Syrischer Bürgerkrieg : Die Kriegstreiber setzen sich durch

In Syrien wurde gewählt – während das Regime weiter brutal Regierungsgegner bekämpft. Das Leid endet nicht, auch wegen strategischer Interessen, kommentiert S. Richter.
Ein UN-Beobachter mit Rebellen und Zivilisten in Azzara in der syrischen Provinz Homs (4. Mai) © JOSEPH EID/AFP/GettyImages

Wenn der UN-Sondergesandte Kofi Annan am Dienstag dem UN-Sicherheitsrat über die Lage in Syrien Bericht erstattet, wird er keine guten Nachrichten mitbringen: Obwohl dort mittlerweile UN-Beobachter stationiert wurden, geht das Assad-Regime weiter massiv gegen die Bevölkerung vor. Laut UN-Generalsekretär Ban Ki Moon könnte Damaskus die Präsenz der Beobachter nutzen, "um weitere Gewalt vorzubereiten". Syrien, so viel steht fest, ist noch immer weit von einer Befriedung entfernt, es wird gefoltert, gemordet, täglich sterben im Bürgerkrieg Unschuldige und Zivilisten, auch Kinder.

Assads Truppen sind nicht wirklich aus den Städten abgezogen – der Friedensplan Annans fordert dies –, und auch die Aufständischen haben ihre Angriffe und Anschläge ausgeweitet. Die seit Mitte April geltende Waffenruhe wird von beiden Seiten immer wieder verletzt. Der Widerstand in Syrien ist zudem sehr lokal, die Rebellen sind zersplittert und für die UN-Friedensvermittler sind Ansprechpartner schwer identifizierbar.

Inmitten dieser dramatischen Entwicklung ließ Präsident Baschar al-Assad am Montag Wahlen abhalten. Das Regime wollte damit signalisieren, dass der Reformprozess weitergeht. Vor einigen Monaten war bereits ein Mehrparteiensystem eingeführt und die Alleinherrschaft der regierenden Baath-Partei abgeschafft worden – jedenfalls formell. Viel Mühe wurde darauf verwandt, die Wahlen wie ein demokratisches Unterfangen aussehen zu lassen. Doch natürlich war auch der Geheimdienst überall in den Wahllokalen zu finden. Wer nicht zur Wahl ging, riskierte, abgestraft zu werden. Zudem befindet sich das Gros der Opposition im Ausland oder im Untergrund – stand also gar nicht zur Wahl.

Moskau stützt das Assad-Regime

Vor dem Hintergrund das brutalen Krieges erscheint die Wahl wie eine Farce. Doch sie dient dem Assad-Regime auch zur Vorbereitung auf die Zukunft . Die syrische Elite – vornehmlich Alawiten, aber nicht nur – ist nämlich international keineswegs total isoliert. Sie wird weiterhin unterstützt, beispielsweise vom Iran , von der schwer bewaffnete Hisbollah-Miliz im Südlibanon und vom schiitischen Teil der irakischen Regierung. Entscheidend aber ist, dass Russland weiterhin an der Seite von Damaskus steht, trotz einer zuletzt international kritischeren Haltung. Moskau schiebt den Großteil der Verantwortung für den anhaltenden Krieg auf die Rebellen. Das von den Aufständischen erhebliche Gewalt ausgeht, ist nicht zu bezweifeln, doch die Interpretation Moskaus ist ein eindeutiges Signal der Unterstützung für Assad.

Steffen Richter

Steffen Richter ist Redakteur im Ressort Politik bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Sicher ist zudem, dass die Auseinandersetzungen in Syrien weitergehen, so lange auch die Rebellen weiterhin unterstützt werden. Saudi-Arabien und Katar versorgen sie mit Geld und anderen Mitteln – nicht weil diese beiden Herrscherhäuser an einer Demokratie in Syrien groß interessiert wären. Ihnen geht es darum, den Iran zu schwächen, Teheran den Zugang zum Mittelmeer zu nehmen. Sie verfolgen strategische Ideen.

