Ukraine : USA mischen sich in Fall Timoschenko ein
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 Timoschenko im Abseits

Die Ukraine hatte Forderungen aus Deutschland nach einer Freilassung der in Haft erkrankten Politikerin Julija Timoschenko scharf zurückgewiesen. Das Außenministerium in Kiew hatte die Bundesregierung davor gewarnt , die "Methoden der Zeiten des Kalten Krieges wiederzubeleben".

Nach den Bombenanschlägen mit 30 Verletzten in der Vorwoche im ukrainischen Dnjepropetrowsk gab es zudem Zweifel an der Sicherheit in der Ukraine. Die Hintergründe der Tat sind weiterhin unklar.

Die Tochter der inhaftierten Timoschenko, Jewgenija Timoschenko, warb bei den Ukrainern erneut für die Unterstützung ihrer Mutter. "Seid nicht gleichgültig!", schrieb sie auf der Internetseite ihrer Mutter . Der Beistand in der Ukraine für die 2010 abgewählte Regierungschefin hält sich jedoch in Grenzen.

Zurückhaltende Unterstützung für Timoschenko in der Heimat

Viele Menschen in der finanzschwachen Ex-Sowjetrepublik leben in ärmlichen Verhältnissen. Selbst in früheren politischen Stammregionen Timoschenkos sind ihre Landsleute nach chaotischen Jahren ihrer Regierung kaum noch positiv auf sie zu sprechen. Die politische Elite des Landes gilt als kriminell. Viele Ukrainer sind der Ansicht, nicht nur Timoschenko, sondern auch ihr politischer Gegner, Präsident Viktor Janukowitsch, der bereits in seiner Jugend einmal im Gefängnis saß, gehöre in Haft. Und angesichts in den ukrainischen Gefängnissen verbreiteter Krankheiten wie Tuberkulose halten viele Bürger die gesundheitlichen Probleme Timoschenkos für nicht gravierend.

Die Oppositionsführerin verbüßt in der Stadt Charkiw eine siebenjährige Haftstrafe wegen angeblichen Amtsmissbrauchs. Die Justiz bereitet derzeit einen weiteren Prozess wegen mutmaßlicher Steuervergehen vor.

Die EU kritisiert die Inhaftierung der Ex-Regierungschefin als politisch motiviert. Bei einem für Mitte Mai angesetzten Termin könnte ein Berufungsgericht in der Ukraine das Urteil wegen Amtsmissbrauchs noch kassieren.

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Kommentare

171 Kommentare Seite 1 von 24 Kommentieren

Meinen ukrainischen Freunden

kann ich auf deren erstaunte Nachfragen nur achselzuckend antworten: Unsere Oberschicht kümmert sich halt um Eure Oberschicht.

Was sonst in Janukowitschs Gefängnissen passiert, ist für die nicht so interessant. Betrifft eh nur das dumme Fußvolk.

Aber eine Oligarchin? Ja, derzuliebe verzichtet man sogar auf ein Fußballspiel!

Re: ukrainischen Freunden

> Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwägt, ihren
> Ministern zu empfehlen, den EM-Spielen in der
> Ex-Sowjetrepublik fernzubleiben.

Frau Merkel hat ja nun genügend Zeit, sich um die Demokratie im eigenen Land zu kümmern und den (Oppositionelle beobachtenden) Verfassungsschutz in die Schranken zu weisen.

Aber hier geht´s ja eigentlich gar nicht um Timischenko, sondern um eine Schwächung der Regierenden in der Ukraine, die kaum mehr Lust haben auf eine wirtschaftsliberale EU.

@ 55 Hailmary

Das ist das Paradoxe. Hätten die USA so gehandelt wie zu Zeiten Kissingers in Chile wäre Bin Laden schon vorher Geschichte gewesen. Und Bin Laden hat nut so gehandelt, weil USA zu lange in Saudi Arabien gewesen sind. Wogegen die Saudis scheinbar gar nichts hatten auch wenn sicher nicht aus rein freundschaftlichen Gründen.

Aber wir können jetzt gerne die Kreuzzüge diskutieren und Alexander den Großen und seinen Feldzug gegen Persien.

Tatsache ist, dass es ohne 9/11 Guantanamo nicht gegeben hätte, die Ukraine es aber ncht geschafft hat, die Jahre kommnunistischer Diktatur hinter sich zu lassen. Immerhin sind Polen, Tschechien, Lettland und Estland da ein bisschen weiter. Ungarn versucht es immerhin.

