Bürgerkrieg : UN-Beobachter melden weiteres Massaker in Syrien

Eine Schreckensmeldung nach der anderen – jetzt wurden 13 massakrierte Menschen in Syrien gefunden. Mehrere Staaten streiten über eine Militärintervention gegen Assad.

Im Osten Syriens sind 13 Männer aus nächster Nähe erschossen worden. Es seien Leichen in Assukar in der Provinz Deir as-Saur gefunden worden, teilte der Leiter der UN-Beobachtermission, Robert Mood, laut dem Sender Al Jazeera mit. Ihre Hände waren hinter dem Rücken zusammengebunden. Ein anderes Massaker, bei dem in Hula am Freitag mehr als 100 Menschen wohl von der regimetreuen Schabiha-Miliz hingestreckt wurden, hatte weltweit nicht nur für Empörung gesorgt, sondern auch dazu, dass über ein Eingreifen nachgedacht wird.

Oppositionelle veröffentlichten ein Video, das die Opfer der Gewalttat in Deir as-Saur zeigte. Die Motive der Täter blieben unklar. In einigen Berichten aus Oppositionskreisen hieß es, bei den Toten handele es sich um Deserteure in Zivil, die von Regierungstruppen erschossen worden seien.

In anderen Berichten wurde behauptet, die Mordopfer seien Arbeiter der Ölgesellschaft Al-Furat. Sie seien von Regierungstruppen getötet worden, weil sie sich einem Proteststreik gegen das Massaker in Hula angeschlossen hätten.

Die regimetreue syrische Tageszeitung Al-Watan schrieb, am vergangenen Samstag seien in Deir as-Saur 39 Arbeiter und Ingenieure der Ölgesellschaft verschleppt worden. Am Montag hätten die gleichen Entführer noch einen weiteren Arbeiter in ihre Gewalt gebracht. Ihnen gehe es vermutlich um Lösegeld. Über einen Vermittler seien Verhandlungen über die Freilassung der Entführten im Gange.

Hollande wirbt für Militärintervention

Unterdessen wächst als Reaktion auf das Massaker in Hula der Druck auf das Regime von Syriens Präsident Baschar al-Assad. Am Dienstag hatten zahlreiche Staaten, darunter Deutschland, die syrischen Botschafter des Landes verwiesen .

Nun schloss Frankreichs neuer Präsident François Hollande einen Militäreinsatz in Syrien mit einem UN-Mandat nicht aus. "Es ist an mir und den anderen, die Russen und Chinesen zu überzeugen", sagte er dem Fernsehsender France 2.

Russland und China gegen Militäreinsatz

Allerdings bekräftigten Russland und China sogleich ihr Nein zu einer militärischen Intervention. Sein Land lehne die gewaltsame Absetzung ausländischer Regierungen ab, sagte ein Sprecher des chinesischen Außenamtes. Der russische Vize-Außenminister Gennadi Gatilow sagte laut Nachrichtenagentur Interfax, zum jetzigen Zeitpunkt seien Überlegungen über ein Eingreifen der UN verfrüht.

Zudem kritisierte Russland die Ausweisung syrischer Spitzendiplomaten aus zahlreichen westlichen Staaten. Dieses Vorgehen sei kontraproduktiv, weil damit eine Möglichkeit zur Einflussnahme auf die Führung in Damaskus ausgeschaltet werde, teilte das Außenministerium mit.

Auch Deutschland lehnt einen Militäreinsatz in Syrien ab. "Für Spekulationen über militärische Optionen besteht aus Sicht der Bundesregierung kein Anlass", sagte Außenminister Guido Westerwelle der Welt . "Die schrecklichen Bilder und Nachrichten aus Syrien ließen niemanden kalt", sagte er. "Umso dringlicher ist es, jetzt alle politischen Hebel zu nutzen, damit die Gewalt in Syrien endlich endet und der Friedensplan von Kofi Annan vollständig umgesetzt wird."

Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn warnte vor einem Militäreinsatz in Syrien. Bei einem Einmarsch in das Land müsste man mit Zehntausenden Toten rechnen, sagte er Spiegel Online . Es müsste mit ähnlichen Verhältnissen wie im Irak nach der US-Militärintervention gerechnet werden.

In Syrien ist seit über einem Jahr eine Erhebung gegen Präsident Assad im Gange, bei der nach Schätzungen der UN mehr als 10.000 Menschen getötet wurden.

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Kommentare

41 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Eine Intervention mit EL-QUAIDA + Saudi und Turkisch puppets ?

Nein Danke!
Die ganze Welt weiß dass dort die EL-QAIDA aktiv ist.
Und das Medien gezielt manipuliert werden. Die syrische Regierung hat über 1000 Opfer, diese wurden bestialisch hingerichtet. Diese werden nach der Hinrichtung noch Stunden lang weiter zerstümmelt!

Es ist Zeit für uns als Deutschland die Lanze rauszuholen und aufhören uns mit Terroristen zu verbünden.
Wir sind eines der führenden Wirtschaftsnationen und haben sowas nicht nötig.
Gut ist zu wissen dass das Vatikan nicht käuflich ist.
Nimmt euch mal Zeit folgenden Artikel
(Syriens Opposition soll Medien gezielt manipulieren) durchzulesen.
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Mittlerweile hat sich auch der Vatikan eingeschaltet. Die hauseigene Nachrichtenagentur Fides zitiert eine Quelle aus dem syrischen Aleppo, die die Verfolger als Rebellen beschreibt: "Islamistische und terroristische Bewegungen sind auf dem Vormarsch."

