Streit um Falkland"Die Aggression, die über das Wasser kommt"

Auch 30 Jahre nach dem Falklandkrieg gibt es Streit um die Inselgruppe. Vor einem UN-Ausschuss führen Argentinien und Großbritannien einen Kleinkrieg um die Inseln. von afp und dpa

Argentiniens Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner vor dem UN-Ausschuss für Entkolonialisierung

Argentiniens Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner vor dem UN-Ausschuss für Entkolonialisierung  |  © Eric Thayer/Reuters

Argentinien und Großbritannien haben ihren jahrelangen Konflikt um die Falklandinseln vor die Vereinten Nationen gebracht . Die eigens angereiste argentinische Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner bekräftigte vor einem UN-Ausschuss den Anspruch ihres Landes auf die Inseln. "Wie können sie die Inselgruppe als britisches Territorium erklären, wenn es 14.000 Meilen von Großbritannien entfernt ist", empörte sie sich. "Diese Inseln sind Teil des Südatlantiks und Argentiniens."

Aus London kam prompt Widerspruch. Premierminister David Cameron kündigte an, die Inselgruppe gegen jede neue "Aggression" zu verteidigen . Verhandlungen über die Souveränität werde es nicht geben, machte Cameron klar. Es handele sich nicht um "irgendein globales Monopoly-Spiel", bei dem Territorien zwischen Ländern hin und her geschoben würden. "Es gibt nur einen Schatten am Horizont, und das ist die Aggression, die über das Wasser kommt", sagte er zu den Ansprüchen Argentiniens.

Anzeige

Der Regierungschef der Falklandinseln, Mike Summers, warf Argentinien vor, die Bevölkerung von den Inseln vertreiben zu wollen. "Sind wir Zweite-Klasse-Menschen mit ungleichen Rechten, nur weil wir nicht Lateinamerikaner sind? Oder sind wir unbedeutend, weil wir zu wenige sind, freigegeben zum Missbrauch durch einen drangsalierenden Nachbarn?", fragte Summers.

Nach Kirchners Rede versuchte Summers, der argentinischen Staatschefin einen Brief zu übergeben, in dem er Gespräche mit der Inselregierung anbot. Der argentinische Außenminister Hector Timerman weigerte sich jedoch, den Brief an Kirchners Stelle in Empfang zu nehmen. Er ließ Summers mit den Worten stehen, er solle das Schreiben zu "meiner Botschaft schicken".

Der Krieg endete vor 30 Jahren, doch der Streit bleibt

Der Falkländer Roger Edward sagte vor dem UN-Ausschuss: "Die Regierung Argentiniens behauptet, für die Menschenrechte zu kämpfen. Was ist mit den Rechten von uns Bewohnern der Insel?" Die Regierung in Buenos Aires sei scheinheilig, die Bewohner der Insel wollten lieber Briten bleiben.

Ob das wirklich so ist, soll im kommenden Jahr ein Referendum zeigen . Die meisten Einwohner sind britischstämmig. Bei einer Umfrage in den achtziger Jahren hatten mehr als 90 Prozent der Bevölkerung für den Status eines autonomen britischen Überseegebiets gestimmt. Die UN forderten beide Seiten auf, den Streit friedlich beizulegen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte, "seine guten Dienste" zur Lösung des Konflikts stünden weiter zur Verfügung, wenn beide Seiten willens seien.

Die Inselgruppe knapp 400 Kilometer vor der Küste Argentiniens gehört zu Großbritannien, regiert sich aber selbst. Argentinien erhebt seit Jahrzehnten Anspruch auf die rohstoffreichen Inseln, die von ihnen Malvinas genannt werden. 1982 hatte die damalige argentinische Militärjunta die Inselgruppe besetzt. Der Falklandkrieg zwischen Großbritannien und Argentinien, aus dem London als Sieger hervorging, dauerte 74 Tage. Fast 650 argentinische und etwa 250 britische Soldaten kamen ums Leben.

Zur Startseite
 
Leserkommentare

Wegen des Relaunches steht die Kommentarfunktion gegenwärtig einigen Nutzern nicht zur Verfügung.

  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa
  • Schlagworte David Cameron | Argentinien | Bevölkerung | Vereinte Nationen | Aggression | Brief
  • Neu auf ZEIT ONLINE
    1. Neu im Ressort
      1. Anzeige
      2. Anzeige
      3. Anzeige
      4. ARTIKEL ZUM THEMA Ausland IM RÜCKBLICK
        Juli | Juni | Mai | April | März
      Service