GriechenlandSamaras' Kampf gegen das Unausweichliche

Griechenlands konservativer Parteichef Samaras polemisiert im Wahlkampf gegen eine Regierungsbeteiligung der Sozialisten. Wohl erfolglos. Von Z. Zacharakis, Athen von 

Der Parteichef der konservativen Nea Dimokratia, Antonis Samaras

Der Parteichef der konservativen Nea Dimokratia, Antonis Samaras  |  © Grigoris Siamidis/Reuters

Der Einzug der Parteijugend ist bestens choreografiert. Eingenebelt im roten Rauch bengalischer Leuchtfeuer rücken Hunderte junger Anhänger der griechischen Konservativen auf den Platz im Zentrum Athens vor. Über ihnen drehen sich die Kräne der Fernsehkameras. Sie übertragen Bilder von einem Menschenmeer mit griechisch blau-weißen Fahnen. 

Tausende sind gekommen, um Antonis Samaras zu sehen, den Parteichef und Spitzenkandidaten der konservativen Nea Dimokratia. Vor der Parlamentswahl am Sonntag in Griechenland liegt er in den Umfragen klar vor der sozialistischen Pasok-Partei, mit der er seit November als Juniorpartner in einer Übergangsregierung sitzt. Eine Ansagerin kündigt Samaras als den künftigen Ministerpräsidenten an. Doch so einfach ist die Sache nicht.

Die Konservativen kommen den bisherigen Umfragen zufolge nur auf etwa 23 Prozent der Stimmen. Das reicht gerade für 110 der mindestens 151 Parlamentssitze, die für eine Regierung notwendig wären. Er müsste eine Koalition bilden – nur mit wem? Die beiden großen Volksparteien in Griechenland sind gemeinsames Regieren nicht gewohnt. Sie wechseln sich seit knapp 30 Jahren an der Macht  ab, ohne Koalitionen. Doch die einzige Partei, die auf dem Sanierungskurs der internationalen Geldgeber bleiben will, ist die sozialistische Pasok. Sie hat bereits eine große Koalition angeboten.

Samaras betritt unter dem Jubel seiner Anhänger die Bühne. Wieder Leuchtfeuer, wieder Sprechchöre. Er legt ein Bekenntnis zu Europa ab, jedoch verbunden mit wichtigen Einschränkungen. "Ich habe von Anfang an auf Maßnahmen gedrängt, um auch das Wachstum in Griechenland wieder zu stärken", ruft der Parteivorsitzende. Das Sparprogramm müsse an dieser Stelle mit der EU neu verhandelt werden.

In Europa sprechen inzwischen auch viele andere von Wachstumsimpulsen, die parallel zu den Sparmaßnahmen gesetzt werden müssen. Selbst Angela Merkel hat derartiges längst – wenn auch vage – angekündigt.  

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Leserkommentare
  1. Die ND regierte von 2004 bis 2009. Die Plünderung Griechenlands erreichte in dieser Zeit ihren Höhepunkt. Als unter der Regierung PASOK der Skandal nicht mehr zu vertuschen war, polemisierte die ND in übelster Weise gegen alle Spar- und Rettungsversuche. Die Rolle der ND wurde in fast allen Medien völlig vernachlässigt oder bewusst ausgeblendet. In einem Artikel, der sich nur mit der Nea Democratia beschäftigt diese Tatsachen wegzulassen kann ich, im günstigsten Fall, nur als unglaubliche Schlamperei bezeichnen. Vielleicht ist es aber auch doch mehr.

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    ziemlich das Duemmste, was die griechische Parteienlandschaft zu bieten hat. Man muss sich nur seine Wahlwerbung anschauen, die ist wirklich das allerletzte. Die ND tut so, als waere sie vollkommen unschuldig und nur sie koennte das Land retten. Selten so gelacht!

    Bitte bleiben Sie sachlicher. Danke, die Redaktion/se

    • caro-v
    • 04. Mai 2012 9:14 Uhr

    Die griechische Fahne hat nichts mit der bayrischen zu tun. Der griechische Unabhängigkeitskrieg war vor der Einsetzung eines bayrischen Königs in Griechenland und auch dort war die Fahne schon blau-weiß, wenn auch etwas anders:

    http://de.wikipedia.org/w...

    Lustigerweise wird das gleiche von einigen unverbesserlichen in Griechenland behauptet, natürlich mit umgekehrten Vorzeichen: die Bayern und natürlich BMW haben die Fahne von den Griechen geklaut.

    Also, lasst jedem seine Fahne !

  2. ...hatte auch in Heidelberg studiert und später seine Akademie mit Unterstützung des deutschen Staates gegründet.
    Zu jener Zeit war Deutschland sehr beliebt bei den griechischen Philosophen, die teils ihre Werke in deutscher Sprache verfasst haben.

