Syrien : Rebellen stellen Assad ein Ultimatum

Bis Freitag soll das syrische Regime die Gewalt beenden, sonst will die Opposition den Friedensplan aufkündigen. Die USA wollen notfalls auch ohne die UN eingreifen.
Kämpfer der Freien Syrischen Armee in Talada im Nordwesten des Landes © Leal Olivas/AFP/Getty Images

Die oppositionelle Freie Syrische Armee hat dem Regime von Präsident Baschar al-Assad ein 48-stündiges Ultimatum für die Umsetzung des Friedensplans des UN-Sondergesandten Kofi Annan gestellt. Die Rebellen setzten der Regierung eine Frist bis Freitag um 11 Uhr (MESZ), die Kämpfe einzustellen. Oberst Kasim Saad Eddine sagte, dass die Freie Syrische Armee sich nicht mehr an ihre Verpflichtungen aus dem Friedensplan gebunden fühle, sollte das Regime nicht einlenken.

Die Kämpfe in Syrien dauern trotz des zwischen Rebellen und Regierung vereinbarten Friedensplans an. Oppositionelle hatten am Mittwoch von einem neuen Massaker berichtet . Sie veröffentlichten ein Video aus der Provinz Deir as-Saur, das die Leichen von 13 Männern zeigt – mit hinter dem Rücken zusammengebundenen Händen. Der Leiter der UN-Beobachtermission in Syrien, General Robert Mood, bestätigte die Angaben. Ein anderes Massaker, bei dem in Hula am Freitag mehr als 100 Menschen wohl von der regimetreuen Schabiha-Miliz hingerichtet wurden, hatte weltweit für Empörung gesorgt und die Debatte über ein militärisches Eingreifen verstärkt.

Allerdings hat der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen auch am Mittwoch keine gemeinsame Haltung zu Syrien gefunden. Die 15 Mitgliedsstaaten zeigten sich zwar entsetzt über das Massaker in Al-Hula , das Regime wird jedoch weiter von Russland in Schutz genommen. Dessen UN-Botschafter Vitali Tschurkin warf Deutschland und anderen Ländern indirekt vor, einen Krieg zu wollen.

Tschurkin kritisierte etwa die Ausweisung der syrischen Botschafter aus Deutschland und anderen EU-Staaten: "Das könnte ein Signal sein und von denen missverstanden werden, die weitere Kämpfe in Syrien wollen." Der Rauswurf der Diplomaten sei eine Provokation: "Wenn man so etwas macht, sollte man einkalkulieren, dass manche Leute das missverstehen."

Rice spricht von Lösung außerhalb des Sicherheitsrats

Die USA suchen wegen der Blockade bereits nach Lösungen ohne den UN-Sicherheitsrat. Die amerikanische UN-Botschafterin Susan Rice sagte, es seien drei Lösungen der Krise denkbar. Erstens könnte Syriens Präsident Baschar al-Assad einlenken und den internationalen Friedensplan annehmen. Zweitens könnte der Sicherheitsrat eingreifen, um eine Annahme zu erzwingen. Im schlimmsten Fall könnte die Gewalt eskalieren und auf andere Länder übergreifen, sagte Rice. Dann müssten sich die Staaten fragen, ob sie bereit seien, "außerhalb der Autorität dieses Rates tätig zu werden".

Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass US-Präsident Barack Obama tatsächlich eine militärische Intervention wagt, während er einen harten Wahlkampf gegen den Republikaner Mitt Romney führt. Nach den Kriegen in Afghanistan und im Irak sind die Amerikaner kriegsmüde. Ein Militäreinsatz würde nur zu einem noch größeren Chaos und Blutbad in Syrien führen, wurde Obamas Sprecher zitiert.

