Euro-KriseEuropa steht vor einer Kernspaltung

Merkel und die EU bereiten in großer Not gewaltige Schritte zu einer Finanzunion vor. Der Preis ist eine neue Spaltung des Kontinents.

Das Europaparlament in Straßburg

Das Europaparlament in Straßburg

Tiefe Krisen bieten nicht selten die Chance zu großen, revolutionären Veränderungen. Europa ist in Not, weil die Finanzmärkte ein Euro-Krisenland nach dem anderen angreifen und die EU-Chefs das Schuldenproblem nicht in den Griff bekommen. Nach der Neuwahl in Griechenland am Sonntag wird sich nicht nur entscheiden, ob das Land in der Euro-Zone bleibt oder ihm der Staatsbankrott droht. Sondern es steht womöglich gar der Bestand der gemeinsamen Währung und der Zusammenhalt der EU auf dem Spiel.

Deshalb haben die Spitzen der EU und der wichtigsten Euro-Länder alles dafür getan, Spanien rechtzeitig aus der Schusslinie zu bringen. Und deshalb beratschlagen sie nun fieberhaft, wie der drohende Zerfall Europas verhindert werden kann.

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Dabei sind sie offenbar zu dem paradox wirkenden Entschluss gekommen: Nur ganz viel mehr Europa kann in der tiefsten Krise, welche die EU je erlebt hat, jetzt noch helfen.

Kanzlerin Angela Merkel bereitete die Deutschen bereits darauf vor, was auf sie wie die anderen Europäer schon bald zukommen könnte: die Preisgabe weiterer Souveränitätsrechte an eine neue zentrale, föderale Regierungsmacht eines Kerneuropas.

Ein europäischer Bundesstaat?

Bislang hielt Merkel wenig von all den Debatten über die "Finalität" des europäischen Einigungswerks, also die Frage, wie ein irgendwie geeintes Europa dereinst aussehen soll. Und genauso wenig unterstützte sie Bestrebungen, die EU von einem Staatenverbund in einen Bundesstaat nach deutschem, amerikanischem oder Schweizer Vorbild zu verwandeln. Doch die Euro-Krise hat sie, wie andere führende Akteure der EU und der Europäischen Zentralbank (EZB), gezwungen, ganz neu nachzudenken. 

Denn Merkel ist wie den anderen Verantwortlichen in Brüssel, Frankfurt und beim IWF in Washington klar: Nach der Griechenland-Wahl steht letztlich die gesamte Statik Europas in Gefahr. Oder, wie sie selber immer wieder eindringlich formuliert hat: "Scheitert der Euro, scheitert Europa."

Und Merkel hat erkannt: Mit immer neuen Milliardenprogrammen für Griechenland, Irland, Portugal, zuletzt Spanien, vielleicht bald auch Italien oder sogar Frankreich ist die Schuldenkrise nicht zu meistern. Sie greift vielmehr weiter um sich. Deutschland mit einigen wenigen, kleineren Nicht-Krisenstaaten wie Österreich und die Niederlande ist nicht in der Lage, die Lasten auf Dauer allein zu tragen.

Chronik
Die Euro-Krise seit 2009
Mai 2013

Europa wird unbeliebter: Laut einer Studie des US-Meinungsforschungsinstituts Pew ist die Zustimmung zur EU im Vergleich zum Vorjahr von 60 auf 45 Prozent gesunken. Befragt wurden knapp 8.000 Bürger in acht EU-Staaten. In Deutschland wurden das europäische Projekt und die wirtschaftliche Lage noch in Deutschland bewertet, in Frankreich sank die Zustimmung am stärksten. Allerdings ergibt die Studie auch, dass eine Mehrheit der Bürger den Euro behalten will und dass etwa zwei Drittel der Befragten in Krisenländern die Sparpolitik großen Mehrausgaben vorziehen.

28. April 2013

Um sich zukünftige Hilfszahlungen der Troika zu sichern, verabschiedet die griechische Regierung ein neues Sparpaket. Unter anderem sollen bis Ende nächsten Jahres 15.000 Beamte entlassen werden. Ohnehin erreicht die Arbeitslosigkeit immer neue Rekord-Ausmaße: Schon Anfang des Jahres waren in der ganzen Euro-Zone 19 Millionen Menschen ohne Erwerb. In Griechenland und Spanien lag die Arbeitslosenquote bei über 26, bei unter 25-jährigen sogar über 55 Prozent. Immer wieder kommt es in den Krisenländern zu Streiks und heftigen Protesten.

April 2013

Die wissenschaftliche Basis der Sparpolitik bröckelt: Eine maßgebliche Studie von Kenneth Rogoff und Carmen Reinhart kam zu dem Schluss, dass Staatsschulden das Wachstum bremsen, sobald sie einen bestimmten Punkt überschreiten. Jetzt wird die Arbeit massiv angezweifelt. Neue Forschungen ergeben, dass der errechnete Zusammenhang zwischen Schulden und Wachstum weniger stark ausfällt. Das gibt den Kritikern der Sparpolitik neue Argumente.

