehe ich eigentlich aus. Der wird ihr Verteidigungsminister mittlerweile schon erklärt haben, dass das mit der Vasallentreue so eine Sache ist.
    Viel wichtiger aber die Frage: Hatte er das mit der Springer-Presse abgestimmt?

    " eine nicht mit
    der Bundesregierung abgestimmte Haltung des Bundespräsidenten? Steht ihm das wirklich zu?"

    selbstverständlich! aber: keine panik - es ist folgenlos, was ein bundespräsident abstimmt, oder nicht.

    Es wäre schlimm, wenn der BP nur Marionette wär. Ich wünsche mir einen, der sagt, was Sache ist, aber den richtigen Ton treffen kann. Dennoch war er bisher sehr vorsichtig. Ich bin mit ihm durchaus bisher zufrieden.

    • Puh
    • 30.05.2012 um 16:53 Uhr

    Dass er das mit der Kanzlerin abgestimmt hatte, davon gehe ich eigentlich aus. Der wird ihr Verteidigungsminister mittlerweile schon erklärt haben, dass das mit der Vasallentreue so eine Sache ist.
    Viel wichtiger aber die Frage: Hatte er das mit der Springer-Presse abgestimmt?

  2. BP Gauck scheint das wirklich gut zu machen. Hoffentlich bringt das neuen Schwung in die Friedensverhandlung. Ein Weg um den Iran-Konflikt zu einem guten Ende zu führen wäre ein Atomwaffenfreier Naher Osten. Also wenn sich alle Parteien bereit erklären würden auf Atomwaffen zu verzichten.Das wäre für den Iran eine gesichtswahrende Lösung und Israel bräuchte sich keine Sorgen zu machen. Da Israels AW nur der Abschreckung dienen (?) könnte ja die NATO diese Rolle einnehmen..

    16 Leserempfehlungen
  3. Gegen die von Merkel erklärte Staatsräson-2008 hat Gauck in Israel Zweifel bekundet.
    "Hier stehe ich - Ich kann nicht anders !"
    So sinngemäß das Luther Zitat von 1521 vor der Autorität des Kaisers auf dem Reichstag zu Worms.
    Jetzt bringt die Relativierung der Rede Merkels in der Knesset 2008 durch Gaucks Aussagen wie weit die Unterstützung Deutschlands gehen soll, die Merkel-Regierung in Bedrängnis.
    Damit wird klar, dass BP-Gauck sich Merkel nicht unterwerfen wird, weil sie ihn nicht wie Röttgen expedieren kann.
    Weiter so, Herr Gauck!
    Ehrlichkeit währt am Längsten.
    - Hoffentlich wird er nicht wie Grass von der Presse jetzt fertig gemacht ! -

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    • Hainuo
    • 30.05.2012 um 15:24 Uhr

    Grass wurde nicht aufgrund der Tatsache kritisiert, dass er Israel kritisiert hat, sondern dass er es auf eine einfältige, einseitige Art und Weise gemacht hat, die der Komplexität des Sachverhalts nicht gerecht wurde. Sie brauchen gar nicht so zu tun, als ob es in diesem Land nicht möglich wäre, Israel zu kritisieren. Das wurde schon lange vor Grass praktiziert, hat allerdings kein Aufsehen erregt, weil es differenzierter betrieben wurde. Kein Schwarz-Weiss.

    Gauck trifft die richtigen Worte, die nebenbei auch in Israel geteilt werden. Man sollte nicht immer versuchen, einen mäßigen Dichter als Märtyrer darzustellen, denn genau das war stets Grass' Absicht. Märtyrertum und Aufmerksamkeit.

