Präsidentschaftswahl in FrankreichBeobachter sehen keinen Sieger im Fernsehduell

Für Nicolas Sarkozy war es die Gelegenheit, den Umfragerückstand auf Herausforderer Hollande wettzumachen. Doch trotz harter Attacken des Präsidenten blieb der gelassen. von afp, dpa und reuters

Die beiden Kandidaten für das französische Präsidentenamt, Herausforderer François Hollande (links) und Amtsinhaber Nicolas Sarkozy (rechts)

Die beiden Kandidaten für das französische Präsidentenamt, Herausforderer François Hollande (links) und Amtsinhaber Nicolas Sarkozy (rechts)  |  © AFP/GettyImages

Im Fernsehduell der beiden Kandidaten der Stichwahl um das Präsidentenamt in Frankreich haben Beobachter keinen eindeutigen Sieger ausmachen können. Die Diskussion zwischen dem konservativen Amtsinhaber Nicolas Sarkozy und seinem sozialistischen Herausforderer François Hollande am gestrigen Mittwochabend sei "mehr oder weniger" ein Unentschieden gewesen, sagte der Politikwissenschaftler Emmanuel Rivière vom Umfrageinstitut TNS Sofres.

Allerdings habe Hollande lediglich Fehler vermeiden müssen, um seine Stellung als Favorit zu wahren, sagte Rivière. Dies habe Hollande nach einiger Zeit verstanden und sich daraufhin entspannt. Sarkozy sei es in der Debatte, in der die beiden Politiker neben politischen Argumenten auch persönliche Angriffe austauschten, nicht gelungen, Hollande entscheidend zu treffen.

In dem mit Spannung erwarteten Fernsehduell setzten sich der Sozialist François Hollande und der konservative Amtsinhaber Nicolas Sarkozy erstmals im Wahlkampf direkt mit Themen wie Arbeitslosigkeit und Euro-Krise auseinander.

Anzeige

Heftige Wortwahl überrascht Beobachter

Andere Beobachter zeigten sich von der Heftigkeit des Schlagabtauschs überrascht. Gael Sliman vom Umfrageinstitut BVA sagte, zuletzt habe es 1988 zwischen dem Sozialisten François Mitterand und dem Konservativen Jacques Chirac eine derart harte Diskussion gegeben. Der Meinungsforscher Frédéric Dabi vom Ifop-Institut sprach von einer "sehr angespannten Atmosphäre". Sarkozy habe Hollande auf "etwas lehrerhafte Art" die Fähigkeit abgesprochen, das Land zu regieren. In der Debatte, während der sich die beiden Kontrahenten oft kaum gegenseitig zu Wort kommen ließen, hatte Sarkozy Hollande wiederholt als "arrogant" und als "Lügner" bezeichnet.

Der in Umfragen führende Hollande verkündigte gleich zu Beginn, er wolle ein Präsident sein, der das Land zusammenführe. Sarkozy verwies in seiner Eingangserklärung auf die historische Dimension der Wahl am Sonntag: "Frankreich darf keinen Fehler machen: wir stecken nicht in einer Krise, wir stecken in vielen Krisen."

Anderthalb Stunden der insgesamt auf zweieinhalb Stunden angesetzten Debatte erörterten die beiden Kandidaten das Thema Wirtschaft. Hollande kritisierte die geplante Mehrwertsteuererhöhung, die Sarkozy im Oktober umsetzen will, um im Gegenzug die Lohnnebenkosten zu senken und die Unternehmen zu entlasten. Die Maßnahme schade Wachstum und Kaufkraft, sagte der Sozialist.

Mit Blick auf die Arbeitslosigkeit von rund zehn Prozent in Frankreich zitierte der sozialistische Kandidat das Vorbild Deutschland: "Unsere Arbeitslosigkeit ist gestiegen, unsere Wettbewerbsfähigkeit ist gesunken und Deutschland hat es besser gemacht als wir." Sarkozy erinnerte seinen Rivalen daraufhin daran, dass er Maßnahmen nach deutschem Vorbild wie die Schuldenbremse ablehne. Gleichzeitig betonte der Präsident, dass Frankreich seit 2009 kein einziges Quartal mit einer Rezession gehabt habe. "Egal was passiert, Sie sind immer zufrieden", entgegnete Hollande daraufhin.