Man kann im Übrigen davon ausgehen, dass in Syrien sunnitisch-religiöse Parteien die großen Sieger wären, wenn dort frei gewählt würde. Der Säkularismus in Syrien ist durch das Autokratenregime Assads für viele Bürger ebenso diskreditiert wie zuvor in Ägypten , Tunesien und Libyen . Auch das ist durchaus im Interesse von Riad und Katar. Nicht zuletzt deshalb spricht derzeit alles dafür, dass die beiden Golf-Länder den Aufstand in Syrien weiter unterstützen werden oder ihn zumindest am Schwelen halten.

All diese übergeordneten Interessen sind keine guten Nachrichten für jene Syrer, die von Assads Schergen unterdrückt werden und die das Regime endlich weg haben wollen. Und es sind auch keine guten Nachrichten für jene Staaten, die hoffen, dass das Assad-Regime zugunsten eines liberalen, demokratischen Systems weicht.

Syrien wird mehr und mehr zum Spielball strategischer Machtinteressen. Tod, Leid und Zerstörung enden durch diese zynische Politik nicht.

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Kommentare

71 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Vielen Dank an Herrn Richter!
Dies ist der erste, objektive Syrien-Beitrag den ich bisher gelesen habe.
Endlich keine schwarz-weiß oder gut-böse Kategoriesierung.
Dies haben alle Artikel vorher mMn so gemacht, nur die Leserkommentare haben die vorherigen Artikel dann doch noch lesenswert und erkenntnisreich werden lassen.
Deshalb auch kein Kommentar unter diesem Artikel?
Ich vermute es.

Kriegstreiber

Der Einschätzung, was die Schilderung der realen Situation angeht, kann man zustimmen. Die Schlußfolgerungen allerdings verfallen wieder in das alte Muster. "Assad muß weg". Die einzige Lösung ist doch, das jede Unterstützung von außen, von wem und für wen auch immer aufhören muß. Herr Richter formuliert das doch richtig: Syrien ist ein Spielball auländischer Mächte. Das Argument, das Assad dann grausam gegen seine Gegner vorgehen wird, ist doch altbacken. Die Grausamkeiten kämen dann von anderer Seite gegen die jetzt Regierenden. In Nebensätzen klingt das doch schon an. Der einzige Unterschied ist doch, daß die Welt dann nicht mehr hinschaut. Libyen heute ist doch warnendes Beispiel.

Falsche Schlussfolgerungen

Mich verwundert Ihre Einschätzung "Das Argument, das Assad dann grausam gegen seine Gegner vorgehen wird, ist doch altbacken. " Was ist daran altbacken? Ich finde es im Gegenteil sehr wahrscheinlich - was nicht heißt, dass ich bestreite, dass im Falle eines Sieges der Rebellen Teile dieser Gruppe ihrerseits einen Revanchismus üben würden. Dennoch ist das kein Argument gegen äußere "Einmischung" - es kommt darauf an, was Sie darunter verstehen. Militärische Hilfe? Sicherlich destruktiv - das liegt in der Natur der Sache. Schlichtungsversuche durch die UN inklusive des Versuchs, eine Waffenruhe durchzusetzen? Durchaus sinnvoll!

Bedenken Sie darüber hinaus immer auch, dass die Opposition ohne Hilfe aus dem Ausland Assad militärisch vermutlich gar nichts anhaben könnte, mithin Unterstützung der Rebellen nötig ist, um erst eine Situation zu schaffen, in der Assad zu einem Waffenstillstand und anschließenden Verhandlungen bereit sein könnte. Die Forderung nämlich, das Ausland solle sich auf keiner der beiden Seiten einmischen begünstigt unweigerlich das bestehende Regime, ist also bereits parteiisch.