Guatanamo billige ich auch nicht und die ktion von Clinton finde ich auch nicht gut. Aber die Verhältnisse in der Ukraine gut zu heissen, weil dem Volk das quasi egal sein muss, ist auch ein wenig einfach gedacht.

@ 65 rfarr

Das ist eine interessante Frage, ob der eine Gauner den andern ins Gefängnis stecken darf, wenn es um Politik geht. Wenn alles korrupt ist kanns auch keine Demokratie geben sodnern nur adsrecht des Stärkeren. Inofern sollten Sie mit der Unterstellung solcher Motive der Kanzlerin ein wenig zurückhaltend sein.

Allgemein ausgedrückt: Es ist einfach eine Verhöhung der Opfer wenn man sich als realtiv komfortabel gebetteter Mensch sich und die Verhältnisse unter denen man lebt, auf eine Stufe stellt mit den Verhältnissen in der Ukraine.

Das ist eine Überschrift

Wenn Estland den Blödsinn mit den jährlichen Aufmärschen des Traditionsverbands der 20. Waffen-Grenadier-Division der SS endlich lassen würde und ein wenig liberaler mit Homosexuellen umgehen würde, würde ich Ihnen rechtgeben.

Zu Ungarn sage ich lieber nichts.

Ich glaube niemand hier, einschließlich der Timoschenko-Kritiker, heisst die Zustände in der Ukraine gut. Ich bin z.B. der Meinung, die blonde Oligarchin ist ein guter Anfang, aber Juschtschenko und Janukowitsch gehören mindestens dazu, sicher noch mehr. Ich finde nur die ganze Hetzkampagne um die Haftbedingungen maßlos überzogen, während man einem Land mit 1000 mal schlimmeren Haftbedingungen ungeniert Panzer verkauft, damit der Rest des arabischen Frühlings auch noch zusammengeschossen werden kann.

Wenn Sie darüber nachgedacht hatten....

...statt die volkstümelnden hießen Lüftchen abzulassen, waren Sie im Verständnis dessen, was internationale Sicherheit bedeutet, erfordert und kostet ein erhebliches Stück weiter. Die Politiker haben sich nun damit beschäftigt und waren entsetzt, weil sie nicht wissen, wie sie Leuten wie Ihnen beibringen sollen, wie falsch bisherige, tief sitzende Glaubenssätze waren und sind. Das wird schwierig, weil Glauben sind irrational und lösen starke Emotionen gegen Menschen und Umstande aus, die ihnen widersprechen.

Viele Ukrainer lässt das Thema allerdings kalt.

Das ist nämlich der springende Punkt. Diese "Freiheitsikone" existiert nur in den Köpfen der westlichen Politiker, die sich wieder über irgendwas profilieren müssen, weil die wirklichen Probleme offenbar unlösbar oder zu unangenehm sind. Fakt ist:

- Timoschenko wurde mit Begeisterung gewählt
- sie hat genau nichts für die Menschen getan, es geht ihnen schlechter als vorher
- ihr eigenes Konto hingegen wuchs um Milliardenbeträge
- folglich lässt dies den Schluss auf Korruption zu.
- genau so hat das Gericht auch entschieden
- nun ist sie eine verurteilte Straftäterin, warum muss man sie also bevorzugt behandeln

Nun gibt es aber zwei maßgebliche Unterschiede zwischen der Ukraine und Deutschland: Zum einen werden dort wenigstens Politiker auch mal zur Rechenschaft gezogen (bei Kohl, Schröder, Schäuble, Guttenberg, Wulff etc. verläuft ja immer alles im Sande), zum anderen ist der Knast dort halt auch ein wenig härter als hierzulande.

Natürlich gibt es jetzt Proteste, aber wer jemals in Kiew war in letzter Zeit, wird feststellen, dass man von diesen "Unruhen" absolut gar nichts merkt. Ein paar Fähnchen vor dem Parlament und dem Gericht, ein paar Lautsprecher, vielleicht 10 Polizisten, das wars. Da ist in Deutschland bei jedem Bauprojekt mehr los.

Lasst diese Sache endlich mal ruhen und gebt euch damit zufrieden, dass Janukowitsch halt leider pro-russisch ist und nicht pro-EU wie Timoschenko. Korrupt sind sie dort ohnehin alle (ist das hier anders?).

