Arbeitsmarkt : Frankreich will Stellenabbau unrentabel machen

Die neue Regierung Hollande will mit ungewöhnlichen Mitteln die hohe Arbeitslosenquote senken: Entlassungen sollen künftig richtig teuer werden für Unternehmen.
Frankreichs Präsident François Hollande (links) und Arbeitsminister Michel Sapin (Archiv) © Philippe Wojazer/Reuters

Firmen in Frankreich müssen nach einem Plan der Regierung bald viel Geld bezahlen, wenn sie Stellen abbauen. "Die Konzept sieht vor, Entlassungen für die Unternehmen so teuer zu machen, dass sie sich nicht lohnen", sagte Arbeitsminister Michel Sapin dem Radiosender France Info .

Mit dem Vorstoß reagierte der Minister auf eine stark gestiegene Arbeitslosenquote und drohende Entlassungswellen. "Es geht nicht um Bestrafung, aber Arbeitnehmer müssen einen richtigen Ausgleich erhalten."

Die Regierung werde nicht untätig bleiben, wenn Unternehmen Jobs streichen, um ihre Profitabilität zu steigern und die Dividende für ihre Anteilseigner zu erhöhen, sagte Sapin. Frankreich geht damit einen anderen Weg als Italien und Spanien , die unter dem Druck der Wirtschafts- und Schuldenkrise den Arbeitsmarkt liberalisierten.

Parallel zu Sapin arbeitet Industrieminister Arnaud Montebourg an einem Gesetz, das Werksschließungen verhindern soll. Stattdessen sollen die Unternehmen gezwungen werden, den Betrieb zum Marktpreis zu verkaufen. Damit setzt die Regierung ein weiteres Wahlversprechen des neuen Präsidenten François Hollande um.

Arbeitslosenquote über 10 Prozent

Die sozialistische Regierung und Gewerkschaften befürchten eine Entlassungswelle nach den Parlamentswahlen am 10. und 17. Juni. Sie vermuten, dass Unternehmen geplante Stellenstreichungen bis nach den beiden Wahlgängen verschieben, um das konservative Lager nicht weiter zu schwächen.

Die Arbeitslosenquote stieg bereits im ersten Quartal auf 10,0 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit Sommer 1999, wie das Statistikamt Insee mitteilte. Selbst während der weltweiten Finanzkrise 2008/09 war die Arbeitslosigkeit nicht so hoch. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone steckt in einer Flaute. Zu Jahresbeginn stagnierte das Bruttoinlandsprodukt, während es im benachbarten Deutschland um kräftige 0,5 Prozent stieg.

Rentenalter auf 60 Jahre zurückgesetzt

Am Mittwoch hatte die neue französische Regierung noch ein weiteres Wahlversprechen umgesetzt. Sie revidierte einen Teil der unter dem abgewählten Präsidenten Nicolas Sarkozy eingeleiteten Rentenreform. Damit wird das Rentenalter für diejenigen, die seit jungen Jahren gearbeitet hätten, wieder auf 60 Jahre zurückgesetzt.

Die Maßnahme werde Frankreich bis 2017 zusätzlich jährlich 1,1 Milliarden Euro kosten, danach pro Jahr zusätzliche drei Milliarden Euro, teilte Sozialministerin Marisol Touraine mit. Die Regierung Sarkozy hatte im Rahmen eines Sparkurses das Renteneintrittsalter auf 62 Jahre anheben wollen.

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Kommentare

105 Kommentare Seite 1 von 12 Kommentieren

Typisch Planwirtschaft

Nur so kommt der Sozialismus zurück. Am besten FÜNF Heizer auf der E-Lok mitfahren lassen. Dann haben bald alle keine Arbeit mehr.

Armes Frankreich. Wer an diese Lösung wirtschaftlicher Probleme bringen glaubt, dem ist der Blick auf den spanischen Arbeitsmarkt zu empfehlen. Entlassunegn sind dort so teuer, dass Firmen sehr schnell pleite gehen, wenn sie mal eine Flaute haben.

