Proteste: "Niemand wird für die Gewalt in Bahrain zur Rechenschaft gezogen"
In Bahrain lässt das Regime Proteste brutal niederschlagen. Ohne Druck von außen wird das Blutvergießen nicht aufhören, sagt die Menschenrechtlerin Maryam al-Khawaja.
© Mohammed Al-Shaikh/AFP/GettyImages

Frauen demonstrieren für die Freilassung politischer Gefangener in Shakkora, westlich der bahrainischen Hauptstadt Manama.
ZEIT ONLINE: Als im Februar 2011 die Proteste gegen die politische Führung im Königreich Bahrain begannen und brutal niedergeschlagen wurden, war die Aufmerksamkeit groß. Mittlerweile wird nur noch selten darüber berichtet – warum?
Maryam al-Khawaja: Die Regierung hat ein gutes Dutzend PR-Firmen beauftragt. Diese prägen das Bild von Bahrain, und sie versuchen, Menschen wie mich zu diskreditieren und sicherzustellen, dass unsere Stimmen nicht gehört werden. Dafür gibt das Regime Hunderttausende von Dollar aus. Auch Saudi-Arabien besitzt vor allem durch sein Öl großen internationalen Einfluss. Dazu kommt das Geld, dass Saudi-Arabien in Medienunternehmen steckt, sei es für Werbung oder mit seinen umfangreichen Beteiligungen an der arabischen Presse.
ZEIT ONLINE: Also hat sich die Lage nicht beruhigt?
Al-Khawaja: Nein, auf keinen Fall. Die Proteste gehen weiter. Fast jeden Tag gehen Menschen auf die Straße, und ebenso geht das Regime fast jeden Tag mit Gewalt gegen die Proteste vor. Die Demonstrationen in Bahrain sind eigentlich die größten des Arabischen Frühlings, wenn man sie auf die Größe der Bevölkerung bezieht: Bis zu 400.000 Menschen waren bei den größten Demonstrationen, und Bahrain hat zwischen 600.000 und 700.000 Einwohner – das ist so, als wären in Ägypten 40 Millionen Menschen bei den Protesten gewesen.

ist eine Menschenrechtsaktivistin aus Bahrain und die Tochter von Abdulhadi Al-Khawaja. Ihr Vater gehört zu den bekanntesten Menschenrechtsaktivisten des Landes und ist Gründer des Bahrain Center for Human Rights. Derzeit ist er in Bahrain inhaftiert. Die Organisation, für die inzwischen auch die 24-Jährige arbeitet, wurde von der Regierung verboten. Die Famillie lebte lange Jahre in Dänemark im Exil und kehrte erst 2001 wieder in die Heimat zurück. Maryam Al-Khawaja hat nach den Protesten in Bahrain, die im vergangenen Jahr begannen, das Land verlassen.
ZEIT ONLINE: Warum gehen die Menschen auf die Straße?
Al-Khawaja: Seit den 1920er Jahren hat es in Bahrain fast alle zehn Jahre irgendeine Form von Aufstandsbewegung gegeben, zuletzt in den Neunzigern. Viele Menschen wurden damals getötet, es gab Tausende politische Gefangene und viele Fälle von Folter. Als der heutige König an die Macht kam, nachdem sein Vater gestorben war, wurde ihm schnell klar: Es muss etwas passieren. Die USA hatten einen Marinestützpunkt in Bahrain und waren dabei, den Irakkrieg zu beginnen – er wollte die Lage im Land beruhigen. Also machte König Hamad Bin Isa al-Khalifa viele wunderschöne Versprechungen: eine konstitutionelle Monarchie, die Freilassung politischer Gefangener, das Ende der Folter ...
ZEIT ONLINE: Das war 2001.
Al-Khawaja: Genau, aber seitdem warten die Menschen, und es verändert sich nichts. Dann gab es die Revolutionen in Tunesien und Ägypten. Das hat ihnen Hoffnung gegeben. Zunächst forderten die Bürger einfach nur, was man ihnen versprochen hatte. Das änderte sich, nachdem die ersten Demonstranten auf der Straße getötet wurden. Die Menschen sagten: Eine Regierung, die uns umbringt, weil wir etwas fordern, dass sie uns zehn Jahre zuvor versprochen hat, muss verschwinden.