14. April 2013

Der konservative Protest gegen den Euro formiert sich: Auf ihrem Gründungsparteitag hat die Alternative für Deutschland (AfD) beschlossen, zur Bundestagswahl anzutreten. Die Partei um den Wirtschaftsprofessor Bernd Lucke fordert den Ausstieg aus dem Euro, die Wiedereinführung der D-Mark und das Ende der Rettungspakete. Die AfD gibt sich bürgerlich und versucht, sich von Rechtspopulismus-Vorwürfen abzusetzen. Zustimmung zum Euro-Austritt äußert unter anderem auch der frühere Linken-Vorsitzende Oskar Lafontaine. In Umfragen Anfang Mai erreicht die AfD drei Prozent.

März 2013

Zypern droht die Staatspleite. Ein erster Rettungsplan der Euro-Finanzminister sieht vor, auch die Bankkunden an den Kosten zu beteiligen, die vergleichsweise kleine Summen bei Zyperns Banken angelegt haben. Doch das Parlament in Zypern lehnt die Zwangsabgabe ab. Schließlich werden nur Konten mit über 100.000 Euro belastet, die Troika zahlt zehn Milliarden Euro, Zypern bleibt mit umstrukturiertem Finanzsektor im Euro. Am 28. März öffnen zyprische Banken nach einer zwölftägigen Pause wieder, der befürchtete Ansturm der Kunden auf die Institute bleibt aus.

Januar 2013

In Großbritannien legt die eurokritische Partei UKIP in Umfragen stark zu. In einer Grundsatzrede kündigt Premierminister David Cameron ein Referendum zum Austritt aus der EU an. Er spricht sich für den Verbleib in der Staatengemeinschaft aus – wenn diese sich "möglicherweise bis zur Unkenntlichkeit" verändere. Die EU müsse flexibler, anpassungsfähiger und offener werden, die Schuldenkrise überwinden. Dazu müsste allerdings der Lissabon-Vertrag verändert werden, was für viele EU-Politiker nicht infrage kommt.

November 2012

Die Euro-Finanzminister, die EZB und der IWF einigen sich auf Maßnahmen gegen die griechische Staatsverschuldung. Aus dem zweiten Hilfspaket werden Notkredite in Höhe von 44 Milliarden Euro gewährt. Außerdem bekommt Athen mehr Zeit, um seine Schulden abzubauen – bis zum Jahr 2020 muss die Schuldenlast nun um 120 statt 124 Prozent gesunken sein, für die Rückzahlungen an den EFSF ist auch über 2020 hinaus Zeit. Einen zweiten Schuldenschnitt für Griechenland hatte unter anderem Deutschland zunächst kategorisch abgelehnt.

Oktober 2012

Der Rettungsschirm ESM tritt in Kraft. Insgesamt 500 Milliarden Euro können in Form von Hilfskrediten oder durch das Ankaufen von Anleihen an Krisenstaaten vergeben werden. Die Staaten müssen dazu bestimmte Auflagen erfüllen. In Deutschland lehnte das Bundesverfassungsgericht zuvor Klagen gegen den ESM ab. Geklagt hatten unter anderem Peter Gauweiler (CSU) und die Linke im Bundestag. Das Gericht stellte aber zugleich die Bedingung, dass die deutsche Haftung maximal 190 Milliarden Euro betragen dürfe.

September 2012

EZB-Chef Mario Draghi kündigt an, unbegrenzt Staatsanleihen von Spanien und Italien anzukaufen und so deren Zinsen für Neuverschuldungen zu senken. Bedingung ist, dass die Rettungsfonds EFSF und ESM beantragt und entsprechende Reformen zugesagt werden. Damit setzt die EZB ihre Bemühungen fort, die Kreditvergabe anzuregen und die Konjunktur in Krisenländern zu stärken. Im Juli hatte die Bank zu diesem Zweck den Leitzins von 1,0 auf einen Rekordwert von 0,75 Prozent gesenkt.

29. Juni 2012

In Brüssel treffen sich die Staats- und Regierungschefs der EU zum Krisengipfel. Spanien und Italien verlangen schnelle Hilfen. Merkel lehnt Euro-Bonds oder ein Eingreifen der EZB, um die Finanzmärkte zu stabilisieren, ab. Spanien und Italien aber verhandeln hart. Am Ende wird ein Pakt für Wachstum und Beschäftigung beschlossen. Rettungsgeld soll zukünftig "flexibler" vergeben werden. Die spanischen Banken sollen direkt Geld aus Brüssel erhalten. Die Staatschef verabreden die Schaffung einer Bankenunion.

25. Mai 2012
bankia

Eine Zahl schreckt die Finanzwelt auf. In die Welt gesetzt hat sie José Ignacio Goirigolzarri, der Chef von Bankia, der viertgrößten Bank Spaniens. 19 Milliarden Euro braucht die Bank demnach an Staatshilfen, um zu überleben – weit mehr als bisher angenommen. Die Meldung untergräbt das Vertrauen in spanische Anleihen weiter, auch die Börsenkurse rutschen weltweit ab. Eine neue Debatte beginnt: Angela Merkel schlägt vor, Europas systemrelevante Banken unter eine gemeinsame Aufsicht zu stellen.

