Euro-Krise : Europa steht vor einer Kernspaltung

Merkel und die EU bereiten in großer Not gewaltige Schritte zu einer Finanzunion vor. Der Preis ist eine neue Spaltung des Kontinents.
Das Europaparlament in Straßburg © Frederick Florin/AFP/GettyImages

Tiefe Krisen bieten nicht selten die Chance zu großen, revolutionären Veränderungen. Europa ist in Not, weil die Finanzmärkte ein Euro-Krisenland nach dem anderen angreifen und die EU-Chefs das Schuldenproblem nicht in den Griff bekommen. Nach der Neuwahl in Griechenland am Sonntag wird sich nicht nur entscheiden, ob das Land in der Euro-Zone bleibt oder ihm der Staatsbankrott droht. Sondern es steht womöglich gar der Bestand der gemeinsamen Währung und der Zusammenhalt der EU auf dem Spiel.

Deshalb haben die Spitzen der EU und der wichtigsten Euro-Länder alles dafür getan, Spanien rechtzeitig aus der Schusslinie zu bringen . Und deshalb beratschlagen sie nun fieberhaft, wie der drohende Zerfall Europas verhindert werden kann.

Dabei sind sie offenbar zu dem paradox wirkenden Entschluss gekommen: Nur ganz viel mehr Europa kann in der tiefsten Krise, welche die EU je erlebt hat, jetzt noch helfen.

Kanzlerin Angela Merkel bereitete die Deutschen bereits darauf vor, was auf sie wie die anderen Europäer schon bald zukommen könnte : die Preisgabe weiterer Souveränitätsrechte an eine neue zentrale, föderale Regierungsmacht eines Kerneuropas.

Ein europäischer Bundesstaat?

Bislang hielt Merkel wenig von all den Debatten über die "Finalität" des europäischen Einigungswerks, also die Frage, wie ein irgendwie geeintes Europa dereinst aussehen soll. Und genauso wenig unterstützte sie Bestrebungen, die EU von einem Staatenverbund in einen Bundesstaat nach deutschem, amerikanischem oder Schweizer Vorbild zu verwandeln. Doch die Euro-Krise hat sie, wie andere führende Akteure der EU und der Europäischen Zentralbank (EZB), gezwungen, ganz neu nachzudenken. 

Denn Merkel ist wie den anderen Verantwortlichen in Brüssel , Frankfurt und beim IWF in Washington klar: Nach der Griechenland-Wahl steht letztlich die gesamte Statik Europas in Gefahr. Oder, wie sie selber immer wieder eindringlich formuliert hat: "Scheitert der Euro, scheitert Europa."

Und Merkel hat erkannt: Mit immer neuen Milliardenprogrammen für Griechenland, Irland, Portugal, zuletzt Spanien , vielleicht bald auch Italien oder sogar Frankreich ist die Schuldenkrise nicht zu meistern. Sie greift vielmehr weiter um sich. Deutschland mit einigen wenigen, kleineren Nicht-Krisenstaaten wie Österreich und die Niederlande ist nicht in der Lage, die Lasten auf Dauer allein zu tragen.

Konstruktionsfehler des Maastrichter Vertrags

Unübersehbar geworden sind aber auch die schweren Konstruktionsmängel der Währungsunion, über die seit dem Maastrichter Vertrag vor 20 Jahren vornehmlich Fachleute gestritten hatten: Es fehlt die unerlässliche Vereinheitlichung der Finanz- und Wirtschaftspolitik. Und es fehlt eine Politische Union, also eine europäische Regierung und ein echtes Europäisches Parlament, das im Gegensatz zu heute die gemeinsame Finanz-, Wirtschafts- und Sozialpolitik und die Regierenden wirksam kontrolliert.

Zugleich haben sich in den hektischen Rettungsbemühungen der vergangenen zwei Jahre seit dem Ausbruch der Griechenlandkrise wesentliche Elemente solcher neuer europäischer Institutionen herausgebildet: die zeitweise fast in Permanenz konferierenden Staats- und Regierungschefs und der Rat der Finanzminister als faktische Euro-Wirtschaftsregierung; die EU-Kommission , Ratspräsident Herman van Rompuy und die Euro-Gruppe unter Leitung von Jean-Claude Juncker als Exekutive, die neben der EZB die beschlossenen Maßnahmen überwacht und umsetzt; und der Fiskalpakt als Kern einer abgestimmten Haushalts- und Sparpolitik einschließlich Schuldenbremse, ergänzt womöglich bald um ein Wachstumsprogramm und Euro-Bonds.

Nur die parlamentarische Kontrolle fehlt bislang. Sie bleibt fürs Erste den nationalen Abgeordneten überlassen. Das wiederum verschafft Merkel und ihren EU-Kollegen ein starkes Übergewicht. Der entstehenden neuen Architektur Europas mangelt es an demokratischer Ausgewogenheit und einem klaren Plan.

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Kommentare

211 Kommentare Seite 1 von 31 Kommentieren

Nüchtern betrachtet

ist alles einer stetigen Entwicklung unterworfen, welche Bündnisse oder Unionen halten schon ewig. Irgendwann ist nunmal der Zeitpunkt für einen Bruch gekommen. Wenn man sich die unterschiedlichen Verbrauchs, Zahlungs, Fertigungszahlen der einzelnen EU Länder anschaut wird man auf keinen grünen Ast kommen. Eine Vereinigung wäre höchsten im Sinne der Hochfinanz welche dann die Völker noch effektiver ausbeuten könnte, unter Teilverlust von Identitäten und Kulturen.

...darum geht es doch.

Die EU nutzt dem "normalen Bürger" nichts, Arbeitsplatzwahl, der Euro, alles Geschwafel. Das einzige
was ich von dem ganzen Eiertanz mitbekomme ist, dass ich jedes Jahr weniger Geld in der Tasche habe.
Ich kann nur hoffen, dass die übrigen Menschen in Europa sich das nicht bieten lassen.
Wir Deutsche folgen doch den Gebeten der Politiker, bis in den Untergang, mit erhobenen Fahnen.

Eine USE hört sich zwar gut an...

...wird aber niemals in Deutschland akzeptiert werden.
Die PIGS und Frankreich hätten die Mehrheit und würden darüber entscheiden wieviel Deutschland bezahlt ohne das die deutschen Wähler etwas dagegen unternehmen könnten.
Europa ist noch(!!) nicht soweit - bis auf den Kern im Kern.
Das ist ja gerade das Problem, dass wir zwei verschiedene Wirtschaftskreise in eine Währung gezwungen haben. Zwingen wir sie jetzt auch noch in eine zentrale politische Union kann das nur schief gehen.
Was in Deutschland, Österreich, Holland funktioniert muss/kann nicht in Italien oder Spanien funktionieren weil man - völlig wertfrei gemeint - eine ganz andere Mentalität und politische/gesellschaftliche Kultur vorfindet.