@ilmanrien

kann ich dem ersten teil ihres posts noch folgen und etwas abgewinnen, so verlasse ich sie beim zweiten definitiv.

ihre argumentation ist, dass es rechtens ist, von außen (was hier als akteure v.a. die usa, türkei, katar, saudi-arabien sind) einen bürgerkrieg zu initialisieren, damit die autoritäre herrschaft des herrn assad geschwächt wird.
ich bin ja kein experte im völkerrecht, aber es erscheint mir ÄUßERST zweifelhaft, dass das eine durch gesetze und die un-charta abgedeckte position ist.
wenn dieses vorgehen aber nicht über diese legitimität verfügt, so sollte doch völlig selbstverständlich sein, dass diese aktivitäten SOFORT eingestellt werden müssen. ich würde das als herbeiführen eines krieges beurteilen.

man kann doch nicht nach gutdünken militante oppositionelle mit waffen beliefern, wenn man mit dem regime nicht zufrieden ist!
was meinen sie, was russland machen würde, wenn die brd die tschetschenischen rebellen mit schweren waffen ausstattete? oder wenn in den 60er jahren die black panther granatwerfer von uns erhalten hätten?
ja, richtig: wir wären platt. und zwar total.
mit syrien kann man sich das nur erlauben, weil man vor assad keine angst zu haben braucht. jedenfalls keiner derjenigen, die die gewalt von aussen anheizen.

"Die Grausamkeiten kämen dann von anderer Seite gegen die

jetzt Regierenden."

Da fällt mir spontan die Pro NRW-Demo in Bonn vom Wochenende ein mit den erzürnten Gegendemonstranten.
http://www1.wdr.de/themen...

Wer um Himmels Willen würde denn in Deutschland auf die Idee kommen, die Polizisten anzuklagen, weil sie massiv gegen die gewaltbereiten Demonstranten vorgegangen sind?

Nun war die Demo natürlich eine kalkulierte Provokation ebenso wie die Demonstrationen in Syrien schnell zu einer reinen Provokation wurden, als die Chance erkannt wurde, dass die westliche Presse eine hohe Bereitschaft hat, gegen Assad Partei zu ergreifen.

Ich meine, die Agenturtexte und die ausbleibende Richtigstellung der echten Journalisten sind mit dafür verantwortlich, dass die Demonstranten in Syrien ihre Chance sahen, durch Eskalation und mediale Fütterungen per Youtube eine ähnliche Nato-Intervention wie in Libyen zu provozieren.

Der jetzige Artikel weißt den richtigen Weg. Journalistische Aufklärung statt Agentur-Propaganda.

"assad soll bleiben" ist weltfremd

die forderung "assad muss weg" ist der erste essentielle schritt aus dem bürgerkrieg. solange dieser dikator dort sein unwesen treibt wird es keinen frieden geben.

assad geht jetzt schon grausam gegen das volk vor, das argument istz also nicht altbacken sondern eine tatsache.

"Die Grausamkeiten kämen dann von anderer Seite gegen die jetzt Regierenden" - genau, gegen das bedauernswerte regime und seine arme armee.

libyen ist - im krassen gegensatz zu syrien - übrigens friedlich und steht vor den wahlen seiner verfassungsgebenden versammlung. "warnendes beispiel" ist libyen nur für despoten die nicht abtreten wollen.

tut mir leid,

aber ich finde, sie sitzen der pr-strategie auf, die was-weiß-ich-wer in washington ausgeheckt hat. ihre "als-erstes-muss-assad-weg" sichtweise finde ich einseitig, sie fragen auch nicht danach, ob das tatsächlich dem interesse des syrischen volkes entspricht. oder dürfen wir uns hier anmaßen, zu entscheiden, wer und was für syrien gut ist? lassen wir das die syrer machen und halten unsere finger da raus. sooooo eindeutig ist die chose nämlich beileibe nicht, wie sie zu glauben scheinen.
okay, die medienkampagne macht es einem natürlich sehr bequem, aber so funktioniert manipulation nun einmal.
inwieweit assad grausam gegen das eigene volk vorgeht, können sie und ich nicht wirklich beurteilen. hinzu kommt, dass wenn assad grausam gegen das eigene volk vorgeht, dann tun die rebellen das auch.
des weiteren muss dabei gesagt sein, dass es sich nicht um das ganze volk handelt. ein jeder geht gegen den teil vor, der ihm nicht gewogen ist. nicht einmal darüber, mit welchen mitteln wer gegen wen vorgeht, können sie und ich und andere foristen ausreichend wissen, um zu urteilen.
genau darum wäre es doch so wichtig, wenn unsere medien unvoreingenommen berichteten, statt self-fulfilling-prophecies in die welt zu setzen, die von underground agenten der usa und der türkei realisiert werden, und nur nach belegen für die vorfabrizierte anschauung zu suchen.
da läge die verantwortung einer unabhängigen presse. ich finde, die deutsche presse wird dem nicht zu einem bruchteil gerecht.