6. Mai 2012
hollande

Frankreich wählt einen neuen Präsidenten: Der Sozialist François Hollande weckt vor allem bei Frankreichs Linken die Hoffnung, die Krisenagenda in Europa verändern zu können. Hollande war im Wahlkampf mit der Forderung nach Euro-Bonds aufgetreten – anders als sein Vorgänger Nicolas Sarkozy. Auch kritisierte er, Europas Politik setze zu sehr auf Sparen und zu wenig auf Wachstum.

6. Mai 2012
griechenland opposition

Die Parlamentswahl in Griechenland endet im Chaos: Mehr als eine Woche lang gelingt es den Parteichefs von Konservativen, Linksradikalen und Sozialisten sowie den kleineren Demokratischen Linken nicht, eine Koalition zu bilden. Am Ende fällt die Entscheidung für Neuwahlen im Juni. Die Unsicherheit in Griechenland beunruhigt nicht nur die Finanzmärkte in Europa, sondern auch die griechischen Bürger: Viele räumen ihre Konten und bringen das Geld außer Landes. In Europa wächst die Sorge vor einer Kapitalflucht im Süden.

8. März 2012
Griechenland

Die griechische Regierung verschickt eine Erfolgsmeldung: An dem angekündigten Schuldenschnitt beteiligen sich nach Angaben des Finanzministeriums rund 86 Prozent aller Gläubiger, die Papiere nach griechischem Recht halten. Damit ist das nötige Quorum erreicht, um auch die anderen Gläubiger zum Umtausch zu zwingen. Insgesamt wären dann rund 95 Prozent der Investoren im Boot. Rund 197 Milliarden der 206 Milliarden Euro an griechischen Staatsschulden können nun umgeschuldet werden. Die Anleger erhalten Papiere mit längerer Laufzeit und niedrigerem Zinssatz. Griechenland bekommt mehr Zeit.

21. Februar 2012
Venizelos und Juncker

Die EU-Finanzminister bringen ein zweites Rettungspaket für Griechenland auf den Weg. Es umfasst neue Kredite in Höhe von 130 Milliarden Euro; private Gläubiger sollen auf mehr als 50 Prozent ihrer Forderungen verzichten. Die Euro-Gruppe bannt damit die Gefahr, dass Griechenland am 20. März endgültig zahlungsunfähig wird – an diesem Tag werden 14,5 Milliarden Euro an Zahlungen aus Anleihen fällig. Für die griechischen Staatseinnahmen soll ein Sperrkonto eingerichtet werden, das die vorrangige Bedienung der Kredite sichert.

31. Januar 2012
Evangelos Venizelos

Die Staats- und Regierungschefs der EU verabschieden in Brüssel den Fiskalpakt. 25 Staaten stimmen dem Regelwerk zu; Großbritannien und Tschechien bleiben außen vor. Die neuen Regeln sollen ab 2013 gelten. Künftig kann die Kommission ein Defizitverfahren auch ohne die Zustimmung der Finanzminister eröffnen, immer dann, wenn die Defizitquote eines Landes drei Prozent überschreitet. Das strukturelle Defizit in den Haushalten darf in der Regel nicht mehr die Grenze von 0,5 Prozent überschreiten. Die Krisenstaaten müssen ihre Schulden um fünf Prozent jährlich abbauen. Beschlossen wird auch der dauerhafte Krisenmechanismus ESM, der ab Juli in Kraft treten soll.

13. Januar 2012
fillon-frankreich-rating

Die Rating-Agentur Standard & Poor's stuft Frankreichs Kreditwürdigkeit herab. Einen Tag später entzieht sie neun weiteren Ländern die Bestnote. Auch der Krisenfonds EFSF verliert sein AAA-Rating. Die Folgen sind begrenzt: Die Zinsaufschläge für einige Krisenländer bleiben zwar hoch, sinken aber in der Tendenz. Die erste Auktion des EFSF nach seiner Herabstufung verläuft reibungslos. Allerdings nimmt die Flucht in sichere Häfen zu: Wenige Tage vor der Herabstufung von Frankreich zahlt Deutschland erstmals negative Zinsen auf kurzfristige Staatspapiere – wie zuvor die Schweiz und Dänemark.

Mitte November 2011
Mario Monti

Nach wachsendem Druck der Finanzmärkte auf Italien tritt Regierungschef Silvio Berlusconi zurück. Sein Nachfolger wird der frühere EU-Kommissar Mario Monti. Im Dezember stimmt das Parlament in Rom seinem Spar- und Sanierungsprogramm zu. Auch in Spanien wechselt die Regierung: Bei der vorgezogenen Parlamentswahl am 20. November werden die Sozialisten abgewählt, die konservative Volkspartei (PP) mit ihrem Spitzenkandidaten Mariano Rajoy siegt. Er löst im Dezember José Luis Rodríguez Zapatero als Regierungschef ab.

