Werbung gegen den Verfassungszusatz auf einer Straße in Raleigh, North Carolina

Mit einer Mehrheit von 60 zu 40 Prozent haben die Bürger im US-Bundesstaat North Carolina das Amendment 1 zur Verfassung gebilligt. Mit diesem Verfassungszusatz ist nun die "Ehe zwischen Mann und Frau die einzige häusliche Vereinigung, die in diesem Staate legal und anerkannt ist".

North Carolina war bis jetzt der letzte der US-Südstaaten, der das Verbot der Homo-Ehe noch nicht in der Verfassung verankert hatte. Ein entsprechendes Gesetz gab es jedoch bereits seit 16 Jahren. Die Debatte war dennoch hitzig, mehr als drei Millionen Dollar gaben Gegner und Befürworter für ihre Kampagnen aus, wie die New York Times berichtete. Die Wahlbeteiligung war sehr hoch.

Amendment 1 unterscheidet sich allerdings gravierend von ähnlichen Gesetzen in anderen Bundesstaaten der USA. Die Formulierung ist so weit gefasst, dass Juristen warnten, das Gesetz könne viel mehr Paare betreffen als die gleichgeschlechtlichen: nämlich all jene 150.000 Männer und Frauen in North Carolina, die ohne Trauschein zusammen leben. Deren Kinder könnten beispielsweise den Krankenversicherungsschutz verlieren.

Gefahr für wilde Ehen

Prominente Fürsprecher hatte es auf beiden Seiten gegeben: Der ehemalige Präsident Bill Clinton setzte sich gegen den Verfassungszusatz ein, auf der Gegenseite erklärte der evangelikale Prediger Billy Graham die Zustimmung zum Amendment 1 zur christlichen Pflicht.

Die Rolle von Präsident Barack Obama ist allerdings heikel. Er steckt bereits mitten im Wahlkampf, und Nord Carolina ist ein Staat, in dem er unbedingt eine Mehrheit holen will. 2010 hatten die Republikaner im dortigen Parlament zum ersten Mal die Macht übernommen – nach 140 Jahren demokratischer Vorherrschaft. Zudem gilt North Carolina als sogenannter Swing State, also als Bundesstaat, in dem die politischen Mehrheiten nicht völlig festgelegt sind, sondern mal ein demokratischer und mal ein republikanischer Präsidentschaftskandidat gewonnen hat.

Den Schwulen und Lesben hatte Obama zwar von Beginn seiner Amtszeit an mehr Rechte versprochen, allerdings nicht unbedingt das Recht zu heiraten. So fiel seine Unterstützung für die Gegner des Verbots reichlich verhalten aus, wie das liberale Magazin The New Yorker schreibt. Zwar habe sich der Präsident vor einigen Wochen gegen das Referendum ausgesprochen. Aber er und sein Team verhielten sich verängstigt, "als ob die Schwulen-Ehe kein Fest ist, sondern etwas, worüber man nur flüstert".

Im Präsidentschaftswahlkampf gilt für Obamas Berater das Thema Homo-Ehe also offenbar eher als Gift. Vor allem die schwarze Community ist gespalten. Einerseits hat sie immer mehrheitlich die Demokraten gewählt, andererseits gilt sie als ausgesprochen konservativ in diesem Punkt. Dabei geht der Trend in den Vereinigen Staaten langfristig zu mehr Toleranz gegenüber Homosexuellen. Jüngere haben sich in Umfragen mehrheitlich gegen das Verbot gleichgeschlechtlicher Ehen ausgesprochen. Mit der Zeit könnten also weitere juristische Barrieren fallen. In North Carolina allerdings ist Diskriminierung fürs Erste vorgeschrieben.