TerrorismusObama und Romney streiten über Bin-Laden-Tötung

Die Tötung von bin Laden vor einem Jahr hat in den USA einen Wahlkampfstreit ausgelöst. Die Republikaner werfen Obama vor, die Aktion gegen Romney auszuschlachten. von afp und dpa

Präsident Barack Obama bei einer Wahlkampfveranstaltung

Präsident Barack Obama bei einer Wahlkampfveranstaltung  |  © Larry Downing / Reuters

US-Präsident Barack Obama hat Vorwürfe zurückgewiesen, dass er und seine Demokraten die Tötung von Osama bin Laden vor einem Jahr im Wahlkampf für sich auszuschlachten versuchten. "Ich glaube kaum, dass man hier irgendwelche exzessive Feiern gesehen hat", sagte Obama am Montag in Washington . Er betrachte den Jahrestag als eine "Zeit zur Besinnung". Das amerikanische Volk erinnere sich "zu Recht daran, was wir als ein Land erreicht haben, indem wir jemanden der Gerechtigkeit zugeführt haben, der über 3.000 unserer Bürger getötet hat". Bin Laden war am 2. Mai 2011 von einem Spezialkommando der US-Armee in seinem Versteck in der nordpakistanischen Stadt Abbottabad erschossen worden.

Hintergrund des Wahlkampfstreits ist hauptsächlich ein Werbevideo des Obama-Teams , in dem eine Äußerung des designierten republikanischen Spitzenkandidaten Mitt Romney zur Suche nach bin Laden aus dem Jahr 2007 aufgegriffen worden war. Darin hatte Romney die kostspielige Operation angezweifelt. In dem Video wird das zum Anlass für die Frage genommen, ob auch Romney den Befehl zur Tötung bin Ladens gegeben hätte, wenn er damals Präsident gewesen wäre.

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Romneys Wahlkampflager wertete das als unangemessene Ausnutzung eines Anti-Terror-Sieges, der überparteilich und ein ernstes Ereignis sei. Romney selbst sagte am Montag, natürlich hätte auch er als Präsident die Tötung des Al-Kaida-Führers angeordnet.

"Ich nehme an, dass Leute meinten, was sie sagten, als sie es sagten", erklärte Obama zu Romneys damaliger Äußerung.

Bin-Laden-Aufzeichnungen sollen veröffentlicht werden

Unterdessen erklärte die US-Regierung, man wolle noch in dieser Woche die Aufzeichnungen veröffentlichen, die bei dem Einsatz im Versteck des Al-Kaida-Chefs vor einem Jahr in Pakistan beschlagnahmt wurden. In den Dokumenten beklage bin Laden unter anderem, dass seine Organisation "Desaster nach Desaster" erleide, sagte der wichtigste Anti-Terror-Berater der US-Regierung, John Brennan. Die Schriftstücke sollen in den kommenden Tagen auf der Website der US-Militärakademie von West Point veröffentlicht werden.

Vor seinem Tod habe der Al-Kaida-Chef über einen neuen Namen für seine Gruppe nachgedacht, sagte Brennan. Seine Anhänger habe der Al-Kaida-Chef aufgefordert, die pakistanischen Stammesgebiete zu meiden, wo sie US-Luftüberwachung und Bombardierungen zu befürchten hätten.  

Ein Jahr nach bin Ladens Tod zeichnete Brennan von Al-Kaida das Bild einer geschwächten Organisation , die noch im Laufe dieses Jahrzehntes besiegt sein werde. Al-Kaida erleide unter anderem durch US-Drohnenangriffe Verluste. Die Rekrutierung neuer Mitglieder falle ihr zunehmend schwer.

Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 auf das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington mit fast 3.000 Toten war bin Laden der Staatsfeind Nummer eins der USA .

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Leserkommentare
    • TDU
    • 01. Mai 2012 18:15 Uhr

    "Romneys Wahlkampflager wertete das als unangemessene Ausnutzung eines Anti-Terror-Sieges, der überparteilich und ein ernstes Ereignis sei."

    Da haben die m. e. Recht und Obama wäre gut beraten im Sinne seiner Aussage, er sei Präsident aller Bürger, das Thema aus dem wahlkampf raus zu halten. Von Europa kann er lernen, was daraus werden kann, wenn man mit den Ängsten der Menschen spielt und Polarisierung erzeugt.

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    • zorc
    • 01. Mai 2012 18:43 Uhr

    "Romneys Wahlkampflager wertete das als unangemessene Ausnutzung eines Anti-Terror-Sieges, der überparteilich und ein ernstes Ereignis sei."

    Keine Frage haben sie da recht, die Republikaner. Schließlich würden sie es im umgekehrten Fall auch sorgfältig unterlassen, die patriotische Karte zu spielen. Nein, nein, das würden sie nie und nimmer tun, die streng sachlichen Republikaner. Lustig, lustig, trallallalala ...

    • eras
    • 01. Mai 2012 18:16 Uhr

    Obama ist ein Spielverderber. Die Republikaner haben seit Jahrzehnten immer die Patriotenschiene gefahren und den demokratischen Kandidaten als Weichling oder sogar - bei Obamas letzter Wahl - als Terroristenfreund bezeichnet.