Ich habe im Prinzip nichts gegen eine USE aber das wird wohl noch ein, zwei Jahrzehnte dauern...

Ja...

...und sie wird dann genauso schön "demokratisch" wie USA, China, Indien oder Russland und ungefähr genauso bürgernah.

Denn anders als postdemokratisch lässt sich ein derart heterogenes multisprachliches Konstrukt nicht verwalten.

Aber Hauptsache groß und stark und friedlich, ähm, nach außen wahrscheinlich weniger (man ist ja stark und hat Interessen), aber nach innen kann man die Gewalt schön als Kriminalität maskieren.

Die EU ist ein Traum alter Leute, die nichts von bürgernah , demokratisch und kleinteilig wissen wollen. Ich hoffe immer noch, dass sie scheitert. Wie all die europäischen Großmachträume der Nationalstaaten auch schon.

"Ein zwei Jahrzehnte"....

....Da haben Sie den Artikel nicht richtig gelesen oder Merkels Rede anders verstanden als ich. Mir scheint es hier um die Verwendung der Krise zum die USE durchzudrücken; und zwar übers Knie gebrochen und gegen jeden Widerstand.

Im Prinzip ist auch eine neue Verfassung für Europa und daher notwendiger weise auch für Deutschland wünschenswert, ja zwingend notwendig. Das ist seit den 1990ern klar. Nur, die Erfahrung mit Maastricht und der heutigen EU Verfassung (die man so nicht nennen darf daher (ein wenig wie bei Harry Potter)) ist nicht dazu angetan, den jetzigen Parteien noch deren Mitgliedern diese Macht über unsere Zukunft zu geben. Die haben gemeinschaftlich am Volk vorbei und verlogen die Mängel des GG ausgenutzt um ihre Eigeninteressen brutal durchzusetzen.

Der Schaden ist jetzt groß und eine Vertiefung Europas hat, wenn es so gemacht wird, wie die Präzedenz anzeigt, zur Katastrophe zu führen. Wie schlimm es werden kann, sieht man an der heutigen Krise und ihrer Behandlung. Alle notwendigen Handlungen waren nicht kompromisfähig illegal oder Beides.

Eja...

In der heutigen Welt zeigt die Ansicht, es würde kleineren Staaten in Zukunft besser gehen, einen ziemlichen Realitätsverlust. Internationale Politik, die, wie man weiß, durchaus Einfluss auf die Innenpolitik aller Nationen und deren Wohlstand, haben kann, wird von den mächtigsten Nationen gemacht. in Zukunft sind das China, die USA, Russland, Brasilien, Indien. Deutschland und alle anderen "Großen" der alten Welt werden bald so unbedeutend sein wie es das souveräne Hessen-Kassel oder Hessen-Nassau im 19ten Jahrhundert waren.
Die großen Nationen werden Europa und dessen Bürgerwillen platt walzen, ohne dass irgendjemand etwas dagegen tun kann, es sei denn, Europa steht geeint.
Ihre Behauptung über Bürgernähe, usw. ist Unsinn. Wie bürgernah ein Staat ist, hängt von seiner internen Struktur ab, nicht von seiner Größe. Es muss die richtige Balance zwischen staatlicher und lokaler Kompetenz gefunden werden.

Der Traum vom scheitern eines europäischen Staates ist ein realitätsfernes Luftschloss von Leuten, die verkennen, dass sie ihrer Freiheit nicht nur durch ihre eigene Hauptstadt beraubt werden können. Dabei ist es einfacher, Einluss auf die eigene als auf eine fremde Regierung zu nehmen.

Wie sie wollen...

Das römische Reich hat 1000 Jahre bestanden, 2000, wenn Sie Byzanz mitzählen.
Das chinesische Großreich hat 2500 Jahre bestanden und ist immer noch in einem Staat zusammengefasst. Das HRR hatte 1000 Jahre bestand, das russische immerhin 500.

Staaten kommen und gehen. Wenn ein geeintes Europa auf der Weltbühne 500 Jahre bestand hat, soll mir das ausreichen.

Sie glauben also doch nicht im ernst, dass der Verweis auf frühere Reiche ein stichhaltiges Argument sein soll?

Versuchen Sie was anderes.

Das problem ist,

dass die Halbwertszeiten immer kürzer werden:

Österreich-Ungarn 1815-1918 (vor Napoleon wraen die Verhältnisse ganz anders) - eine der europäischen Großmächte
UdSSR 1917-1990 - eine nuklear bewaffnete Weltmacht
Die sozialistische Volksrepublik Jugoslawien 1920-1990 - immerhin jahrelang die Führung der weltweiten "Neutralen"-Bewegung.

Es gab doch Leute, die sowohl die Zeit vor als auch nach dem Bestehen der letztgenannten beiden Großreiche erlebt haben.

Und wie dieser Zerfall dann aussehen kann, haben wir auf dem Balkan beobachten können (oder in Litauen, Tschetschenien, Georgien, Aserbajdschan ... und in Weissrussland)

Ich will nicht eine Entwicklung, die erst das Großreich bringt und dann die Balkanisierung!

Sie verkennen ein paar andere Dinge:

"Balkanisierung" gab es nicht nur auf dem Balkan. Schauen Sie nach Deutschland, oder ganz Europa vor den napoleonischen Kriegen. Das Stichwort lautet "Kabinettskriege". Außerdem war es auf dem Balkan schon vor dem Zerfall, bzw. der Entstehung, Jugoslawiens am brodeln. Schließlich verlief dort jahrhundertelang die Grenze zwischen der muslimischen und der christlichen Welt.

Was die Halbwertszeiten angeht, so denken Sie, wie ich meine, etwas selektiv. Das chinesische Großreich existiert beispielsweise immer noch, mehr noch, es ist auf dem Weg zum Zenit seiner Macht. Das amerikanische "Reich" hat über zweihundert Jahre auf dem Buckel, und auch, wenn es auf dem absteigenden Ast ist, wird sein Niedergang, falls er überhaupt irgenwann vollständig kommt, wird noch Jahrhunderte dauern. Indien ist nicht sehr alt und zeigt keine Anzeichen der Schwäche. Brasilien ist auf dem Weg nach oben, nachdem es schon über 150 Jahre alt ist.

