Tomislav Nikolić (Mitte rechts) mit seinen Anhängern © Andrej Isakovic/AFP/GettyImages

Ausdauer zahlt sich manchmal aus: Im dritten Anlauf seit 2004 hat der ehemalige Ultranationalist Tomislav Nikolić nun doch noch die serbischen Präsidentenwahlen gewonnen . Knapp schlug er in der Stichwahl am Sonntag den langjährigen Amtsinhaber Boris Tadić.

Der 60-jährige Tomislav Nikolić hat eine bemerkenswerte Wandlung hinter sich. Er war lange Jahre Partei-Vize des Nationalisten und mutmaßlichen Kriegsverbrechers Vojislav Šešelj, dem seit Jahren in Den Haag der Prozess gemacht wird . 2008 überwarfen sich die beiden wegen unterschiedlicher Ansichten zur  EU-Annäherung Serbiens . Nikolić gründete seine eigene Partei, die Serbische Fortschrittspartei. Seither ist seine Rhetorik zwar pro-europäisch, allerdings ohne Begeisterung: Serbien wolle nicht als einziges Land der Region abseits stehen, wenn alle anderen Länder der EU beitreten , sagte er im Wahlkampf. Nach der Wahl beteuerte er: "Serbien wird vom Pro-EU-Kurs nicht abweichen."

Tatsächlich ist Nikolićs Kurs jedoch weit unklarer als der seines Vorgängers Tadić: "Serbien hat zwei Türen, eine nach Westen und eine nach Osten", sagt Nikolić. Erwartet wird, dass Serbien seine traditionell guten Beziehungen zu Russland ausbaut. Zweifel an der Pro-EU-Rhetorik des neuen Präsidenten äußert der Leiter der Konrad-Adenauer-Stiftung in Belgrad , Henri Bohnet: "Nikolić hat bisher mit seiner Fortschrittspartei seinen pro-europäischen Verlautbarungen keine Taten folgen lassen", sagt er. Allerdings bezweifelt Bohnet auch, dass Nikolić außenpolitisch viel Handlungsspielraum hat, um gegen die EU-Integration und die damit verbundene Normalisierung der Beziehungen zur Regierung des Kosovo zu agieren.

Keine Wahl für oder gegen Europa

Doch war die Stichwahl vom Sonntag kein Votum der Serben für oder gegen Europa . Es war vor allem eine Protestwahl gegen Boris Tadić. Dafür spricht vor allem die niedrige Wahlbeteiligung von nur 46,3 Prozent. Obwohl Tadić seit 2008 eine Koalitionsregierung mit den Sozialisten führte, war sein Kurs grundsätzlich wirtschaftsliberal. Tadić hat Serbien näher an die Europäische Union herangeführt und wurde entsprechend im März mit dem Kandidatenstatus für sein Land belohnt .

Doch das Kalkül der EU-Diplomaten ging nicht auf. Der Wahlerfolg des Populisten Nikolić ist vor allem eine Reaktion auf die schwere ökonomische und soziale Krise des Landes. Obwohl Tadić Hunderte ausländische Investoren anziehen konnte, die in den vergangenen zehn Jahren rund 15 Milliarden Euro in Serbien investiert haben, verschlechterte sich die Wirtschaftslage aus Sicht der Menschen immer weiter. Zuletzt lag die Arbeitslosenquote bei 24,4 Prozent. Neue Investoren konnten die Verluste in den oft völlig veralteten Betrieben nicht kompensieren.

Viele Serben machen Tadićs wirtschaftsfreundlichen Kurs für die Misere verantwortlich. Bei der Wahl bekam er allenfalls im relativ prosperierenden Norden des Landes sowie in der Hauptstadt Belgrad größere Unterstützung.