    • amadi
    • 30.05.2012 um 18:07 Uhr

    Entfernt. Verzichten Sie auf relativierende Äußerungen. Die Redaktion/mak

    • Hainuo
    • 30.05.2012 um 15:24 Uhr

    Grass wurde nicht aufgrund der Tatsache kritisiert, dass er Israel kritisiert hat, sondern dass er es auf eine einfältige, einseitige Art und Weise gemacht hat, die der Komplexität des Sachverhalts nicht gerecht wurde. Sie brauchen gar nicht so zu tun, als ob es in diesem Land nicht möglich wäre, Israel zu kritisieren. Das wurde schon lange vor Grass praktiziert, hat allerdings kein Aufsehen erregt, weil es differenzierter betrieben wurde. Kein Schwarz-Weiss.

    Gauck trifft die richtigen Worte, die nebenbei auch in Israel geteilt werden. Man sollte nicht immer versuchen, einen mäßigen Dichter als Märtyrer darzustellen, denn genau das war stets Grass' Absicht. Märtyrertum und Aufmerksamkeit.

    • amadi
    • 30.05.2012 um 18:07 Uhr

    Entfernt. Verzichten Sie auf relativierende Äußerungen. Die Redaktion/mak

  4. "Freundschaft" scheint mir zur Beschreibung von Beziehungen zwischen Staaten generell ungeeignet.
    Deutschland sollte Israel unterstützen, soweit es auch davon profitiert und soweit humanitäre Aspekte dies nahelegen. Anderweitige Verpflichtungen bestehen meiner Ansicht nach nicht.

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    • Slater
    • 30.05.2012 um 14:49 Uhr

    wenn Deutschland davon 'profitieren' sollte, spräche ja fast nur Dummheit dagegen, evtl. noch Missgunst anderen Ländern gegenüber,

    profitierende Unterstützung sollte doch wohl allen Ländern gewährt werden,
    das wäre für Israel nichts besonderes,

    nein, Deutschland kann Israel aus historischer Verantwortung ruhig etwas stärker so unterstützen, dass es auch den Deutschen eher kostet als hilft,
    auf keinen Fall aber ungefragt völkerwidrige Kriege/ Unterdrückung von Palästinensern usw. mittragen

    • Slater
    • 30.05.2012 um 14:49 Uhr

    wenn Deutschland davon 'profitieren' sollte, spräche ja fast nur Dummheit dagegen, evtl. noch Missgunst anderen Ländern gegenüber,

    profitierende Unterstützung sollte doch wohl allen Ländern gewährt werden,
    das wäre für Israel nichts besonderes,

    nein, Deutschland kann Israel aus historischer Verantwortung ruhig etwas stärker so unterstützen, dass es auch den Deutschen eher kostet als hilft,
    auf keinen Fall aber ungefragt völkerwidrige Kriege/ Unterdrückung von Palästinensern usw. mittragen

  5. sollten BP und BKin erstmal klären, welche Bedeutung der Begriff "Staatsräson" für sie jeweils innehat.

    Allerdings hat man den Eindruck, dass Herr Gauck erneut und ohne Not die Beteiligten irritiert - gewollt oder ungewollt?

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    ... Streben eines Staates nach Sicherheit und Selbstbehauptung.

    Insofern war Merkels Aussage ein Fehlgriff.

    Solidarität mit und Unterstützung eines friedlichen, die Menschenwürde der Palästinenser achtenden und demokratischen Israel sind für ein demokratisches Deutschland und dessen Politik eigentlich eine Selbstverständlichkeit.

    Die Nicht-Selbstverständlichkeit läge wenn schon eher darin, gegenüber Israel internationales Recht nicht einzufordern.
    Aber da ist Menschenrecht und Demokratie ebenso biegsam wie gegenüber Diktatoren und Folterern wie Mubarak (explizit unsere Kanzlerin, irgendwo gibts noch diese Rede) oder Salafisten aus Saudi Arabien... oder lupenreinen Demokraten (Ex -Kanzler-Schröder)...

    Insofern bleibt einem nur zum immer wiederkehrenden Male festzustellen: Politik basiert nicht auf humanistischen Werten, sondern Werte basieren auf politischen (zumeist ökonomischen) Vorteilen.