@ hunter

immer dieser pöse westen und die pösen usa die in syrien einmischen. moment mal, usa? die tun da ja gar nichts.

deiner meinung nach darf katar, saudi und türkei nicht eingreifen aber russland schon? weil russland auf der deiner meinung nach richtigen seite steht? alles klar, du hast stellung bezogen.

wir müssen uns vor autoritären tendenzen in europa in acht nehmen, welche leicht zunehmen. dies äußert sich in unverhohlner sympathie für diktatoren und diktatorische systeme. wir müssen denen die das auch bei uns wollen ganz deutlich sagen: das wollen wir nicht.

sichtweise des regimes

du musst mir die propaganda des regimes (assad ist heilsbringer und das ganze syrische volk steht hinter ihm, die opposition sind alles nur agenten aus dem pösen westen, kommt sowisso alles nur von den pösen usa und der westlichen ostküsten-medienverschwörung) nicht erzählen. der blödsinn ist bekannt und selbstverständlich unglaubwürdig, wer ahnungslos ist fällt darauf rein, wer autoritär ist unterstützt den diktator.

wer völlig einseitig, nicht hinterfragend und unkritisch ist, der glaubt natürlich die geschichten von den pösen ostküsten-amis, die pöse pläne gegen gute diktatoren aushecken.

offensichtlich maßt du dir an, assad als gut für das syrische volk anzusehen. mit dem pösen westen als sündenbock. gähn.

wem ideologische scheuklappen das hinterfragen verbieten hatr es natürlich sehr bequem, da er nur die propagandakampagne des diktators nachplappern muss.

und es ist ein billiger trick von propagandakampagnen, die pösen westlichen medien als unobjektiv darzustellen, naive menschen fallen da schnell drauf rein und schon wird sana als der überbringer absoluter wahrheit gefeiert.

mannomann, das gibts doch nicht.

wenn selbst das parteiblatt der republikaner in der lage ist, einen cia mann schreiben zu lassen, wie die cia und die nato und die türkei den rebellen nachrichtendienstliche, aufklärungs- und logistik hilfe leisten, dann ist das wohl eine quelle, die der linksextremistischen einflußnahme völlig unverdächtig ist.
mein lieber schwan, ein bischen denken wird man wohl von seinen mitforisten erwarten dürfen!
was da stand hat dich wohl gar nicht interessiert, was?
ich hätte nicht gedacht, dass man dir alles haarklein vorbeten muss. und ausserdem was bildest du dir eigentlich ein, mich der einseitigkeit zu zeihen? was du mir noch so alles unterstellst! da ist ja das ende von weg!
so'n bullshit! ich plädiere für ein ende der einseitigen berichterstattung und für ein ende der vergötterung der rebellen. liest du eigentlich nur deine eigenen posts? wenn du meine gelesen hättest, kämst du nicht auf solchen kram.
geh doch wieder skifahren, mann und amüsier dich mit ein paar skihäschen.