Gleichzeitig waren auch früher Großreiche nicht immer langlebig. sehen Sie sich Alexanders Reich an, oder das der Mongolen, oder das der Timuriden (auch wenn Persien noch so ein langlebiger Kandidat ist).
Kurz: die langlebigkeit eines, und die Bedingungen in einem Großreich hängen davon ab, wie es sich selbst verwaltet, nicht davon, wie groß es ist.

Insofern:
Wie wäre es, wenn wir eine Entwicklung anstoßen, die erst das Großreich bringt, und dann nicht die Balkanisiserung=

Aber wozu solche Risiken eingehen,

wenn man gut ohne leben kann?

Was soll der Größenwahn?

(Die USA sind übrigens kein "Grossreich")

Das Problem ist doch, dass man uralte Nationen nur durch Zwang und Druck, und unter Verweigerung bestimmter demokratischer Rechte unter eine gemeinsame Regierung bringen kann!

Man hat doch schon gesehen, wie unsere tüchtigen Politiker bei der Währungsunion den Notausgang - nämlich vernünftige Austrittsregelungen - "vergessen" haben, und dadurch ein Zwangssystem geschaffen haben, das uns jetzt überl zu schaffen macht. Grossreich und freiwilliger Austritt von teilen - das ist nämlich ein Widerspruch in sich. Nicht einmal die USA haben das zugelassen, sondern einen der schlimmsten Bürgerkriege geführt, um das zu verhindern.

Die kleine Schweiz ist ein wichtiger Sonderfall, der unter anderem auf einem weitreichenden Prinzip der Subsidiarität (kantonale Regelungen und Volksabstimmungen) beruht.
Aber sogar die Schweiz hat einmal einen Sonderbundskrieg geführt.

Wenn die EU so aussehen soll, dann bitte ohne mich!

*lol*

"Das chinesische Großreich hat 2500 Jahre bestanden und ist immer noch in einem Staat zusammengefasst."

Auch wenn das nicht allen passt, gelle? Ist ja nicht so, dass China nicht massive Gewalt anwenden würde um die Fliehkräfte zu minimieren. Überhaupt China, als Vorbild? Noch ein Problem?

"Das HRR hatte 1000 Jahre bestand, das russische immerhin 500."

Lauter gewaltätige Autokratien. Verstehe.

"Staaten kommen und gehen"

Klar doch, Großreiche sind ja letztlich auch nur wieder Staaten.

"Wenn ein geeintes Europa auf der Weltbühne 500 Jahre bestand hat, soll mir das ausreichen."

Für was? Nenn doch mal einen guten Grund WARUM wir unbedingt ein Großreich brauchen sollten. Trotz der ganzen Nachteile die das mit sich bringt: Volksferne, undemokratisch, geostrategisch aktiv (Kriege und Konflikte), Gewalt nach innen um den Zusammenhalt zu wahren etc.

Nenn doch mal ein Großreich wo man gerne leben würde, mir fällt keines ein.

"Sie glauben also doch nicht im ernst, dass der Verweis auf frühere Reiche ein stichhaltiges Argument sein soll?"

Es rückt die Perspektive gerade. Die EU will ein Großreich werden. Es ist nicht zu erwarten, dass sie die damit einhergehenden Probleme in unserem Sinne meistert, wo sie doch schon an einer popeligen Währungsunion fast zerbricht.

*lol*, Sportsfreund

"Nenn doch mal einen guten Grund WARUM wir unbedingt ein Großreich brauchen sollten."

Das habe ich bereits. Wie wäre es, wenn Sie sich erstmal damit auseinandersetzten, als weitere Gründe zu verlangen?

"Es ist nicht zu erwarten, dass sie die damit einhergehenden Probleme in unserem Sinne meistert, wo sie doch schon an einer popeligen Währungsunion fast zerbricht."

Die Argumente werden kreisförmig. 'Es ist nicht zu erwarten, dass Hamburg die mit dem Bau eines Dammes verbundenen Probleme löst, wenn es schon an einer popeligen Sturmflut scheitert.'

"Volksferne, undemokratisch, geostrategisch aktiv (Kriege und Konflikte), Gewalt nach innen um den Zusammenhalt zu wahren etc."

Das sind Befürchtungen, keine Argumente.

"Lauter gewaltätige Autokratien. Verstehe."

In einer Zeit, in der gewalttätige Autokratien die Norm, nicht die Ausnahme, waren.

Wozu?

Wie gesagt, wenn europäische Länder, z.B. Deutschland, ihr politisches Gewicht nicht zusammenlegen, kann es sein, dass Ihre Arbeitsgesetzgebung irgendwann in Peking geschrieben wird, so wie Ihre Finanzgesetzgebung momentan indirekt in New York entsteht.

"Das Problem ist doch, dass man uralte Nationen nur durch Zwang und Druck, und unter Verweigerung bestimmter demokratischer Rechte unter eine gemeinsame Regierung bringen kann!"

So etwas nennt man eine "self fulfilling prophecy". Wenn Menschen so denken, wird es tatsächlich nicht gelingen. Mir dagegen ist es beispielsweise egal, ob ich in einem demokratischen Prozess von Deutschen oder Franzosen überstimmt werde.

Die USA sind durchaus ein Großreich, sogar ein Imperium, wenn auch ein spezielles (so wie jedes andere auch, nur sind sich manche ähnlicher als andere).

So. Und die Frage lautet: Was hindert Europa daran, sich, wenn es dort doch so gut funktioniert, sich bei seiner demokratischen Struktur an der Schweiz zu orientieren?

Bürgerkriegsgefahr halte ich übrigens für kein Argument, denn solche können in jedem Land passieren.

noch mehr *lol*

"Das habe ich bereits. Wie wäre es, wenn Sie sich erstmal damit auseinandersetzten, als weitere Gründe zu verlangen?"

Bitte um einen Link, ich mag nicht alle 17 Kommentarseiten durchforsten. ZO ist leider nicht das übersichtlichste Forum.

"Die Argumente werden kreisförmig"

Vielleicht nicht das beste Argument, zugegeben. Aber es zeigt das ursächliche Problem: unfähige Politiker, kein Interesse an der Meinung des Volkes, Ziele die nicht hinterfragt werden. Und jetzt das Volk fragen, in der Krise? Um Himmels Willen! So wird weiter gewurschtelt und mit maximalem Einsatz eine Richtung vorangetrieben die mehr schadet als nützt. Wie bei den Amis, die zwar die halbe Welt beherrschen, aber im eigenen Volk teilweise bittere Armut hinnehmen. Abartig und paradox ist das für mich.

"Das sind Befürchtungen, keine Argumente."