Anfang November 2011
Lucas Papademos (r.) mit seinem Amtsvorgänger Giorgos Papandreou

Am 31. Oktober kündigt Griechenlands Ministerpräsident Papandreou überraschend an, er wolle seine Bevölkerung über die EU-Rettungshilfen abstimmen lassen. Europas Regierungen setzten Griechenland daraufhin unter Druck: Die nächste Kredittranche, von den Euro-Finanzministern eigentlich schon gebilligt, wird auf Eis gelegt. Am 3. November sagt Papandreou das Referendum wieder ab. Sechs Tage später kündigt er seinen Rücktritt an. Das frühere EZB-Ratsmitglied Lucas Papademos wird neuer griechischer Ministerpräsident.

Oktober 2011

Am 26. Oktober stimmt der Bundestag schon wieder über eine Ausweitung des Rettungsfonds EFSF ab. In ihrer Regierungserklärung appelliert Kanzlerin Merkel an die Abgeordneten, ihre Rettungspolitik zu unterstützen: "Scheitert der Euro, scheitert Europa", sagt sie. 503 von 596 Abgeordneten stimmen für die Erweiterung. Auf dem anschließenden EU-Gipfel beschließen die Staats- und Regierungschefs einen Schuldenschnitt für Griechenland, eine Ausweitung des EFSF und eine Rekapitalisierung der Banken. Italien verspricht, stärker zu sparen.

29. September 2011

Der Bundestag billigt die von den Euro-Ländern geplante Aufstockung des Rettungsfonds EFSF auf 780 Milliarden Euro, von denen 440 Milliarden an überschuldete Euro-Staaten verliehen werden können. Treten die geplanten Änderungen in Kraft, steigen die deutschen Garantien um 88 Milliarden auf 211 Milliarden Euro. Zudem erhält der Fonds dann weitere Kompetenzen: Künftig soll er an der Börse Staatsanleihen von Krisenstaaten kaufen, um deren Kurse zu stabilisieren. Von 611 anwesenden Abgeordneten im Bundestag stimmen 523 dem Gesetzentwurf der Koalitionsfraktionen zu.

7. September 2011
Bundesverfassungsgericht

Erneut weist das Bundesverfassungsgericht Verfassungsbeschwerden gegen die Griechenland-Hilfen ab. Die Richter entscheiden, dass die deutsche Beteiligung am Rettungsfonds EFSF mit dem Grundgesetz vereinbar ist. Sie setzen aber voraus, dass der Haushaltsausschuss des Bundestages allen Rettungsmaßnahmen zustimmen muss. Bisher musste sich Finanzminister Wolfgang Schäuble lediglich um ein Einvernehmen mit dem Parlament bemühen.

August/September 2011
Banken Frankfurt

Die europäischen Banken misstrauen einander zunehmend. Statt sich gegenseitig Geld zu leihen, bemühen sie die EZB. Der Liquiditätsfluss im Finanzsektor droht auszutrocknen, die Angst vor einer neuen großen Bankenpleite wächst. Christine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), fordert deshalb, die Banken mit neuem Kapital auszustatten, das direkt vom Rettungsfonds EFSF kommen soll. Auch die Bankenaufsicht (EBA) zeigt sich besorgt. EZB-Chef Trichet und Deutsche-Bank-Chef Ackermann hingegen kritisieren die Vorstöße.

31. August 2011

Das Bundeskabinett bringt das "Gesetz zur Übernahme von Gewährleistungen im Rahmen eines europäischen Stabilisierungsmechanismus" auf den Weg. Damit setzt es die Beschlüsse des Euro-Gipfels vom 21. Juli um. Deutschland bürgt nun für weitere 211 Milliarden Euro. Knackpunkt in der deutschen Diskussion ist die Beteiligung des Bundestages: Künftig soll das Parlament über alle neuen Hilfen abstimmen. Unter anderem haben die Unions- und die FDP-Fraktion dies gefordert.

August 2011

Die Debatte über Euro-Bonds entflammt. Euro-Gruppen-Chef Juncker ist dafür, die Krisenstaaten im Süden auch. In Deutschland drängen SPD und Grüne auf die gemeinsamen Anleihen; auch in der CDU bröckelt der Widerstand. Die FDP ist weiterhin strikt gegen Euro-Bonds, auch Angela Merkel lehnt sie ab. Unterdessen sorgen Gerüchte, Frankreich könnte sein AAA-Rating verlieren, für Turbulenzen an den Börsen. Der Dax fällt zeitweise um bis zu sechs Prozent im Vergleich zum Vortag. Sarkozy kündigt weitere Sparpläne an.

8. August 2011

Die Europäische Zentralbank kauft erstmals auch italienische und spanische Staatsanleihen am Sekundärmarkt. Sie will damit verhindern, dass die Zinsen für die Krisenstaaten weiter steigen. Mit Erfolg: Der Druck auf die beiden Länder nimmt in den kommenden Wochen etwas ab. Italien erklärt sich bereit, ein weiteres Sparpaket aufzulegen: Bis 2013 soll der Haushalt um weitere 45 Milliarden Euro gekürzt werden.

