US-WahlkampfRomney entschuldigt sich für Highschool-Rüpeleien

Der republikanische Präsidentschaftskandidat soll einen schwulen Mitschüler misshandelt haben. Romney meint, sich an nichts zu erinnern, bedauert aber "vielen Blödsinn". von dpa und reuters

Mitt Romney

Mitt Romney  |  © Benjamin Myers/Reuters

Der voraussichtlich für die US-Präsidentschaft kandidierende Republikaner Mitt Romney hat die mögliche Schikane eines schwulen Mitschülers vor knapp 50 Jahren bedauert. "Ich habe mich während der Schulzeit an viel Blödsinn und dummen Jungenstreichen beteiligt, und einige sind vielleicht zu weit gegangen", sagte Romney Fox News Radio . "Ich habe einige dumme Sachen gemacht, und falls irgendjemand dadurch verletzt oder sich beleidigt gefühlt haben sollte, dann entschuldige ich mich natürlich."

Die Washington Post hatte über den Vorfall aus Romneys Highschool-Zeit 1965 berichtet. Er soll gemeinsam mit Freunden einen damals noch nicht als schwul geouteten Mitschüler schikaniert und misshandelt haben. Mehrere frühere Klassenfreunde des Republikaners erinnerten sich gegenüber der Zeitung daran, dass Romney der Anführer des Angriffs auf ihren Mitschüler John Lauber gewesen sei. Die Gruppe hätte ihn zunächst zu Boden gestoßen und ihn dort festgehalten. "Als Lauber mit den Tränen rang und um Hilfe schrie, schnitt Romney ihm mit einer Schere mehrere Bündel Haare ab", heißt es in dem Bericht .

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Lauber habe damals lange und teils blondierte Haare getragen, was Romney und seine Freunde offensichtlich nicht tolerieren konnten. Lauber outete sich erst nach seiner Schulzeit als homosexuell, er starb 2004 an Krebs.

In der Radiosendung sagte Romney, er könne sich nicht an den Vorfall erinnern. Er habe damals auch nicht gedacht, dass dieser Mitschüler schwul sein könnte.

Homosexualität im Wahlkampf

Das Thema Homosexualität spielt derzeit eine große Rolle im US-Wahlkampf . Präsident Barack Obama hatte sich am Mittwoch für die gleichgeschlechtliche Ehe eingesetzt . Dagegen lehnt Romney die Gleichstellung homosexueller Paare mit der klassischen Ehe strikt ab.

Obama hatte allerdings erst nach längerem Zögern so deutliche Position für die Homosexuellen-Ehe bezogen, nachdem der Druck auf ihn gewachsen war, seine Position klarzustellen. Unter anderem sein Vize-Präsident Joe Biden hatte zuvor in einem Fernsehinterview gesagt, dass er keine Probleme mit der Ehe von Homosexuellen habe. Biden entschuldigte sich nun bei Obama dafür, vor der US-Regierung Stellung bezogen zu haben, berichtete die Washington Post . Obama habe dabei Verständnis für Bidens persönliche Auffassung geäußert.

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Leserkommentare
  1. dass er einen mitschüler mishandelt ist ja nur eine begebenheit aus dem leben zweier menschen, egal ob der mitschüler nun schwul war oder nicht.
    diese begebenheit passt einfach gut zu dem bild, dass sich von mitt romney ergibt. und das ist eben nicht das eines sympathischen mannes, mit dem man gerne einmal plaudern würde, sondern das eines knallharten oberklassen-ellbogenmenschen, der in der wirtschaft mit gnadenlosigkeit millionen gemacht hat.
    jetzt möchte er seine vita mit dem präsidentenamt krönen und ich hoffe sehr, dass ihm das verwehrt bleibt.