    Das geht nun nicht mehr. Weil Obama sich nicht an die Regeln hält. Was sollen die Reps denn jetzt machen?

    Gibt es eigentlich keine Verlässlichkeiten mehr in dieser Welt?

    7 Leserempfehlungen
    • RGFG
    • 01. Mai 2012 18:20 Uhr

    ...das war ja das erfolgreiche Motto der Republikaner in den vergangenen Jahren. Unvergessen, wie man Drückeberger Bush aus der Schusslinie genommen hat, als man "war hero" Kerry die 'Heldentaten' abspenstig machte.

    Und deshalb darf Osama jetzt keine Nachricht sein, weil zu ernst und überparteilich, deshalb ist Obama ja bei der Rettung der US Autoindustrie viel zu spät Romneys Vorschlag einer geordneten Insolvenz gefolgt (...was soll schon das kleine Detail, dass das erst ging, nachdem der Staat investiert hatte) und deshalb ist die Krankenversicherung ja 'sozialistisches Teufelszeug'.

    Zum Glück scheint Obama nicht sonderlich zimperlich zu sein....

    2 Leserempfehlungen
    • Ambi
    • 01. Mai 2012 18:34 Uhr

    Eigentlich gefällt es mir nicht, dass sich Obama damit brüstet, den Angriff auf Osama bin Laden angeordnet zu haben - aber wenn man sich die Sache genauer ansieht, ist Obama nicht der Falke.

    Romneys Position war nämlich die von George W Bush: Ein Krieg gegen alles, was irgendwie nach Moslemterroristen aussieht. Das ausführliche Zitat von Romney enthält eine Aufzählung dieser Organisationen. Und deswegen, so Bush und Romney, kam es nicht auf Bin Laden an.

    Was die Bush-Leute nicht daran gehindert hat, ein Terror-Warnsystem aufrechtzuerhalten, das vor Anschlägen in den USA warnen sollte und meistens auf der zweit- oder dritthöchsten Stufe (von fünf) stand.

    Welche der Organisationen, die Romney aufgezählt hat, würde einen solchen Anschlag ausführen? Eine: Al Qaida.

    Obama dagegen hat die Prioritäten verschoben, so dass die Spitzen der Al Qaida gejagt und getötet wurden. Für mich als Deutschen wirkt das sehr kriegerisch, aber mit den Republikanern hätte man einen Krieg ohne Ende gehabt...

    3 Leserempfehlungen
    • zorc
    • 01. Mai 2012 18:43 Uhr

    "Romneys Wahlkampflager wertete das als unangemessene Ausnutzung eines Anti-Terror-Sieges, der überparteilich und ein ernstes Ereignis sei."

    Keine Frage haben sie da recht, die Republikaner. Schließlich würden sie es im umgekehrten Fall auch sorgfältig unterlassen, die patriotische Karte zu spielen. Nein, nein, das würden sie nie und nimmer tun, die streng sachlichen Republikaner. Lustig, lustig, trallallalala ...

    6 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Präsident aller"
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    • TDU
    • 02. Mai 2012 13:20 Uhr

    Na und, dann würde ich das Gleiche schreiben. Oderfluten Katastrophen und Aktionen die sozusagen überparteilich sind, sollte man aus dem Wahlkampf raus halten. Schröders Irak Abstinenzentscheidung, Merkels Energeiwende deswegen waren schon grenzwertig. Aber immerhin im vorhinein.

    Im übrigen: Ein unrichtiges Handeln wird nicht dadurch richtig, weil der Andere das auch tun würde. Aber bitte. Scheinbar herrscht wieder Zwang, sonst wird eglacht oder unterstellt. Ich habe keine Symapathie für die Republikaner Also generell Obama Gut, Romney böse. So besser?

  1. 6. na ja

    toll, wenn der eine präsidentschaftskandidat daran seine qualität fest macht, dass er dem anderen nicht zutraut, einen alten mann in seiner wohnung zu erschießen.

    noch fragen zur usa ...

    4 Leserempfehlungen
  2. Ein Präsident der weder nach Rechts noch nach Links etwas bewegt hat.
    Yes we can't !

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    Obama hat immerhin die Krankenversicherung auf den Weg gebracht. Aber auch Guantanamo nicht geschlossen und weiterhin Kriege im Auge gehabt. Trotzdem - es hätte schlimmer kommen können. Mit McCain wären der Iran und Syrien jetzt schon "befriedet" und die Welt um ein paar Millionen Menschen ärmer. Und genau das wird passieren, wenn einer von den republikanischen "Anwärtern" gewinnen sollte.

  3. Obama hat immerhin die Krankenversicherung auf den Weg gebracht. Aber auch Guantanamo nicht geschlossen und weiterhin Kriege im Auge gehabt. Trotzdem - es hätte schlimmer kommen können. Mit McCain wären der Iran und Syrien jetzt schon "befriedet" und die Welt um ein paar Millionen Menschen ärmer. Und genau das wird passieren, wenn einer von den republikanischen "Anwärtern" gewinnen sollte.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP
  • Schlagworte Osama bin Laden | Barack Obama | Terrorismus | Anschlag | Jahrestag | Mitt Romney
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