    • caro-v
    • 04. Mai 2012 9:32 Uhr

    Ich habe selten eine so verbogene Darstellung der griechischen Parteienlandschaft gelesen:
    Die Partei am rechten Rand heißt Chrisi Avgi, denn mit der Krisi, also der Krise haben die nichts am Hut. Es gibt auch keinen Wahlbezirk Attiki, Attiki ist ein ganzes "Bundesland", in dem Athen ligt. Jeder Bezirk in Athen ist ein Wahlbezirk und das Zentrum von Athen wird dann wieder aufgeteilt in 1. und 2. Athens. Die Prozentzahl von 17% halte ich für überzogen, wahrscheinlich sind Sie da der Propaganda aufgesessen. Sollte das richtig sein, kann ich es aber versteht, fahren Sie mal ins Zentrum von Athen, da wohnen kaum noch Griechen.
    Die Sirisa oder richtiger Syrisa, die Hammer und Sichel auf Ihren Wahlplakaten hat, hat nie ein Angebot an die Partei vom Kammenos, die wirklich mehr rechts steht, sagen wir rechter Flügel der CDU, gemacht, sondern an die kommunistische Partei und Frau Papariga hat dies strikt abgelehnt. Die Syrisa hat unabgesprochen auf einer Wahlveranstaltung eine Gemeindschaftsregierung der linken-kommunistischen Parteien proklamiert.
    Nur in einer Sache stimme ich Ihnen zu, dass es spannend wird und durchaus zu Überraschungen führen kann, wie wäre es mal wieder mit einem kommunistischen Staat in Europa ????

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    "... wie wäre es mal wieder mit einem kommunistischen Staat in Europa ????"

    Das wäre doch echt "Der Knaller".
    Ich sehe Frau Merkel, Herrn Baroso & Co. vor meinem inneren Auge händeringend nach Möglichkeiten suchen, die pösen, pösen kommunistischen Griechen stante pede aus der EU und dem Euro zu feuern.
    Kommunisten regieren Griechenland: Das wäre ein Spaß!

  3. Zitat: "Die Konservativen kommen den bisherigen Umfragen zufolge nur auf etwa 23 Prozent der Stimmen. Das reicht gerade für 110 der mindestens 151 Parlamentssitze, die für eine Regierung notwendig wären."

    D.H. mit 23% der Stimmen bekommt eine Partei 36,6% der Parlamentssitze. Die Griechen brauchen dringend Mathe-Nachhilfe. So wird das nix mit der Rettung des Landes.

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    bevor Sie hier polemisieren!
    Zur Info: Der Sieger in Gr. bekommt 50 Sitze dazu! Ob das klug ist, darf aber natürlich bezweifelt werden.

    • nike11
    • 04. Mai 2012 10:10 Uhr

    Ich frage mich nur langsam, ob das alles nicht Kalkül ist: "Also vorsichtig! Besser eine sicher nicht optimale Lösung mit den zumindest einschätzbaren alten Parteien als keine Regierung und Chaos."

    Die Leute wissen nicht wohin mit ihrer Stimme, wollen den Kurs der letzten Jahre nicht, wollen vor allem die Sorgen der letzten Jahre nicht, wollen aber auch kein "Ein durch gewaltbereite Rechte verursachtes Chaos wird die sowieso schon erstarkende Rechte im Rest Europas noch weiter vorantreiben!" und machen vor lauter nicht-Wollen ihr Kreuz bei "Also vorsichtig! Besser eine sicher nicht optimale Lösung mit den zumindest einschätzbaren alten Parteien als keine Regierung und Chaos."

    Ich frage mich auch, ob nicht sogar Merkels offenkundige Parteinahme in F politisches Kalkül ist, um, EU-politisch gedacht, das Wahlvolk in eine gewünschte Richtung zu lotsen. Man rangiert mit Emotionen und Ängsten. Wir, die Wähler, sehen eine bedrohliche Wolke am Horizont, welcher Art auch immer, und bewegen uns diametral in eine andere Richtung; oder stehen eben loyal zur Partei. Ich frage mich, wie frei die Bewegungsrichtung hier wirklich ist, wenn man die zitierten Überlegungen mit einbezieht.

  4. ich glaube mittlerweile dass die Höhepunkt in der EU erreicht worden ist und langsam davon abkommt , Griechenland ist im Augenblick einen Sonderfall , wenn die Menschen keine Zukunft sehen dann sind sie zu allem Fähig.
    Das Problem sehe ich aber immer noch in Bella Italia , dort machen sich bemerkbar immer mehr Rechtextreme Organisationen , einige davon sind in anderen Länder Europas verboten ,sicherlich sie hatten dort für einige Jahre eine politische Schutz geniessen können , und die neue Politik ist immer noch nicht in der Lage etwas dagegen zu unternehmen , ob sie es überhaupt verstanden haben wem sie Bühne freimachen ?

  5. Redaktion

    Lieber bmmayr@googlemail.com,

    nun ja, so hart wie Sie hätten wir das nicht formuliert.
    Aber in der Tat: Die Überschrift war missverständlich und ist jetzt geändert.

    Bestes vom News Desk,
    Christian Bangel

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    > nun ja, so hart wie Sie hätten wir das nicht formuliert.

    Sie sind ja auch Redaktionsmitglied und ich nur Leser :-)

    > Die Überschrift war missverständlich und ist jetzt geändert.

    Gut!

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Griechenland | Angela Merkel | Pasok | Jura | Laos | Europa
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