Sie reden von Propaganda, vielleicht nennen Sie Quellen

Da haben wir ja wieder eine qualifizierten Beitrag. Kurz und knapp. Von wem stammen die Waffen für die Opposition? Wer hat Interesse an einer Syrischen Basis (vor der Haustür des Iran)? Der Hauptgrund, warum die USA sich zurückhalten ist Israel, denn denen kann nicht an einem syrischen Machtwechsel gelegen sein.
Im übrigen ist es sehr unhöflich direkt zum "Du" überzugehen. Nur so nebenbei. Und das Wort heißt böse, ausser sie spielen auf Monty Python an ;)
Im übrigen gilt auch bei Ihnen der Umkehrschluss. Hinterfragen Sie die Informationen, die Ihnen geliefert werden? Es gibt einige Foristen, die Quellenbelege von Zeitzeugen posten, von Reportern, die vor Ort waren und Interviews mit allen Seiten geführt haben. Worauf basiert Ihre Annahme? Wahrscheinlich von den Berichten der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in GB. Oder "laut Angaben der Aktivisten". Es lebe die Objektivität.
Im übrigen, wenn sich ein kleiner Teil der Bevölkerung bewaffnet, bzw. bewaffnet wird und dazu kleine Teile vom Militär desertieren und diese Gruppen zusammenkommen, unterstützt durch Islamisten (ich spare es mir die Gruppe zu nennen), welche Wahl hat dann eigentlich eine Regierung? Ach ja abtreten und einer anderen Minderheit das Feld überlassen.
Es geht hier nicht um Pro Assad oder Opposition, sondern um die Wahrheit und diese war das erste Opfer in diesem, nennen wir es beim Namen, Bürgerkrieg.
Hm, war jetzt doch nicht kurz und knapp.

Das die Wahl nichts ändern kann....

....ist äußerst wahrscheinlich. Sie findet auf Grund einer Verfassung statt die von vielen Syrern als illegitim gesehen wird und es wurde während der Wahl vom Diktator Gewalt gegen Personen eingesetzt, die zur Wahl gestanden wären, hätte der Machthaber nicht die Macht. Eine solche Wahl als Frei und Fair einzustufen, ich meine glaubhaft einzustufen, ist schwer. War sie aber weder frei noch fair, untergräbt sie nur die Reste der früheren Ordnung noch mehr.

Mag sein, dass Sie...

...recht haben. Was Sie sagen widerspricht allen, das ich in ähnlichen Situationen gesehen habe und den Erzählungen von Freunden, die einen unmittelbaren Einblick in die syrische haben, aber wissen?

Auf jeden Fall haben mehrere Syrer es vorgezogen zu demonstrieren, dann zur Waffe zu greifen oder das Land zu verlassen. Diese Leute werden vermutlich anderer Meinung sein als Sie.
Und um Ihnen die Wahrheit zu sagen, sind Sie ein existenzieller Feund dieser Gruppe, die im tödlichen Kampf mit dem Diktator ist. Sie unterstützen den Diktator nämlich und es ist sicher, dass seine Leute Die in der anderen Gruppe in Massen tötet. Sie sind also ein zwar kleiner aber Mittäter dennoch.

Eigentlich nicht,...

....wenn man die Sache durchdenkt, finde ich. Mit hier geäußerten Meinungen nimmt man marginal auf die deutsche Politik Einfluss gerade in so emotional aufgeladenen Fragen. So ist die Summe der Meinungen hier doch existenziell für etliche Menschen dort. Man verantwortet so die Dinge, die dort geschehen mit. Der von Assad getötete Oppositionelle gehört jedem auch, der Assad unterstützte.

3. Möglichkeit Pazifismus

Es gibt noch eine dritte Möglichkeit, man lehnt den Krieg generell ab, ist gegen die Bewaffnung von Zivilisten und Selbstjustiz, jedoch für einen politischen Fortschritt. Es ist dieses Schwarz/Weiß Denken, was Kriege ermöglicht. Die meisten Foristen sind nicht ProAssad, sondern für Objektivität und die hat man lange in der Medienlandschaft suchen müssen.
Und bevor Sie die Meinung vertreten, dass Pazifismus nichts verändert. Ich habe die Beispiel des 20. Jahrhunderts bereits genannt. Hingegen Kriege in der Regel nur weitere Kriege nach sich zogen, ausser sie waren so zerstörerisch, wie WK II. oder Hiroshima.
Als Humanist, geprägt von M.L.King und Gandhi bin ich der festen Überzeugung, dass man politische Veränderung auch friedlich "erkämpfen" kann.
MfG

