US-Wahlkampf : Obama sagt Ja zur Homo-Ehe

Als erster US-Präsident hat sich Barack Obama öffentlich für die Ehe gleichgeschlechtlicher Paare stark gemacht. Schwulen-Verbände jubeln, Rivale Romney hält dagegen.
US-Präsident Barack Obama © Saul Loeb/AFP/Getty Images

US-Präsident Barack Obama hat sich erstmals öffentlich dafür eingesetzt, dass Schwule und Lesben heiraten können. Seine Meinung darüber habe sich im Laufe der Jahre "weiterentwickelt", sagte Obama in einem Interview des Senders ABC. Obama sagte, dass es sich um seine persönliche Auffassung handele. Die Entscheidung über deren Einführung sollte weiterhin den einzelnen Bundesstaaten überlassen werden.

Seine Meinungsänderung verdanke er nicht zuletzt seinen Töchtern, die Freunde mit gleichgeschlechtlichen Eltern hätten. "Es gab Zeiten, in denen wir am Essenstisch saßen und uns über ihre Freunde und deren Eltern unterhielten. Und Malia und Sasha konnten einfach nicht nachvollziehen, warum die Eltern ihrer Freunde anders behandelt werden sollten", sagte Obama. "Es macht für sie einfach keinen Sinn und offen gesagt, das ist die Art und Weise, wie man eine neue Sichtweise gewinnt." Er sei überzeugt davon, dass im Laufe der Zeit immer mehr Amerikaner gleichgeschlechtliche Ehen akzeptieren würden.

Vor vier Jahren hatte sich Obama im Wahlkampf noch gegen die Eheschließung zwischen Homosexuellen ausgesprochen. Zuletzt hatte das Weiße Haus stets erklärt, dass sich Obamas Haltung in dieser Frage "entwickelt". In den vergangenen Tagen war der Druck auf den Präsidenten jedoch gewachsen, endlich Stellung zu beziehen. Sein Vizepräsident Joe Biden hatte am Wochenende in einem Fernsehinterview gesagt, er fühle sich "absolut wohl" mit einer Anerkennung der Homo-Ehe.

Jubel bei Bürgerrechtlern, Kritik von Republikanern

Obamas wahrscheinlicher republikanischer Herausforderer bei den Wahlen, Mitt Romney , teilte umgehend mit, er lehne die Homo-Ehe ab und wolle gleichgeschlechtliche Partnerschaften nicht anerkennen. Bei Bürgerrechtlern und Homosexuellen-Verbänden war der Jubel dagegen groß. Rea Carey von der National Gay and Lesbian Task Force sagte, Obama habe "Geschichte geschrieben".

Unterstützung erhielt Obama unter anderem auch von dem New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg , der weder den Demokraten noch den Republikanern angehört. "Dies ist ein wichtiger Wendepunkt in der Geschichte der amerikanischen Bürgerrechte", sagte Bloomberg.

Wahlkampfexperten sprachen in ersten Reaktionen von einem riskanten Schritt Obamas sechs Monate vor der Präsidentenwahl. Er werde dadurch zwar wahrscheinlich junge Leute für sich gewinnen. Aber auf der anderen Seite könnte seine Haltung sozialkonservativen Gegnern neuen Antrieb geben.

Umfragen sehen wachsende Unterstützung für Homo-Ehe

Die Homosexuellen-Rechte sind eines der umstrittensten gesellschaftlichen Themen in den USA . Im US-Bundesrecht ist die Ehe als "legaler Bund zwischen Mann und Frau" festgeschrieben, allerdings können die Einzelstaaten in dieser Frage eigene Wege gehen. Die Haltung der Bundesstaaten ist dabei gespalten: In Connecticut , Iowa , Massachusetts , New Hampshire, New York und Vermont sowie der Hauptstadt Washington ist die Homo-Ehe erlaubt. Auch die Bundestaaten Washington und Maryland haben ihre Zustimmung gegeben, die Gesetze könnten hier aber durch anstehende Volksabstimmungen wieder gekippt werden.

Einige Bundesstaaten erkennen homosexuelle Partnerschaften an, stellen diese aber nicht mit der Ehe zwischen Mann und Frau gleich. Etwa 30 Staaten haben die Homo-Ehe dagegen mit Gesetzen oder Verfassungsänderungen verboten. Zuletzt hatten die Bürger in North Carolina in einem Referendum mit 61 Prozent für einen Verfassungszusatz gestimmt , der eine Eheschließung zwischen Homosexuellen sowie die Legalisierung anderer Formen gleichgeschlechtlicher Partnerschaften verbietet.

Die öffentliche Meinung hat sich in den USA bei diesem Thema in den vergangenen Jahren deutlich gewandelt. Eine Umfrage des Instituts Pew Research Center aus dem April zeigte , dass landesweit mittlerweile 47 Prozent der US-Bürger die Einführung der Homo-Ehe unterstützen, während 43 Prozent dies ablehnen. 2001 hatten sich noch 60 Prozent gegen die Homo-Ehe ausgesprochen.

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Kommentare

114 Kommentare Seite 1 von 9 Kommentieren

Abgesehen von der Tatsache das eine Abstimmung über...

...evt. Rechte von Minderheiten gegen alle demokratischen Verfassungen ist die Minderheitenschutz beinhalten, wundert mich das in einem Land, in dessen Namen fast täglich Soldaten sterben, ein nicht kleiner Teil der Bevölkerung von Foodstamps lebt und die Staatschulden Dimensionen annehmen in denen man als Normalsterblicher garnicht denken kann, ausgerechnet DAS ein Wahlthema ist.

Ihnen geht es wie hier Vielen,....

....ja wie den Meisten wohl. Das bedeutet aber vermutlich, dass man sich nie besonders seriös damit beschäftigte.

Warum kann ich das sagen? Warum ist das vermutlich richtig? Nun, es gibt sehr viele Menschen, die es verstehen und trotz differierender Meinung nachvollziehen können. So ist es verstehbar, wenn man sich die Mühe macht.

Aber ich verstehe Die auch, die Ignoranz hier demonstrieren.

Respekt

vor Obama, aber es bleibt abzuwarten, ob mit seinem Schritt, der auf Verewigung in den Geschichtsbücher abzielt, nicht das gleiche Schicksal für ihn, wie für Kennedy und Luther-King nach sich zieht. Denn die Geschichte der USA hat mehfach bewiesen, wie gefährlich es ist, sich als Politiker in einen ideologischen Kampf zu begeben.

Taktisches Geplänkel

Obama hat Angst um seine Wiederwahl. Da erinnert er sich daran, dass er beim letzten Mal entscheidende Stimmen aus dem Lager der Bürgerrechtler und Minderheiten bekommen hat, die sich an den Rand der amerikanischen Gesellschaft gedrängt fühlten. Diese Wählergruppe hat er während seiner bisherigen Amtszeit schwer enttäuscht, und viele haben sich daher inzwischen von Obama abgewandt.
Zwar würden sie nicht Mitt Romney wählen, aber sie würden möglicherweise (wieder) zuhause bleiben - und genau das ist mit hoher Wahrscheinlichkeit der Grund, warum Obama jetzt plötzlich sein Herz für Schwule entdeckt. Würde er es ernst meinen, hätte er schon lange Zeit gehabt, stellung zu beziehen. Aber so wirkt Obama wenig überzeugend und bleibt das, was er immer war: ein Phrasendrescher.