Ich hoffe unsere Kanzlerin liest diesen Artikel und überlegt sich die Lieferung der Panzer nach Saudi Arabien nochmals...
auch hier gegen Bahrain und Saudi Arabien muss Deutschland und die westliche Welt offen und kontinuierlich die Menschenrechtsverletzungen ansprechen und vorerst keine Waffen liefern, welche gegen die Zivilbevölkerung eingesetzt werden koennten...Leopards gehoeren da fuer mich auch dazu...und Saudi Arabien hat ja bewiesen, dass sie Bahrain mit seinem Militaer bei der Niederschlagung friedlicher Proteste hift!
Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Polemik. Danke, die Redaktion/ls
Entfernt. Bitte verfassen Sie sachliche und differenzierte Kommentare. Danke, die Redaktion/ls
Doch wohl eher ein Blutsonntag......und man muss leider nach aller Erfahrung in Ägypten, Libyien, Syrien, Tunesien und Algerien konstatieren, dass die (potentiellen) Folgeregierungen nicht hübscher sind. Dennoch darf das Gebot der Nichteinmischung nicht gelten.
"man muss leider .. konstatieren, dass die (potentiellen) Folgeregierungen nicht hübscher sind"
Daraus folgt:
"Dennoch darf das Gebot der Nichteinmischung nicht gelten."
Soll das heißen, wenn irgendwo die zukünftigen Diktatoren gegen die gegenwärtigen anstinken, dann müssen wir dazwischen hauen, ganz egal ob das am Ende der Bevölkerung/der Demokratie/den Menschenrechten (suchen Sie sich was aus) was bringt oder nicht?
Diese Weltpolizeiattitüde bringt doch den Westen erst in Verruf!
Sehen Sie sich doch mal das Foto zum Artikel an. Vier "Transparente" in englisch, eins auf arabisch - bei einer Demonstration von Schiiten gegen Sunniten in Bahrain. An wen wird hier appelliert und warum?
Die Saudis sorgen ja nicht nur in Bahrain für Ärger, sondern heizen auch den Syrien-Konflikt ordentlich an, da sind sie aber auf der Seite der "Aktivisten" und "Menschenrechtler" die sich auflehnen gegen den bösen Assad.
Es bringt eben nix, reflexartig per se die Opposition für "gut" (Sobald da einer "Demokratie" sagt, kommen die ersten und wollen Flugverbotsbomben) und die Regierung ("Regime") für böse zu erklären.
veränderungen haben keine bemerkbaren auswirkungen auf die situation der menschen, aber dennoch muss man regime austauschen?
kriege mit 10.000en toten für keine resultate? das müssen sie mir erklären.
"man muss leider .. konstatieren, dass die (potentiellen) Folgeregierungen nicht hübscher sind"
Daraus folgt:
"Dennoch darf das Gebot der Nichteinmischung nicht gelten."
Soll das heißen, wenn irgendwo die zukünftigen Diktatoren gegen die gegenwärtigen anstinken, dann müssen wir dazwischen hauen, ganz egal ob das am Ende der Bevölkerung/der Demokratie/den Menschenrechten (suchen Sie sich was aus) was bringt oder nicht?
Diese Weltpolizeiattitüde bringt doch den Westen erst in Verruf!
Sehen Sie sich doch mal das Foto zum Artikel an. Vier "Transparente" in englisch, eins auf arabisch - bei einer Demonstration von Schiiten gegen Sunniten in Bahrain. An wen wird hier appelliert und warum?
Die Saudis sorgen ja nicht nur in Bahrain für Ärger, sondern heizen auch den Syrien-Konflikt ordentlich an, da sind sie aber auf der Seite der "Aktivisten" und "Menschenrechtler" die sich auflehnen gegen den bösen Assad.
Es bringt eben nix, reflexartig per se die Opposition für "gut" (Sobald da einer "Demokratie" sagt, kommen die ersten und wollen Flugverbotsbomben) und die Regierung ("Regime") für böse zu erklären.
veränderungen haben keine bemerkbaren auswirkungen auf die situation der menschen, aber dennoch muss man regime austauschen?
kriege mit 10.000en toten für keine resultate? das müssen sie mir erklären.
