Griechische LinkeTsipras' verzweifelte Suche nach Verbündeten

Der Chef der griechischen Linkspartei wirbt in Berlin und Paris um Unterstützung für sein radikales Programm. Doch kaum jemand will ihm helfen. von 

Klaus Ernst, Alexis Tsipras und Gregor Gysi auf dem Weg zur gemeinsamen Pressekonferenz (von links).

Klaus Ernst, Alexis Tsipras und Gregor Gysi auf dem Weg zur gemeinsamen Pressekonferenz (von links).  |  © Sean Gallup/Getty Images News

Ein wenig beeindruckt scheint der griechische Gast doch zu sein von den vielen Reportern in Berlin . Als Alexis Tsipras den Saal der Bundespressekonferenz betritt, wird er umringt von mindestens zwei Dutzend Kameraleuten und Fotografen, so viele kommen sonst nicht einmal zu einer Regierungserklärung der Kanzlerin.

Ehrfürchtig setzte sich der Vorsitzende der griechischen Linkspartei Syriza zwischen seine beiden Parteifreunde aus Deutschland. Gregor Gysi und Klaus Ernst begrüßen ihn freundlich mit einer kurzen Einführung. Ernst sagt gar, dass er "stolz" ist auf diesen Besuch. Dann spricht Tsipras, anfangs etwas zaghaft, später immer kämpferischer.

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Er sei nach Deutschland gekommen, um eine "Botschaft der Freundschaft" auszusenden, sagt der Mann, der mit seinen 37 Jahren Griechenlands nächster Ministerpräsident werden könnte. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht, denn Syriza liegt in den Umfragen für die Neuwahl am 17. Juni derzeit vorn.

"Die Sparpolitik sofort beenden"

Sollte es dazu kommen, will Tsipras "die Sparpolitik sofort beenden" , wiederholt er immer wieder bei seinem Auftritt in Berlin. Dazu braucht er starke Verbündete vor allem in Deutschland und in Frankreich . Außer der Linkspartei will jedoch kaum jemand hier etwas mit dem neuen Polit-Star aus Griechenland zu tun haben.

Zacharias Zacharakis
Zacharias Zacharakis

Zacharias Zacharakis ist Nachrichtenredakteur bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

"Wir haben mit allen Parteien versucht, Kontakt aufzunehmen", sagt Tsipras. Er habe sich auch mit Kanzlerin Merkel und Vertretern der SPD treffen wollen. Dazu hatten die aber offenbar keine Lust. Tsipras deutet das so: "Wer den Dialog nicht will, der fürchtet den Kompromiss." Tatsächlich sind weder Union noch Sozialdemokraten dazu bereit, von der strikten Sparpolitik für Griechenland abzuweichen.

Sowohl Merkel als auch sämtliche SPD-Spitzenpolitiker haben immer wieder bekräftigt: Das Programm von EU , Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds muss weitergeführt werden. Verhandlungsspielraum bleibt höchstens in der Frage, wie das Wirtschaftswachstum in Griechenland wieder angeregt werden kann. Mehr Beweglichkeit hatte sich Tsipras zumindest von den Grünen erhofft, die neben der Linkspartei als Einzige zu einem Treffen bereit waren.

Nach der Unterhaltung mit Jürgen Trittin allerdings gibt es keine große Pressekonferenz, das Ergebnis fasst der Sprecher des Grünen-Fraktionschefs nüchtern in zwei Sätzen zusammen : Ja, es müsse Reformen geben und ein Wachstumsprogramm für die Wirtschaft. "Allerdings gilt auch: Vertragliche Verpflichtungen müssen eingehalten werden." Damit fallen auch die Grünen als Verbündete und Befürworter einer grundsätzlichen Änderung der bisherigen Krisen-Strategie weg.

Leserkommentare
  1. Hat er geglaubt, Ernst und Gysi würden ihm einen Termin bei der Kanzlerin verschaffen? Wenn die Griechen nichts besseres aufzubieten haben, na dann gute Nacht. Tsipras scheint überhaupt kein Gefühl für seine Außenwirkung außerhalb Griechenlands zu haben.

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    • y4rx
    • 22. Mai 2012 20:21 Uhr

    Frau Merkel hat ja auch mit Hollande vor der Wahl nicht reden wollen. Und jetzt muß sie doch!
    Das würde mit Herrn Tsipras nicht anders verlaufen. Daß Hollande nicht mit ihm redet, ist allerdings erbärmlich.

    Ich frage mich langsam, auf was die hier noch warten, Frau Merkel und ihre Clique. Sollen in Griechenland erst die Straßen brennen, bis bei denen der Groschen fällt.
    Mag ja sein, daß das nicht jedem passt. Aber Griechenland ist pleite. Von da wird keine Kohle mehr kommen. Man hätte besser einen Plan B gehabt.