Der deutsche UN-Botschafter Peter Wittig sagte, er hoffe, "dass das Massaker in Al-Hula einigen die Augen geöffnet" habe. Er forderte vom Sicherheitsrat, Sanktionen gegen jene Kräfte zu verhängen, die eine Umsetzung des Annan-Plans verhinderten. Er schlug außerdem vor, die derzeit aus 300 unbewaffneten Militärs bestehende UN-Beobachtermission in Syrien aufzustocken und mit eigenen Lufttransportmitteln zu bestücken. Der Sicherheitsrat solle zudem eine unabhängige Kommission zur Untersuchung von Menschenrechtsverstößen in Syrien ins Leben rufen.

Video weist auf weiteres Massaker hin

In einer Videokonferenz sprachen Obama, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Präsident François Hollande und Italiens Regierungschef Mario Monti über Syrien. Sie seien sich einig gewesen über die "Wichtigkeit, die Gewalt der syrischen Regierung gegen ihr eigenes Volk zu beenden und die Dringlichkeit, einen politischen Übergang zu verwirklichen", teilte die US-Regierung mit.

Hollande hatte eine bewaffnete Intervention nicht ausgeschlossen , vorausgesetzt, sie beachte das Völkerrecht und erfolge unter dem Mandat des UN-Sicherheitsrats. China und Russland erteilten dem Vorstoß eine Absage. Am Freitag wird Russlands Präsident Wladimir Putin zu Gesprächen in Berlin und Paris erwartet. Ebenfalls am Freitag hält der UN-Menschenrechtsrat eine Sondersitzung zur Lage in Syrien ab.

Polenz hält militärische Intervention für "nicht gangbar"

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Ruprecht Polenz (CDU), sieht die Voraussetzungen für ein militärisches Eingreifen in Syrien nicht gegeben. Anders als im Fall Libyen wären dafür nicht nur Luftstreitkräfte, sondern auch Bodentruppen notwendig. Es stelle sich die Frage, wer zu einem solchen Einsatz bereit und in der Lage wäre, sagte Polenz der Passauer Neuen Presse . Zudem sei die politische Ausgangslage anders: In Syrien liefen alle Konfliktlinien der Region zusammen, ein Militäreinsatz wäre "weitaus riskanter als in Libyen". Dieser Weg sei "nicht gangbar". Es sei notwendig, sich weiter auf den wirtschaftlichen und politischen Druck zu konzentrieren. Die Arabische Liga müsse mit in die Pflicht genommen werden: "Wir Europäer sind nicht die alleinigen Weltpolizisten."

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Kommentare

128 Kommentare Seite 1 von 10 Kommentieren

Friedenspolitik?

Hollande hat die Untätigen zu Recht aufgescheucht. Ob es gelingt, Assad zu vertreiben, hängt von der klaren Entschlossenheit ab, einer einheitlichen UN-Linie von USA und Deutschland bis Russland und China. Das Blutbad muss gestoppt werden! Aber auch die Waffenhändler, die sich an dem grausamen Bürgerkrieg bereichert haben, müssen vor Gericht. Frieden im Nahen Osten - das ist ein endloser Weg...

Frieden? Aber dann nicht nur in Syrien

Was mich immer wieder ankotzt, ist diese verlogene Doppelmoral. Die Dikatur in Syrien ist schlecht, aber die in Saudi-Arabien ist gut, schließlich kann man mit denen tolle Geschäfte machen. Eine Intervention könnte man ja irgendwie rechtfertigen, aber nur dann, wenn das für alle Staaten gelten würde, die gegen ihr Volk handeln. Tut es aber nicht! Der Westen betreibt wieder eine einzigartige Heuchelei und das ist durch nichts zu rechtfertigen.

Ganz abgesehen davon, dass der sonst so freie Westen auch gerne mal die eigenen Demonstranten niederknüppelt... mal abwarten, wann es die ersten Toten gibt.

Wieso? Sind Sie gegen...

