Bürgerkrieg in SyrienRebellen erklären Waffenstillstand für gescheitert

Die Aufständischen haben zum Gegenangriff aufgerufen, nachdem in Hula mindestens 108 Menschen erschossen wurden. Der UN-Sicherheitsrat hat eine Sondersitzung einberufen. von afp, dpa und reuters

Ein Panzer der syrischen Armee in der Ortschaft Hula

Ein Panzer der syrischen Armee in der Ortschaft Hula  |  © REUTERS/Handout

Der Waffenstillstand in Syrien verliert zunehmend an Bedeutung. Nach dem Tod von mindestens 108 Menschen in der Stadt Hula haben die Rebellen dazu aufgerufen, sich an der syrischen Regierung für die Angriffe zu rächen. Der UN-Friedensplan sei gescheitert und Präsident Baschar al-Assad verstehe "nichts anderes als die Sprache der Gewalt", sagte ein Sprecher der hauptsächlich aus Deserteuren bestehenden Freien Syrischen Armee zu CNN .

Der UN-Sicherheitsrat hat zur Lage in Syrien eine Sondersitzung einberufen. Auf Drängen der westlichen Länder kam das Gremium am Nachmittag (Ortszeit) im UN-Hauptquartier in New York zusammen. Zu Beginn der Debatte war unklar, welche Schritte der Rat ergreifen würde. Eine Resolution gilt wegen des russischen Widerstandes als unwahrscheinlich, möglich wäre aber eine gemeinsame Erklärung.

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Der russische Vertreter Igor Pankin äußerte vor der Sitzung Zweifel daran, dass Regierungstruppen an dem Angriff beteiligt waren. "Wir müssen prüfen, ob es wirklich die syrischen Autoritäten waren." Es gebe Gründe für die Annahme, dass die Mehrheit der Opfer mit Messern oder ähnlichen Waffen hingerichtet worden seien.

UN-Beobachter berichten von Artillerie- und Panzergranaten

Nach Angaben der Beobachtermission wurden die meisten Opfer durch Artillerie- und Panzergranaten getötet, über die nur die Regierung verfügt. Die Vertreter der Vereinten Nationen hätten in der Moschee des Ortes 85 Leichen gesehen, darunter die von 34 Kindern, heißt in einem Brief von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon an den Sicherheitsrat. Auch die Schäden an Gebäuden stammten von schweren Waffen.

Bei dem Angriff auf die Stadt Hula im Zentrum des Landes wurden am Freitag nach Angaben der UN-Beobachtermission 108 Menschen getötet, darunter 32 Kinder. 300 weitere Menschen wurden verletzt. Die USA und andere westliche Staaten sprachen von einem " Massaker ", UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und UN-Sonderberichterstatter Kofi Annan verurteilten das "empörende und schreckliche Verbrechen" als Verletzung des Völkerrechts.

Der Chef der UN-Beobachtermission in Syrien, Robert Mood, bezeichnete den Vorfall als "Tragödie sondergleichen". Sein Team sei über das Gesehene "schockiert und bestürzt", sagte er im Nachrichtensender Al-Jazeera. Zugleich vermied er es, von einem Massaker zu sprechen. "Es ist noch zu früh, die genauen Umstände zu bestimmen, die zu diesen tragischen Tötungen führten." Erst wenn er im Besitz aller beweiskräftigen Erkenntnisse sei, werde er die entsprechenden Schlussfolgerungen in einem Bericht formulieren.

Leserkommentare
  1. ... sogenannten "Rebellen" ohnehin nie vorhatten, einzuhalten. Verhandlungen haben sie stets abgelehnt, vorgeblich, weil die Gegenpartei es nicht ernst meine.

    Jetzt dient der aktuelle Vorfall, ohne Prüfung dem Assadregime zugeschoben, als Vorwand, um auch offiziell wieder den Weg der Gewalt zu gehen.

    Wer in Syrien mit Waffen eingreift, macht sich eines Angriffskrieges schuldig.

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    • joG
    • 27. Mai 2012 16:44 Uhr

    ...dem Diktator und doch einem ziemlich großen Teil des Volks.