Nein, das sind jetzt schon Fakten, zumindest die Volksferne und mangelnde Demokratie. Die Argumente (wir sind zu schwach und klein) gehen eindeutig in Richtung: wir wollen mehr mitmischen. Und die EU hat genau wie die Amis einen mächtigen militärisch-industriellen Komplex. Was brauchst du noch um deine Träumerei aufzugeben?

"In einer Zeit, in der gewalttätige Autokratien die Norm, nicht die Ausnahme, waren."

In einer Zeit in der jeder Depp gerne ein Großreich wollte und nicht blickte, dass es eigentlich auf ganz andere Sachen ankommt, die mit einem Großreich eher schwerer statt einfacher umzusetzen sind...

Unsinn...

"so wie Ihre Finanzgesetzgebung momentan indirekt in New York entsteht."

Was es nie hätte müssen. Wer von wem einkauft, wer wen auf seinen Markt und an seine Börsen lässt, konnten die Politiker immer entscheiden. Auch China ist erst seit dem Beitritt zur WTO und diversen Freihandelsabkommen ein Problem.

Du fällst auf das verlogenste Argument überhaupt herein, die EU ist kein Bollwerk gegen die Globalisierung, sie IST Globalisierung. Freihandel und Kapitalfreizügigkeit, bei fehlendem sozialen Ausgleich: DAS ist die EU. Darauf basiert sie!

Und nach der Logik ist mit der EU nicht Schluß, sondern erst mit einer Weltregierung. Gruselig!

"Mir dagegen ist es beispielsweise egal, ob ich in einem demokratischen Prozess von Deutschen oder Franzosen überstimmt werde."

Eine Demokratie wird umso schlechter, je mehr und heterogener die Teilnehmer sind, denn desto weiter liegen die Positionen auseinander und desto unbefriedigender sind die Kompromisse für jeden Einzelnen.

"So. Und die Frage lautet: Was hindert Europa daran, sich, wenn es dort doch so gut funktioniert, sich bei seiner demokratischen Struktur an der Schweiz zu orientieren?"

Du weißt was es dort für Probleme gibt? Und die haben nur 3 (bzw. 4) Sprachen und sind ein übersichtliches Land. Und sind trotzdem nicht besonders glücklich zusammen.

"denn solche können in jedem Land passieren."

Separationskriege und Terror gibts in jedem Reich. Die Völker wollen halt gerne ihren eigenen Hof, auch wenn es dir nicht gefällt.

Sie haben gut schreiben...

"Wer von wem einkauft, wer wen auf seinen Markt und an seine Börsen lässt, konnten die Politiker immer entscheiden."

Wenn Sie die Realität suchen, müssen Sie in die Andere Richtung.

"Du fällst auf das verlogenste Argument überhaupt herein, die EU ist kein Bollwerk gegen die Globalisierung, sie IST Globalisierung."

Ja, sie ist Globalisierung. Die Globalisierung ist nicht aufzuhalten. Ein demokratisches Europa kann die Globalisierung in sozialere Bahnen lenken.

"Und nach der Logik ist mit der EU nicht Schluß, sondern erst mit einer Weltregierung."

Stimmt.

"Gruselig!"

'Oh nein, ich muss mich mit Anderen Arrangieren, damit es allen besser geht. Warum kann ich nicht meinen eigenen Stiefel machen und mir alle Anderen egal sein lassen? Wähh!'

"Eine Demokratie wird umso schlechter, je mehr und heterogener die Teilnehmer sind, denn desto weiter liegen die Positionen auseinander und desto unbefriedigender sind die Kompromisse für jeden Einzelnen."

Und der Grund, aus dem die Positionen ao weit auseinander liegen ist die Sprache, oder wie?

"Die Völker wollen halt gerne ihren eigenen Hof, auch wenn es dir nicht gefällt."

Ja, es gefällt mir nicht, weil es primitives Territorialdenken und einem modernen Menschen nicht würdig ist. Deshalb diskutiere ich ja auch mit Leuten wie Ihnen.

Macht ohne Weisheit

Es scheint mir, dass zu viele von den heutigen Politikern ''moderne Menschen'' sind, die glauben, dass sie klugere,gebilderte Menschen sind... besser als die ''Primitiven''.
Und Die haben kluge,grosse,egoistische,teuere,komplizierte Plaene wie die EU Super-Staat und seinen Euro gemacht.

Friedrich Hoelderlin hat recht,, die rauhe Huelse um den Kern des Lebens und nichts weiter,ist der Staat. Er ist die Mauer um den Garten menschlicher Fruechte und Blumen,,
...aber was weiss ich, wahrscheinlich bin ich eine von Ihren Primitiven

Jaja, die Realität...

"Andere Richtung."

Du meinst die armen Politiker haben das nicht getan, weil eine Lobby aus Konzernen sich das wünschte? Die wurden irgendwie und auf mysteriöse Weise gezwungen ohne Bedingungen ihren/unseren Markt komlett freizugebeben? Bei den Zeiträumen in denen solche Abkommen ausgehandelt werden, kann ich das irgendwie nicht glauben.

"Die Globalisierung ist nicht aufzuhalten."

Die Globalisierung ist nur ein Nebelwort für das was dahinter steckt, seit Thatcher und Reagonomics: freie Fahrt fürs Kapital. Und natürlich muss man das so nicht mitmachen.

"Ein demokratisches Europa kann die Globalisierung in sozialere Bahnen lenken."

Könnte und ja, jetzt träumst du wieder. Wir ruinieren gerade andere Länder, verlangen dort die Senkung des Mindestlohnes und die Sozial- und Gesundheitssysteme brechen zusammen, nur um die Währung zu stabilisieren und du schreibst sowas. *Kopfschüttel*

"Oh nein, ich muss mich mit Anderen Arrangieren, damit es allen besser geht."

Nicht DU. Die grauen Herren die dann die ganze Welt regieren werden das tun was sie selbst für richtig halten.

"Und der Grund, aus dem die Positionen ao weit auseinander liegen ist die Sprache, oder wie?"

Die Sprache, die Geschichte, die Region, die Religion, die Tradition, der lokale Wohlstand, die Bildung...

"primitives Territorialdenken"

Du siehst es nur von der falschen Seite, kleine Territorien lassen sich viel besser nach innen verwalten. Bigger is better ist übrigens mind. genauso primitiv.

Aha...

... und die Relevanz dieser Anspielung?

Zunächst einmal habe ich eine bestimmte Denkweise als primitiv bezeichnet, keine Menschen. Denkweisen kann man ändern.

Als nächstes sei angemerkt, dass ihre Assoziationskette "'kluge', teure, komplizierte usw." etwas unsinnig ist, insbesondere in Zusammenhang mit Ihrer Gartenalogie zu meinem Vorwurf des Territorialdenkens. Die einfachste Lösung ist, insebsondere im menschlichen Miteinander, nicht immer die Beste, denn die einfachste Lösung im menschlichen Miteinander ist das Schädel-Hirn Trauma.

