PräsidentenwahlStichwahl mit hoher Beteiligung in Frankreich

Die Entscheidung zwischen Nicolas Sarkozy und François Hollande hat für eine rege Wahlbeteiligung in Frankreich gesorgt. Auch die Kontrahenten haben ihre Stimme abgegeben. von afp

Ein Wahllokal im französischen Nantes

Ein Wahllokal im französischen Nantes  |  © FRANK PERRY/AFP/GettyImages

Bei der Stichwahl um die Präsidentschaft in Frankreich hat sich am Sonntag eine rege Wahlbeteiligung abgezeichnet. Bis Mittag gaben 30,7 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab und damit mehr als bei der ersten Runde vor zwei Wochen, wie das Innenministerium mitteilte. Der sozialistische Favorit François Hollande wählte im zentralfranzösischen Tulle, der konservative Präsident Nicolas Sarkozy am Mittag in Paris .

In der ersten Runde zur Präsidentschaftswahl hatte die Wahlbeteiligung am Mittag bei 28,3 Prozent gelegen, sodass nun für die Stichwahl insgesamt eine Wahlbeteiligung von mehr als 80 Prozent erwartet wurde. Befürchtungen, dass die Zahl der Nichtwähler diesmal besonders hoch sein könnte, hatten sich schon in der ersten Runde nicht bewahrheitet.

Anzeige

Allen Umfragen zufolge dürfte Hollande die Stichwahl mit 52 bis 53,5 Prozent gegen den Amtsinhaber für sich entscheiden. Doch hatte sich der Abstand zwischen beiden zuletzt verringert und lag laut einer Ifop-Umfrage vom Freitag nur noch bei vier Prozentpunkten. Hollande wäre im Falle eines Wahlsieges der erste sozialistische Präsident seit François Mitterrand , der von 1981 bis 1995 an der Spitze Frankreichs stand.

Der Sozialist verbrachte den Wahltag in seinem zentralfranzösischen Wahlbezirk in der Corrèze zusammen mit seiner Lebensgefährtin Valérie Trierweiler. In der Kleinstadt Tulle gab er am Vormittag seine Stimme ab. Dort will er nach 20 Uhr vor der Kathedrale auch seine Stellungnahme zu der Wahl abgeben, bevor er am späten Abend nach Paris zurückkehrt. "Das wird ein langer Tag, ich weiß nicht, ob es ein schöner Tag wird, das entscheiden die Franzosen", sagte der 57-Jährige.

Sarkozy stimmte im eleganten 16. Bezirk von Paris ab, begleitet von seiner Frau Carla Bruni-Sarkozy. Der Präsident, der sich im Wahlkampf bis zuletzt als der erfahrene Krisenmanager präsentierte, zugleich aber auch massiv um Wähler der Rechtsextremen Marine Le Pen warb, wurde von Anhängern mit "Nicolas"-Rufen begrüßt.

Sarkozy hält Kontakt zu Bundeskanzlerin Merkel

Weder Le Pen, die in der ersten Runde mit 17,9 Prozent überraschend stark abgeschnitten hatte, noch der Zentrumspolitiker François Bayrou mit seinen rund neun Prozent Wählern, hatten sich vor der Stichwahl für Sarkozy ausgesprochen. Sarkozy müsste aber mindestens drei Viertel der Le-Pen-Wähler auf seine Seite ziehen und zudem Mitte-Wähler für sich gewinnen, um den Sieg zu schaffen. Dem 57-Jährigen haftet das Image eines "Präsidenten der Reichen" an. Hollande hingegen versprach im Wahlkampf, ein "normaler" Präsident sein zu wollen.

Sarkozys Amtszeit endet am 15. Mai, doch soll es im Falles eines Wahlsieges von Hollande bereits ab Sonntagabend einen ersten Kontakt mit Bundeskanzlerin Angela Merkel ( CDU ) geben, wie dessen Sonderberater Jean-Marc Ayrault sagte. Der Sozialist will den EU-Fiskalpakt um ein Wachstumsprogramm ergänzen und hatte damit Ärger in Berlin ausgelöst.

Die Wahllokale schließen in den kleineren Gemeinden auf dem Land um 18 Uhr, die letzten um 20 Uhr in Großstädten wie Paris. Die Veröffentlichung von Hochrechnungen vor 20 Uhr ist in Frankreich verboten, allerdings wurde die Regelung bereits in der ersten Runde durchbrochen. Wahlberechtigt sind insgesamt rund 44,5 Millionen Franzosen. In der ersten Runde hatte Hollande 28,6 Prozent erreicht und lag damit rund 1,5 Prozentpunkte vor Sarkozy.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
    • IQ130
    • 06. Mai 2012 15:06 Uhr

    Merkel, schau Dir Frankreich an. Ähnliches wird D blühen, wenn die Krise hier voll durchschlägt.

    Merkel hat zu viele Fehler in Europa gemacht, die ihr nun um die Ohren fliegen werden. Deutsche (Französische....) Dominanz mag kein souveräner Staat. Genau das hätte Merkel berücksichtigen müssen und die Staaten ihre Probleme selbst lösen lassen sollen.

    Merkel rettete halt auf Befehl deutsche Banken. Natürlich zahlt der Bürger.

    Der Wähler ist nicht so dumm wie ihr denkt (oder doch?).

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • tbw
    • 06. Mai 2012 16:29 Uhr

    Sie scheinen davon auszugehen, dass die höhere Wahlbeteiligung zwangsläufig dem Kandidaten Hollande nutzen muss.