@JoG - ihre position zum diktatorenmord

ist mir prinzipiell verständlich. ich verstehe auch, dass sie auf der einhaltung von prinzipien bestehen.
was ich wiederum nicht verstehe, ist, dass sie den teufel mit dem beelzebub auszutreiben trachten. mir ist jedenfalls nicht aufgefallen, dass sie dafür plädieren, die diktatoren auf der arabischen halbinsel aus der aktion herauszuschmeissen, wenn nicht besser, sie in einem aufwasch gleich mit zu entfernen.
ihre position erscheint auf den ersten blick stringent und ehrenvoll, verliert aber bei näherer betrachtung dramatisch. zumindest, wenn sie mich fragen.

Dann haben Sie lediglich meine Beiträge....

....zu anderen Autokratien nicht gelesen. Die Initiative von Dr Rice vor einigen Jahren begrüßte ich sehr, als sie auf Ägypten und Saudi Arabien Druck ausübte sich zu demokratisieren. Das war damals zur richtigen Zeit. Andere Länder waren leider zu der Zeit weniger bereit Druck zu machen und so verpassten wir die Gelegenheit.

Ob man natürlich einen Diktator ohne aktuellen Grund, ohne Gefahr im Verzug also mit Gewalt entfernen will, ist eine andere Frage, die jeder mit sich ausmacht. Wenn die Bürger des Landes die Situation als so schlimm empfinden, dass sie zu Gewalt greifen, .... Wer bin ich zu beurteilen, dass sie das nicht richtig beurteilen? Die sind dort. Die leben damit. Die kennen die Lage besser.

Wenn es dazu kommt, dass der Diktator darauf mit militärischen Mitteln antwortet, dann hat er ganz offensichtlich die theoretische Rechtfertigung verspielt, die gesellschaftlichen Belange zu regieren. Da greift auch die neue UNO Norm einer Pflicht für Bevölkerungen Sicherheit durchzusetzen.

Ist diese Situation jedoch nicht erreicht, so ist a priori ungenügend Grund vorhanden die Struktur der Sicherheit im Lande zu stören und damit die Bevölkerung zu gefährden. Zumindest würde ich da Bauchschmerzen haben, wenn nicht andere Gründe zwingend sind. Solche sehe ich im Augenblick in Saudi Arabien oder Kuba nicht.

In der pazifistischen Ecke gemütlich gemacht

Vielleicht sollte man sich hier unangenehmen Wahrheiten stellen:
Was ist wenn man Assad durch friedliche Demos nicht loswird?
Hat die Opposition das nicht versucht ,trotz der Tatsache dass die Regierungssoldaten von Anfang an geschossen haben?

Wenn man ganz böse ist, kann man ja sagen,dass M.L.King und Gandhi sich diese Gewaltlosigkeit "leisten" konnten,weil die Führung immerhin zivilisiert genug war.Was ist wenn man mit einer Führung zu tun hat,die mit einer Brutaltät vorgeht, die man sich hier nicht einmal vorstellen will?

Und das führt zu dem klassischen Argument, um die pazifistische Illusion vollkommen zu entlarven:
Hätte Pazifismus auch in Hitlers Vernuchtungskriegen geholfen? Ist ihr Pazifismus nicht bloss eine verquere Art des deutschen Isolationismus?

ja, es gibt teile der opposition,

die von anfang an demonstriert haben und zwar friedlich.
es gibt aber auch die, die von anfang an geschossen haben.
es ist m.e. selbsttäuschung und unredlich, die opposition zu verklären. damit schafft man sich nur die neuen taliban.
mag sein, dass eine regierung der rebellen eine zeitlang still halten würde, den usa sogar basen in syrien erlaubte. mittelfristig stärken sie mit so einer regierung aber den fundamentalismus in europas unmittelbarer nachbarschaft. wer weiß, wie das endet? ich koexistiere lieber mit legitimen, nicht radikalen regimen.
wenn die syrer einen machtwechsel wünschen, wird es ihn früher oder später geben.
keine diktatur hält ewig. nicht mal solche im perfektionistischen deutschland bringen es auf mehr als maximal 40 jahre. bashar al-assad macht's gerade mal im 12. jahr.