    Es geht nicht um Irritationen, sondern um eine Klarstellung. Und die Kernfrage Deutschen Handels ist Art und Umfang der Bündnisverpflichtungen! Die wurde jetzt auf Normalmass reduziert. Das ist gut so!

    Das Problem ist eher Merkels Aussage und nicht die von Gauck. Keiner weiss, was Merkel mit Staaträson gemeint hat und es ist eher zu vermuten, dass sie den Begriff sehr eigen auslegt. Dashätte das deutsche Aussenministerium aber einmal über ihre Rede vor dem israelischen Parlament schauen können. Wenn sie mit Staatsräson eine bedingunglose Unterstützung von Israel gemeint haben sollte, lag sie falsch. Solche Art der Nibelungentreue passt zwar zur deutschen Geschichte, bringt aber nur Probleme.

    hat in der Demokratie eigentlich gar keine Bedeutung. Staatsräson in der Demokratie ist der Wille des Souveräns, also des Wahlvolks. Erfunden von Machiavelli zur Anleitung absolutistischer Fürsten, kurzzeitig wiederentdeckt nach dem 30jährigen Krieg (von Leuten, die sich zu absolutistischen Fürsten entwickeln wollten und etwas "...an Stelle der christlichen Moral" brauchten - Joseph von Eichendorff) - dann zurecht jahrhundertelang vergessen und erst kürzlich wieder von irgendeinem Merkel-Berater wieder ausgegraben, bleibt er, solange das GG gilt, irrelevant

    ... Streben eines Staates nach Sicherheit und Selbstbehauptung.

    Insofern war Merkels Aussage ein Fehlgriff.

    Solidarität mit und Unterstützung eines friedlichen, die Menschenwürde der Palästinenser achtenden und demokratischen Israel sind für ein demokratisches Deutschland und dessen Politik eigentlich eine Selbstverständlichkeit.

    Die Nicht-Selbstverständlichkeit läge wenn schon eher darin, gegenüber Israel internationales Recht nicht einzufordern.
    Aber da ist Menschenrecht und Demokratie ebenso biegsam wie gegenüber Diktatoren und Folterern wie Mubarak (explizit unsere Kanzlerin, irgendwo gibts noch diese Rede) oder Salafisten aus Saudi Arabien... oder lupenreinen Demokraten (Ex -Kanzler-Schröder)...

    Insofern bleibt einem nur zum immer wiederkehrenden Male festzustellen: Politik basiert nicht auf humanistischen Werten, sondern Werte basieren auf politischen (zumeist ökonomischen) Vorteilen.

    Es geht nicht um Irritationen, sondern um eine Klarstellung. Und die Kernfrage Deutschen Handels ist Art und Umfang der Bündnisverpflichtungen! Die wurde jetzt auf Normalmass reduziert. Das ist gut so!

    Das Problem ist eher Merkels Aussage und nicht die von Gauck. Keiner weiss, was Merkel mit Staaträson gemeint hat und es ist eher zu vermuten, dass sie den Begriff sehr eigen auslegt. Dashätte das deutsche Aussenministerium aber einmal über ihre Rede vor dem israelischen Parlament schauen können. Wenn sie mit Staatsräson eine bedingunglose Unterstützung von Israel gemeint haben sollte, lag sie falsch. Solche Art der Nibelungentreue passt zwar zur deutschen Geschichte, bringt aber nur Probleme.

    hat in der Demokratie eigentlich gar keine Bedeutung. Staatsräson in der Demokratie ist der Wille des Souveräns, also des Wahlvolks. Erfunden von Machiavelli zur Anleitung absolutistischer Fürsten, kurzzeitig wiederentdeckt nach dem 30jährigen Krieg (von Leuten, die sich zu absolutistischen Fürsten entwickeln wollten und etwas "...an Stelle der christlichen Moral" brauchten - Joseph von Eichendorff) - dann zurecht jahrhundertelang vergessen und erst kürzlich wieder von irgendeinem Merkel-Berater wieder ausgegraben, bleibt er, solange das GG gilt, irrelevant

  6. ist normalerweise meine einstellung.
    allerdings gefällt mir die art und weise wie herr gauck unabhängig von frau merkel position bezieht immer besser.
    auch herr rötgen war nicht mein favorit-aber die abschiedsworte vom bp-prima.

