Damaskus-AnschlägeBan warnt vor Al Kaida in Syrien

Sickern islamistische Terroristen in Syriens Opposition ein? Der UN-Generalsekretär glaubt, dass Al Kaida hinter den verheerenden Anschlägen von Damaskus steckt. von afp und reuters

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon  |  © Minzayar/Reuters

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat die Vermutung geäußert, dass das Terrornetzwerk Al Kaida der Urheber der jüngsten Attentate in Syrien sei. Ban sagte, er glaube, "dass Al Kaida dahinter steckt". Dies schaffe "erneut ein sehr ernsthaftes Problem". Ban meinte, die Anwesenheit der UN-Beobachter in Syrien hätte zwar einen "befriedenden Effekt", doch gehe die Gewalt weiter.

Die syrische Opposition widersprach Ban Ki Moon. Ein Vertreter des Syrischen Nationalrates sagte dem Nachrichtensender Al-Arabija, die Anschläge seien von Terroristen verübt worden, die das Regime von Präsident Baschar al-Assad als "Reserve für schlechte Zeiten" in seinen Gefängnissen festgehalten habe.

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Die Anschläge am 10. Mai vor einem Gebäude der Sicherheitsdienste in Damaskus waren die schwersten Attentate seit dem Beginn des Aufstands gegen Staatschef Baschar al-Assad. Es gab 55 Tote und mehr als 370 Verletzte. Seit Monaten wächst die Sorge, dass die syrische Protestbewegung von Al Kaida unterwandert wird. Zu dem Anschlag hatte sich die radikale Islamistengruppe Al-Nursa-Front bekannt. An der Echtheit des Bekennervideos der Gruppe gibt es jedoch Zweifel.

Bans Äußerungen dürfte die Regierung in Damaskus bestärken: Syrien behauptet seit Monaten, aus dem Ausland finanzierte "Terroristen" würden hinter dem Aufstand stecken. Die syrische Regierung verdächtigt besonders Saudi-Arabien und Katar der Unterstützung. Diese beiden Staaten werben für eine Bewaffnung der Gegner des Präsidenten Assad.

Syrien hatte den Vereinten Nationen kürzlich eine Liste mit 26 festgenommenen Ausländern vorgelegt, die angeblich zum Kampf gegen die Regierung eingeschleust worden sind. 20 dieser Personen seien Mitglieder von Al Kaida und über die Türkei ins Land gelangt.

Nordkorea wollte Rüstungsmaterial an Syrien liefern

Nach Aussagen von UN-Diplomaten hat Nordkorea versucht, Rüstungsmaterial an Syrien zu liefern. Dies geht aus einem Bericht des Sanktionsausschusses hervor, über den der Sicherheitsrat am Donnerstag in einer vertraulichen Sitzung beriet. Der Transport sei aber von den Behörden eines UN-Mitgliedslandes abgefangen worden. Gegen Syrien gibt es zwar kein Waffen-Embargo der Vereinten Nationen, Nordkorea ist solch ein Handel jedoch laut Resolution des Sicherheitsrates untersagt.

Die UN-Beobachtermission in Syrien wird unterdessen bald ihre volle Mannschaftsstärke erreicht haben. Aktuell nehmen 236 unbewaffnete Militärs und 71 Zivilisten an dem Einsatz teil. Der UN-Sicherheitsrat hatte im April die Entsendung von 300 Militärbeobachtern nach Syrien beschlossen. Die Angehörigen der Beobachtermission stammen aus 37 Ländern. Die Bundesregierung hatte am Mittwoch beschlossen, bis zu zehn unbewaffnete Angehörige der Bundeswehr nach Syrien zu entsenden.
 

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Leserkommentare
  1. Die Erkenntnis von Ban Ki Moon kommt zwar reichlich spät, lässt aber doch Hoffnung aufkeimen, dass der Westen die Lage in Syrien allmählich objektiver beurteilt als bisher.
    Ich frage mich allerdings, was diesen plötzlichen Sinneswandel verursacht hat? Der Ausgang der Wahlen wird leider von den meisten Vertretern der "Guten Seite" ignoriert bzw. als Fälschung verunglimpft.