    Die Dynastie des Diktators setzt seit Jahrzehnten wirkliche Folter ein und vernichtet in großer Menge Personen, die sich gegen die Diktatur stellten. Vermutlich ist etlichen Oppositionellen irgendwann in diesen Jahren die Vermutung gekommen, dass Freiheit, Rechtsstaat und allgemeine Anwendung des Gesetzes so, dh mit dem Diktator nicht zu erreichen ist; dass man 9ihm nicht trauen darf, dies mit dem Leben bezahlt.

    Das ist keine gute Basis für Verhandlungen. Da gibt es egal, ob die Opposition recht hat oder nicht, wenig Öffnung für Kompromiss. Es ist mir unbegreiflich, dass man da den Diktator unterstützen kann. Mit scheinen die Leute, die das tun offensichtliche Feinde im Tod bringenden Sinn, der dortigen Oppositionellen. Mir scheinen solche Leute, die sich so einmischen in das Geschehen als Kombattanten.

    • bugme
    • 27. Mai 2012 23:02 Uhr

    Nach wie vielen Toten fänden Sie es moralisch angebracht einzuschreiten?

    • rfarr
    • 27. Mai 2012 14:26 Uhr

    bei denen es nach Auffassung von Orient-Experten Prof. Meyer hauptsächlich um Deserteure, Gotteskrieger und Kriminelle handelt, ohnehin nie an den Waffenstillstand gehalten haben, ist diese Ankündigung ohne jeden Informationswert.

    Ist die Behauptung, die Opfer seien von Regierungstruppen zu verantworten, verifiziert?
    Ich habe andere Informationen:

    Die momentan in Syrien befindliche Korrespondentin Olga (angesichts der Headhunter-Seiten der bewaffneten Opposition auf Facebook wird ihr Nachname nicht genannt; sie schreibt unter dem Pseudonym „Draft“) berichtet folgendes:

    "In der Nacht auf den 25. Mai haben mehrere Gruppen bewaffneter Kämpfer, insgesamt mehr als 100 Personen, die Stadt überfallen. Angegriffen wurden staatliche Einrichtungen sowie das städtische Krankenhaus. Die Syrische Arabische Armee begann eine Gegenoffensive. Die Zahl der Opfer wird momentan noch geklärt, da die Operation andauert.

    Von uns aus können wir hunzufügen, dass die Armee derzeit eine größere Gruppe bewaffneter Banditen in der Stadt blockiert. Es ist wahrscheinlich, dass die Medienkampagne Druck auf die syrische Führung ausüben soll, damit die Armee von der Stadt zurückgezogen und den festgesetzten Banden so eine Fluchtmöglichkeit eröffnet wird. "

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    ......, plappert dummes Zeug und schon findet er Anhänger.

    Wenn der syrische Geheimdienst in Berlin Regime-Gegner niederschlagen kann, wird er sich wohl auch die Meinungen von "Experten" kaufen können.....................................

    • joG
    • 27. Mai 2012 18:11 Uhr

    ...wer die Oppositionellen sind. Darüber zu sinnieren bringt nichts. Die Zeit ist vorbei, in der man den Diktator hätte halten können. Er schafft keine Sicherheit mehr für die Bevölkerung, ist daher illegitim und muss weg. Wer ihn noch stützt ist mit ihm verantwortlich für den ablaufenden Massenmord und ist Kombattant.

    Nun ist es Zeit zu überlegen, wie man die Periode des Tötens verkürzen und wie man helfen kann eine sichere Situation in der Zeit nach Assad Zu schaffen. Wer Assad unterstützt, verlängert das Massensterben und verringert die Chancen späteren Friedens. Persönlich empfinde ich das als Menschenverachtung.

  2. nun, nachdem man neue Waffen erworben hat, gut ausgerüstet ist, ist es doch die logische Konsequenz den Krieg zu verschärfen.
    Die Waffenruhe konnte zu keinem Zeitpunkt eingehalten werden, da schlicht die Kontrolle über die einzelnen Rebellengruppen fehlt.