Die Parteien der beiden Kandidaten sahen zur Halbzeit jeweils ihren Favoriten im Vorteil. "Der sozialistische Kandidat ist, was die Genauigkeit und Qualität angeht, Nicolas Sarkozy deutlich unterlegen", sagte der Abgeordnete Bernard Debré von der konservativen UMP. Dagegen lobte Hollandes Sprecherin Najat Vallaud-Belkacem die unbeirrbare Haltung des Sozialisten, der seinem Gegner direkt in die Augen schaue.

Das 1974 eingeführte Fernsehduell ist der Höhepunkt des Wahlkampfes in Frankreich. In einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage liegt der Sozialist mit 54 Prozent deutlich vor dem Amtsinhaber mit 46 Prozent. Erste Analysen zum möglichen Einfluss des TV-Duells auf die Stimmung im Land werden für diesen Donnerstag erwartet.
 

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. bin ich fasziniert von der Leidenschaft mit der die Franzosen diskutieren, obwohl ich sie nicht verstehe.

    Trotzdem hoffe ich auf einen Sieg von Hollande. Den ich denke er ist der bessere Wahlkämpfer für Marine Le Pen in den nächsten Jahren. Die UMP wird erstmal am Boden sein, Hollande wird Wahlversprechen nach Wahlversprechen brechen müssen.

    Viva la France.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "... obwohl ich sie nicht verstehe."
    Stimmt, es heißt: "Vive ..."

    So, können Sie auch ein paar dieser Wahlversprechen nennen, von denen Sie durch hellseherische Fähigkeiten vorausahnen, dass sie unumsetzbar sind? Und Ihre Vorhersagen begründen?

    Wäre ja schade, wenn hier im Forum immer eine inhaltliche, offene, respektvolle Diskussion gefordert wird, man aber selbst zuallererst gegen jene Normen verstößt und nur ideologische Zerrbilder nährt.

    Was die Debatte angeht, ging es wohl im Grunde weniger darum, neue inhaltliche Ideen zu hören - im Großen und Ganzen liegen die Vorschläge seit einer Weile auf dem Tisch (beide Kandidaten haben jeweils einen Maßnahmenkatalog herausgegeben, der als Präsidentschaftsprogramm gewertet werden kann), und auch wenn man das fehlende große Konzept hinter diesen Einzelmaßnahmen in beiden Lagern bedauern kann; so ist realistisch wohl bei gegebenen Umständen nicht mehr zu erwarten.
    Bei der Debatte ging es nun vor allem um das Auftreten, um die Atmosphäre, die menschliche Ausstrahlung. Hier hatte Sarkozy öffentlich (und auch Herr von Randow in der ZEIT-Kolumne) seine letzten Chancen gewähnt, das Ruder im Duell mit dem als zu kalt eingeschätzten Gegenkandidaten noch herumzureißen.
    Von den ersten Reaktionen kann man allerdings schon feststellen, dass ihm dies nicht gelungen ist. Wie bei den meisten Duellen wirkte die Begegnung nur als Bestärkung voriger Tendenzen; außerdem war Hollande im Vergleich zu vorigen Fernsehauftritten erstaunlich lebhaft und offen. Damit dürfte es für Sarkozy nun sehr schwer werden.

  2. ...Transparenz im französischen Wahlkampf noch eine so große Rolle spielt! Auch die USA gehen mit gutem Beispiel voran und veranstalten TV-Duelle, bei denen die Kandidaten zeigen müssen, wie sie unter Stress auf spontane, unbekannte Fragen reagieren.

    Leider ist dieses Format in Deutschland noch zu wenig vertreten.