21. Juli 2011

Die Euro-Länder beschließen das zweite Rettungspaket für Griechenland. Es umfasst neue Kredite in Höhe von 109 Milliarden Euro und soll bis 2014 reichen. Erstmals beteiligen sich freiwillig private Gläubiger: Banken sollen 37 Milliarden Euro beisteuern, indem sie griechische Staatsanleihen in neue Bonds mit geringeren Zinsen umtauschen. Ein Erfolg für die Bundesregierung, die sich für die Beteiligung privater Gläubiger eingesetzt hat.

Juli 2011

Die Sorge um Italien lässt die Gemeinschaftswährung abrutschen. Die Staatsverschuldung der drittgrößten Volkswirtschaft Europas ist, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, mit fast 120 Prozent höher als die Irlands und Portugals. Die Renditen auf ihre Anleihen steigen. Die Regierung plant, in vier Jahren knapp 48 Milliarden Euro einzusparen, etwa im öffentlichen Dienst und im Gesundheitswesen. Berlusconi meint trotzdem: "Wir sind stabil."

7. April 2011

Auch Portugal will unter den Rettungsschirm. Das ärmste Land Westeuropas sieht keine Alternative, nachdem die Opposition im März ein geplantes Sparprogramm der Minderheitenregierung ablehnte. Nach dreiwöchigen Verhandlungen bekommt Portugal 78 Milliarden Euro zugesprochen – und mehr Zeit für den Schuldenabbau: Die Neuverschuldung des Staates darf in diesem Jahr nun statt 4,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts 5,9 Prozent betragen.

April 2011

Innerhalb der schwarz-gelben Koalition regt sich Widerstand gegen den ESM: Mehr als 30 FDP-Politiker fordern, den Rettungsfonds auf dem Parteitag im Mai abzulehnen. Außerdem wollen sie ein Insolvenzverfahren für EU-Staaten mit starker Gläubigerbeteiligung und ein Verbot für die EZB, Anleihen aufzukaufen. Sie scheitern: Zwei Drittel der Liberalen sprechen sich gegen ein Nein zum ESM aus. Außenminister Westerwelle sagt: "Europa liegt im deutschen Interesse."

11. März 2011

Die Staats- und Regierungschefs der EU-Länder beschließen, die Kreditvergabekapazität des EFSF auf 440 Milliarden aufzustocken. Außerdem einigen sich die Staaten auf den "Pakt für den Euro" – die Selbstverpflichtung, sich in der Haushalts-, Steuer- und Sozialpolitik enger abzustimmen – und verpflichten sich zum Sparen. Gleichzeitig wird der Stabilitäts- und Wachstumspakt verschärft. Die von Deutschland geforderten automatischen Sanktionen scheitern allerdings am Widerstand der Mitgliedsstaaten.

16. Dezember 2010 /25. Januar 2011

Die EZB verdoppelt ihr Grundkapital auf elf Milliarden Euro, um ihre Anleihekäufe abzusichern. Zu diesem Zeitpunkt hat sie bereits für 72 Milliarden Euro Anleihen aufgekauft – griechische, irische, portugiesische, spanische. Einen Monat später gibt der Rettungsfonds EFSF erstmals selbst Anleihen auf dem Kapitalmarkt aus. Das Interesse der Anleger an den EFSF-Anleihen ist enorm, unter anderem wegen seines Top-Ratings.

28. November 2010

Die Finanzminister der Euro-Länder einigen sich auf einen dauerhaften Krisenfonds, den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM). Er soll 2013 den Rettungsfonds EFSF ablösen. Der ESM umfasst 700 Milliarden Euro, von denen maximal 500 Milliarden an Not leidende Staaten verliehen werden können. Der Rest dient als Sicherheitseinlage. Sie soll die Rating-Agenturen überzeugen, auch dem ESM Bestnoten zu verleihen. Im Gegensatz zum EFSF wird der neue Fonds mit einer Bareinlage in Höhe von 80 Milliarden Euro ausgestattet. In Einzelfällen können auch private Gläubiger beteiligt werden.

21. November 2010

Irland muss vom Euro-Rettungsschirm aufgefangen werden. Das Land hat seine Banken mit Milliardenbeträgen vor dem Zusammenbruch gerettet und ist dadurch selbst in eine Schieflage geraten. Die Euro-Finanzminister beschließen Hilfskredite in Höhe von 85 Milliarden Euro, im Gegenzug muss Irland wie zuvor schon Griechenland hart sparen. Die irischen Bürger sind wütend: Bis zuletzt hatte ihre Regierung bestritten, Hilfe aus Brüssel beantragen zu wollen.

