Hazin Gomar fällt auf die Knie und schreit "Allahu Akbar", Gott ist groß. Er neigt seinen Kopf auf den Boden und küsst dann das Bild seines Sohnes Hussein . Dieser wurde am 28. Januar 2011 während der Revolution von einem Polizisten erschossen. 18 Jahre war Hussein alt. Seitdem kämpft sein Vater für Gerechtigkeit. Und als das Gericht in Kairo verkündet, dass Hosni Mubarak lebenslang ins Gefängnis muss , scheint das Ziel nahe. Hazin Gomar bricht in Tränen aus. "Es ist der glücklichste Tag in meinem Leben", sagt er. "Gott ist groß, Gott ist groß."

Revolutionäre und Märtyrer-Familien liegen sich vor der Polizeiakademie im Norden Kairos – vor dem Gericht, in dem Mubarak verurteilt wurde – in den Armen. Ihre Kinder, ihre Freunde sind nicht umsonst gestorben – das denken sie zunächst.

Doch dann macht die Nachricht die Runde, dass alle anderen Angeklagten, die für die Bluttaten während der Revolution verantwortlich sind, freigesprochen wurden. Die Revolutionäre beginnen zu toben. Es sind die sechs Assistenten des einstigen Innenministers Habib al Adly, die keine Strafe bekommen, darunter drei Leiter von Polizeistationen aus Kairo. Für das Töten der Demonstranten vor eineinhalb Jahren ist also weiterhin niemand verurteilt worden. Und auch Mubarak und sein damaliger Innenminister wurden lediglich dafür gerichtet, dass Töten nicht gestoppt zu haben.

Auch Mubaraks Anhänger sind enttäuscht

Es ist ein Schlag ins Gesicht für die Angehörigen und eine klare Botschaft an die Polizisten: Wenn ihr Demonstranten tötet, passiert euch nichts. Das wird auch zukünftig Polizisten ermutigen, gewaltvoll gegen Proteste vorzugehen. Abdel Mannam Abdel Maksut, Anwalt der Muslimbrüder und Nebenkläger im Prozess, ist enttäuscht. "Es wurde nicht nach fairen Regeln gespielt", sagt er. "Das Ergebnis gegen Mubarak und al Adly ist politisches Kalkül."

Denn der Militärrat will mit diesem Ergebnis die Straßen beruhigen. Der Bevölkerung zeigen: Eure Revolution hat etwas erreicht. So tat es auch der Richter Rafeat vor der Verkündung des Mubarak-Urteils. Er lobte die Revolution, sprach von der Morgenröte nach 30 Jahren Finsternis, 30 Jahren Mubarak. Und auch im Staatsfernsehen und Radio wird nur übertragen, dass Mubarak verurteilt wurde. Vom Freispruch der anderen Angeklagten ist keine Rede.

Auch in punkto Korruption wurde Mubarak freigesprochen, mit ihm seine zwei Söhne. Die Vorfälle seien verjährt, entscheidet das Gericht.

Doch nicht nur Mubarak-Gegner sind enttäuscht vom dem Ergebnis, auch seine Anhänger. So Kariman El-Sherif. 1,72 Meter groß, langes helles Haar. Sie hat sich einen Mubarak-Anhänger um den Hals gewickelt und trägt den ehemaligen Präsidenten auf einem Plakat unterm Arm. Wenn sie von Mubarak spricht, dann ist es immer noch ihr Präsident – manchmal nennt sie ihn auch ihren Vater. "Unser Land wird nun ohne den Präsidenten bergab gehen", sagt sie. "Das Urteil kann doch nicht gerecht sein."