Und um auf Ihr Zitat zurückzukommen:
Was spricht dagegen, wenn der "Garten" größer ist und mehr "Früchte und Blumen" enthält?
Oder um es anders zu formulieren: Ich erkenne darin kein Argument.

Genau die.

"Du meinst die armen Politiker haben das nicht getan, weil eine Lobby aus Konzernen sich das wünschte?"

Ich denke, dass das exakt der Grund war. Und Sie denken im ernst, dass die "armen, armen" Politiker dahingehend eine Wahl hatten? Die Ironie ist, dass sie vielleicht tatsächlich eine Wahl gehabt hätten, wenn sie mehr Einfluss hinter sich gewusst hätten.

"Und natürlich muss man das so nicht mitmachen."

Man "muss" dem Schulschläger auch nicht sein Essensgeld geben. Man muss nur damit leben, zusammengeschlagen zu werden. (Außer, man ist selbst stark genug, glaubwürdig Widerstand zu leisten. Aber halt, das ist Ihrer Meinung nach ja "schlecht".)

"Wir ruinieren gerade andere Länder...*"

Schütteln Sie weiter, vielleicht hilft es. Aber der Punkt is folgender: Sie verkaufen die Haut des Wildschweins, bevor Sie es erlegt haben. Die globalen Bedingungen sind momentan so, dass die Sozialsysteme anderer Länder zu ausgedehnt sind (und als "Linker" stört mich das immens). Nur ist der Einfluss der Politik in Europa zu schwach, das zu ändern. Erst wenn die Politik stark genug ist, die globale Politik zu bändigen, kann Änderung eintreten.

"Die Sprache, die..."
Kurz: Die Tatsache, dass Andere anders sind. Tut mir Leid, aber das ist erbärmlich.

"Du siehst es..."
Und weshalb braucht jedes einzelne dieser Territorien beispielsweise eine Armee? Ich fordere schließlich nicht die völlige Abschaffung regionaler Verwaltungen.

Nachtrag...

...nicht dass mich jemand missversteht: ich bin absolut FÜR weltweite Zusammenarbeit und habe weder was gegen Handelsabkommen noch gegen Verteidigungsbündnisse oder gegenseitige Solidarität.

ABER ich bin dagegen, dafür die Souveränität aufzugeben. Das kann man nämlich alles auch mit und zwischen Nationalstaaten haben. Es lässt sich dann zwar nicht so schön von oben durchregieren wie sich das manch einer erträumt, aber das sollte durchaus im Sinne der Bürger sein...

Das Problem besteht darin,..

.., dass zu viele Menschen glauben, dass sie andere kontrollieren sollen, entweder mit Regeln oder Gewalt.
Wer kann/ soll sagen, welche Denkweise primitiv ist? Soll man sein Denkweise aendern weil Sie glauben es primitiv ist?

Es ist herablassend zu glauben, dass alle primitive Denkweise sind einfach und bestehen nur aus der reinen Schlaegerie.
Und ueber den Garten...warum soll es grosser sein?. Sind die Blumen nicht genauso schoen in verschiedenen Garten? Gediehen die Blumen besser wenn man sie allein laesst und ihnen die Luft nicht abnimmt?

Nein...

"mehr Einfluss hinter sich gewusst hätten."

Korruption wird nicht kleiner, wenn die Summen und Gewinne steigen, was bei größeren Territorien aber zu erwarten ist.
Die Gegenwehr wird ebenfalls schwerer.

"Man "muss" dem Schulschläger auch nicht sein Essensgeld geben."

Du implizierst, dass uns die Konzerne irgendwie zu Grunde richten, wenn wir nicht spuren. Wo kommt dieser Quatsch her? Klar sie zappeln, protestieren, jammern und versuchen Sanktionen durchzusetzen und am Ende passen sie sich doch an, weil sie nämlich Geld verdienen wollen.

>dass die Sozialsysteme anderer Länder zu ausgedehnt sind

Das sind neoliberale Behauptungen die mit der Realität nichts zu tun haben. Wer sich Milliardäre leisten kann, kann sich auch eine Gesundheitsversorgung leisten.

"Einfluss der Politik in Europa zu schwach, das zu ändern."

Wieso? Sie bemüht sich doch alle Ansprüche zusammenzustreichen, ähm, die der Bürger. Die Banken sind sakrosankt, so wie alles Kapital, versteht sich. Der große Junge und so. Besser wir ohrfeigen uns schonmal selbst, dann muss der das nicht tun...

"Erst wenn die Politik stark genug ist, die globale Politik zu bändigen, kann Änderung eintreten."

*lol* sie wird genauso korrupt sein wie heute, dafür tausendmal mehr Macht haben, woher sollte die Besserung also kommen?

"regionaler Verwaltungen."

Wer seinen Markt und Geld nicht kontrolliert, ist nicht mehr selbstbestimmt.

Sorry, ich muss jetzt weg, vielleicht heute abend weiter.

Jetzt treiben Sie...

... die Analogie aber etwas weit, meinen Sie nicht?

Wie kann man sagen, welche Denkweise nicht primitiv ist?
Ein Ansatz: 1. Die Denkweise, die logisch konsistent ist, ist nicht primitiv. 2. Die Denkweise, die möglichst vielen Randwerten gerecht wird ist, ist nicht primitiv. 3. Die Denkweise, die möglichst vielen Menschen ein möglichst sorgenfreies Leben ermöglicht, ist nicht primitiv.

Und Ihre Antwort ist in 2. etwas schwach. Es ist simplistisch, zu glauben, Länder oder "Gärten" existierten in einem Vakuum. Ich denke wirklich, die Analogie ist überstrapaziert, aber seis drum: In einem Garten zu leben, gibt den Tulpen eine Möglichkeit, sich beim Gärtner zu beschweren, wenn die Rosen einen Himbeerstrauch neben ihrem Beet pflanzen und dieser hat eine andere Möglichkeit, zu reagieren, als den Gärtner des Nachbargartens zu erschießen und am Himbeerstrauch den Benzinkanister und die Kettensäge anzusetzen.

Oh doch...

"Die Gegenwehr wird ebenfalls schwerer."

Das hängt von der Wirtschaftspolitik ab. Und ich plädiere da für rigorose Kontrolle.

"Du implizierst, dass uns die Konzerne irgendwie zu Grunde richten, wenn wir nicht spuren."

Sie verlassen das Land und zerstören damit die Lebensgrundlage der Menschen. Die Fähigkeit dazu muss ihnen erst genommen werden.