30. September 2010

Die Rating-Agentur Moody's stuft Spanien herab, die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone. Sie bewertet die Bonität des Landes nun nicht mehr mit der Bestnote. Vor dem Platzen der Immobilienblase befand sich Spanien noch im Aufschwung. Seitdem kämpft das Land mit den Folgen der Finanzkrise. Ministerpräsident Zapatero bestreitet, finanzielle Hilfe der EU zu brauchen. Spanien hat auf einen rigorosen Sparkurs geschwenkt – genau wie der ebenfalls hoch verschuldete Nachbar Portugal.

7. Juni 2010

Die Euro-Finanzminister gründen in Luxemburg die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF), den sogenannten Euro-Rettungsschirm. Die Zweckgesellschaft soll im Notfall am Kapitalmarkt Kredite aufnehmen, um klamme Staaten finanziell zu stützen. Die Euro-Länder sollen für die Kredite bürgen, Deutschland mit bis zu 148 Milliarden Euro. Der EFSF umfasst insgesamt 750 Milliarden Euro. Die tatsächliche Kreditvergabekapazität liegt niedriger, weil für ein AAA-Rating hohe Garantien erforderlich sind.

10. Mai 2010

Die Europäische Zentralbank (EZB) beschließt, Staatsanleihen kriselnder Staaten aufzukaufen. Sie will verhindern, dass die Länder ihre Schulden nicht mehr bedienen können, weil die Zinsen immer weiter steigen. Ihre Statuten verbieten ihr, Anleihen direkt von den Emittenten zu erwerben; also wird sie am öffentlichen und privaten Anleihemarkt – dem sogenannten Sekundärmarkt – tätig. Mit der Ankündigung bricht die EZB mit einem Tabu: Bisher hat sie derartige Mittel zur Krisenbekämpfung stets abgelehnt.

2. Mai 2010

Die EU-Finanzminister beschließen, Griechenland Kredite in Höhe von 110 Milliarden Euro zu gewähren: 80 Milliarden kommen von den Euro-Staaten, 30 vom IWF. Nur zehn Tage später fließt die erste Tranche nach Athen. Im Gegenzug wird Griechenland verpflichtet, hart zu sparen, die Wirtschaft zu reformieren und staatliche Unternehmen zu privatisieren. An den Kapitalmärkten kann sich Griechenland nur noch zu hohen Zinsen refinanzieren. Standard & Poor's bewertet die Anleihen des Landes als hochspekulativ (B).

11. Februar 2010

Die Staats- und Regierungschefs der EU erklären sich bereit, Griechenland finanziell zu unterstützen, um die Stabilität der Währungsunion zu sichern. Die EU fordert Griechenland jedoch gleichzeitig auf, die Sparanstrengungen zu verstärken. Zuvor bescheinigte die Kommission ihren Finanzstatistiken qualitative Mängel. Die griechische Regierung verkündet zusätzliche Sparmaßnahmen in Höhe von 4,8 Milliarden Euro. Das entspricht rund zwei Prozent des griechischen BIPs.

16. Dezember 2009

Als erste Rating-Agentur stuft Fitch die Kreditwürdigkeit Griechenlands herab; die anderen Agenturen folgen. Die Sparmaßnahmen Griechenlands reichten nicht aus, um das Defizit nachhaltig zu verringern, begründet Standard & Poor's die Entscheidung. In der EU wächst die Angst vor einem Staatsbankrott, der andere Länder anstecken könnte. In Griechenland kommt es zu ersten Streiks gegen die Sparpolitik der Regierung.

Oktober 2009

Die griechische Regierung revidiert die Schätzung des Staatsdefizits für 2009 nach oben – von sechs auf mehr als zwölf Prozent des BIPs. Bereits zuvor enthielt die Schuldenstatistik des Landes gravierende Fehler: Im Jahr 2004 wurde bekannt, dass die Neuverschuldung in den Jahren 1998 und 1999 – also kurz vor Einführung des Euro – deutlich über den im Maastricht-Vertrag festgeschriebenen drei Prozent des BIPs lag. Ende 2010 werden Griechenlands Schulden mehr als 140 Prozent der Wirtschaftsleistung betragen.

Konstruktionsfehler des Maastrichter Vertrags

Unübersehbar geworden sind aber auch die schweren Konstruktionsmängel der Währungsunion, über die seit dem Maastrichter Vertrag vor 20 Jahren vornehmlich Fachleute gestritten hatten: Es fehlt die unerlässliche Vereinheitlichung der Finanz- und Wirtschaftspolitik. Und es fehlt eine Politische Union, also eine europäische Regierung und ein echtes Europäisches Parlament, das im Gegensatz zu heute die gemeinsame Finanz-, Wirtschafts- und Sozialpolitik und die Regierenden wirksam kontrolliert.

Zugleich haben sich in den hektischen Rettungsbemühungen der vergangenen zwei Jahre seit dem Ausbruch der Griechenlandkrise wesentliche Elemente solcher neuer europäischer Institutionen herausgebildet: die zeitweise fast in Permanenz konferierenden Staats- und Regierungschefs und der Rat der Finanzminister als faktische Euro-Wirtschaftsregierung; die EU-Kommission, Ratspräsident Herman van Rompuy und die Euro-Gruppe unter Leitung von Jean-Claude Juncker als Exekutive, die neben der EZB die beschlossenen Maßnahmen überwacht und umsetzt; und der Fiskalpakt als Kern einer abgestimmten Haushalts- und Sparpolitik einschließlich Schuldenbremse, ergänzt womöglich bald um ein Wachstumsprogramm und Euro-Bonds.