Proteste schön und gut

solange unsere Jungs da die Hymne singen schaue ich mir die Spiele gerne an. Ich muss befürchten, dass sobald Timoschenko frei ist, sich absolut nichts ändern wird. Fussball für politische Ziele zu nutzen ist nicht wirklich nachhaltig, oder hört jemand heute noch was von unseren tollen Frauen? Evtl. ist Frauenfussball aber auch nicht so populär geworden, da man nicht den Titel geholt hat, wie doch stark vorher erwartet.

Re: Viele Ukrainer lässt das Thema allerdings kalt.

... gerade wollte auch ich zu dieser lächerlichen Farce einen Kommentar absetzen, aber dann habe ich gelesen, dass HailMary schon alles besser in Worte gefasst hat, als ich es könnte.

Bleibt zu hoffen, dass sich die tief besorgte Frau Clinton durchsetzt und dann auch noch ein nettes Plätzchen für Frau Tymoschenko in einem der humanen Gefangenenlager auf der Guantanamo Bay findet.

M.

Ist das Politik?

Nach dem Fall der Mauer hat sich auch kaum ein Ostdeutscher dafür interessiert, ob 20jährige Grenzsoldaten verurteilt wurden.
Allgemein hatte kaum ein Ostdeutscher viel Interesse für das politische Tagegeschäft.
Welch Wunder! - haben ja auch alle genug eigene Probleme gehabt.

Sie scheinen das nur nicht zu verstehen, weil Sie wohl immer genug Zeit haben, um sich für Politik zu interessieren.

Das momentane Desinteresse vieler Ukrainer zum Fall Timoschenko heißt nicht automatisch, dass die Ukrainer ihre Haftbedingungen toll finden.

Bitte

"- Timoschenko wurde mit Begeisterung gewählt
- sie hat genau nichts für die Menschen getan, es geht ihnen schlechter als vorher
- ihr eigenes Konto hingegen wuchs um Milliardenbeträge
- folglich lässt dies den Schluss auf Korruption zu.
- genau so hat das Gericht auch entschieden
- nun ist sie eine verurteilte Straftäterin, warum muss man sie also bevorzugt behandeln"

"Bitte belegen Sie alle Aussagen, die nicht Ihre private Meinung darstellen weitmöglichst mit Quellen."
- Dass es der Bevölkerung scheinbar schlechter geht und das Privatkonto zeitgleich wächst, kann natürlich die Gerüchteküche mächtig anheizen. Aber aufgrund von Gerüchten allein sollte man halt nicht verurteilt werden.
Wenn Sie also anstelle einer korrelativ begründeten Schlussfolgerung hier Beweise/Quellen nennen könnten,wäre das zur objektiven Meinungsbildung sehr hilfreich.

Die meisten Menschen in Lemburg sind enttäuscht....

Abgesehen von allgemein zugänglichen Quellen, nenne ich Lemberg als Beispiel.
Lemberg, eine Stadt mit einer jahrhundertealten kulturellen Tradition mit fast allen westlichn und osteuropäischen Religionen, mal zu Oesterreich, dann zu Polen, dann zur Sowjetunion und jetzt zur Ukraine gehörend, ist ebenfalls Austragungsort der Eu-Meisterschaft.
Ich habe mit einer jungen Lembergerin telefoniert, die in Leipzig Germanistik studiert hat und jetzt für Reisebüros arbeitet.
Ihre Eltern sind froh, dass sie es soweit gebracht hat, denn die Einkommen und allgemeinen Lebensverhätnisse haben sich unter der Präsidentschaft von Frau Timoschenko verschlechtert. Aus der Begeisterung wurde Enttäuschung.
Das Land ist politisch und kulturell gespalten. Lemberg und der Nordwesten der Ukraine denkt europäisch, der Osten bis zum Schwarzen Meer fühlt sich näher bei Russland.
Kaum ein Lemberger dürfte daher Janukowitsch gewählt haben, aber Frau Timoschenko hat angeblich keine ihre Verprechen eingelöst und auch in Lemberg wirft man ihr vor, sich und ihren Clan persönlich bereichert zu haben. Irina meint, bei einer Volksabstimmung würde sich die Mehrheit der Lemberger und der Umgebung für einen Anschluss an Polen entscheiden.
Von einem Boykott der Spiele hält sie nichts. Das Land hat andere Probleme als Fußball, aber die Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Riesenlandes würden die innenpolitischen Konflikte noch verschärfen.

Das ist eine Einzelmeinung, aber vielleicht doch wichtig.