Syrien-Krieg : Erst Schmuggler, dann Schläger für das Assad-Regime

Sie gelten als Assads Mördertruppe: Die Schabiha sollen für Massaker an der syrischen Bevölkerung verantwortlich sein. Wer sind diese Milizionäre?
Krieg: Das Bab-Sabaa-Viertel in der syrischen Stadt Homs © Reuters

Geht es um die Frage, warum das Assad-Regime noch immer in Syrien herrscht, werden zuerst seine internationalen Unterstützer genannt: Russland , Iran und auch China . Ein wichtiger Aspekt wird dabei aber oft vernachlässigt: der auffällige Zusammenhalt des Regimes. Er beruht auf einem System von Abhängigkeiten und Allianzen zwischen den herrschenden Alawiten und verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Und eben auf Gewalt, ausgeübt durch das Militär, die verschiedenen Sicherheitsdienste und inzwischen offenbar auch durch eine Miliz namens Schabiha. Die Alawiten, eine religiöse Strömung mit Parallelen zum schiitischen Islam, besetzen die wichtigen Posten im Staat, obwohl sie nur rund zwölf Prozent der Bevölkerung stellen.

Mit der Verschärfung des bewaffneten Aufstandes seit März 2011 scheint sich in diesem System nun die Schabiha-Miliz als Einheit für die eigentliche Schmutzarbeit durchgesetzt zu haben. Es sind junge Alawiten, die Köpfe meist kahlgeschoren, mit einer Vorliebe für schwarze Kleidung, Armee-Khakiuniformen und schwarz lackierte Autos, die meist im Windschatten der regulären Streitkräfte ihre Gewalttaten ausüben. Der Name leitet sich von dem arabischen Wort "schabah" ab, was Gespenst bedeutet. Sie gelten als verantwortlich für das Massaker von Hula und jenem im Dorf Al-Kobeir nahe der Ortschaft Marsaf , wo am Mittwoch mindestens 80 Menschen getötet wurden.

Ihren Ursprung haben die Schabiha in den 1970er Jahren in den Schmuggler-Gangs aus dem Umland von Latakia, der größten syrischen Hafenstadt. Auch die Assads stammen von dort, weshalb die Alawiten-Gangs wohl unbehelligt blieben, heißt es in einem Bericht des britischen Guardian . In den 1980er Jahren ließ dann Präsident Hafis al-Assad, Vater und Vorgänger des heutigen Amtsinhabers Baschar al-Assad, in den ärmeren Vierteln des Damaszener Stadtteils Al-Mezzeh Siedlungen bauen. Zahlreiche junge Alawiten lockte er mit dem Versprechen von günstigen Lebensmitteln und Mieten vom Land in die Stadt.

Ausgewählte Milizionäre als Leibwächter des Assad-Clans

Im Laufe der Zeit erwarben sich die Schabiha durch ihre Verstrickung in Schutzgelderpressung und Drogenhandel einen zweifelhaften Ruf. Seit Baschar al-Assad 2005 die Wirtschaft etwas liberalisierte, haben vor allem sunnitische Kaufleute wichtige Geschäftsbereiche übernommen, mussten sich aber mit dem Alawiten-Regime arrangieren. Laut dem Guardian zahlen diese Kaufleute heute an die Schabiha. Zum einen, um ihre profitablen Geschäfte zu schützen, aber auch, um die politischen Förderer zufrieden zu stellen.

Einige ausgewählte Milizionäre arbeiteten außerdem als Leibwächter für den Assad-Clan. Wie gefährlich die Schabiha wirklich waren, lässt sich aber nicht ermessen. Einer Diktatur kommt es aber durchaus zupass, den Ruf zu haben, eine Art Schattenarmee zu unterhalten – unabhängig davon, wie weit das stimmt. Doch seit dem Beginn der Anti-Regierungsproteste im März 2011 wachsen die Schabiha zahlenmäßig und sind Teil der Aufstandsbekämpfung geworden.

Zusammenarbeit von bewaffneten Banden und syrischem Militär

Haben die Militärs heute ein Dorf oder ein Stadtviertel militärisch unterworfen, folgen die Milizionäre – zum Teil in Bussen bereits mitgereist –, um die lokale Bevölkerung zu terrorisieren. Ihre Aufgabe ist es auch, jene Soldaten hinzurichten, die sich weigern, auf die eigenen Bürger zu schießen, wie Überläufer berichteten. Um potenzielle Deserteure abzuschrecken, operieren sie meist in den Reihen hinter der regulären Armee.