    7 Leserempfehlungen
  7. Meine Aversion gegen Gauck hat sich bestätigt. Er war zum Bundespräsidenten nicht geeignet. Wenn ein deutscher BP nicht versteht, warum Deutschland für Israels Sicherheit "mit"sorgen muß, dann sitzt er auf dem falschen Stuhl.

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    Dass deutsche Soldaten für Israel einen Krieg gegen den Iran antreten?

    Es gibt neue U-Bote für kein Geld mal wieder an Israel. Das zahlen Sie als Steuerzahler jede Stunde die Sie arbeiten mit. (Ich übrigens auch, obwohl ich es nicht gut heiße)

    Der Iran wurde über Mittel der internationalen Diplomatie an den Verhandlungstisch zurück geholt.
    http://www.ftd.de/politik...

    http://www.ftd.de/politik...

    http://www.ftd.de/politik...

    Aber normale, undogmatische und entpropagandisierte Berichte über Iran findet man wohl nur noch in der Financial Times Dtl.

    Unter dem Deckmantel der ewigen Bedrohung versucht die israelische Regierung nur unter den geblendeten Augen der internationalen Gemeinschaft gegen Völkerrecht und gegen internationales Recht ein Groß-Israel auf Kosten der Palästinenser per "facts on the ground" (Siedlungsbau und Vertreibung) zu verschaffen.

    Das hat mit dem unbestrittenen Existenzrecht Israels und dessen Schutz nichts, aber auch gar nichts zu tun.

    Wenn Herr Gauck dann mal ein wenig Kritik daran übt, kann ich das nur begrüssen.

    "Wenn ein deutscher BP nicht versteht, warum Deutschland für Israels Sicherheit "mit"sorgen muß, dann sitzt er auf dem falschen Stuhl."
    Ihre Position verwundert sehr & erscheint mir nicht nachvollziehbar.

    Die deutsche Position wirbt für eine Politik der Zurückhaltung & Verständigung gegenüber den Palestinensern. Sie sollte mehr Beachtung in Tel Aviv finden. Die Siedlungspolitik & das Ziehen von Mauern erzeugen nicht zu Unrecht Argwohn - nicht nur in Deutschland.

    Der Position der Falken im jetzigen Kabinett um den israelischen Aussenminister kann bei nüchterner Betrachtung durchaus von deutscher Seite mit Kritik begegnet werden. Es kann kein MUSS für die deutsche Regierung sein, jedem Präventivschlag, jedem überzogenen Revanchebombardement, Mordanschlägen des Mossad mit Verständinis zu begegnen, nur weil man für die Sicherheit Israels "mitsorgen" MUSS.

    Eine "deutsche Sicherheitspolitik für Israel" muss noch konkreter ausformuliert werden. Sie lässt sich nicht einfach mit dem Begriff "Staatsräson" umschreiben. Die Deutschen als das "Volk der Täter" tun sich gegenüber dem "Volk der Opfer" nach dem 2. Weltkrieg und Holocaust nachvollziehbar schwer, für Präventivkriege, Siedlungspolitik, Geheimdienstmorde Blankovollmachten im voraus zu erteilen.

    "Staatsräson" kann aktuell eigentlich nur bedeuten, das Existenzrecht Israel zu unterstützen & im Verteidigungsfall Unterstützung zu gewähren. Und - im deutschen Interesse - auszudrücken, was man nicht mitzutragen gewillt ist.