    Ich bin langsam soweit, obwohl ich ganz gut in diesem System lebe, daß ich hoffe, es kracht so richtig im Gebälk. Mit völligem Zusammenbruch des Finanzsystems und damit der Chance für einen Neuanfang, der gerechter, sozialer und ökologischer aussieht als die Form des Kapitalismus, die zur Zeit die Welt zerstört.

    • joG
    • 22. Mai 2012 20:24 Uhr

    ...des Verhaltens? Das erinnert mich an deutsche Politiker, wenn sie, Werkspionage betreiben, einem Land zehn Jahre Armut diktieren oder mit der Kavallerie jovial drohen.

  2. Die EZB als "Lender of last Resort" einzusetzen ist eine absolut vernünftige Forderung denn dazu wurden Zentralbanken nämlich erfunden. Es ist auch absolut vernünftig die Staaten direkt über die EZB zu finanzieren anstatt den Umweg über die Privatbanken zu gehen und diese auf diese Weise ohne die geringste Gegenleistung zu mästen.

    Dass die SPD sich einem Treffen verweigert und die rabiate Sparpolitik Merkels, die diese Länder in den Ruin treiben und die Zurückzahlung der Schulden unmöglich machen, unterstützt zeigt, dass diese Partei als Oppositionspartei ein absoluter Totalausfall ist.

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    • bugme
    • 22. Mai 2012 20:46 Uhr

    Solange die Schulden nicht abbezahlt werden sollen ist es geradezu albern Unterstützer für weitere Schulden zu suchen.

    Warum sollte ganz Europa bei einem "weiter so mit den Schulden" und den üblichen utopischen Versprechen (mit diesen Schulden kurbeln wir so das Wachstum an, dass auf magische Weise alles sich selbst finanziert) hereinfallen?

    Wenn die EZB Staatsschulden finanziert, ist der Euro nicht mehr das Papier wert auf dem er gedruckt wird.

    Haushaltsdiziplin gibt es dann nicht mehr. Es gibt sofort einen Verschuldungswettlauf.

    Für Sie bleibt zu hoffen, dass Sie hoch verschuldet sind. Denn alles was Sie gespart haben löst sich in Luft auf.

    Die EZB sollte nie "lender of last resort" sein. Geschäftsgrundlage für die Aufgabe der D-Mark war, daß die EZB genau wie die Bundesbank der Geldwertstablilität verpflichtet sein sollte. Gegen diese Regeln hat erst Trichet und jetzt Draghi massiv verstoßen, die EZB druckt Geld wie wild, es ist nur noch nicht auf dem Markt angekommen, weil die Banken es vor allem benutzen, um marode Staatsanleihen zu kaufen - eine Umgehung des Verbots, daß die EZB keine Staaten finanzieren darf.

    • dk9011
    • 22. Mai 2012 21:33 Uhr

    Nein, das kann nicht die Lösung sein. Die sind in der heutigen Zeit aus gutem Grund überwiegend Unabhängig von der Politik.
    Es ist empirisch nicht von der Hand zu weisen, dass eine abhängige Zentralbank (und genau das würde eine Staatsfinanzierung bedeuten)über lange Sicht höhere Inflationsraten hervorbringt, ohne irgendeinen messbaren positiven Einfluss auf die Volkswirtschaft zu haben.

    • tobmat
    • 23. Mai 2012 10:47 Uhr

    "Die EZB als "Lender of last Resort" einzusetzen ist eine absolut vernünftige Forderung denn dazu wurden Zentralbanken nämlich erfunden. Es ist auch absolut vernünftig die Staaten direkt über die EZB zu finanzieren anstatt den Umweg über die Privatbanken zu gehen und diese auf diese Weise ohne die geringste Gegenleistung zu mästen."

    Die forderung ist nicht vernünftig sondern wesentlich älter als wir alle hier. Es gibt gute Gründe warum die Zentralbanken inzwischen nicht mehr als ""Lender of last Resort" funktionieren. Das hat man nämlich oft genug versucht und ist damit immer gescheitert. Das Ergebnis einer solchen Forderung nennt sich Hyperinflation und das hatten wir schon paar mal.
    Heutige Probleme kann man nicht mit den Fehlern der Vergangenheit lösen.

  3. ...deutsche Rentner, Familien, Kinder, Arbeitslose, Hartz IV-Empfänger etc. Ob Tsipras bei den deutschen Linken insofern erfolgreich sein wird, wage ich zu bezweifeln. Da sie nicht regieren, können sie natürlich jedem alles versprechen. Aber man kann es auch nicht übertreiben, sonst fällt es dem Wähler auf.

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    • y4rx
    • 22. Mai 2012 20:23 Uhr

    anscheinend nicht wovon Sie reden. Tsipras will keine Almosen aus Deutschland, sondern eine Änderung des europäischen Finanzsystems. Und das ist auch bitter nötig.

    könnte aber auch bedeuten, dass die Reichen, dessen Reichtum sich darstellt in den Schulden Griechenland, Teile ihres Profites in Form einer Reichensteuer für die Schuldentilgung zur Verfügung stellen müssen.

