SyrienAssad beschäftigte westliche PR-Agentur

Syriens Machthaber Assad und seine Frau haben westliche Werbeagenturen für ihre Imagepflege bezahlt. Positive Artikel wurden unter anderem in Vogue und Elle platziert. von dpa

Das syrische Herrscherpaar Baschar und Asma al-Assad in einem Pariser Restaurant

Das syrische Herrscherpaar Baschar und Asma al-Assad in einem Pariser Restaurant  |  © Miguel Medina/AFP/Getty Images

Syriens Präsident Baschar al-Assad und seine Frau haben nach Angaben der New York Times Werbeagenturen in den USA und Europa beschäftigt, um positiv in westlichen Medien dargestellt zu werden. So porträtierte die Zeitschrift Vogue Asma al-Assad noch im März 2011 in einem Artikel als modebewusste und weltoffene Frau. Im gleichen Monat begann das Regime mit der Niederschlagung der Protestbewegung seiner Bürger.

Die New Yorker PR-Agentur Brown Lloyd James bestätigte, dass Syriens First Lady sie für "logistische Absprachen" mit Vogue bezahlt habe. Der Vertrag sei Ende 2010 ausgelaufen, sagte ein Sprecher der Agentur.

Nach Angaben der Zeitung hatten PR-Berater von Brown Lloyd James zuvor auch den Clinton- und Bush-Regierungen zur Seite gestanden. Das Londoner Werbeunternehmen Bell Pottinger, zu dessen Kunden einmal die britische Regierungschefin Margaret Thatcher gehörte, wurde nach dem Bericht ebenfalls von den Assads zu Rate gezogen.

Bald darauf sei eine Reihe von Artikeln über Asma al-Assad in Paris Match , der französischen Elle und der amerikanischen Huffington Post erschienen, hieß es weiter. Paris Match nannte Asma Assad "ein Lichtelement in einem schattenreichen Land ".

Seitdem starben nach UN-Schätzung mindestens 10.000 syrische Bürger, die gegen das Assad-Regime auf die Straße gegangen waren oder bei Angriffen von Assad-Anhängern getötet wurden. Die Massaker gingen auch am Wochenende und nach Angaben von Oppositionellen am Montag unvermindert weiter.

Das Magazin Vogue zog den Artikel über Syriens First Lady vom März 2011 inzwischen online zurück . Chefredakteurin Anna Wintour verurteilte das grausame Vorgehen der Assad-Regierung gegen die eigene Bevölkerung am Sonntag in einer Erklärung. Erst nach dem Interview mit Asma habe sich herausgestellt, dass "die Prioritäten und Werte (des Regimes) im kompletten Gegensatz stehen zu denen von Vogue ".

 

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Leserkommentare
  1. Es soll ja Menschen geben die Putin immer noch für einen Demokraten halten.
    Warum Bahrain aus dem Medien so gut wie verschwunden ist, macht einem auch bedenklich.

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Oh ja, und es soll auch Menschen geben, die unsere sogenannte "christl. liberale" Koalition für genau so eine halten und noch gar nicht bemerkt haben, (oder es nicht wahr haben wollen), das es in Wirklichkeit auch nur eine völlig unmoralische u. gewissenlose Waffenschieberbande ist, welche die eigenen Gesetze trickreich umgeht und somit unangreifbar ist.

  2. Daran lässt sich erkennen das der Bildungsstand nicht unbedingt mit intelligentem Handeln einhergeht.

  3. 3. na ja

    eine werbeagentur zu beauftragen, das eigene image in die tonne zu hauen ist ja wohl auch abwägig.

    wo ist also das problem?
    das in seinem land bürgerkrieg herrscht?

    na dann sollte man über den berichten, liebe zeit.
    wer schießt auf wen, warum, wo kommen die her, was sind die gründe, wer hat welche opfer verursacht.

    ist euch selber schon mal aufgefallen, dass bei euch nur die assadtruppen treffen? egal wer oder was tot ist, assad wars.

    ich denke ihr habt da ein etwas schräges bild eurer leser.

    4 Leserempfehlungen
  4. Beim Lesen des Textes habe ich jetzt tatsächlich verunsichert in die Adresszeile geschaut, ob ich wirklich auf zeit.de bin.

    2 Leserempfehlungen
    • kauda8
    • 12. Juni 2012 7:33 Uhr

    er ist auch auf Zeit Online erschienen...

    Eine Leserempfehlung
  5. Interessanter als die Information, welche Agentur Assad beauftragt hat, um sich persönlich in ein besseres Licht zu rücken, ist doch die Frage, über welche Kanäle die jüngsten Meldungen über verstümmelte Kinder und Frauen in die Medien gelangt sind.

    Israels Vize-Chef Schaul Mofas scheint ja schon richtig empört darüber, dass die Medien-Propaganda bisher nicht die gewünschte Wirkung gebracht hat, wie seine bemerkenswert offene Äußerung aus dem letzten Syrien-Artikel der ZEIT belegt:

    "Die westliche Welt muss sich fragen, was muss noch in Syrien passieren, welche Horrorbilder müssen noch im Fernsehen gezeigt werden, damit sie sich entschließt, einzugreifen?"

    Gute Frage. Die Antwort kann bestimmt eine PR-Agentur geben, die auf die Erzeugung öffentlicher Erregung durch verstümmelte Kinder und Frauen spezialisiert ist. "Kinder" ziehen zwar immer, aber bisher fehlen aussagekräftige Bilder. Diese könnten die entscheidende Wendung für einen gerechten Krieg bringen.

    3 Leserempfehlungen
  6. Und das soll jetzt für den Westen sprechen, oder was?!

  7. "So porträtierte die Zeitschrift Vogue Asma al-Assad noch im März 2011 in einem Artikel als modebewusste und weltoffene Frau. (...)
    Die New Yorker PR-Agentur Brown Lloyd James bestätigte, dass Syriens First Lady sie für "logistische Absprachen" mit Vogue bezahlt habe. Der Vertrag sei Ende 2010 ausgelaufen, sagte ein Sprecher der Agentur."

    Gern würden wir auch mal einen Artikel zur Werbestrategie der Terroristen lesen und wer die bezahlt.

    Eine Leserempfehlung

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Margaret Thatcher | Medien | Agentur | Anna Wintour | Post | Regierungschef
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