    Bin ich vielleicht froh, dass Ihre Meinung eher eine der Minderheit ist.

    • rfarr
    • 30.05.2012 um 15:20 Uhr

    wenn ein deutscher Bundespräsident keinen Kadavergehorsam gegenüber dem Staat Israel und seinen Kriegsplänen gegen den Iran zeigt, säße er auf "dem falschen Stuhl"? Könnte es sein, daß Sie das Land verwechseln?

    Israel kann für seine Sicherheit selbst sorgen wie erst unlängst der israelische Militärhistoriker Crefeld klarstellte, der sich nicht zu Unrecht über die realitätsferne Anmaßung eines deutschen Schutzes für Israel lustigmachte.

    "für Israels Sicherheit "mit"sorgen" ?

    Isreal hat derzeit eine Regierung, die sich u.a. aus Ultrakonservativen (Netanjahu), Faschisten (Lieberman) und Ultra-Orthodoxen (Schas) zusammensetzt.

    Die Partei von Lieberman steht in Wikipedia zusammen mit deutschen NPD auf der Liste "Rechtsextremer Organisationen und Parteien".

    Ich jedenfalls muß nicht für die Sicherheit solcher Leute sorgen und auch nicht für die Leute, die so eine Regierung wählen.

    "Wenn ein deutscher BP nicht versteht, warum Deutschland für Israels Sicherheit "mit"sorgen muß, dann sitzt er auf dem falschen Stuhl."

    Ich bin mitte dreissig, und bei aller "Erbschuld" müssen sie mir wirklich erklären, warum in Gottes Namen diese "Schuld" bedingungslose Unterstützung, auch des kritisierungswürdigsten Vorgehens, bedingen sollte. Wie ich sind viele Menschen der Nachkriegsgenerationen da einer anderen Meinung, und das ist gut so. Ich finde es mehr als bewundernswert, daß Herr Gauck dies wohl ähnlich sieht.

    Dass deutsche Soldaten für Israel einen Krieg gegen den Iran antreten?

    Es gibt neue U-Bote für kein Geld mal wieder an Israel. Das zahlen Sie als Steuerzahler jede Stunde die Sie arbeiten mit. (Ich übrigens auch, obwohl ich es nicht gut heiße)

    Der Iran wurde über Mittel der internationalen Diplomatie an den Verhandlungstisch zurück geholt.
    http://www.ftd.de/politik...

    http://www.ftd.de/politik...

    http://www.ftd.de/politik...

    Aber normale, undogmatische und entpropagandisierte Berichte über Iran findet man wohl nur noch in der Financial Times Dtl.

    Unter dem Deckmantel der ewigen Bedrohung versucht die israelische Regierung nur unter den geblendeten Augen der internationalen Gemeinschaft gegen Völkerrecht und gegen internationales Recht ein Groß-Israel auf Kosten der Palästinenser per "facts on the ground" (Siedlungsbau und Vertreibung) zu verschaffen.

    Das hat mit dem unbestrittenen Existenzrecht Israels und dessen Schutz nichts, aber auch gar nichts zu tun.

    Wenn Herr Gauck dann mal ein wenig Kritik daran übt, kann ich das nur begrüssen.

    "Wenn ein deutscher BP nicht versteht, warum Deutschland für Israels Sicherheit "mit"sorgen muß, dann sitzt er auf dem falschen Stuhl."
    Ihre Position verwundert sehr & erscheint mir nicht nachvollziehbar.

    Die deutsche Position wirbt für eine Politik der Zurückhaltung & Verständigung gegenüber den Palestinensern. Sie sollte mehr Beachtung in Tel Aviv finden. Die Siedlungspolitik & das Ziehen von Mauern erzeugen nicht zu Unrecht Argwohn - nicht nur in Deutschland.