Die Schabiha haben so begonnen, den jahrzehntelangen Schutz durch das Assad-Regime zurückzuzahlen. Im Guardian heißt es beispielsweise, dass sich die Schabiha in Homs aus verarmten jungen Alewiten aus dem Umland der Stadt rekrutieren, von zwei Geschäftsleuten finanziert und von den Sicherheitsbehörden der Stadt geführt werden. Die Milizionäre durften die Häuser in jenen Stadtviertel plündern, aus denen die primär sunnitischen Bewohner vor dem Krieg geflüchtet sind. Das Ergebnis ist eine Verschärfung des Konfliktes entlang religiöser Grenzen.

Die Mannstärke der Schabiha ist nicht bekannt. Genauso wenig lässt sich ihre tatsächliche Verstrickung mit der syrischen Geschäftswelt überprüfen, besonders in Zeiten des Krieges. Was man heute aber sicher weiß, ist, dass bewaffnete Banden zusammen mit dem syrischen Militär gegen die Aufständischen kämpfen.

Verlagsangebot

Entdecken Sie mehr.

Lernen Sie DIE ZEIT 4 Wochen lang im Digital-Paket zum Probepreis kennen.

Hier testen

Kommentare

68 Kommentare Seite 1 von 9 Kommentieren

und wenn das alles

einmal zuende ist wird sich kaum einer für die dann Massentötung der elf Prozent des Stammes des Führers interessieren, wie jetzt in Lybien täglich abgeschlachtet wird das etwas zu tuen hatte mit Gad. - und der Gedanke das die nächste Macht dan Salafisten in Syrien sein sollen, die brauchen wir da und übrigens hier auch nicht.

Friedensengel

Ich kann mir schon vorstellen,wie hier demnächst relativiert wird und die Milizen als Friedensengel dargestellt werden die keiner Fliege etwas zu Leide tun können wären die bösen Oppositionellen aka die Terroristen das Land mit Terror überziehen.

Denn in Syrien herrschte unter Assad ein Regime des Friedens,der Freiheit und des Regenbogens,weswegen es gar nicht sein kann, dass dieser Zeit Artikel stimmt und nur Propaganda der "Systemmedien" ist^^.

Ich bin zwar auch sehr stark gegen einen Millitäreinsatz in Syrien, aber die Augen verschließenn sollte man eben dennoch nicht,was da los ist. Denn das ist man zumindest den Toten schuldiig...

Halbe Wahrheit

Sie verschliessen selbst die Augen, nämlich davor, dass hier auf beiden Seiten Gewalt ausgeübt wird. Die Horrorgeschichten nur über die eine Seite sind doch nicht glaubhaft. Diesem Argument können Sie sich nicht einfach dadurch entziehen, indem Sie behaupten, irgendwer würde die Milizen als "Friedensengel" darstellen. Das tun Sie selbst, ebenso wie die ZEIT, nämlich durch das Verschweigen der halben Wahrheit.

Naivität oder Kriegsarchitektur?

Rainer Hermann schreibt heute in der FAZ:

Getötet worden seien nahezu ausschließlich Familien der alawitischen und schiitischen Minderheit Hulas, dessen Bevölkerung zu mehr als neunzig Prozent Sunniten sind. So wurden mehrere Dutzend Mitglieder einer Familie abgeschlachtet, die in den vergangenen Jahren vom sunnitischen zum schiitischen Islam übergetreten sei. Getötet wurden ferner Mitglieder der alawitischen Familie Shomaliya und die Familie eines sunnitischen Parlamentsabgeordneten, weil dieser als Kollaborateur galt. Unmittelbar nach dem Massaker hätten die Täter ihre Opfer gefilmt, sie als sunnitische Opfer ausgegeben und die Videos über Internet verbreitet. Vertreter der syrischen Regierung bestätigten zwar diese Version, verwiesen aber darauf, dass sich die Regierung verpflichtet habe, öffentlich nicht von Alawiten und Sunniten zu sprechen. Staatspräsident Baschar al Assad gehört den Alawiten an, die Opposition wird überwiegend von der sunnitischen Bevölkerungsmehrheit getragen.

er ist knapper, erfahrener und das klingt wesentlich logischer und glaubwürdiger.

Assad hat kein Interesse zwischen Religionszugehörigkeiten zu differenzieren. Warum hat die Zeit daran Interesse Religionszugehörigkeiten zu verdrehen?

Assads Vater

hat sich also Söldner gekauft und Assad beschäftigt sie weiter; auch früher haben Söldner Dörfer und Städte als Belohnung für ihre Tätigkeit erhalten - das ist also nichts wirklich Neues.
Man fragt sich allerdings unwillkürlich, wer genau die Macht vor Ort ausübt - die Armee oder die Schahiba. Von hier aus ist diese Frage kaum zu beantworten.