Wahl in FrankreichSarkozy will wieder als Anwalt arbeiten

Frankreichs Noch-Präsident beendet seine politische Karriere und will schon bald wieder als Rechtsanwalt tätig sein. Er muss aber auch selbst mit Verfahren rechnen. von afp und dpa

Nicolas Sarkozy verlässt nach seiner Wahlniederlage die Bühne, auf der er vor Parteianhängern gesprochen hatte.

Nicolas Sarkozy verlässt nach seiner Wahlniederlage die Bühne, auf der er vor Parteianhängern gesprochen hatte.  |  © Philippe Wojazer/Reuters

Der scheidende französische Präsident Nicolas Sarkozy plant, nach einer Auszeit wieder als Anwalt zu arbeiten. Der 57-Jährige wolle sich schnell wieder bei der Anwaltskammer Paris einschreiben, sagte sein Berater Franck Louvrier. Sarkozy sei immer noch Teilhaber der Kanzlei seines Partners Arnaud Claude.

Der konservative Staatschef, der die Stichwahl am Sonntag gegen den Sozialisten François Hollande verloren hatte , hatte noch am Wahlabend seinen Ausstieg aus der Politik angedeutet. "Nach 35 Jahren in der Politik kann mein Platz nicht mehr derselbe sein", sagte Sarkozy, der seine Karriere mit 28 Jahren als Bürgermeister des Pariser Nobelvororts Neuilly begonnen hatte.

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Machtübergabe an Hollande

Sechs Tage vor der Machtübergabe an Hollande hat sich Sarkozy von seiner Regierung verabschiedet. Er empfing das Kabinett um Premierminister François Fillon am Mittwochvormittag zur letzten offiziellen Sitzung im Élyséepalast. Auf dem Programm stand unter anderem ein Rückblick auf die vergangenen fünf Jahre.

Die Amtsübergabe ist für kommenden Dienstag geplant. Hollande will noch am selben Tag seinen Premierminister ernennen. Als großer Favorit für den Spitzenposten wird sein Sonderberater Jean-Marc Ayrault gehandelt. Der ehemalige Deutschlehrer und langjährige Fraktionschef der Parti Socialiste (PS) in der Nationalversammlung gilt als moderate Alternative zu der im linken Parteiflügel verankerten Parteichefin Martine Aubry .

Illegale Parteispenden

Sein Amt übergibt Nicolas Sarkozy zwar am 15. Mai, doch seine Immunität als Staatschef erlischt erst einen Monat später. Insgesamt hat er also noch fünf Wochen, dann wird der französische Präsident wieder ein "Franzose unter Franzosen" – und muss sich auf Verfahren gegen ihn einstellen.

Nach Ablauf der Immunität könnte er direkt zu Befragungen von Untersuchungsrichtern oder Staatsanwälten vorgeladen werden, denn Sarkozy ist in eine ganze Reihe von Affären verwickelt. Bisher war er jedoch vor einer Zeugenaussage und einer Strafverfolgung geschützt. Ihm wird unter anderem vorgeworfen, sein Wahlkampf 2007 sei von dem früheren libyschen Machthaber Muammar al-Gaddafi mit 50 Millionen Euro unterstützt worden. Auch die L'Oréal-Milliardärin Liliane Bettencourt soll damals illegal gespendet haben.

Im Zuge der Bettencourt-Affäre wurden auch Journalisten der Zeitung Le Monde ausgeforscht, die zu den Parteispenden recherchierten. Die Zeitung erstattete Anzeige und wirft dem Präsidialamt vor, hinter der Bespitzelung zu stecken. Der Elyséepalast wies dies zurück. Die Ausforschung des Journalisten erfolgte auf Anordnung eines Staatsanwaltes, der ein Sarkozy-Vertrauter ist.

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Leserkommentare
  1. selbst sein bester Klient sein.

    4 Leserempfehlungen
  2. 2. [...]

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  3. 3. Schoen

    waehre es ja wenn sowas in Deutschland auch moeglich waere. In Deutschland ist es keinem Ex-Praesidenten zuzumuten wieder z

  4. wieder zu arbeiten, wird dafuer aber mit Geld, Buero, Auto und Personal ausgestattet.Fuer was nur??

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  5. find ich gut, einer der arbeitet für sein geld (auch wenn man bei manchen anwälten schon wieder von gelddruckern reden sollte...). hoffentlich bekommt er seine rente erst im ruhestand!

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    Ein französischer Präsident bekommt sein Ruhegehalt tatsächlich erst im Pensionsalter, bis dahin hat er allerdings weiterhin Anspruch auf ein Büro, einen Chauffeur, ein Sekretariat und Personenschutz. Finanziell sieht es im Vergleich zum deutschen Bundespräsidenten eher mau aus.

    Es sei denn, er entschließt sich, wozu er das Recht hat, im Verfassungsrat mitzuarbeiten (vielleicht vergleichbar mit dem Bundesverfassungsgericht, aber eben nicht nur aus Richtern bestehend). Chirac und Giscard hatten sich dafür entschieden, da gibt's dann monatlich runde 10.000 Euro.

    In diesem Falle darf er allerdings nicht mehr als Anwalt tätig sein. So oder so, verhungern wird er wohl nicht.

    namens Wulff, von dem ich beruflich so gar nichts mehr gehört habe..... da gefällt mir Herr Sarkozy bedeutend besser

  6. wenn er so schlecht als Anwaltist , wie die Politik, die er gemacht hat, kann nur noch die Industrie seine Klientel sein.......

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    • tbw
    • 09. Mai 2012 13:38 Uhr

    Ein guter Plan für die Zukunft.

    So kann's gehen.

    So hätte es auch in Deutschland nach dem letzten Kanzlerwechsel gehen können. Aber so lief es nicht. Hier musste es ja leider Gazprom sein...

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    Ich finde auch eine Anstellung in einem Energieunternehmen wie Gasprom für den Ex-Bundeskanzler legitim.
    Das Einzige was ich nicht gehört habe, dass der Ex-BP(Ch. Wulff) wieder arbeiten wollte, nur dass er das umstrittene Ex-BP Büro bezogen hatte...

  7. Ich finde auch eine Anstellung in einem Energieunternehmen wie Gasprom für den Ex-Bundeskanzler legitim.
    Das Einzige was ich nicht gehört habe, dass der Ex-BP(Ch. Wulff) wieder arbeiten wollte, nur dass er das umstrittene Ex-BP Büro bezogen hatte...

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    Antwort auf "So kann's gehen"

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa
  • Schlagworte Nicolas Sarkozy | Liliane Bettencourt | Martine Aubry | Muammar al-Gaddafi | Parteispende | Premierminister
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