Nur die parlamentarische Kontrolle fehlt bislang. Sie bleibt fürs Erste den nationalen Abgeordneten überlassen. Das wiederum verschafft Merkel und ihren EU-Kollegen ein starkes Übergewicht. Der entstehenden neuen Architektur Europas mangelt es an demokratischer Ausgewogenheit und einem klaren Plan.

Leserkommentare
  1. Wenn der Euro endlich mal weg ist, dann bleibt jede Volkswirtschaft auf dem Niveau, das es erwirtschaftet und die EU bleibt erhalten, so wie sie ist. Da muss man kein Professor der Weltökonomie sein, um das zu begreifen.
    Punkt !

    8 Leserempfehlungen
  2. "Es ist wahrscheinlich fast allen Menschen klar das aufgrund der globalen Entwicklung die "Kleinstaaterei" kein Konzept der Zukunft sein kann."

    ...es gibt "Kleinstaaten" (ist D ein kleiner Staat? nicht wirklich) schon ewig und es wird sie noch ewig geben. Großreiche sind hingegen immer zerfallen und dort wo sie bestehen, tun sie das idR mit großen inneren Konflikten und Verwerfungen, Separationsterror etc.

    Trenn dich von dem Märchen, dass Größe Vorteile bringt. Oder geht es den Leuten in USA besser, nur weil USA sich zum Weltherrscher aufgeschwungen hat? Mehr als 40 Essenmarkenempfänger, aber einen Militärhaushalt mit dem man manches Land grundsanieren könnte.

    Da lebe ich lieber in Zwergen, der Schweiz, Luxemburg, Schweden,...allen geht es besser.

    10 Leserempfehlungen
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    ...es heißen.

    ...es heißen.

  3. ...es heißen.

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    Antwort auf "Mir nicht..."
  4. Löst man kleinere Krisen nicht erhöht man unter Zeit.- und Krisendruck einfach die Komplexität der Aufgabe, die man auch nicht bewältigen kann - zumindest juristisch nicht einwandfrei.

    Von daher paßt der Artikel. Auch in der Hinsicht, dass die Zustimmung im Volke eher bescheiden sein dürfte. Wie auch anders hat man umtriebig via Populismus und Medien für eine umfängliche Antieuropastimmung gesorgt. Drei Begriffe dürften reichen, um salbungsvolle Reden voller Pathos und durchaus auch richtiger Argumentationen in ihrer Wirkung zu pulverisieren: Zahlmeister, Schulden, Südeuropa. Das ist auch ein Ergebnis bisheriger Regierungsarbeit in der Krise, als sie noch durchaus beherrschbar, hätte man Griechenland gleich Insolvenz gehen lassen und ja zur partiellen Schuldenunion gesagt.

    Nun ist es zu spät dafür und es gilt weitaus komplexere Aufgaben zu bewältigen.

    Allerding dann ohne Rücksicht auf nicht Euroländer. Was man in UK, den USA oder anderswo denkt sollte uns dann erst in dritter oder vierter Linie interessieren.

    4 Leserempfehlungen
    • DDave
    • 15.06.2012 um 9:37 Uhr

    Also, wenn Deutschland der Kern(Proton) und der Rest die Elektronen, dann müsste sich ja Deutschland auflösen. In Anbetracht der Tatsache, dass GB und FR auf nichts anderes seit Jahrhunderten aus sind, gäbe es die Vermutung, dass damit die Auflösungs Deutschlands in die EU gemeint ist, während alle anderen Staaten weiterhin selbstständig sind...
    ABer ist die BRD überhaupt selbstständig? Denn im Vergleich zu Österreich hat die BRD keinen Friedensvertrag und auch keine Verfassung, die dem Volk volle Souveränität gibt.

    4 Leserempfehlungen
    • joG
    • 15.06.2012 um 9:40 Uhr

    ....Da haben Sie den Artikel nicht richtig gelesen oder Merkels Rede anders verstanden als ich. Mir scheint es hier um die Verwendung der Krise zum die USE durchzudrücken; und zwar übers Knie gebrochen und gegen jeden Widerstand.

    Im Prinzip ist auch eine neue Verfassung für Europa und daher notwendiger weise auch für Deutschland wünschenswert, ja zwingend notwendig. Das ist seit den 1990ern klar. Nur, die Erfahrung mit Maastricht und der heutigen EU Verfassung (die man so nicht nennen darf daher (ein wenig wie bei Harry Potter)) ist nicht dazu angetan, den jetzigen Parteien noch deren Mitgliedern diese Macht über unsere Zukunft zu geben. Die haben gemeinschaftlich am Volk vorbei und verlogen die Mängel des GG ausgenutzt um ihre Eigeninteressen brutal durchzusetzen.