"Sie bemüht sich doch alle Ansprüche zusammenzustreichen, ähm, die der Bürger. Die Banken sind sakrosankt, so wie alles Kapital, versteht sich. "

Und in den Nationalstaaten ist das anders, oder wie? Anders als letztere hätte Europa aber wenigstens die Fähigkeit dagegen etwas zu tun. Es liegt am Bürger, zuzusehen, dass das dann auch passiert.

"*lol* sie wird genauso korrupt sein wie heute, dafür tausendmal mehr Macht haben, woher sollte die Besserung also kommen?"

"Tausendmal mehr Macht." Was bedeutet so ein Satz im Zusammenhang mit Regierungen und Innenpolitik überhaupt? Niemand hat in einem Land mehr Macht als die Regierung desselben. Warum sollte also eine Regierung, die nicht nur Deutschland sondern z.B. auch Frankreich regiert, mehr Macht über Deutschland haben, als eine, die nur Deutschland regiert?

"Wer seinen Markt und Geld nicht kontrolliert, ist nicht mehr selbstbestimmt."

Kontrollieren Sie Ihren Markt und Ihr Geld? Taten Sie das zu DM zeiten? Ich nicht. Und überhaupt: Was ist denn Ihre Wunschvorstellung. Deutschland ist schließlich auch kein Regionalstaat. Wollen Sie, dass die Bundesländer souverän werden?

Hoelderlin hat auch gesagt...

,,wie hass ich dagen, alle die Barbaren, die sich einbilden, sie seien weise, weil sie kein Herz mehr haben''..
Und weil es hier in England aufgehoert zu regen hat, gehe ich jetzt in meinen Garten.... ohne Kettensaege und Benzinkanister.... ich komme gut mit meinen Nachbarn aus... wie die meisten ,,primitiven''Menschen in Europa auch tun. Warum bilden die Politiker ein, dass wir brauchen sie um Kriege zu vermeiden. Es ist Die, die mit den meisten kriegen anfangen!

Die Ursache der Bürgerkriege

war ja gerade, dass der größere Teil der betreffenden Staaten nicht zulassen wollte, dass die Minderheit wieder ausstieg - sowohl in den demokratischen USA als auch in der demokratischen Schweiz (Sonderbundskrieg).

Und natürlich war es auch so in Tschetschenien ...

Das absichtliche "Vergessen" von Regeln für einen geordneten, demokratisch entschiedenen Ausstieg aus der EURO-Zone läßt also Böses für die Zukunft erahnen.

Das ganze beginnt langsam, einer Zwangsjacke ("alternativlos") zu ähneln.

In Jugoslawien gab es sogar die Möglichkeit eines legalen Ausstiegs einzelner Republiken, und selbst das hat nichts genützt ...

Tja...

...und ich muss ernsthaft anzweifeln, dass in den meisten dieser Fälle die Forderung nach Unabhängigkeit sinnvoll oder gerechtfertigt war. Minoritäten, die aus einem Staatsverbund ausscheren wollen, sind nicht automatisch im Recht. Nehmen wir das wunderbare Beispiel des Sezessionskrieges. Die Südstaaten hatten schlicht kein Argument.

Es ist natürlich die Pflicht des Staates, die Beschwerden aller Minoritäten zu berücksichtigen und für juristische und soziale Gleichstellung Aller Sorge zu tragen, aber dafür ist es Pflicht jedes Bürgers, Minorität oder nicht, die Integrität des Staates zu garantieren. Ich mag da wiederum in der Minderheit sein, aber ethnische Zusammengehörigkeit, in Abwesenheit struktureller Benachteiligung und Unwilligkeit, diese zu beseitigen, lasse ich als Argument nicht gelten.

Anders ist schlicht kein Staat, und damit keine Gesellschaft, zu machen. Man stelle sich vor, Bayern schöbe ethnische Zusammengehörigkeit vor, um aus der Bundesrepublik auszutreten. Als nächstes benutzt Franken dasselbe Argument, um Bayern zu verlassen, dann verläst Unterfranken Oberfranken, und zuletzt sagt sich Hof von Bayreuth los.

Hieße das, nach Ihrer Lesart, dass es ein Fehler war, die Bundesrepublik zu gründen?

Insofern und nur, damit wir in derselben Zeile sind: Ich bin für einen europäischen Bundesstaat. Der Zusammenschluss sieht keinen Austritt eines Staates vor. Mit der Gefahr eines Bürgerkriegs hat man zu leben, wie in jedem anderen Land auch.

Sehen Sie, und mir ist das Risiko eben ein wenig zu hoch,

und darin finde ich mich durch die EURO-Krise bestätigt.

Und da wir zur Zeit keinen europäischen Bundesstaat haben, sondern eine Bundesrepublik Deutschland, so gilt meine Loyalität eben dieser Republik, und nicht irgendwelchen Plänen, diesen Nationalstaat mal eben in einem Grossreich aufgehen zu lassen.

Und in dieser Haltung finde ich mich durch unser Grundgesetz bestätigt.

Wer den Zustand ändern will, hat die Bringeschuld der besseren Argumente, und muss sich der Volksabstimmung stellen. Und wenn die Antwort der Mehrheit "nein" ist, so muss das akzeptiert werden, und nicht solange abgestimmt werden, bis sich das gewünschte Ergebnis einstellt.

Im Übrigen: wer sind Sie, dass Sie vom hohen Ross beurteilen können, was die Motivationen der beteiligten Parteien in diesen Bürgerkriegen waren, und wer "recht" hatte?

Hatten die Serben recht, für die Aufrechterhaltung des jugoslawischen Gesamtstaates zu kämpfen, und die anderen Unrecht? Hatten die Serben recht, für die Aufrechterhaltung der Republik Serbien später genannt "Jugoslawien" zu kämpfen, und die Kosovo-Albaner Unrecht?

Hatten die französischen Nationalisten recht, als sie für "Algerie francaise" kämpften, und die FLN unrecht?

Das waren nur ein paar Beispiele zum nachdenken.

Viel klüger ist es aber, nicht zusammenzuzwingen, was nicht zusammengehört.

Nun, man kann unterschiedlich denken...

"...so gilt meine Loyalität eben dieser Republik,..."

Ihr gutes Recht. Dasselbe trifft auf mich zu, solange sie in dieser Form existiert. Weiter aber ist meine Lyoalität gegenüber dem deutschen und allen anderen Völkern Europas. Und ich bin der Ansicht, dass Allen damit geholfen wäre, den Bundesstaat anzustreben.

"Und in dieser Haltung finde ich mich durch unser Grundgesetz bestätigt."