    Vielleicht liegen Sie damit ja richtig.

    Vielleicht aber auch nicht.

    Denkbar ist, dass viele von denen, die erst jetzt im zweiten Wahlgang an der Abstimmung teilnehmen, zwar keine Sarkozy-Fans sind (dann wären sie nämlich schon vor zwei Wochen zur Wahl gegangen), gleichwohl aber unter allen Umständen einen Präsidenten Hollande verhindern möchten.

    Kurz und gut: den Sieger kennen wir erst nach der Auszählung.

    Zuletzt haben die Umfrageinstitute nur noch einen Abstand von 4 Prozent zwischen Hollande und Sarkozy feststellen können. Das heißt: wenn nur 3 Prozent der vermuteten Hollande-Wähler Sarkozy wählten, hätte Sarkozy gewonnen. Und mit einer Fehlermarge von 3 Prozent muss bei Meinungsumfragen bekanntlich immer gerechnet werden.

    Bonne chance, Nicolas

    Der Wahlabend könnte noch spannend werden...

    • xpeten
    • 06. Mai 2012 17:39 Uhr

    und die Staaten ihre Probleme selbst lösen lassen sollen."

    Eine solche unsolidarische, egoistische, vorgestrige, wenig nachbarschaftliche und auch -angesichts deutscher Exporte- wenig clevere Denkweise ist zum Glück in Europa überwunden.

  1. Werden die Herren Oettinger und Stoiber eben ein wenig zusammenrücken müssen.

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    muss man EU-Wahlen künftig nehmen...

    Das EU-Parament kommt mir vor wie "Endlager für unverwertbare Stoffe"...

    • Askay
    • 06. Mai 2012 17:44 Uhr

    Giegold tritt ab

  2. Seit Napoleon und De Gaulle träumt Frankreich von einem kontinentalen Europa (ohne die Briten) unter französischer Führung. So wird es auch den Eliteschülern beigebracht, aus deren Reihen die Franzosen bekanntlich ihre Präsidentschaftskandidaten auswählen. Hollande machte es daher bereits klar: "Am heutigen Tage werden die französischen Wähler entscheiden, wie es in Europa weiter geht."

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • tbw
    • 06. Mai 2012 16:43 Uhr

    Sie schreiben: "Seit Napoleon und De Gaulle träumt Frankreich von einem kontinentalen Europa (ohne die Briten) unter französischer Führung."

    Ist das der Grund, warum Frankreichs sozialistischer Ministerpräsident Guy Mollet in den 50er Jahren den Briten einen britisch-französischen Staatenbund vorschlug?

    Ist das der Grund, warum Frankreichs gaullistischer Staatspräsident Georges Pompidou in den 70er Jahren für die Mitgliedschaft Großbritanniens in der EWG eintrat?

    Und Charles de Gaulle selbst? Hatte er den Briten und den Amerikanern denn nicht zunächst ein Dreier-Direktorium vorgeschlagen, und sich erst dann dem großen Projekt einer privilegierten deutsch-französischen Partnerschaft zugewandt, als London und Washington seiner Idee eines Dreier-Direktoriums eine Absage erteilt hatten?

    Aber wie mein Vorposter es ja richtig abhandelt, sind die Franzosen in diesem Punkt Realisten.

  3. Wahlbeteiligung müssen sich die deutschen Wähler einfach mal ein Beispiel nehmen...

    Es bleibt wohl bis zuletzt spannend!

    Liebe Grüße

    Antwort auf
  4. Die Überseedepartements haben mit überproportional klarem Votum für Hollande gestimmt, meldet der belgische Rundfunk. Das Rennen scheint damit gelaufen.

    Eine Leserempfehlung
  5. „Wenn du die Wahl hast zwischen zwei Übeln, wähle keines von beiden.“
    Charles Haddon Spurgeon

    Antwort auf
    • tbw
    • 06. Mai 2012 16:29 Uhr

    Sie scheinen davon auszugehen, dass die höhere Wahlbeteiligung zwangsläufig dem Kandidaten Hollande nutzen muss.

    Vielleicht liegen Sie damit ja richtig.

    Vielleicht aber auch nicht.

    Denkbar ist, dass viele von denen, die erst jetzt im zweiten Wahlgang an der Abstimmung teilnehmen, zwar keine Sarkozy-Fans sind (dann wären sie nämlich schon vor zwei Wochen zur Wahl gegangen), gleichwohl aber unter allen Umständen einen Präsidenten Hollande verhindern möchten.

    Kurz und gut: den Sieger kennen wir erst nach der Auszählung.

    Zuletzt haben die Umfrageinstitute nur noch einen Abstand von 4 Prozent zwischen Hollande und Sarkozy feststellen können. Das heißt: wenn nur 3 Prozent der vermuteten Hollande-Wähler Sarkozy wählten, hätte Sarkozy gewonnen. Und mit einer Fehlermarge von 3 Prozent muss bei Meinungsumfragen bekanntlich immer gerechnet werden.

    Bonne chance, Nicolas

    Der Wahlabend könnte noch spannend werden...

    Antwort auf "Sozialismus oder??"
  6. zeichnet sich der Machtwechsel in Frankreich ab...

    Schaut doch mal im Focus-Liveticker...

    Nix für ungut liebe Zeit - aber ihr habt ja heute auch Sonntag...

    3 Leserempfehlungen

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, afp
  • Schlagworte Nicolas Sarkozy | Frankreich | Angela Merkel | CDU | Innenministerium | Bundeskanzler
Service