"man muss leider .. konstatieren, dass die (potentiellen) Folgeregierungen nicht hübscher sind"
Daraus folgt:
"Dennoch darf das Gebot der Nichteinmischung nicht gelten."
Soll das heißen, wenn irgendwo die zukünftigen Diktatoren gegen die gegenwärtigen anstinken, dann müssen wir dazwischen hauen, ganz egal ob das am Ende der Bevölkerung/der Demokratie/den Menschenrechten (suchen Sie sich was aus) was bringt oder nicht?
Diese Weltpolizeiattitüde bringt doch den Westen erst in Verruf!
Sehen Sie sich doch mal das Foto zum Artikel an. Vier "Transparente" in englisch, eins auf arabisch - bei einer Demonstration von Schiiten gegen Sunniten in Bahrain. An wen wird hier appelliert und warum?
Die Saudis sorgen ja nicht nur in Bahrain für Ärger, sondern heizen auch den Syrien-Konflikt ordentlich an, da sind sie aber auf der Seite der "Aktivisten" und "Menschenrechtler" die sich auflehnen gegen den bösen Assad.
Es bringt eben nix, reflexartig per se die Opposition für "gut" (Sobald da einer "Demokratie" sagt, kommen die ersten und wollen Flugverbotsbomben) und die Regierung ("Regime") für böse zu erklären.
...aber man muss eben, aus Mangel an nachhaltiger Lösung, wenigstens dafür sorgen, dass Blutvergießen im akuten Fall unterbunden wird.
Ich habe mich ja auch aus jeder Wertung herausgehalten, Ihre Gut/Böse Hinweise waren mithin überflüssig.
Patentrezepte kann es auch nicht geben, aber es wäre doch eine Doktrin, die fortan zumindest den Prozess einer Einigung auf Basis von Akzeptanz und Kompromiss befördern würde, wenn der Westen klar macht:
Wo immer eine Regierung gegen ihr Volk, eine Volksgruppe, eine ethnische oder religiöse Minderheit/Mehrheit mobil macht, marschieren wir ein und übernehmen das Ruder bis Ruhe herrscht.
Und sagen Sie jetzt nicht, das sei illusorisch.....das weiss ich selber. :)
Gruss.
...aber man muss eben, aus Mangel an nachhaltiger Lösung, wenigstens dafür sorgen, dass Blutvergießen im akuten Fall unterbunden wird.
Ich habe mich ja auch aus jeder Wertung herausgehalten, Ihre Gut/Böse Hinweise waren mithin überflüssig.
Patentrezepte kann es auch nicht geben, aber es wäre doch eine Doktrin, die fortan zumindest den Prozess einer Einigung auf Basis von Akzeptanz und Kompromiss befördern würde, wenn der Westen klar macht:
Wo immer eine Regierung gegen ihr Volk, eine Volksgruppe, eine ethnische oder religiöse Minderheit/Mehrheit mobil macht, marschieren wir ein und übernehmen das Ruder bis Ruhe herrscht.
Und sagen Sie jetzt nicht, das sei illusorisch.....das weiss ich selber. :)
Gruss.
...aber man muss eben, aus Mangel an nachhaltiger Lösung, wenigstens dafür sorgen, dass Blutvergießen im akuten Fall unterbunden wird.
Ich habe mich ja auch aus jeder Wertung herausgehalten, Ihre Gut/Böse Hinweise waren mithin überflüssig.
Patentrezepte kann es auch nicht geben, aber es wäre doch eine Doktrin, die fortan zumindest den Prozess einer Einigung auf Basis von Akzeptanz und Kompromiss befördern würde, wenn der Westen klar macht:
Wo immer eine Regierung gegen ihr Volk, eine Volksgruppe, eine ethnische oder religiöse Minderheit/Mehrheit mobil macht, marschieren wir ein und übernehmen das Ruder bis Ruhe herrscht.
Und sagen Sie jetzt nicht, das sei illusorisch.....das weiss ich selber. :)
Gruss.
