Syrische Soldaten in Harasta, nördlich von Damaskus (Archiv) © Louai Beshara/AFP/Getty Images

In der Europäischen Union wächst die Sorge über die andauernde Gewalt in Syrien . Außenminister Guido Westerwelle warnte vor einer Ausweitung der Kämpfe in der Region. Es gebe erste besorgniserregende Anzeichen, dass die Gewalt auf Nachbarländer wie den Libanon übergreife. "Die Gefahr eines Flächenbrandes ist ernst", sagte Westerwelle.

Er will im Verlauf des Tages nach Ankara reisen, um mit seinem türkischen Kollegen die Lage zu erörtern. Es sei wichtig, jetzt die Friedensinitiative des früheren UN-Generalsekretärs Kofi Annan umzusetzen. Alle Seiten müssten dazu die Gewalt beenden.

Bei einem Treffen in Brüssel wiederholten die Außenminister der 27 EU-Staaten ihre Unterstützung für Annans Friedensplan. Schwedens Außenminister Carl Bildt warnte vor "einem raschen Abgleiten in einen Bürgerkrieg", falls es nicht gelinge, einen Dialog zwischen Präsident Baschar al-Assad und der von ihm verfolgten Opposition zu beginnen.

Die EU verschärfte ihre Sanktionen gegen das Assad-Regime. Drei Personen und zwei Firmen wurden auf schwarze Listen der EU gesetzt. Die Personen erhalten damit Einreiseverbot in die EU, ihre Vermögen in der EU werden eingefroren. Die Unternehmen dürfen keine Geschäfte mehr mit der EU machen.

Belgischer Außenminister will "humanitären Korridor"

Bildt sagte, es sei wichtig, dass so rasch wie möglich alle 300 UN-Beobachter in Syrien die Arbeit aufnehmen können: "Wir sehen, dass Gewalt und Unterdrückung dort abnehmen, wo die Beobachter arbeiten können." Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton teilte mit, am Wochenende seien von der EU die ersten von 25 gepanzerten Fahrzeugen für die UN-Beobachter bereitgestellt worden.

Ashton sagte, die EU werde Annan so lange unterstützen, wie er seine Mission fortsetzen wolle: "Und im Moment glaubt er, dass dies der beste Weg ist. Und wir alle haben eine Verantwortung dafür, ihn zu unterstützen." Der finnische Außenminister Erkki Tuomioja sagte: "Wir sollten alle UN-Beobachter so rasch wie möglich ins Land bringen. Und dann sollten wir überlegen, ob wir nicht mehr brauchen, weil das so ein großes Land ist."

Der belgische Außenminister Didier Reynders sagte, das Ausbleiben des vom Annan-Plan vorgesehenen Waffenstillstandes dauere bereits zu lange: Man müsse deswegen jetzt auch die Idee eines "humanitären Korridors" in Syrien wieder prüfen. Dabei gehe es darum, "humanitäre Hilfe ins Land zu bringen, vielleicht mit einer Militärpräsenz". Sein luxemburgischer Kollege Jean Asselborn lehnte diesen Gedanken jedoch ab: "Eine militärische Intervention ist keine Lösung. Also müssen wir den politischen Druck auf das Land aufrechterhalten."

Heftige Gefechte in Nordsyrien

Um die strategisch wichtige Stadt Rastan liefern sich Regierungstruppen und Rebellen derzeit eine erbitterte Schlacht. Die Aufständischen töteten nach Angaben der oppositionellen Syrischen Beobachtungsgruppe für Menschenrechte 23 Soldaten und zerstörten drei gepanzerte Truppentransporter. Zugleich sahen sie sich heftigem Dauerbeschuss der Einsatzkräfte Assads ausgesetzt. In der Nacht zum Montag hatte das Militär nach Angaben der Aufständischen seine jüngste, am gestrigen Sonntag begonnene Offensive auf die nordsyrische Stadt verstärkt.

Regierungstruppen hatten Rastan während des 14-monatigen Aufstands gegen Assad mehrfach erobert , doch die Rebellen kämpften sich immer wieder zurück. Bei dem Aufstand sind nach Schätzungen der Vereinten Nationen bislang mehr als 9.000 Menschen ums Leben gekommen. Trotz der offiziell geltenden Waffenruhe zeichnet sich kein Ende der Gewalt ab.