Dann sollten Sie das Grundgesetz nochmal lesen. Bestimmte Rechte sind darin, glücklicherweise, auf Ewigkeit garantiert. Der Bestand der Bundesrepublik gehört nicht dazu.
Die durchaus geforderte Pflicht, zunächst eine Volksabstimmung zu fordern halte aber auch ich für sinnvoll. Aber selbst wenn meine Seite verliert, werde ich meine Meinung nicht ändern. Schließlich habe ich genauso ein Recht, eine Meinung zu haben und zu vertreten, die von der der Mehrheit abweicht, wie Sie es hätten, sollte es anders kommen.

"Im Übrigen: wer sind Sie, dass Sie vom hohen Ross beurteilen können, was die Motivationen der beteiligten Parteien in diesen Bürgerkriegen waren, und wer "recht" hatte?"

Lesen Sie meinen letzten Kommentar, dann wissen Sie, welche Maßstäbe ich anlege und folglich auch meine Meinung zu Ihren Beispielen.

"Viel klüger ist es aber, nicht zusammenzuzwingen, was nicht zusammengehört."

Wie wollen Sie beurteilen, was nicht zusammengehört? Ich bin beispielsweise der Ansicht, die europäischen Völker gehören zusammen. Und jetzt?

Grundgesetz

Bezüglich dem Grundgesetz liegen sie daneben. Der Bestand des Bundes(Bundesrepublik Deutschland) als Demokratie, Rechts- und Sozialstaat ist natürlich im GG festgelegt.

Artikel 79 Abs 3

Eine Änderung dieses Grundgesetzes, durch welche die Gliederung des Bundes in Länder, die grundsätzliche Mitwirkung der Länder bei der Gesetzgebung oder die in den Artikeln 1 und 20 niedergelegten Grundsätze berührt werden, ist unzulässig

Einzig eine neue Verfassung ist in der Lage daran etwas zu ändern. Und diese kann nur vom Souverän gebilligt werden. Alles andere kann man dann wohl als Staatsstreich bezeichnen. Wobei wir uns schon mittendrin befinden. Karlsruhe hat schon mehrfach auf die erheblichen Demokratiedefizite der EU hingewiesen, trotzdem werden diesem demokratiegefährdeten Moloch immer mehr Rechte zugestanden. Ohne das Bundesverfassunfsgericht wäre unsere Demokratie noch mehr beschädigt als sie es jetzt schon ist. Ich bin überzeugter Demokrat und finde es einfach nur erschreckend, wie leichtfertig der Bundestag immer wieder das GG attackiert und damit unsere Demokratie gefährdet.

Die Idee eines demokratischen und vereinten Europas sollte auf der Grundlage starker Demokratien verwirklicht werden. Vor allem müssen die Völker Europas darüber entscheiden. Aber davon sind wir weit entfernt. Die EU hat nicht mehr die Völker im Blick, schon gar nicht deren Willen. Hier geht es um die Etablierung einer Zentralmacht, alle anderen haben dann zu folgen. Eine erschreckende Vorstellung.

Ja, Grundgesetz.

Ihr Einwand ist unberechtigt. Der von Ihnen zitierte Paragraph garantiert lediglich den Fortbestand der entsprechenden Grundsätze, nicht den Fortbestand der Bundesrepublik als solches. Dass dafür natürlich eine neue Verfassung nötig ist, ist ohnehin klar.

Und da ich nicht daran interessiert bin, das Für und Wider der EU zu diskutieren und es problemlos möglich ist, für einen europäischen Bundesstaat einzutreten, ohne damit die EU zu meinen oder diese als Grundlage zu sehen, werde ich auf Ihre allgemein bekannte Kritik nicht weiter eingehen.

Wie soll denn eine Verfassung

"ewige Rechte" garantieren, wenn der Staat, den sie definiert, nicht mehr besteht?

Das widerspricht doch jeder Logik!

Löst sich die Bundesrepublik in einer größeren Gesamtheit auf, so wird irgendwann das Unionsrecht das Mitgliedsrecht brechen - genau wie jetzt Bundesrecht Landesrecht bricht - und damit hat sichs dann mit der "Ewigkeitsgarantie" einer Verfassung, deren gegenstand - die Bundesrepublik - obsolet geworden ist.

Oder finden Sie, dass irgendwelche ewigen Rechte aus der Zeit des "Heiligen Römischen Reiches" heute noch irgendetwas gelten?

Wenn Sie schon die Abschaffung unseres Staates vertreten, dann sollten Sie so ehrlich sein, sich einzugestehen, dass damit auch das Grundgesetz abgeschafft würde.

Ehrlich sein?

Wo habe ich jemals etwas anderes Geschrieben? Wenn es einen europäischen Bundesstaat geben soll, dann muss das Grundgesetz abgeschafft und durch ein anderes ersetzt werden. Das brauche ich mir nicht "einzugestehen", denn das ist völlig klar. Wo ist das Problem?

Außerdem: "Wie soll denn eine Verfassung 'ewige Rechte' garantieren, wenn der Staat, den sie definiert, nicht mehr besteht?"

Beispielsweise, indem sie festschreibt, dass die Verfassung, welche das Grundgesetz ersetzt, dieselben Rechte dem Sinn nach und ebenfalls unter einer Ewigkeitsklausel gewährt. Na, das war doch nicht so schwer, oder?

Ich verstehe langsam nicht mehr,

was eigentlich Ihr Problem ist.

"Man muss wohl Deutscher, oder nordeuropäischer Protestant sein, um sein Schicksal irgendwelchen Vertragsklauseln anzuvertrauen."

Wie jetzt? Ich dachte, Sie geben so viel auf das Grundgesetz. Wenn das nicht der Fall ist, warum dann die Zeitverschwendung, erst darauf hinzuweisen?

Ich fasse also zusammen: Sie sind gegen ein vereinigtes Europa, aber andere Argumente als "Mit diesen Ausländern klappt das doch nie." haben Sie keine. Fein. Nur seien Sie dann bitte wenigstens gegenüber sich selbst so ehrlich, das auch zuzugeben.

Und zu ihrem Kommentar #208:
Es ist schlicht ein Faktum, dass das Grundgesetz die Auflösung der Bundesrepublik oder ihren Beitritt zu einem anderen Staat nicht verbietet. Es hat keinen Sinn, darüber zu diskutieren und ich weigere mich, das fürderhin zu tun.

Und was das BVerfG dazu sagt, ist bekannt:
Eine weitere Abgabe deutscher Souveränitätsrechte usw. bedarf eines Volksentscheids, ist aber nicht verfassungsrechtlich verboten. Tun Sie also bitte nicht so, als wäre sie es.