    Zu Frankreich: Wäre Hollande nicht eine politische Marionette von Prinz Sarkozy, hätte man ihn doch schon lange "zum Schweigen gebracht" (siehe DSK, Assange, ...)

    Mit solidarischem Gruß,
    besorgter_mitbuerger

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Propagandistisches und populistisches Standing als öffentliche Show sind keine Garantien für solide und verantwortliche Politik.

    • em-y
    • 03. Mai 2012 2:42 Uhr

    Transparenz im US-Wahlkampf? Abgesehen davon, dass es einfach ein populistisches Spektakel ist, das nichts dazu beiträgt, den besten Kandidaten auszusortieren (Nixon war viel kompetenter als sein gegenüber, aber er schwitzte und wurde von Fernsehzuschauern als der Verlierer der Debatte genannt, waehrend die Radiozuhörer ihn als Gewinner der Debatte sahen), werden auch nur ausgewählte Kandidaten zugelassen. Haben sie einen Dennis Kucinich bei einer Debatte gesehen oder die Kandidatin der Green Party? Nein, Leute wie sie dürfen in der oh, so fantastischen US-Demokratie nicht mitspielen. Transparenz! Beacon of democracy! Dass ich nicht lache.

  3. aber da müssen auch die Franzosen durch...

    Ich bin gesapannt auf kommenden Sonntag...

  4. Argumente, der inhaltlichen Performance der Kandidaten im Schlagabtausch, als die Wiedergabe der propagandistisch-atmosphärischen Bewertung aus Sicht ihrer Parteigänger ("Die Parteien der beiden Kandidaten sahen zur Halbzeit jeweils ihren Favoriten im Vorteil").

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Interessanter wäre hier eine Bewertung der inhaltlichen Argumente"
    Nur zählt der Inhalt leider nicht wirklich, es geht nur darum, sich selbst als Sieger zu verkaufen. Ich habe die Diskussion teilweise mitverfolgt und kann nicht feststellen, dass einer der Kandidaten herausgestochen hätte. Also werde ich wahrscheinlich das glauben, was die Zeitungen mir morgen vorsetzen werden...

  5. Propagandistisches und populistisches Standing als öffentliche Show sind keine Garantien für solide und verantwortliche Politik.

    Antwort auf "Schön, dass..."
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Nein, die Show ist kein Garant für gute Politik, im Gegenteil.

    Eher besteht die Gefahr, dass eben nicht die guten Politiker, sondern diejenigen nach oben kommen, die bereit sind, sich durch diese Mühle drehen zu lassen.

    Die dürfen dann natürlich keine Kanten haben, an denen man sich stoßen könnte, sondern müssen immer dem Mainstream folgen: die Augen nicht auf die Zukunft, sondern starr auf die Umfragewerte gerichtet.

    Hier stößt inzwischen die Demokratie an ihre eigenen Grenzen.

  6. "... obwohl ich sie nicht verstehe."
    Stimmt, es heißt: "Vive ..."

  7. "Interessanter wäre hier eine Bewertung der inhaltlichen Argumente"
    Nur zählt der Inhalt leider nicht wirklich, es geht nur darum, sich selbst als Sieger zu verkaufen. Ich habe die Diskussion teilweise mitverfolgt und kann nicht feststellen, dass einer der Kandidaten herausgestochen hätte. Also werde ich wahrscheinlich das glauben, was die Zeitungen mir morgen vorsetzen werden...

  8. ich denke es es gut für die eu wenn das gespann merkozy getrennt wird. diese allianz ist eine allianz gegen die bürger und ihr eigentum. ich weiss zwar nicht, was hollande genau besser machen kann, versuchen wird er es, auf jeden fall wird dann nicht mehr auf den gipfel rumgekuschelt und merkoziert. das wär ja schon was. darüber haben sich zig staaten aufgeregt, die weitaus mehr einzahlen in die eu-küche, als deutschland, was ja immer unter den teppich gekehrt wird. diese eu braucht dringend eine änderung, in nord/süd-euro, sonst wird das nix mehr.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service