    Der Position der Falken im jetzigen Kabinett um den israelischen Aussenminister kann bei nüchterner Betrachtung durchaus von deutscher Seite mit Kritik begegnet werden. Es kann kein MUSS für die deutsche Regierung sein, jedem Präventivschlag, jedem überzogenen Revanchebombardement, Mordanschlägen des Mossad mit Verständinis zu begegnen, nur weil man für die Sicherheit Israels "mitsorgen" MUSS.

    Eine "deutsche Sicherheitspolitik für Israel" muss noch konkreter ausformuliert werden. Sie lässt sich nicht einfach mit dem Begriff "Staatsräson" umschreiben. Die Deutschen als das "Volk der Täter" tun sich gegenüber dem "Volk der Opfer" nach dem 2. Weltkrieg und Holocaust nachvollziehbar schwer, für Präventivkriege, Siedlungspolitik, Geheimdienstmorde Blankovollmachten im voraus zu erteilen.

    "Staatsräson" kann aktuell eigentlich nur bedeuten, das Existenzrecht Israel zu unterstützen & im Verteidigungsfall Unterstützung zu gewähren. Und - im deutschen Interesse - auszudrücken, was man nicht mitzutragen gewillt ist.

    Bin ich vielleicht froh, dass Ihre Meinung eher eine der Minderheit ist.

    • rfarr
    • 30.05.2012 um 15:20 Uhr

    wenn ein deutscher Bundespräsident keinen Kadavergehorsam gegenüber dem Staat Israel und seinen Kriegsplänen gegen den Iran zeigt, säße er auf "dem falschen Stuhl"? Könnte es sein, daß Sie das Land verwechseln?

    Israel kann für seine Sicherheit selbst sorgen wie erst unlängst der israelische Militärhistoriker Crefeld klarstellte, der sich nicht zu Unrecht über die realitätsferne Anmaßung eines deutschen Schutzes für Israel lustigmachte.

    "für Israels Sicherheit "mit"sorgen" ?

    Isreal hat derzeit eine Regierung, die sich u.a. aus Ultrakonservativen (Netanjahu), Faschisten (Lieberman) und Ultra-Orthodoxen (Schas) zusammensetzt.

    Die Partei von Lieberman steht in Wikipedia zusammen mit deutschen NPD auf der Liste "Rechtsextremer Organisationen und Parteien".

    Ich jedenfalls muß nicht für die Sicherheit solcher Leute sorgen und auch nicht für die Leute, die so eine Regierung wählen.

    "Wenn ein deutscher BP nicht versteht, warum Deutschland für Israels Sicherheit "mit"sorgen muß, dann sitzt er auf dem falschen Stuhl."

    Ich bin mitte dreissig, und bei aller "Erbschuld" müssen sie mir wirklich erklären, warum in Gottes Namen diese "Schuld" bedingungslose Unterstützung, auch des kritisierungswürdigsten Vorgehens, bedingen sollte. Wie ich sind viele Menschen der Nachkriegsgenerationen da einer anderen Meinung, und das ist gut so. Ich finde es mehr als bewundernswert, daß Herr Gauck dies wohl ähnlich sieht.

  8. Als eine sehr kluge Fr. gilt die Bundeskanzlerin und dennoch einen fast unverz,eihlichen Fehler begangen. Damals im Knesset, als sie die Sicherheit Israel als Teil deutscher Staatsraeson bewertete, regte sich seltsamerweise keiner darueber auf, obwohl es angebracht waere. Die Israelis haben ganz offensichtlich den Herrn Bundespraesidenten, vor dem Hintergrund eines mit dem Iran womoeglich nahen Krieges, an der Aussage Merkels und was sie genau bedeuten kann, erinnert.
    Wie koennte die kluge Kanzlerin eine so deplazierte Aussage machen? Wo waren doch die vielen Beratern, insbesondere die, die sich auf den Gebieten des internationalen Rechtes und der bilateralen Beziehung sich bestens auskennen muessten?

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