"Wo immer eine Regierung gegen ihr Volk, eine Volksgruppe, eine ethnische oder religiöse Minderheit/Mehrheit mobil macht, marschieren wir ein und übernehmen das Ruder bis Ruhe herrscht."
ein klares statement, eine deutliche position.
sie gehen wohl davon aus, dass sie wissen, wie die ideale staatliche und gesellschaftliche ordnung beschaffen zu sein hat. sie maßen sich damit definitionsmacht an, wann eine regierung angemessen reagiert und wann motzen aus der opposition heraus zu einer gerechtfertigten rebellion wird.
was mich daran am allermeisten stört: die verwendung von "wir" und die annahme, dass "wir" aus (natürlich richtigem) moralischem impetus und im besitz der besseren erkenntnis das recht ableiten, "unsere" idee global durchzusetzen, egal, wer sie denn haben will oder auch nicht.
zum einen ist dies in meinen augen eine höchst arrogante haltung, die dazu geführt hat, dass "wir" im arabischsprachigen raum als "kreuzritter" gesehen werden. das ist auch nachvollziehbar, denn damals wie heute ging es unter dem deckmäntelchen der höheren moral darum einflußsphären zu erschließen und abzusichern.
"wir" machen uns damit keine freunde, nicht im nahen und mittleren osten und auch nicht auf dem rest der welt. so eine attitüde ist niemandem sympathisch.
zu guter letzt: "wir", das ist kein monolithischer block. es gibt in den ländern, die sie unter "wir" subsummieren viele menschen, die das was sie vorhaben ablehnen und dagegen auf die strasse gehen würden und werden.
"Wo immer eine Regierung gegen ihr Volk, eine Volksgruppe, eine ethnische oder religiöse Minderheit/Mehrheit mobil macht, marschieren wir ein und übernehmen das Ruder bis Ruhe herrscht."
ein klares statement, eine deutliche position.
sie gehen wohl davon aus, dass sie wissen, wie die ideale staatliche und gesellschaftliche ordnung beschaffen zu sein hat. sie maßen sich damit definitionsmacht an, wann eine regierung angemessen reagiert und wann motzen aus der opposition heraus zu einer gerechtfertigten rebellion wird.
was mich daran am allermeisten stört: die verwendung von "wir" und die annahme, dass "wir" aus (natürlich richtigem) moralischem impetus und im besitz der besseren erkenntnis das recht ableiten, "unsere" idee global durchzusetzen, egal, wer sie denn haben will oder auch nicht.
zum einen ist dies in meinen augen eine höchst arrogante haltung, die dazu geführt hat, dass "wir" im arabischsprachigen raum als "kreuzritter" gesehen werden. das ist auch nachvollziehbar, denn damals wie heute ging es unter dem deckmäntelchen der höheren moral darum einflußsphären zu erschließen und abzusichern.
"wir" machen uns damit keine freunde, nicht im nahen und mittleren osten und auch nicht auf dem rest der welt. so eine attitüde ist niemandem sympathisch.
zu guter letzt: "wir", das ist kein monolithischer block. es gibt in den ländern, die sie unter "wir" subsummieren viele menschen, die das was sie vorhaben ablehnen und dagegen auf die strasse gehen würden und werden.
Hauptsache die Formel 1 startet pünktlich und ohne Unterbrechungen durch irgendwelche Menschen die dieses wundervolle Ereignis stören wollen.
Brot und Spiele für alle im Sofa!
Wer den Sarkasmus finden darf ich behalten!
Die Vernunft hat unsere Politik längst verlassen, die Hoffnung der Menschen auf eine gerechtere Welt schwindet täglich kommen neuen Nachrichten aus dem Hades, die Themen für unsere Demonstration werden immer mehr und wir selbst wissen nicht gegen was wir noch kämpfen sollen.
Meine Liste wird immer größer....
Bahrains Menschen wissen wofür sie kämpfen und haben ihre Angst abgelegt.
Weil eine finanzstarke Regierung in einem kleinen Land die Medien besser beherrscht als es für Gaddafi und Assad überhaupt möglich war, muss die Öffentlichkeit besser aufhorchen.
Denn hier wird Al Jazeera nicht live berichten, allen wurde eingetrichtert, hier ginge es nur um "Schiiten-Suniten", es wäre normal, sich gegen den Einfluss des Irans zu verteidigen.
Aber Gewalt gegen die Mehrheit der eigenen Bevölkerung ist nicht zu rechtfertigen.
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