Schengen-RaumEU-Innenminister ermöglichen Grenzkontrollen

Im Schengen-Raum kann es wieder zu Grenzkontrollen kommen, etwa wenn zu viele Flüchtlinge nach Europa kommen. Kritiker befürchten eine Einschränkung der Reisefreiheit.

Französische Polizisten bei der Grenzkontrolle während des G20-Gipfels 2011

Französische Polizisten bei der Grenzkontrolle während des G20-Gipfels 2011

Die EU-Länder haben beschlossen, Grenzkontrollen in Europa wieder zu ermöglichen, wenn sie den Schengen-Raum bedroht sehen – etwa durch viele Flüchtlinge. Es habe eine "einstimmige Unterstützung" für die Schengen-Reform gegeben, twitterte die dänische EU-Ratspräsidentschaft.

Ein neuer Notfall-Mechanismus soll greifen, wenn "außergewöhnliche Umstände das Funktionieren des (Schengen-)Raums insgesamt ohne interne Grenzkontrollen gefährden". Die Grenzen sollen bis zu zwei Jahre lang wieder kontrolliert werden können.

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Anlass für die Neuregelung war die Ankunft zahlreicher Flüchtlinge aus Nordafrika während des Arabischen Frühlings im vergangenen Jahr sowie die Situation in Griechenland, das mit der Kontrolle seiner Grenze zur Türkei überfordert sein soll. Nach Angaben der griechischen Regierung kommen jährlich etwa 150.000 illegale Einwanderer nach Griechenland.

Entscheidungsrecht bei Mitgliedsstaaten

Besonders Deutschland und Frankreich hatten sich dafür eingesetzt, eine Neuregelung zu schaffen. Die EU-Kommission wollte die Entscheidungskompetenz darüber an sich ziehen, war mit dem Versuch aber gescheitert. Die Einigung der Minister bedarf noch der Zustimmung von Europaparlament und EU-Kommission, die mehr Mitsprache fordern und gemeinsame europäische Entscheidungen verlangen.

Der neue Notfall-Mechanismus dürfe nur "letztes Mittel" sein, sagte EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström. Damit ein oder mehrere Länder ihre Grenzen schließen können, muss die EU-Kommission diese Maßnahme vorschlagen und der Rat – also die Vertreter aller EU-Länder – die Grenzkontrollen empfehlen. Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass ein Land allein für einen kürzeren Zeitraum seine Grenzen schließen kann, wenn es die innere Sicherheit gefährdet sieht. Dies kann etwa bei einer Fußball-Europameisterschaft oder einem Terroranschlag der Fall sein.

Kritik von Grünen und Linken

"Das letzte Entscheidungsrecht bleibt natürlich bei den Mitgliedsstaaten, denn wir sind verantwortlich für die Sicherheit unserer Bürger", sagte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU). Der Regelung muss auch noch das Europaparlament zustimmen.

Kritik an der Neuregelung kam von den Linken und den Grünen. "Die Reisefreiheit in der EU wird der Paranoia vor schutzsuchenden Migranten geopfert", sagte die Linken-Politikerin Ulla Jelpke. Die Grünen-Politiker Josef Winkler und Viola von Cramon warnten, innerhalb der neuen Regelung sei eine "Korrekturmöglichkeit seitens EU-Kommission oder Europäischem Parlament so gut wie nicht möglich".

 
Leser-Kommentare
  1. Politiker von Eurolandzusammenhalt und eine politische gemeinsame Zukunft der Teilnahmeländer-andererseits wollen wir nun die Grenzen ab und an einmal durchkontrollieren-vielleicht wären Devisenbewegungskontrollen im großen Umfang sinnvoller für den momentanen Frieden zwischen den Ländern.

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    • Glik
    • 07.06.2012 um 17:45 Uhr

    Wenn man ein Haus hat, macht man ja auch Türen dran und sperrt die bisweilen zu. Wer ist eigentlich darauf gekommen, dass es im Grossmassstab #Land' anders gehen sollte ?
    Noch dazu, wo durch immer neue Erweiterungsländer immer mehr Strassen zu diesem Haus gelegt wurden?
    Wetten, auch jeder von den jetzt meckernden 'Grünen' und Linken schliesst seine eigene Wohnung ab !?