  3. Die Geschichte der FSA und dem der Propagandastelle für Menschenrechte macht doch von vorne bis hinten keinen Sinn. Angriffe mit schweren Waffen und Granaten? Wo sind die Bilder der zerstörten Gebäude? Warum haben die Leichen keinerlei Spuren eines solchen Angriffes? Wer hat die Kinder so schön nebeneinandergelegt und diese Bilder verbreitet? Hätte dieser Jemand nicht auch die Zerstörungen der "schweren Waffen" dokumentieren können?

    Warum sollten die Assad Truppen sowas tun? Damit liefern sie doch eine Steilvorlage.

    Das passt doch alles wunderbar zusammen. 30 tote Kinder schön nebeneinandergelegt und ein Foto gemacht. Das ganze dann an alle Medien schicken und sofort nach Kündigung des Waffenstillstandes und Intervention des Auslandes rufen.

    Nein, diese Geschichte glaube ich nicht.

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    • PGMN
    • 28. Mai 2012 4:42 Uhr

    "Wer hat die Kinder so schön nebeneinandergelegt und diese Bilder verbreitet? Hätte dieser Jemand nicht auch die Zerstörungen der "schweren Waffen" dokumentieren können?"

    Darf ich annehmen, dass Sie auch zu der kleinen aber "speziellen" Bevölkerungsgruppe gehören, die, sollte sie einmal, beispielsweise, Zeuge eines Bombenattentats in einem Kindergarten werden, zuerst die Kamera herausholen? Ich meine das im Gegensatz, zum Beispiel, rein aus dem Bauch heraus argumentiert, zur Leistung erster Hilfe? Triage, vielleicht? Bergung Verletzter oder Toter? Aber nein, Sie stünden ja lieber in einer Ecke und machten Photos, damit hinterher nicht irgendjemand vor einem Rechnermonitor sitzt und sich beschwert, dass das Attentat ja so nicht stattgefunden haben kann, weil er "Ungereimtheiten" zu erkennen meint.

    • APGKFT
    • 27. Mai 2012 14:37 Uhr
    5. [...]

    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/mak

    • LaoLu
    • 27. Mai 2012 14:55 Uhr

    "Am Freitag hatte die syrische Armee die Stadt Hula im Zentrum des Landes angegriffen und dort nach Angaben von UN-Beobachtern mindestens 92 Menschen getötet, darunter 32 Kinder."

    Nach Angaben von UN-Beobachtern?

    Wirklich?

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    .. haben die UN die Zahl der Toten bestätigt, und das anscheinend schwere Waffen eingesetzt wurden.

    Aber marginale Unterschiede wie zwischen "sichtbare Fakten bestätigt" und "Urheber benannt" verliere an Wichtigkeit, wenn es darum geht, angemessene Empörung hervorzurufen.

  4. Als ein letzter Versuch, sich und seiner Bande der Macht zu sichern, wird der Schritt Assads, Syrien in den Buergerkrieg zu schicken, bewertet.
    Auch wenn es zum Buergerkrieg kommen sollte, kann, soll und darf die Revolution nicht gestoppt werden.
    Assad und seiner ueblen Bande werden nicht wenige Alawieten, Christen und Druzen zum Buergerkrieg verleiten wollen und koennen. Ein Buergerkrieg uebrigens, der nicht langwierig und unertraeglich blutig sein wird, denn schnell nach Ausbruch eines solchen Krieges werden die Kontrahenten merken, dass eine moegliche geographische Teilung Syriens unmoeglich sei und daher besser waere es, den Diktatur schleunigst zum Teufel zu jagen.

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    P.S. Es herrscht schon Bürgerkrieg in Syrien. Seit über einem Jahr schon.

    P.P.S. Eine "Revolution" ist immer politisch. "Assad weg" ist dafür nicht ausreichend. Was die Milizen in Syrien machen ist ein Staatsputsch aka. Regime Change.

  5. .. haben die UN die Zahl der Toten bestätigt, und das anscheinend schwere Waffen eingesetzt wurden.

    Aber marginale Unterschiede wie zwischen "sichtbare Fakten bestätigt" und "Urheber benannt" verliere an Wichtigkeit, wenn es darum geht, angemessene Empörung hervorzurufen.

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