Der 27.481, Umkehrschluss

M.L. King hatte es also mit einer leichten Führung zu tun? Dann fragen Sie doch mal Zeitzeugen aus Montgomery, als Bombenanschläge verübt, Brennende Kreuze aufgestellt und die Bevölkerung brutal von der Staatsgewalt niedergeknüppelt wurde.Wissen Sie, wie er reagierte?Mit der Ansicht, dass es nur über Frieden das Ziel erreicht werden kann und wissen Sie, was am erstaunlichsten ist. Das Ziel wurde erreicht. Die friedlichen Proteste haben mehr erreicht, als es die Black Panther konnten und im übrigen hat Dr. King seinen Einsatz mit dem Leben bezahlt.
Das Kolonialreich war also eine nette Führung und darum hatte es Gandhi leicht? Ich lass das einfach mal lieber unkommentiert, denn diese Ansicht spricht für sich.
Ich gebe Ihnen recht, zum Thema 3. Reich. Ja, da stößt der Pazifismus an seine Grenzen, hatte aber auch gänzlich andere Ursachen. In Dtl herrschte kein Bürgerkrieg, sondern es führte einen systematischen Vernichtungskrieg gegen Juden und seine staatlichen Nachbarn. Möchten Sie dies mit Asssad vergleichen? Dann setzen Sie sich vielleicht lieber nochmal in die ein oder andere Vorlesung Geschichte Grundstudium ;) Aber es ist schon ok Geschichte zu mischen, wie man möchte.
Zurück zum Thema.Hätte man die Opposition nicht bewaffnet, hätten sie in Syrien jetzt keinen Bürgerkrieg. Aber vielleicht bewaffnen wir ja bald auch Griechen, oder Spanier? Niemand sagt, dass Pazifismus leicht und nicht mit Opfern verbunden ist.Aber es ist mit Abstand der moralischste und nachhaltigste Weg

Syriens Problem: Massive Armut durch Korruption.

Sie haben vollkommen recht. Ich habe mich mal hier eingelesen und die Verschwörungstheoretiker gedeihen ja hier prächtigst.

Man erinnere sich, ein paar Jugendliche bringen Graffitis an, werden abgeholt und gefoltert. Dagegen gehen die Familien und andere auf die Strasse...was passiert....die Assads schicken die 4.Division von Maher und die Republikanische Garde.
Es ist unglaublich hier zu lesen, daß die Demonstranten zuerst geschossen hätten, denn die FSA und der bewaffnete Widerstand gegen die Regimegewalt ist viel später erfolgt.
Alle Aufständischen werden pauschal als Terroristen bbezeichnet und man kann es so sagen "gejagt". Ärzte, die Aufständische versorgten, wurden umgebracht oder festgenommen, wie jetzt sogar Oppositionelle Kommunisten, die Russland um mehr Druck auf Assad baten.
Meldungen von SANA oder "ich bin mal jetzt Journalist"Maxerl wie Christoph Hörstel,die auf auf ASR , nouviso oder Kopp publizieren,werden als objektiv angesehen.Die jetzigen Wahlen werden als demokratisch und als Reformen Assads verkauft. Von Assad ist es verständlich,doch wenn Menschen hier in Europa das übernehmen und sich dann als "kritische BürgerInnen" sehen,sind Hopf und Malz verloren.Die meisten Menschen in Syrien sind unbewaffnet und wollen einfach ein Ende des 40 jährigen Regimes.Es ist einfach zynisch jetzt Wahlen abzuhalten und sie dienen nur dem Machterhalt.Die größten Probleme in Syrien sind wie überall im arabischen Frühling, die Armut=32%!