...allgemeine Anwendung? Und im Falle Russlands ist öffentlich bekannt, also mit wenig Mutmaßung behaftet, dass es Waffen an ein Regime liefert, das zZ der Lieferung Massenmord beging. Da führt der Pfad direkt und sichtbar. Das wird bei den Amis weniger direkt sein und auch sehr viel schwieriger nachzuweisen. Im Fall der arabischen Länder ist es vermutlich besser aufzuzeigen. So ist, wenn es ein Urteil ist, das man sucht und das ist, was Sie sagten, wären es die Russen, die man zunächst aufgreift. Ist man da erfolgreich nimmt man sich den Nächsten vor. Schafft man es aber bei den Russen nicht, ist es für alle weiteren Kandidaten wenig aussichtsreich.

Völkerrechtlich? Da lässt sich streiten und es kommt wohl darauf an, ob man einen Diktator, der dabei ist Tausende seiner Bevölkerung zu töten und foltern eine Legitimität hat dies zu tun und ob die so Behandelten ein Recht haben sich zu wehren. Ich denke der Diktator sollte dies nicht tun dürfen, während ich gleichzeitig glaube, dass eine unterdrückte Bevölkerung(sgruppe) das legitime Recht hat sich mit Gewalt zu schützen. Daraus folgt, dass andere Gruppen R2P anwendend, die sich schützende Gruppe mit Waffen beliefern dürfen und vielleicht sollten.

Prioritäten und Kriterien

Lt. dieser Liste
http://en.wikipedia.org/w...
gibt es momentan 12 militärisch ausgetragene Konflikte mit mehr als 1000 Toten pro Jahr. Auch wenn wir realistischerweise unterstellen, dass diese nicht alle gleichzeitig durch ein internationales Eingreifen gelöst werden können, müsste es doch wenigstens Kriterien geben, welche die Priorität der unterschiedlichen internationalen Aufmerksamkeit für sie erklärt.
Matürlich gibt es diese Kriterien auch, wenn man eine realpolitische Analyse der einzelnen Konflikte durchführt - es sind die ganz traditionellen historisch-kulturellen Hintergründe sowie die ebenso traditionellen politisch-wirtschaftlichen Interessen der Mächte.
Für die abstrakt-ideellen Menschenrechtsvorstellungen des "r2p"-Konzepts müsste allerdings jedes Leben gleich wichtig sein, was den traditionell-realpolitischen Motiven der Intervention widerspricht. So wäre z.B. eine utilitaristische Begründung möglich, nach der ein Eingreifen Priorität genießt, wenn es die maximale Rettung von Leben zu minimalen Kosten verspricht.
Ich denke, der Vergleich zu solch einer imaginären Liste würde sehr schnell zeigen, dass "r2p" bisher vor allem ein Konzept ist, das gern verwendet wird, die traditionellen Interventionsgründe ein bisschen besser zu verkaufen.
Wir sollten also genau verstehen, was bewaffnete Konflikte wirklich antreibt und dann sehen, ob wir sie von außen wirklich beenden können.

Wo bleibt der Sinn für Proportion?

Natürlich ist Saudi-Arabien, die Quelle des Salafismus, übel und wir sollten denen auf keinen Fall Panzer verkaufen. Aber sie beschießen nicht die eigene Bevölkerung mit MGs und Artillerie. Vollends absurd wird es, wenn Sie polizeiliche Übergriffe im Westen, die üblicherweise ein gerichtliches Nachspiel haben, mit dem Schlächter Assad vergleichen.

Menschenrechte und Realpolitik

Weltpolizei zu spielen ist extrem teuer. Deshalb wird wohl nur eingegriffen werden, wenn zusätzliche politische Interessen auf dem Spiel stehen, oder der Preis für ein Eingreifen ungewöhnlich niedrig ist. Beispiel Libyen: Libyen war ein, wie Grass sagen würde, "kommode Diktatur". Ghaddafi hatte seinen wirren revolutionären Zielen anscheinend abgeschworen, sein Atomwaffenprogramm eingestellt. Die Ölgeschäfte liefen prächtig und er hat Massen von Afrikanern daran gehindert, das Mittelmeer zu überqueren. Warum gab es trotzdem eine Intervention? Weil es militärisch so risikolos war: Libyen ist der Traum eines Luftwaffengenerals. In Syrien liegen die Dinge anders: militärisch wäre es ungleich schwieriger, weil man eine Menge Bodentruppen bräuchte, und ein strategisches oder wirtschaftliches Interesse an Syrien gibt es einfach nicht.