  2. Syrien fahren, dann ist es ihr Ding. Ob es ein Mandat wird entscheidet hoffentlich der Bundestag.

  3. Einerseits lt Obama ein erledigtes Problem. Andererseit Berichte über Al Kaida aus Mali, aus Libyen, aus dem Sudan, aus Somalia um nur ein paar Länder zu nennen.

    Ist es nun noch ein Problem, oder sind das Bedarfsbösewichte, sozusagen eine virtuelle Gruppe, die bei Bedarf politische Entscheidungen begründet.

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    der Erläuterung. Ist es so, dass gewaltbereite Islamisten quasi automatisch Al Kaida zugeordnet werden, oder sind das
    eigentlich Einzelgruppen.

    sind keine "Islamisten" - das Wort ist eine Erfindung von A............

    Ich habe 2 Jahrzehnte in Staaten gearbeitet die von Muslimen regiert wurden. Da gab es Gastfreundschaft, ich konnte, ohne Angst über die Straße laufen, ich wurde auch nicht kontrolliert.

    Ich habe sehr nette Nachbarn, die auch Muslime sind - Vollkommen Integriert und immer Hilfsbereit und denen ist Al Kaida genau so Suspekt wie mir.

    Mehr sollte man dazu nicht sagen.

  4. der Erläuterung. Ist es so, dass gewaltbereite Islamisten quasi automatisch Al Kaida zugeordnet werden, oder sind das
    eigentlich Einzelgruppen.

  5. überfallen???

    Wenn Frau Merkel in Camp David aufschlägt, was bringt sie mit. Bundeswehr nach Syrien?, Michels Steuergeld?

  6. 6. [...]

    Entfernt. Bitte bemühen Sie sich um sachliche Diskussionsbeiträge. Danke. Die Redaktion/vn

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    Entfernt. Kritik nehmen wir gerne entgegen. Dennoch bitten wir Sie, diese an community@zeit.de zu richten. Danke. Die Redaktion/vn

  7. sind keine "Islamisten" - das Wort ist eine Erfindung von A............

    Ich habe 2 Jahrzehnte in Staaten gearbeitet die von Muslimen regiert wurden. Da gab es Gastfreundschaft, ich konnte, ohne Angst über die Straße laufen, ich wurde auch nicht kontrolliert.

    Ich habe sehr nette Nachbarn, die auch Muslime sind - Vollkommen Integriert und immer Hilfsbereit und denen ist Al Kaida genau so Suspekt wie mir.

    Mehr sollte man dazu nicht sagen.

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    es geht m.e. auch nicht darum, zu behaupten breite teile der muslime würden al qaida unterstützen. es handelt sich dabei um randgruppen - die aber wegen ihrer militanz und entschlossenheit in der lage sind, viel zu zerstören.

    Ich suche noch ein wenig weiter.

  8. Entfernt. Die Redaktion/vn

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    Schon seit dem Beginn des Konflikts warnten die Nahostexperten und die russische Regierung über die Gefahr der Unterwanderung durch die Al-Kaida. Leider hatten die europäische und amerikanische Regierungen einen "demokratischen Tunnelblick", welche jeglichen Aufstand gegen einen Autokraten als einen demokratischen Wandel gesehen hatten. Jetzt, als in Syrien Irak-Verhältnisse bestehen, gibt der Uno-Repräsentant, dass wir eigentlich auch dort nichts mehr machen können. So darf man die Frage stellen: Wann wird der Westen die Situation richtig einschätzen lernen bzw. auf die Stimmen aus den Ländern, die keinen eurozentrische Sichtweise vertreten, aufmerksam werden.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, Reuters
  • Schlagworte Syrien | Bundesregierung | Ausländer | Militär | UN-Sicherheitsrat | Vereinte Nationen
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