    Der Schaden ist jetzt groß und eine Vertiefung Europas hat, wenn es so gemacht wird, wie die Präzedenz anzeigt, zur Katastrophe zu führen. Wie schlimm es werden kann, sieht man an der heutigen Krise und ihrer Behandlung. Alle notwendigen Handlungen waren nicht kompromisfähig illegal oder Beides.

    3 Leserempfehlungen
  5. Irgendwann mal bringt uns Mutti soweit,wenn das so weitergeht, wie vor der Währungsreform nach dem WK2, dass nur noch:
    -Brot
    -Zigaretten ( Amerikanische Lucky Strike )
    -Schnaps und Vodka
    als Zahlungsmittel akzeptiert werden, weil die Milliarden Reichsmark nix mehr wert waren.

    3 Leserempfehlungen
  6. ... sind das für mich. Vor allem steht mir ein Fragenzeichen im Gesicht, wenn ich Sätze wie solche lese:

    "Dabei sind sie offenbar zu dem paradox wirkenden Entschluss gekommen: Nur ganz viel mehr Europa kann in der tiefsten Krise, welche die EU je erlebt hat, jetzt noch helfen."

    Vielleicht bin ich zu sehr von meiner noch jugendlichen Hybris geleitet, aber wieso habe ich immer das Gefühl dererlei Artikel berichten nicht über mein Land, meinen Kontinent? Ich fühl mich nicht als würde ich eine "Krise durchstehen" zur Zeit. Sie ist weder auf meiner Lohnbescheinigung angekommen, noch in meiner Wohnung, meinen Hobbys oder Unternehmungen.
    Ich sage nicht, dass es keine Krise ist, wenn Krankenhäuser in Griechenland die nötigsten Mittel fehlen, um ihre Patienten zu versorgen, aber „die tiefste Krise, welche die EU je erlebt hat“ sieht für mein Verständnis anders aus.
    Uns geht’s doch gut… oder nicht?

    LG

    Eine Leserempfehlung
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    "aber „die tiefste Krise, welche die EU je erlebt hat“ sieht für mein Verständnis anders aus.

    Uns geht’s doch gut… oder nicht?"

    Wenn das Kapital wieder abfließt und seine Zinsgewinne mitnehmen will, weil es befürchtet in einer Währung unterwegs zu sein, die auf dem Weltmarkt wie besseres Altpapier behandelt wird, dann geht's uns nicht mehr gut oder genau so wie den Griechen im Krankenhaus ohne Geld für Medizin.

    ...schon. Wenn du mit "uns" die deutsche Mittelschicht meinst.

    Diejenigen die als Niedriglöhner und Prekäre unten rausfallen nicht mitgerechnet. Aber dass du 50% Jugendarbeitslosigkeit und 22% allgemeine, zusammenbrechende Gesundheitsversorgung etc. in den Südstaaten nicht als Problem wahrnimmst ist verständlich, ändert aber nichts an dem Fakt. Ebensowenig daran, dass die ganze Euro-Zone in die Rezession driftet, D bis über beide Ohren in Bürgschaften steckt die wahrscheinlich platzen werden, jeden Tag ein neuer Rettungsplan verabschiedet wird usw.

    Die deutsche Mittelschicht ist zwar verunsichert, aber sie ist noch weitgehend eine Insel der Glückseligen, die Frage ist nur wie lange noch. Und wie sich das dann anfühlt, hängt davon ab, wo du stehst. Selbst die schlimmsten Krisen haben Unbeteilgte und sogar Profiteure.

    "aber „die tiefste Krise, welche die EU je erlebt hat“ sieht für mein Verständnis anders aus.

    Uns geht’s doch gut… oder nicht?"

    Wenn das Kapital wieder abfließt und seine Zinsgewinne mitnehmen will, weil es befürchtet in einer Währung unterwegs zu sein, die auf dem Weltmarkt wie besseres Altpapier behandelt wird, dann geht's uns nicht mehr gut oder genau so wie den Griechen im Krankenhaus ohne Geld für Medizin.

    ...schon. Wenn du mit "uns" die deutsche Mittelschicht meinst.

    Diejenigen die als Niedriglöhner und Prekäre unten rausfallen nicht mitgerechnet. Aber dass du 50% Jugendarbeitslosigkeit und 22% allgemeine, zusammenbrechende Gesundheitsversorgung etc. in den Südstaaten nicht als Problem wahrnimmst ist verständlich, ändert aber nichts an dem Fakt. Ebensowenig daran, dass die ganze Euro-Zone in die Rezession driftet, D bis über beide Ohren in Bürgschaften steckt die wahrscheinlich platzen werden, jeden Tag ein neuer Rettungsplan verabschiedet wird usw.

    Die deutsche Mittelschicht ist zwar verunsichert, aber sie ist noch weitgehend eine Insel der Glückseligen, die Frage ist nur wie lange noch. Und wie sich das dann anfühlt, hängt davon ab, wo du stehst. Selbst die schlimmsten Krisen haben Unbeteilgte und sogar Profiteure.

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