ich bin einverstanden mit der priorisierung

aber legen sie doch erstmal dar, was an syrien dran ist, es auf position 1 in der liste zu schieben?
danach wüsste ich auch gerne, wie vorher der irak und libyen auf die pole-position gelangt sind, während die golfstaaten ganz unten neben myanmar rangierten. oder anders formuliert: gibt es ein ranking der gräueltaten? gibt es lässliche gräuel? wenn ja, wie müssen sie beschaffen sein, um diesen status zu erlangen.
ihre privatmeinung wird ja nicht das kriterium dafür sein.

Natürlich lässt sich darüber streiten,

ob das Völkerrecht missachtet werden sollte.

Sie behaupten ja, dass das Liefern von Waffen an souveräne Staaten nicht gestattet sei jedoch das Liefern von Waffen an die Terroristen des Landes unproblematisch wäre.

Und mit der Behauptung , dass eine "unterdrückte Bevölkerung(sgruppe) das legitime Recht hat sich mit Gewalt zu schützen" wäre ich vorsichtig. Solange unterdrückt noch relativ abstrakt ist, könnte man behaupten, die Salafisten in Deutschland oder in der Schweiz würden unterdrückt.

Ihre Ideologie würde langfristig zu Kriegen auf der ganzen Welt führen, wenn sie von jedem geteilt würde.

Zum R2P, um für etwas Verantwortung tragen zu können, braucht man auch das Recht diese Verantwortung zu tragen. Aber seit wann hat ein Staat das Recht etwas zu beschützen, was ihm nicht gehört, ungeachtet der Meinungen des zu Beschützenden. Seit wann ist es legitim etwas einzunehmen und zu beschützen, wenn der Eigentümer damit nicht einverstanden ist? Ich gehe mal in Ihre Wohnung und Beschütze die Einrichtung vor Ihnen auf Deutsch, mit R2P kann man sich nehmen, was man will und deshalb halte ich diesen Ansatz für nicht logisch.

Ist Syrien anders?

Ich glaube Sie irren. Die Gründe, warum die NATO noch nicht über Syrien hergefallen ist, sind die knappen Kassen und die Russen.
Problem 1 liesse sich leicht aus der Welt schaffen, nämlich durch noch penetrantere Manipulation der Presse. Diese Phase erleben wir gerade. Irgendwann schreit der Bürger dann trotz knapper Kassen nach Krieg.
Problem 2 ist schon etwas schwerwiegender und bisher gibt es offenbar noch keine "Lösung". Ob es diese jemals geben wird glaube ich nicht, denn ein zweites mal werden sich die Russen nicht über den Tisch ziehen lassen. Für mich ist diese erneute Propagandaoffensive wenige Tage nach dem NATO-Gipfel ein Rätsel. Ich dachte, die Kampagne wäre längst abgeblasen worden. Offenbar verspricht man sich, dass die Russen irgendwann aufgeben. Oder man legt es bewusst auf einen bewaffneten Konflikt mit den Russen an, was kriminell wäre.

Weshalb dann aber die Aussage, dass man hier Bodentruppen bräuchte? Nun, weil Libyen auch weiterhin ein extrem wackeliger Kandidat ist, die Sicherheit der gesamten Region bedroht und das Morden weiter geht. Das kann man sich in Syrien nicht leisten, wegen Israel.
Aus diesem Grund erfindet jemand, dass Syrien anders wäre. Was genau ist da bitte anders? Wüste und Städte, liegt am Meer. In Libyen wurde auch in Städten gekämpft. Mit der Luftwaffe könnte man ebenfalls von Flugzeugträgern den Staat kleinbomben und dann die Islamisten einmarschieren lassen. Militärisch wäre das kein Problem.

"Ihre Ideologie würde langfristig zu Kriegen auf der ....

....ganzen Welt führen, wenn sie von jedem geteilt würde."

