Am 1. Juli wird der Muslimburder Mohammed Mursi sein Amt als erster frei gewählter Präsident Ägyptens antreten. Das gab die Wahlkommission in Kairo als Ergebnis der Abstimmung vom vorigen Wochenende bekannt. Es war die erste Präsidentenwahl in Ägypten seit dem Sturz des langjährigen Staatschefs Hosni Mubarak im Februar 2011.

Laut der britischen Nachrichtenseite Guardian kam Mursi auf 52 Prozent der Stimmen, sein Konkurrent Ahmed Schafik , früher Luftwaffenchef unter Mubarak , erreichte 48 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag den Angaben zufolge bei 51 Prozent. Die Muslimbruderschaft teilte auf Twitter mit , mit dem Sieg Mursis habe eine neue Ära in Ägypten und der arabischen Welt begonnen.

Schon im ersten Wahlgang hatte Mursi mit 24,7 Prozent der Stimmen vor Schafik gelegen, der auf 23,6 Prozent gekommen war. Ursprünglich hätte das Ergebnis der Stichwahl vom 16. und 17. Juni bereits am Donnerstag vermeldet werden sollen, doch die Kommission verschob den Termin wegen der angeblich zahlreichen Einsprüche.

Jubelfeiern auf dem Tahrir-Platz

Die Machtkämpfe zwischen dem herrschenden Militärrat , den Islamisten und Kräften des arabischen Frühlings dürften indes auch mit der Wahlentscheidung nicht beendet sein. Die Präsidentschaftswahl sollte das Ende der seit sechs Jahrzehnten bestehenden Dominanz der Streitkräfte einläuten. Doch dann beschnitt der Militärrat die Befugnisse des Amtes und ließ das von islamistischen Parteien dominierte Parlament auflösen. Mehr als ein Jahr nach dem Sturz Mubaraks ist damit das künftige Machtgefüge unklar.

Bei den Ägyptern löste die Nachricht vom Sieg Mursis dennoch Jubelfeiern auf dem Tahrir-Platz aus. Dort hatten sich Tausende Anhänger Mursis versammelt und auf die Entscheidung gewartet. Schon in den Tagen zuvor hatten sich die Menschen hier, wo die Proteste gegen Mubarak begonnen hatten, immer wieder versammelt und gemeinsam Sprechchöre wie "Nieder mit dem Militär"  gerufen.

Die Anhänger beider Kandidaten hatten den Sieg der Stichwahl schon im Voraus für sich reklamiert: Auf dem Tahrir-Platz ließen Mursis Anhänger den Muslimbruder hoch leben , in der Vorstadt Nasr City hatten Hunderte Anhänger Schafiks vorzeitig den "Sieg" ihres Kandidaten gefeiert.

Die Behörden schließen indes nicht aus, dass es noch zu Unruhen zwischen den Anhängern der beiden Präsidentschaftskandidaten kommen könnte. Die Präsidentenwahl hatte die ägyptische Gesellschaft stark polarisiert. In Kairo waren Polizei und Armee vor der Bekanntgabe des Ergebnisses in erhöhte Bereitschaft versetzt worden. Vor staatlichen Gebäuden und an wichtigen Auffahrten zur Autobahn wurden Soldaten und Panzerfahrzeuge postiert.