GroßbritannienJohnson bleibt Londons Bürgermeister

Die Londoner Bürger haben den Konservativen Boris Johnson im Amt des Bürgermeisters bestätigt. Er siegte vor seinem Herausforderer Ken Livingstone von der Labour-Partei. von afp

Boris Johnson nach seiner Wiederwahl, im Hintergrund sein Herausforderer Ken Livingstone

Boris Johnson nach seiner Wiederwahl, im Hintergrund sein Herausforderer Ken Livingstone  |  © Peter Macdiarmid/Getty Images

Bei den Kommunalwahlen in Großbritannien ist in der Hauptstadt London der konservative Bürgermeister Boris Johnson im Amt bestätigt worden. Er erhielt 51,5 Prozent der Stimmen. Der 47-Jährige lag damit knapp vor seinem Herausforderer und Amtsvorgänger Ken Livingstone von der Labour-Partei , der auf 48,5 Prozent der Stimmen kam.

Der 66-jährige Livingstone war seinem konservativen Rivalen bereits 2008 unterlegen. In London waren rund 5,8 Millionen Wahlberechtigte zur Wahl aufgerufen. Die Wahlbeteiligung lag bei nur 38 Prozent.

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In seiner kurz vor Mitternacht gehaltenen Siegesrede an der City Hall sagte Johnson, er werde weiter für ein gutes Angebot für die Londoner kämpfen. Zugleich erinnerte er daran, dass die Olympiastadt London "in 84 Tagen die Welt willkommen heißen" werde. Die Welt werde eine Stadt erleben, die beispiellose Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr getätigt habe.

Livingstone verwies in seiner Rede auch auf die Labour-Siege im nationalen Maßstab . Ironisch fügte er hinzu, hoffentlich habe das Wahlergebnis dem Premierminister David Cameron nicht den Magen verdorben . Dessen konservative Partei büßte deutlich Stimmen ein.

Starke Verluste der Regierungspartei

Neben den Konservativen verloren landesweit auch die an der Regierung beteiligten Liberaldemokraten zugunsten der oppositionellen Labour-Partei an Zustimmung. Die Konservativen gewannen 42 Stadträte, die Labour-Partei dagegen 75. Die Liberaldemokraten stellen die Mehrheit in sechs Stadträten. Labour kontrolliert mit Birmingham die zweitgrößte britische Stadt und mit Edinburgh sowie Cardiff die Hauptstädte Schottlands und Wales'. Am Donnerstag hatten insgesamt mehr als 5.000 Sitze in 181 Stadträten zur Wahl gestanden. Dies ist ein Drittel der landesweiten Sitze.

Ein weiterer Schlag für Cameron waren die Verluste seiner Partei in seinem eigenen Wahlkreis Oxfordshire im Süden Englands sowie verlorene Referenden in neun von zehn englischen Städten über eine vom Regierungschef befürwortete künftige Direktwahl des Bürgermeisters. Nur Bristol entschied im Sinne Camerons .

Landesweit kamen die konservativen Tories nach Berechnungen der BBC nur noch auf 31 Prozent der Stimmen (vier Prozentpunkte weniger als 2008), Labour lag bei 38 Prozent (zwei Prozentpunkte mehr) und die Liberaldemokraten wie 2008 bei 16 Prozent.

Cameron erklärte angesichts der Wahlergebnisse, er bedauere die Verluste der Konservativen, allerdings habe die Wahl vor einem "schwierigen Hintergrund" stattgefunden. "Dies sind schwierige Zeiten, und es gibt keine einfachen Antworten", erklärte Cameron. Angesichts der Staatsverschuldung, des Haushaltsdefizits und einer angeschlagenen Wirtschaft stünden schwierige Entscheidungen an, die er auch weiterhin treffen werde.

Labour-Chef Ed Miliband erklärte, die Wahl sei das Ergebnis davon, dass Cameron Wandel verspreche, aber "Enttäuschung" beschere. "Wir sind die Partei, die das Vertrauen der Menschen zurückgewinnt, an Boden gewinnt, aber es gibt noch mehr Arbeit, die angegangen werden muss", sagte der Sozialdemokrat.

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Leserkommentare
  1. „Red Ken“ (Roter Ken) ist eine der polarisierenden politischen Figuren des Landes.
    Um Johnson zu schlagen setzte Livingstone insbesondere auf die Stimmen der muslimischen Wähler in London. Sein Kalkül: Mit antisemitischen und homophoben Kampagnen werde er dieses Wählerpotential für sich mobilisieren und so die Wahlen gewinnen können.
    http://blogs.telegraph.co...

    London kann froh sein, dass diese Strategie nicht aufgegangen ist.

  2. Die Wiederwahl BoJos zeigt, dass die Wähler noch nichts Begriffen haben. Leider! Die Einsicht über den Niedergang der Demokratien Europas wird kommen - dann aber auch zu spät.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP
  • Schlagworte David Cameron | Großbritannien | Ken Livingstone | BBC | Labour Partei | Direktwahl
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