Sie Irren da. Es wird mit recht hoher Wahrscheinlichkeit zum Weltkrieg führen, wenn wir es nicht schaffen eine robuste Sicherheitsordnung durchzusetzen. Dazu gehört zweifelsohne ein Recht. Dieses muss geeignet sein und von allen legitimiert, wenn sie es einhalten sollen. Das ist aber ungenügend um Sicherheit zu gewährleisten oder auch nur einen Weltkrieg zu bremsen. Das scheint Ihnen nicht klar.

Ein Grund ist vielleicht....

....das dort momentan ein Massenmord läuft? Um andere Länder können wir uns kümmern, wenn dort Massenmord stattfindet oder nachdem schlimmere Dinge als dort nicht aO ablaufen. Wenn Ihnen andere Dinge wichtiger sind als Massenmord ist das prima. Dafür allerdings müssten Sie Mehrheiten hinbekommen. Gegen Massenmord geht das. Bei Ihren Prioritäten bin ich mir nicht sicher. Mich jedenfalls haben Sie überzeugt. Ich glaube ernsthaft, dass Sie sich mit diesen Dingen nie ernsthaft und diszipliniert auseinander setzten. Sie scheinen ncht einmal die Fragen zu kennen, die bereits lange beantwortet sind.

Sie haben völlig recht....

....dass es mehrere Konflikte gibt, die nach dem R2P Gedanken Eingriffe erfordern würden. Es ist auch völlig richtig, dass R2P jedes Leben gleichermaßen schützen muss. Dazu sind von allen legitimiert besseres internationales Recht (bspw allgemeine Durchsetzung statt politischer ermöglicht und fordert), eine legitimierte Organisation, die glaubhaft das Recht der Bevölkerungen durchsetzt usw von Nöten. Das erfordert sehr viel Geld und politisches Kapital. Das ist mit ein Grund, weshalb mich deutsche Außenpolitik so entsetzt.

Man versucht sein Geld zu sparen indem man die Prinzipien mit verworrenen Argumenten halbgarer Gedanken moralisiert. Leider ist das Niveau formaler Bildung auf diesen Gebieten in der Bevölkerung so gering, dass die Meisten dann sich mit ritualisierten Halbwahrheiten mangelhafter Logik begnügen um ihre Meinungen zu begründen.

Aber was wollen wir machen? Natürlich sollte man auch in anderen Regionen Einsätze starten. Aber man braucht politisches Kapital und Geld ist knapp. So macht man was man kann, bis wir es besser organisiert haben.

Autoritäre Militärdiktatur

Was Ihnen vorschwebt, JoG, hat mit Recht nicht viel zu tun. Die USA denken gerade darüber nach, wie man auch ohne UN eine "robuste Sicherheitsordnung" herstellen kann. Das bedeutet, man strebt international eine autoritäre Militärdiktatur an, und zwar unter Ausschluss von halbwegs legitimierten internationalen Gremien. Ihnen als R2P-Fanatiker müsste sowas eigentlich ein Greuel sein.

Man hatte bereits begonnen auf Saudi Arabien einzuwirken....

....was allerdings hier in Europa kaum aufgegriffen wurde und von den Amerikanern alleine nicht fortgesetzt werden konnte, zumal man in der Region Alliierte brauchte. Aber ja, ich glaube tatsächlich, dass man den Druck wieder vergrößern wird und dieses Mal unter dem Eindruck der des arabischen Frühlings vermutlich auch auf mehr Einsicht stoßen wird. Jedenfalls sollte man versuchen es ohne eine wesentliche Destabilisierung zu tun. Anders als in Syrien ist dort nämlich die zivile Ordnung nicht völlig aufgelöst.

Nur ein Wächter kann einfach nicht funktionieren

Natürlich sollte man auch in anderen Regionen Einsätze starten. Aber man braucht politisches Kapital und Geld ist knapp. So macht man was man kann, bis wir es besser organisiert haben.

