Demonstranten in Kairo © Suhaib Salem/Reuters

Die Ägypter stimmen inmitten einer politischen Krise über den Präsidenten ab. Bei der zweitägigen Wahl sollen sich die rund 52 Millionen Wahlberechtigten zwischen Mohammed Mursi von den Muslimbrüdern und Ahmed Schafik , dem letzten Regierungschef des gestürzten Machthabers Hosni Mubarak , entscheiden.

Viele Ägypter wollen die Wahl boykottieren, weil sie Schafik als Vertreter des alten Regimes ablehnen. Sie fürchten, dass im Fall eines Siegs des früheren Luftwaffengenerals und Luftfahrtministers Schafik die alte Riege wieder an die Macht zurückkehren könnte. Seine Kandidatur wurde aber am Donnerstag vom Verfassungsgericht für rechtmäßig erklärt. Damit setzte das Gericht ein politisches Betätigungsverbot für Spitzenfunktionäre des alten Mubarak-Regimes außer Kraft, das vom Parlament beschlossen worden war. Außerdem erklärte das Gericht die Parlamentswahl für ungültig , bei der die Muslimbrüder die meisten Stimmen erhalten hatten. Begründet wurde dies damit, dass sich etliche Parteimitglieder um die für Unabhängige reservierten Direktmandate beworben hatten.

Der Kandidat der Muslimbrüder hatte es aber abgelehnt, sich aus der Stichwahl gegen Ex-Regierungschef Schafik zurückzuziehen und die Wahl so zu boykottieren. Er drohte aber mit einer neuen Revolution, falls es Hinweise auf Wahlfälschung geben sollte. Er sagte: "Das Volk wird die Rückkehr der korrupten Vertreter des alten Regimes nicht zulassen."

Die Wahl wird angesichts der Spannungen von einem Großaufgebot an Sicherheitskräften begleitet. Mit ersten Ergebnissen ist am Montagabend zu rechnen. Aus der ersten Runde der Abstimmung war Mursi Ende Mai als Sieger hervorgegangen.

Militärrat löst offenbar ägyptisches Parlament auf

Derweil soll der Oberste Militärrat das ägyptische Parlament offiziell aufgefordert haben, sich aufzulösen. Das berichtet der Guardian mit Verweis auf die ägyptische Zeitung Al-Ahram . Wann die Parlamentswahl wiederholt werden soll , habe der Militärrat noch nicht beschlossen.

Mehrere Gruppen, darunter auch die Jugendbewegung 6. April, riefen zu Protesten gegen die Urteile des Verfassungsgerichts auf.

Europäische Union fordert faire Präsidentschaftswahl

Die Europäische Union forderte in Brüssel eine "faire und transparente" Präsidentenwahl und einen raschen Übergang zu einer Zivilregierung. Die EU werde die Stichwahl "sehr genau beobachten", sagte ein Sprecher der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton . So rasch wie möglich müsse der Militärrat die Macht an eine Zivilregierung übergeben.

Auch Deutschlands Außenminister Guido Westerwelle mahnte eine Fortsetzung der Demokratisierung an. "Es darf jetzt kein Demokratievakuum entstehen", sagte ein Ministeriumssprecher. Notwendig sei ein glaubwürdiger Fahrplan zur Übergabe der Macht in zivile Hände. Die Bundesregierung erwarte vom Sieger der Stichwahl, dass er sich glaubhaft zum demokratischen Wandel bekenne.