Ein buddhistischer Mönch hält bei einer Demonstration gegen die Gewalt von Muslimen ein Schild hoch. © Soe Than Win/AFP/GettyImages

Nach einem weiteren Tag der Gewalt zwischen Muslimen und Buddhisten mit mindestens 17 Toten hat Birma das Kriegsrecht über Teile des westlichen Bundesstaat Rakhine verhängt. In vier Städte gilt nun auch eine nächtliche Ausgangssperre. In Sittwe, der Hauptstadt von Rakhine, und in drei weiteren Orten dürfen die Menschen von 18.00 Uhr bis 06.00 Uhr morgens (Ortszeit) nicht auf die Straßen, berichteten örtliche Medien. Verboten seien zudem Versammlungen von mehr als fünf Menschen.

Bereits am Samstag hatte Präsident Thein Sein das Kriegsrecht mit einem Massaker begründet, dass Muslime angerichtet hätten. Angehörige der muslimischen Minderheit der Rohingya hatten zuvor offenbar in Maung Thaw eine buddhistische Trauerfeier angegriffen. Dabei wurden sieben Menschen getötet und 17 verletzt. 500 Häuser, darunter Geschäfte und ein Hotel, wurden in Brand gesteckt, berichteten Menschen aus der Region. Das Militär rückte in die Gegend ein und suchte nach Menschen, die in die Berge geflüchtet seien.

Am Sonntag steckten Muslime erneut Häuser von Buddhisten an. "Sie flohen mit Booten, nachdem sie unsere Häuser angezündet hatten", sagte der Lehrer Shwe Mya Oo aus dem Ort Pipe Thwe. In Yangon forderten etwa 1.000 buddhistische Demonstranten, dass die Regierung die muslimische Minderheit der Rohingyas ausweisen solle. 

Ständige Auseinandersetzungen zwischen Buddhisten und Muslimen

In Birma besteht die Bevölkerung zu 89 Prozent aus Buddhisten, nur vier Prozent sind muslimischen Glaubens. Zu ihnen gehören auch die schätzungsweise 750.000 staatenlosen Rohingya, die überwiegend in Rakhine leben. Die Behörden zählen sie nicht zu den anerkannten ethnischen Minderheiten in Birma – ihre Rechte sind stark eingeschränkt, und auch in der Bevölkerungsmehrheit ist der Rassismus gegen sie stark verbreitet. Die Vereinten Nationen bezeichnen die Rohingya als eine der am stärksten verfolgten Minderheiten der Welt.

Schon seit Langem herrschen heftige Spannungen zwischen Buddhisten und Muslimen in dem an der Grenze zu Bangladesch gelegenen Bundesstaat. Vor einer Woche entluden sie sich in Gewalt, als rund 300 Buddhisten einen Bus angriffen und zehn Muslime töteten. Anlass war die Vergewaltigung und Ermordung einer Frau, für die drei muslimische Männer verantwortlich gemacht wurden.