Für mich ist das die totale Diktatur. Wer entscheidet wo man einmarschieren sollte? Wer bekommt die Macht? Wer kann sie dem Mächtigen wieder wegnehmen? Gilt Recht überhaupt noch, wenn der Henker dem Angeklagten unterlegen ist? Und was ist, wenn Richter und Henker die gleiche Instanz ist und sogar einen Vorteil aus der Verurteilung des Angeklagten zieht?

Meine Meinung ist, dass es den Weltfrieden nur mit einem Gleichgewicht der Kräfte geben kann. Das uralte Prinzip des Ying-Yang. Der eine wacht über den anderen. Nur ein Wächter kann einfach nicht funktionieren.

"Für mich ist das die totale Diktatur."....

....Was natürlich nicht stimmt. Momentan ist bspw jeder Einsatz innerhalb R2P so formuliert, dass es vom Sicherheitsrat bestimmt werden soll. So zumindest ist das Recht formuliert. Leider ist das Recht so formuliert. Es ist nämlich so nicht haltbar.

"Meine Meinung ist, dass es den Weltfrieden nur mit einem Gleichgewicht der Kräfte geben kann."

Darum geht es. Genau darum. Wie in Deutschland die Länder ein Kräftegleichgewicht haben braucht man etwas auf Weltebene. Dazu ist die Charta der UNO zu schwach und muss umgestaltet werden, sodass die schützenswerte Ebene der Mensch ist und nicht das Mitglied. R2P war ein erster zögerlicher Schritt.

Wieso Militärdiktatur....

...aus Ihrer Sicht? Mir scheint ich muss mich schlecht erklärt haben. Denn mit Diktatur hat die Einrichtung einer Sicherheitsordnung nicht unbedingt zu tun, wenn auch die Diktatur eine Ordnung ist. Aber gerade darum geht es. Man braucht eine Rechs- und Kontrollstruktur entwerfen und institutionalisieren, die Wie eine gute Verfassung das tut machtzentren schafft, die sich gegenseitig daran hindern die macht, die man ihnen verleiht missbrauchen. Das ist das Prinzip jeder höheren Gesellschaftsordnung.

Seien Sie mal nicht so heuchlerisch.

Wir würden nirgendwo eingreifen, wenn es nicht mit strategischen Zielen vereinbar ist. Wenn Afrikaner im Mittelmeer ertrinken, dann ist das halt so. Wenn in Bahrain Panzer Menschen überfahren, bieten wir neue Panzer an, die können schließlich schneller fahren. Irgendwo im westen Afrikas werden zur Zeit Christen massakriert. Da die Piraten vor Somalia nun etwas Ruhe geben, interessiert Somalia uns auch kein Stück. In Libyen wird wahrscheinlich weiterhin gemordet, aber wen interessiert das? In Nordkorea verhungern die Menschen , aber die haben ja eine fast fertige Atombombe. In Indien und Irak sprengen einpaar angefressene Moslems ständig jemanden in die Luft und Sie wollen mir weiß machen, dass Syrien das größte politische Problem auf der Welt sei?

Das glauben Sie bestimmt nicht mal selbst. Es werden fanatische und nationalistische Radikale mit Waffen beliefert. Und jeder Kocht da ein bisschen seine eigene Suppe mit. Die Waffenlobby feiert, mit etwas glück und ein wenig "Entwicklungshilfe" wird ein neuer Absatzmarkt erschlossen. Ich habe berechtigten Zweifel, dass Assad für Al-Hula verantwortlich ist.

Wenn Sie glauben, es würde in Syrien um Menschen gehen, dann sind Sie noch naiver, als ich geglaubt habe.

"Wir würden nirgendwo eingreifen, wenn es nicht mit ...

... strategischen Zielen vereinbar ist."