    Aber ich befürchte, dass unter den realen politischen Voraussetzungen, ihre Sicht die realistischere ist.

    • y4rx
    • 22. Mai 2012 20:21 Uhr
    4. Na ja,

    Frau Merkel hat ja auch mit Hollande vor der Wahl nicht reden wollen. Und jetzt muß sie doch!
    Das würde mit Herrn Tsipras nicht anders verlaufen. Daß Hollande nicht mit ihm redet, ist allerdings erbärmlich.

    Ich frage mich langsam, auf was die hier noch warten, Frau Merkel und ihre Clique. Sollen in Griechenland erst die Straßen brennen, bis bei denen der Groschen fällt.
    Mag ja sein, daß das nicht jedem passt. Aber Griechenland ist pleite. Von da wird keine Kohle mehr kommen. Man hätte besser einen Plan B gehabt.

    Ich bin langsam soweit, obwohl ich ganz gut in diesem System lebe, daß ich hoffe, es kracht so richtig im Gebälk. Mit völligem Zusammenbruch des Finanzsystems und damit der Chance für einen Neuanfang, der gerechter, sozialer und ökologischer aussieht als die Form des Kapitalismus, die zur Zeit die Welt zerstört.

    20 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Was für ein Tolpatsch"
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    Bitte verzichten Sie auf Polemik. Danke, die Redaktion/fk.

    • dp80
    • 23. Mai 2012 0:01 Uhr

    "Ich bin langsam soweit, obwohl ich ganz gut in diesem System lebe, daß ich hoffe, es kracht so richtig im Gebälk. Mit völligem Zusammenbruch des Finanzsystems und damit der Chance für einen Neuanfang, der gerechter, sozialer und ökologischer aussieht als die Form des Kapitalismus, die zur Zeit die Welt zerstört."

    Entschuldigen Sie, aber Ihren Optimismus teile ich nicht, dass nach einem eventuell Zusammenbruch alles besser/ökologischer werden würde. Ich denke eher, dass dasselbe System weitergespielt würde - mit noch ungezügelterem Kapitalismus. Und mit dem Unterschied, dass dann die Wohlhabenden der Welt in China, Russland, Indien u.ä. sitzen, während unser Lebensstandard rapide in den Keller rauscht. Ich denke daher nicht, dass wir auf einen Zusammenbruch hoffen sollten, denn er würde die letzten Überreste unserer SOZIALEN Marktwirtschaft mit sich reißen.

    • y4rx
    • 22. Mai 2012 20:23 Uhr

    anscheinend nicht wovon Sie reden. Tsipras will keine Almosen aus Deutschland, sondern eine Änderung des europäischen Finanzsystems. Und das ist auch bitter nötig.

    25 Leserempfehlungen
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    • joG
    • 22. Mai 2012 20:33 Uhr

    ...nahe kommen. Jedenfalls war es klar, dass die deutsche Politik in der Krise die Bevölkerungen auf die Straße treiben, EU untergraben und die politische Stabilität in mehreren Ländern gefährden würde. Jedenfalls geht von hier nun für euroland, eu und die Weltwirtschaft aktuell von Deutschland eine substanzielle Gefahr aus. Das war in den Berichten nicht-deutscher Medien ziemlich Konsens.

    Bitte bemühen Sie sich um differenzierte Äußerungen und einen sachlichen Tonfall. Danke, die Redaktion/fk.

    • joG
    • 22. Mai 2012 20:24 Uhr

    ...des Verhaltens? Das erinnert mich an deutsche Politiker, wenn sie, Werkspionage betreiben, einem Land zehn Jahre Armut diktieren oder mit der Kavallerie jovial drohen.

    7 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Was für ein Tolpatsch"
  4. 7. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Polemik. Danke, die Redaktion/mk

    12 Leserempfehlungen
    • joG
    • 22. Mai 2012 20:33 Uhr

    ...nahe kommen. Jedenfalls war es klar, dass die deutsche Politik in der Krise die Bevölkerungen auf die Straße treiben, EU untergraben und die politische Stabilität in mehreren Ländern gefährden würde. Jedenfalls geht von hier nun für euroland, eu und die Weltwirtschaft aktuell von Deutschland eine substanzielle Gefahr aus. Das war in den Berichten nicht-deutscher Medien ziemlich Konsens.

    7 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Leider wissen Sie"
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    Sagen wir doch einmal so: Es ist in den Ländern, die von deutschen "Opfergaben" profitieren würden (dazu zählt auch UK) Konsens. Wen wundert das?

    • Askay
    • 22. Mai 2012 21:22 Uhr

    ....am europäischen Finanzsystem?

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