  2. das stimmt. aber in den usa ist das nicht zwangsläufig so. die gesellschaft in den usa ist doch tief gespalten in stockkonservative (meist ländliche) und progressive (meist urbane) menschen. die stockkonservativen haben m.e. kein großes problem damit, dass sie romney als homophob ansehen können. er selber sagt ja gar nicht, dass er homophob sei. und damit bleibt er sogar für die urbanen konservativen wählbar. ich glaube nicht, dass die besitzenden schichten in den großen amerikanischen städten von der einstellung des kandidaten zur homoehe abhängig machen. das ist denen ganz egal, denen geht es um den steuersatz, den sie zu erwarten haben. bei den rednecks sieht es anders aus. ein schwulenhasser kann da gewiss gut mit solchem image punkten.

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    Romney ist keineswegs weg vom Fenster, aber ich glaube, Sie tun der ländlichen Bevölkerung Unrecht, nirvanahunter. Die ist zwar vielfach sehr konservativ, aber nicht aggressiver als viele Progressive. Das Besondere an einigen ihrer Vertreter, (so weit meine eigene Erfahrung): in einer Diskussion mit denen, mit gegensätzlichen Positionen, entstehen oft lange Pausen, weil sie über das Gesagte nachdenken und prüfend nachfragen. Darum ändern sie sicher nicht öfter ihre Meinung als ihre politische Gegenseite - aber sie hören besser zu. Fox News ist nicht der Inbegriff des Konservatismus.

  3. wie er ihn gedemütigt hätte, wenn er sich dessen bewußt gewesen wäre...

    • JayB
    • 11. Mai 2012 15:52 Uhr

    Mal eine kleine Verschwörungstheorie: es ist ja bekanntlich Wahlkampf, und in den USA geht es ja auch immer darum, die Leichen im Keller des Gegners auszugraben und einen schöne Schlammschlacht zu veranstalten. Jetzt hatten sie sicherlich die Bully-Paraden aus Romneys Jugend schon auf dem Schirm. Entweder wurde es ihnen von der WP gesteckt, oder der Informationsfluss lief anders herum. Und kurz vorher die konzertierte Aktion: erst Joe Biden, dann Arne Duncan, dann Obama… prompt gefolgt vom WP-Artikel über den homophoben Bully Romney. Nanu nana! Ein Schelm wer böses dabei denkt. Doch ich frage mich: was denken die Homosexuellen darüber? Was denken sie darüber, dass ihr gerechtfertigter ernsthafter Kampf um völlige gesellschaftliche Gleichstellung hier von den Demokraten möglicherweise in einer typischen Wahlkampfschlacht missbraucht wurde? Aber gut, es ist ja nur eine Theorie. ;)

  4. Ehrlich gesagt, ist es mir wurscht, warum jemand meint, jemand anderen nötigen und Gewalt anwenden zu müssen. Es hat "nur" stattgefunden, weil jemand die Haare zu lang trug und sich nicht an den "Dresscode der Schule" hielt? Dann können wir ja jetzt alle wieder beruhigt schlafen. /Ironie off

    Natürlich ist Wahlkampf, natürlich wird alles politisch ausgeschlachtet, natürlich entwickeln sich Menschen weiter, erinnern sich tatsächlich nicht mehr an alle Sachen, die vor 50 Jahren stattgefunden haben (müssen sie m.E. auch nicht) etc. etc.

    Für mich ist das eigentlich Bedenkliche, wie Romney sich zu dem Vorfall geäußert hat: "Blödsinn" und "Jungenstreiche", das ist verharmlosend, wie einige Kommentatoren ja schon angemerkt haben. Das dürfte ihn - zu Recht - die Sympathien von vielen kosten, die in ihrer Schulzeit selbst unter Gewalt und Nötigung gelitten haben. ,

    Angemessener wäre es gewesen, die massive Nötigung klar als solche zu benennen und darauf hinzuweisen, dass viele Kinder auch in der Gegenwart von Gewalt durch Mitschüler/innen betroffen sind und sich mit diesen solidarisch zu zeigen - dann hätte er die dies sogar in einen "Punktsieg" für sich verwandeln können. So bleibt ein unangenehmes Gefühl dass er Gewalt verharmlost.