    Reisefreiheit bleibt ja trotzdem. Wem die paar Minuten am Zoll zu lange dauern, der sollte ob seiner ach so kostbaren Zeit vielleicht ganz aufs Reisen verzichten. Würde die Umwelt schonen und vielleicht sogar einige Reise-Wichtigtuer ausfiltern.

    4 Leser-Empfehlungen
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    Verehrter Mitforist,Sie haben den Sinn bzw. die Symbolik von Schengen nicht verstanden,sonst würden Sie weniger mit "ich schließe meine Tür ab"-Vergleichen argumentieren.
    Infos?
    http://de.wikipedia.org/w...

    Man nennt das (Reise-)Freiheit!!!!

    Verehrter Mitforist,Sie haben den Sinn bzw. die Symbolik von Schengen nicht verstanden,sonst würden Sie weniger mit "ich schließe meine Tür ab"-Vergleichen argumentieren.
    Infos?
    http://de.wikipedia.org/w...

    Man nennt das (Reise-)Freiheit!!!!

    • joG
    • 07.06.2012 um 18:36 Uhr

    ....Gründe die EU zu befürworten? Schade, dass es vorbei ist.

    4 Leser-Empfehlungen
    • vsp
    • 07.06.2012 um 19:02 Uhr

    Es wäre sinnvoller gewesen, einen gesamteuropäischen Grenzschutz zu schaffen, der die EU-Außengrenze gut genug überwacht und sichert.

    3 Leser-Empfehlungen
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    Gibt es doch schon längst. Die EU will ja so sogar mit Drohnen die Grenzen.
    http://www.heise.de/tp/bl...
    http://www.heise.de/tp/ar...

    ...gibt es doch schon lange. FRONTEX

    http://de.wikipedia.org/w...

    Gibt es doch schon längst. Die EU will ja so sogar mit Drohnen die Grenzen.
    http://www.heise.de/tp/bl...
    http://www.heise.de/tp/ar...

    ...gibt es doch schon lange. FRONTEX

    http://de.wikipedia.org/w...

  2. So heterogen wie die Leistungsfähigkeit der Wirtschaften der EU so heterogen auch der Wille, die Grenzen zu sichern. Jetzt gehen offenbar überall die Augen auf. Europäer sind unterschiedlicher als man dachte.

    Adieu du schöner Götterfunke! Europa ist wieder mehr Utopie!

    Eine Leser-Empfehlung
  3. schafft Europa ab -

    dann haben die Politiker vollkommen versagt!

    2 Leser-Empfehlungen
  4. 7. Sinn?

    Verehrter Mitforist,Sie haben den Sinn bzw. die Symbolik von Schengen nicht verstanden,sonst würden Sie weniger mit "ich schließe meine Tür ab"-Vergleichen argumentieren.
    Infos?
    http://de.wikipedia.org/w...

    Man nennt das (Reise-)Freiheit!!!!

    2 Leser-Empfehlungen
    • Glik
    • 07.06.2012 um 22:03 Uhr

    wenn wir beim Vergleich bleiben:
    Wenn man jeden Staat der EU als ein Haus (mit Türen) sieht, dann ändert es für das Haus nicht viel, wenn um 20 Häuser ein Zaun gezogen ist. Für jedes Haus ist nämlich dennoch nur sein Besitzer zuständig und nicht der Nachbar, auch wenn er mit innerhalb des Zaunes sitzt. Alles andere ist in der Praxis so untauglich wie der Kommunen-Gedanke der 68er, der auch nicht funktioniert hat.

    Und die - auch von Ihnen - beschworene "Reisefreiheit"? Was bringt die? Ein paar Minuten weniger am Zoll. Ja und - was stört daran? Das hat mich seit jeher wenig berührt, trotz vieler hundert Grenzübertritte.
    Ob (im Kleinen) Kino, Freibad, Theater - überall muss man erstmal um Einlass nachfragen, warum dann nicht an der Staatsgrenze?

    4 Leser-Empfehlungen
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    Ja sicher, das sieht man, wenn man z.B. an Schweizer Grenzen steht. Teilweise Staus mit >1h Wartezeit... Grüße von jemanden, der 100te Grenzübertritte im Jahr absolviert.

    schreibt nicht solche Kommentare!

    Ja sicher, das sieht man, wenn man z.B. an Schweizer Grenzen steht. Teilweise Staus mit >1h Wartezeit... Grüße von jemanden, der 100te Grenzübertritte im Jahr absolviert.

    schreibt nicht solche Kommentare!

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