Das ist wie im Inland. Sie würden vermutlich Gewalt einsetzen um Ihre Katze, Ihr Kind oder Ihre Mutter vor einem Gewaltverbrechen zu schützen. Das würden Sie vielleicht tun, wenn es sich um Ihren Nachbarn handelt. Einen unbekannten zu schützen tun die Wenigsten. Daher auch, es ist nicht ganz so einfach aber eine der ein Teilgrund ist das schon, braucht es eine Polizei. Diese will man aber auch kontrolliert sehen, wenn man an die Vergangenheit denkt. Aber ohne Polizei würde die Zahl der kleineren und großen Gewaltakte zunehmen; radikal. In dem Fall behelfen sich Gruppen mit einer eigenen Polizei, die die Gruppenmitglieder schützt und vielleicht einmal Individuen einer anderen Gruppe, vielleicht aus einem Dorf im weiteren Norden oder Süden kommend, ausraubt. Daher braucht es im Inland eine robust und allgemein durchgesetzte Sicherheitsordnung, wie auch in einer glaobalisierten Welt.

Es ist kein Widerspruch?

Ein Konflikt wird mit Geld- und Waffenlieferungen angeheizt, Zivilisten werden abgeschlachtet, in die Luft gejagt oder noch grausameres und sie sehen da keinen "Widerspruch mit Menschlichkeit"?

Dann möchte ich nicht, dass Sie Ihre Menschlichkeit mit irgendwem teilen.

Und wenn Sie nun alles auf die Russen schieben wollen, lassen Sie es einfach. Da kocht jeder sein Süppchen mit, indirekt sogar Deutschland.

Neues Massaker

Um mal diesen leicht misszuverstehenden Satz ein wenig zu entschlüsseln.

"Sie veröffentlichten ein Video aus der Provinz Deir as-Saur, das die Leichen von 13 Männern zeigt – mit hinter dem Rücken zusammengebundenen Händen. Der Leiter der UN-Beobachtermission in Syrien, General Robert Mood, bestätigte die Angaben."

Hier wird ja quasi impliziert das Regierungstruppen dieses Massaker verübt hätten. Dies ist mitnichten der Fall. General Robert Mood hat lediglich das Massaker an sich bestätigt. Aussagen über die Täter wurden keine gemacht.

"General Robert Mood hat lediglich das Massaker an sich

bestätigt. Aussagen über die Täter wurden keine gemacht."

Wir wissen doch, wie's in Syrien läuft: Alle paar Tage, wenn Assad sich Sorgen macht, die Welt könnte vergessen, was für ein mordlüsternes Monster er ist, schickt er ein paar Getreue los, um ein neues Blutbad anzurichten. Jedenfalls ist das die Darstellung der bewaffneten Opposition, die seit Monaten mit Verweis auf die Untaten um internationale Unterstützung bettelt.

In der Tat, ist sehr wahrscheinlich, dass die Morde an Wehrlosen stoppen, sobald die fremden Bomber fliegen. Eine hintertriebene Situation, die die UN natürlich dem Libyen-Eingriff zu verdanken hat.

Das ist doch egal

das sind unbedeutende Details.
Dt. Medien unterlassen es doch gerne Fakten zu checken.Ist auch schwer aus dem Büro in D oder wenn man denn mal in Istanbul ist.

Wenn es nachher anders kommt und es sich herausstellt das es vlt. doch die FSA war, dann wird das Thema schnell fallen gelassen. Noch etwas von den Anschlägen in Brüssel und Toulouse gehört, nachdem die Täter bekannt waren. Kein Aufschrei keine Agitation durch die GM und deren Medien dieser Welt.

@7:"... wird quasi impliziert, dass regierungstruppen..."

Nein, wird nicht. Der Bericht gibt nur her, dass die "Rebellen" die Information an die Presse gegeben haben und die UN das Massaker an sich bestätigt hat. Lediglich steht nicht im Bericht, ob die Regierung die Information auch weitergegeben hat oder, warum nicht.
Eine Schuldzuweisung an "Regierungstruppen" ist damit aber entgegen Ihrer Behauptung nicht impliziert, auch nicht allgemein auf deren Umfeld, wie z.B. regierungstreue Milizen.

Aktueller Aufklärungsversuch zu Al Hula:
"http://derstandard.at/133..."