  5. Hallo Peterra,
    .
    Zitat: "<em>Vor 50 Jahren habe ich ungehemmmt in meine Strumpfhose geschmettert</em>"
    Das ist Ihnen wohl von jedermann verziehen worden.
    .
    Ich wurde vor knapp 50 Jahren regelmäßig von einer Nachbarin im Keller eingesperrt, weil meine Eltern Streit mit ihr hatten. Das habe ich ihr nicht verziehen. Wenn sie noch lebt und mich um Verzeihung bittet, könnte ich mich erweichen lassen. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dieser Frau eine größere Verantwortung zu übertragen.

    Antwort auf "Vor 50 Jahren"
  6. Sicher wäre in Deutschland die Gewalt gegen Homosexuelle kein Thema, die vorhanden ist ja kaum eine Zeile in den Gazetten wert. Glauben Sie es gibt keine in Deutschland? Es gibt ja auch keine Gewalt gegen Ausländer...
    Warum Obama dies zum Wahlkampfthema macht? Dann lesen Sie vll. mal den unteren Abschnitt des Artikels:
    http://www.spiegel.de/politik/ausland/mitt-romney-schnitt-schwulem-mitsc...

    Leider hat die Zeit vergessen diesen Kontext zu erwähnen, aber es handelt sich ja nur um Gewalt gegen Homosexuelle.

    http://derstandard.at/1285200627953/New-York-Anstieg-der-Gewalt-gegen-Ho...

    http://www.sueddeutsche.de/leben/suizid-serie-unter-schwulen-jugendliche...

    http://www.sueddeutsche.de/panorama/gewalt-gegen-homosexuelle-von-wegen-...

    Nein sicher kein Thema für einen Wahlkampf. Übrigens der schwule Sprecher von Romney ist dann auch mal - sozusagen als verspäteter Aprilscherz - er hat von selbst gekündigt. Nach zu lesen bei der Konkurz.

    Schönen Abend und schlafen Sie gut!

    • th
    • 12. Mai 2012 1:55 Uhr

    in ihrer Amtszeit so alles beschließen und tun, dann kann ich nicht sagen, dass Romney sich durch eine so lange Zeit zurückliegende Handlung für das Amt disqualifiziert hätte.

    US-Präsidenten sind verantwortlich für 2 Irak-Kriege, für Guantanamo Bay, für die Tötung von Gegenern durch Drohnen oder durch Spezialkommandos, für alles mögliche was in Afghanistan geschehen ist.

    Und der wunderbare John F. Kennedy war für den Irak-Krieg verantwortlich, der superkluge H. Kissinger war mitverantwortlich für den Kambodscha-Krieg, und hatte womöglich seine Hände mit drin im Putsch von Pinochet -

    das ist die Sorte von Amt, für welches Romney kandidiert.

    Und für so ein Amt soll ihn eine Rohheit, die er vor ca 50 Jahren als Jugendlicher begangen hat, disqualifizieren?

    Leute, bleibt auf dem Teppich!
    Wacht auf, und schaut Euch die reale Welt an!

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    Mitt Romney will ja nicht in erster Linie in andere Länder einmarschieren, sondern die USA regieren - und dort entscheiden immer noch die <em>Einwohner</em>, welcher Kandidat es wird.

    Für mich wäre diese Story für sich genommen kein Grund, Romney nicht zu wählen - dass seine Steuerversprechen einseitig sind, ihre Finanzierung ungeklärt, und dass von einer Industriepolitik bei ihm keine Rede ist, wiegt schwerer.

    Aber ob einer nun jemanden quält, weil er schwul ist, oder weil er nicht in den Dresscode passt, das ist mir wurscht. Beides ist inakzeptabel. Leute, die im Namen der Tugend mit gutem Gewissen ihre Grenzen überschreiten und "andere" terrorisieren, sind mir suspekt.

    Wissen Sie ich lebe in der realen Welt jeden Tag. In der Schule würde man zu Ihnen sagen - Thema verfehlt - 6 - danke setzen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
  • Schlagworte Barack Obama | Joe Biden | Mitt Romney | Fox | Ehe | Gleichstellung
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