In einigen von den Rebellen kontrollierten Stadtteilen in Syrien soll bereits die schwarze Flagge der al-Qaida gehisst worden sein.

http://www.welt.de/politi...

Da braucht man nicht erst den Vatikan, bevor einem auffällt dass die Pressemeldungen der Milizen zutiefst unlogisch sind. Assad lässt Selbstmordattentäter mitten in Damaskus zur Rushhour eine Riesenbombe genau vor dem Geheimdienstgebäude zünden? Opfer sind hunderte Zivilisten und Sicherheitskräfte?
Assad lässt irgentwelche zivilen Milizen regimetreue Familien ermorden? Mit Schüssen in den Kopf und Kehle durchschneiden?

Wir erinnern uns an Libyen. Container voller Vergewaltigungs-Viagra oder Massengräber mit Tierknochen. All diese Geschichten sind bei uns durch alle Medien gegangen. Als rauskam, dass es Lügen sind wurde das aber medial nicht klargestellt. Und wenn dann nur im Kleingedruckten.

Nein, früher oder später kommt das alles raus. Hoffen wir, dass bis dahin keine Kurzschlussreaktionen irgentwelcher profilierungssüchtiger Politiker durchgeführt werden.

Antwort auf: 5. Eine Intervention mit EL-QUAIDA...

Danke für den sehr Link, um die ganze Problematik mit ein wenig weiterem Blick anzuschauen.
http://www.welt.de/politi...

Dass auch die Rebellen gezielt Menschenrechtsverletzungen begehen, sich an Zivilisten (zB Christen) rächen, foltern...dass auch die Al Quaida als Rebellentruppe ihre blutigen Finger im Spiel hat...all das ist klar...
Wir sehen Syrien also mitten in einem Bürgerkrieg. Nun nur die Regierung zu stürzen scheint mir nicht mehr der richtige Weg zu sein...Wenn nur die Opostion an die Regierung kommt wird es zu unzähligen Racheakten kommen und die Alawiten werden die unterdrueckte Minderheit sein...das kann ja auch nicht Ziel sein!
Wie wäre es damit:
1) Die Regierungstruppen und die Rebellen sind bereit ihre Waffen schweigen zu lassen und sich zurückzuziehen (Kaserne oder Haus)
2) die UN schickt zusammen mit Russland und China bewaffnetete Bodentruppen, welche fuer die Sicherheit sorgen.
4) Wer noch mit Waffen angetroffen wird wird entwaffnet, als Terrorist verfolgt.
5) parallel wird ein Rat zur friedlichen Zusammenarbeit gerufen, alle syrische Gruppen können sich daran beteiligen...Übergangsregierung von 1 Jahr, das demokratische Neuwahlen vorberietet. Parteien können ja sowieso schon gebildet werden, ev notwendige Verfassungsänderungen vorbetreitet werden...alles unter Aufsicht der UN (zusammen mit RUS und China)
Eine Möglichkeit - Ein Traum!?

Hoffentlich kommt die gesamte region bald zu Ruhe

und Stabilität. Das ist ja grausam. Dennoch finde ich, dass diese permanente Brutalisierung und Aufrüstung, sowie der Gute Kriege gegen Afghanische Stämme unter dem Begriff "Friedensmission" und Präventivkriege unter falschem Vorwand insgesamt mit zu diesen Eskalaltionen beitragen. Das kommt auch nicht von ungefähr.

"Wohl Schabiha-Miliz gewesen?"

Vermutlich soll es so funktionieren, dass immer wenn die Empörung gegen Assad neues Futter braucht, die Schabiha-Miliz aktiv wird und den ausländischen Agenturen neues grausames Pressematerial liefert.

Mit genug Konjunktiven geht alles.

Ein Dankeschön an die Zeit-Redaktion, dass die offizielle Darstellung diesmal enthalten ist. Wenn die Ölgesellschaft bisher vom Assad-System geduldet war, wäre es einleuchtend, dass deren Arbeiter, die der Geldelite zuarbeiten, nicht gut bei der Opposition gelitten sind.

Massaker von Sétif

Von mir gibt´s auch eine Schreckensmeldung nach der anderen.
Unglaubliche Greueltaten, für die nie jemand zur Verantwortung gezogen wurde, und die selbst die grössten Schreckensbilder, die über Syrien verbreitet werden, bei weitem übertreffen.

Algerien 1945: Französische Milizen & Militärs schlachten in nur 3 Wochen 45.000 Algerier ab.

http://de.wikipedia.org/w...

"Unter dem wohlwollenden Auge der Behörden organisierten sich die Kolonialfranzosen in Selbstverteidigungsmilizen, die sich daran machten, Rache zu üben."

"Armee und Marine bombardierten und beschossen zudem Dörfer, Militärgerichte traten in Aktion und fällten 151 Todesurteile (28 davon wurden vollstreckt)."

"In Kef-El-Boumba ein Augenzeuge: „Ich habe mit angesehen, die Franzosen stießen fünf Personen mit gefesselten Händen zu Boden, überschütteten sie mit Benzin und verbrannten sie bei lebendigem Leibe.“
Die französische Armee organisierte Zeremonien der Unterwerfung: alle Einheimischen mussten sich vor der französischen Fahne auf den Boden werfen und im Chor wiederholen: „Wir sind Hunde und Ferhat Abbas ist ein Hund“. Mehrere Hundert Algerier wurden selbst nach diesen planvollen Demütigungen herausgegriffen und ermordet."

Darf ich nach M. Hollandes Vorstoss davon ausgehen, dass er erst einmal vor der eigenen Haustüre kehrt und die Kriegsverbrecher in den eigenen Reihen zur Rechenschaft zieht?