Sie haben es immer noch nicht begriffen (1)

Solange die Bundsrepublik besteht, ist das Grundgesetz unsere Verfassung, ein von allen respektiertes Gesetz, hinter welchem ein Staat mit seinen Institutionen steht.

Dagegen sind Verträge mit anderen Staaten eben etwas anderes: sie haben so lange Wirkung, wie diese Staaten das wollen. In manchen Fällen degenerieren sie zu reinen Absichtserklärungen, wie die berühmte "No bail out"-Klausel im Maastricht-Vertrag, werden irgendwann obsolet. In der EURO-Krise wird uns gerade vorgeführt, welche umwerfende Konsequenzen das haben kann.

Wer auf so etwas vertraut, der hat noch stets auf Sand gebaut!

Das hat nichts mit mangelndem Respekt zu tun, aber viel mit Lebenserfahrung.

Meine Überzeugung ist, dass das übermäßige Vertrauen in Abmachungen zwischen Staaten und allgemeiner in Regeln usw. ein typisches Kennzeichen des protestantischen Kulturkreises ist - außerhalb sieht man das pragmatischer (z.B. in Griechenland, aber auch anderswo).

Sie haben es immer noch nicht begriffen (2)

Und: bitte legen Sie mir nichts in den Mund:
"Mit diesen Ausländern klappt das doch nie" - das haben Sie geschrieben, nicht ich!

Ich habe genug unterschiedliche Erfahrungen im Ausland und mit Einwanderern gemacht, um über ein differenziertes Bild zu verfügen. Natürlich kann und soll man mit Einwanderern, Ausländern und auch mit ausländischen Staaten Abmachungen und Verträge schließen. Aber man sollte dabei mit Überraschungen rechnen, aufgrund unterschiedlicher kultureller Voraussetzungen.

Wer dazu aus fehlgeleitetem Idealismus nicht bereit ist, dem kann es passieren, dass er trotz bester Absichten bald zum Buhmann wird, ohne zu verstehen warum. So wie z.B. Merkel in Griechenland.

Zerfallen?

Die Drohungen vor dem "Zerfallen" der EU sind nicht nachvollziehbar. Schon jetzt gibt es Euro und Nicht-Euro-Länder, und Beitrittskandidaten, ohne dass das belastet.
Ob man das Kern oder Zwiebel nennt ist auch egal, wichtig ist nur dass es FUNKTIONIERT. Dann wird es auch andere überzeugen können mit zu machen. Aus politischen Gründen Marktgesetze zu ignorieren ist ein grober Fehler, eine Fahrlässigkeit von Leuten die bestraft gehören. Das waren und sind ja Leute die sich selbst als Vertreter der Marktwirtschaft gerieren.
Nach einer Neu-Organisation gibt es vielleicht kurzfristig Animositäten aber man wird sich schnell an die neue Lage gewöhnen.

Mit politischen Opportunisten ist kein Staat zu machen.

Die Marktwirtschaft wird nur so lange vor sich hergetragen, so lange sie ihren Verfechtern nutzt. Läuft das ganze dann komplett anders, will man von der Marktwirtschaft nichts mehr wissen und fordert den "starken Staat". Soetwas nennt man Opportunismus.

Eine neue deutsche Verfassung wird es kaum geben - die panische Angst der Marktfetischisten, diese könne bei der dann notwendigen Volksabstimmung durchfallen, ist mit den Händen zu greifen.

Mit politischen Opportunisten ist eben kein Staat zu machen.

Ist Griechenland auch ein Bauernopfer?

Eine Frage die nicht gestellt (werden darf). Wird Griechenland nicht auch instrumentalisiert um uns vorzuführen, daß wenn sich die Märkte nicht wohlfühlen, dann das Chaos ausbricht?
Aber unter Märkte - und da braucht man nur Merkels Rede aufmerksam lesen - werde die Finanzmärkte verstanden. Ein Markt von dem zunehmen sichtbar wird, daß ein großer Anteil dessen Strukturen als Schmarozzer an der bürgerlichen Gesellschaft saugt.
Nennen wir es Bonanza, rentigegeil, Vergütungswahnsinn oder sonst wie, für die Spieler auf diesem Parket wäre ein Beleg ihrer wahren Befindlichkeiten gleichbedeutend wie das revolutionäre Ende der Ballnächte des feudalistischen Adels.
An Griechenland nun wird uns fühlbar demonstriert, daß eine wahre Ursachensuche, daß Einbringen von gesetzlichen Leitplanken für die Finanzbranche und das Nachdenken über eine grundsätzlich richtigere Finanarchitektur zu unterlassen sind.
Die Vorgehensweise unterscheidet sich wieder mal nicht von jahrhunderte alten Strickmustern, wo immer schon der kleine Mann die Exzesse abgehobener Eliten ausbaden mußte.

Geld heckt Geld - Der Euro förderte das noch.

Der Begriff des „Fiktiven Kapitals“ (Marx) umreißt die substanzlose Kapitalakkumulation in der Finanzwelt, bei der die Vermehrung verschiedener Wertpapiere den Anschein erweckt, eine Kapitalverwertung abseits der Lohnarbeit sei möglich. Bei der Entstehung von fiktiven Kapital wird der Traum eines jeden Kapitalisten scheinbar Realität: Geld heckt durch reine Selbstvermehrung weiteres Geld, ohne sich in die Niederungen der Warenproduktion begeben zu müssen. Dieses spekulative Wolkengebilde wird sich in einer » Entwertung« auflösen.

Des pudels Kern

Sie treffen des Pudels Kern wie man so schön sagt. Aber leider muß man dazu systemisch denken können wollen und das wird nicht gepflegt, weil diese Art der Denke zu Ergebnissen führt welche sich nicht für Stammtischdiskussionen eignen.
Weil sonst würde vielleicht auch der kleinste Sparer verstehen müssen, daß "sinnvoll sparen zu können" eine Leistung ist, welche der Staat dem Sparer, Investor bzw. Gläubiger anbietet und dafür der Staat (also Wir) eigentlich einen Obolus verlangen sollten!
Damit würde der Fetisch Geld von dem Thron gestoßen die göttliche allesgebährende Gottheit zu sein. Das das solche Wahrheiten nie das Ohr des Sklaven erreichen dürfen, dafür sorgen seit je her "Brot und Spiele" und nicht umsonst werden gerade jetzt wärend der Europameisterschaft "schwierige Entscheidungen :-) fast ohne Öffentlichkeit abgesegnet.
Es ist die Dummheit des Bürgers, welche bewußt unterstützt wird, nicht als kompetenter Part die Politik im Kampf gegen den Finanzfeudalismus zu unterstützen.