Rupert Murdoch im Londoner Gericht © Reuters TV / Reuters

Das Urteil im Medienausschuss im britischen Unterhaus war vernichtend:  Rupert Murdoch sei nicht geeignet, ein führendes internationales Unternehmen zu leiten, befand die Mehrheit der Abgeordneten. Sollte die britische Behörde für Rundfunk, Fernsehen und neue Medien Ofcom zum gleichen Urteil gelangen, wäre es um Murdochs Medienmacht in Großbritannien geschehen.

Dann würde dem Chef des Medienimperiums News Corporation die Lizenz für den Satellitensender BskyB entzogen, den er seit 1989 mit seinem knapp vierzigprozentigen Aktienanteil kontrolliert, aber nicht besitzt. Dieser Schwächung des einst mächtigsten britischen Medienkonzerns, könnten in anderen Provinzen des Murdochschen Weltreiches, Australien und USA , ähnliche Manöver seiner Gegner folgen. Den Wunsch, den lukrativen Bezahl-TV-Sender Sky ganz zu übernehmen, musste sich Murdoch angesichts des Abhörskandals , der vergangenes Jahr aufflog, bereits abschminken.

Seine Feinde wollen mehr, sie wollen Murdoch ganz loswerden. Bannerträger der Gegner des Medienmoguls ist Tom Watson, treuester Gefolgsmann des früheren Labourpremiers Gordon Brown . Der Mann fürs Grobe, der sich vergangenen Sommer einen Namen gemacht hatte durch die Befragung von James und Rupert Murdoch.

Just zum Zeitpunkt des Murdoch-Berichts im Medienausschuss legte Watson sein hastig geschriebenes Buch mit dem einprägsamen, an einen Hitchcock-Film angelehnten Titel Dial M for Murdoch vor. Das Leitmotiv wird gleich zu Beginn intoniert: Murdochs Medienimperium, News Corporation , habe "einen vergiftenden, geheimen Einfluss ausgeübt auf das öffentliche Leben in Großbritannien", es habe seine Macht genutzt, um "zu bedrohen, einzuschüchtern und zu vertuschen". Die Absicht ist klar: Ofcom soll zum gleichen Schluss gelangen wie die Mehrheit des Ausschusses, Rupert Murdoch für ungeeignet befinden und zum Verkauf von BskyB zwingen.

Der Medienausschuss ist gespalten

Die vier Konservativen im Ausschuss machten jedoch nicht mit. Sie befanden die weitreichenden Schlussfolgerungen über Murdochs Eignung "lächerlich und unbegründet", ein Urteil, dem auch Medienkommentatoren zustimmen. Der Economist fand die Sprache von Watson und anderen Labourabgeordneten "absurd und kontraproduktiv". Peter Preston, früherer Chefredakteur und nun Medienkolumnist der linksliberalen Blätter Observer und Guardian , die sich in ihrer Abneigung gegen Murdoch von niemandem übertreffen lassen, rügte den parteipolitischen Vergeltungscharakter. Denn die Ermittlungen von Lord Justice Levenson gegen Teile der Medienindustrie wie die Bemühungen um ein neues Pressestatut liefen noch. Auch die Ermittlungen gegen korrupte Polizeibeamte seien noch nicht abgeschlossen. Angesichts einer solchen Gemengelage verböten sich "parteipolitische Manöver". Der Medienausschuss ist also entlang der Parteigrenzen gespalten, sodass Murdoch dessen Fazit  als "voreingenommen" beiseite wischen konnte.

Auch die Labour-Partei wurde von der Sun unterstützt

Pikant ist die Tatsache, dass es die Labourführer Tony Blair und Gordon Brown waren , die von Mitte der 1990er Jahre bis 2010 enge Beziehungen zu Murdoch pflegten. Die Konservativen unter David Cameron folgten ihrem Beispiel erst seit 2010. Gerade Brown, dessen Gefolgsmann Watson nun den Rachefeldzug anführt, konnte sich über die Unterstützung durch den Tycoon und dessen Massenblatt Sun nicht beklagen. Der Medienmagnat nannte Brown "einen Mann mit Substanz", David Cameron dagegen hielt er für "ein Leichtgewicht". Die Sun , das einzige Blatt, dessen politische Richtung Rupert Murdoch selbst festlegt, stützte Brown gegen die Stimmung im Volk sogar sehr lange, bevor Murdoch dann doch entschied, Brown vor der Wahl 2010 diese Unterstützung aufzukündigen. Gordon Brown reagierte wutentbrannt mit einer Kriegserklärung, was die Intensität der Manöver seines Gefolgsmannes Tom Watson erklären mag.