Tolles Modell. Deutschland soll dann für die Arbeitslosen und die Rentner Schulden(Eurobonds) machen.

Planwirtschaft vs. Kapitalismus

Zum einen hat das blose Erschweren von Entlassungen nichts mit Planwirtschaft zu tun. Oder haben wir in Deutschland Planwirtschaft, nur weil ein Unternehmer einen Arbeitnehmer nicht aus dem Grund rauswerfen kann, weil ihm dessen Nase zu groß ist?

Zum anderen finde ich es wirklich bemerkenswert, wie sehr der Kapitalismus noch verteidigt wird, mehrheitlich übrigens von Leuten, die ganz und gar nicht von ihm profitieren. Massenentlassungen, unfassbar hohe Staatsschulden sämtlicher kapitalistischer Staaten, Wirtschaftsschrumpfen, Aussterben des Mittelstandes, keine Binnenwirtschaft mehr in Deutschland und und und.

Man muss den Kapitalismus ja nicht komplett abschaffen. Aber ein etwas kritischerer Blick auf ihn könnte man sich schon erlauben. Reformen wären dringend notwendig. Aber manche tun ja gerade so, als ob dann die UDSSR wieder auferstehen würde...

Vernunft, nicht Kapitalismus

Es geht doch nicht um pro oder contra Kapitalismus, sondern darum, dass Menschen sich im allgemeinden rel. rational verhalten.

Angenommen, die Wirtschaft bricht ein. Als Unternehmer sind Sie in solchen Zeiten vermutlich früher oder später gezwungen, die Zahl der Mitarbeiter der geschrupften Produktion anzupassen. Auf längere Sicht kann kein Unternehmen überzählige Mitarbeiter bei Auftragsflaute weiterhin zu bezahlen - irgendwann ist einfach keine Kohle mehr da und das Unternehmen geht bankrott.

Viele vergessen gerne, dass die Eigentümer von Unternehmen viel Geld in ihr Unternehmen stecken. Folglich überlegen sich Unternehmen, wo die Risiken für ihr Unternehmen im Vergleich zu andern Ländern und Regionen kleiner ist. Kein rational denkender Mensch steckt sein Vermögen in ein Unternehmen in einem Land, wo das Risiko, alles zu verlieren höher ist als anderswo.

Die Folge: Es werden sich keine neuen Unternehmen mehr in Frankreich ansiedeln und es werden mittelfristig mehr und mehr Mitarbeiter durch Maschinen ersetzt - die kann man in einer Krise nämlich abschalten.

Das Ganze hat nichts mit der Debatte über Kapitalismus zu tun, sondern es sind schlicht wirtschaftliche Gesetzmässigkeiten. Wenn Menschen eine Wahl haben, werden sie nie und nimmer Kapital dort inverstieren, wo das Risiko hoch ist.

Ähm, nicht ganz richtig.

Zuerst einmal: Menschen handeln rational? Du meine Güte, so früh am Tag schon Märchenstunde. Schauen Sie sich mal um in Ihrem Land. Menschen arbeiten für 1€ die Stunde, in 2 Jobs gleichzeitig damit das Kind etwas Vernünftiges zu essen hat; gleichzeitig zu den neuesten Sozialkürzungen teilt die Bundesregierung mit noch einmal einige Milliarden in eine kaputte Bank zu stecken (HRE, Commerz, suchen Sie sich eine aus. Mehr als Banken retten tun wir mit den Transferzahlungen auch nicht, anstatt den BankKUNDEN zu retten bzw. dessen Einlagen, was die Banken ÜBERFLÜSSIG und nicht mehr systemrelevant machen würde.).
Was tut der Deutsche? Er meckert darüber, dass unsere Regierung das tut und die bösen Südländer. Und wer ist gleichzeitig beliebteste Politikerin mit "Richtlinienkompetenz"? Merkel.
Menschen handeln rational... na klar.

Weiter: Keine Investitionen in Hochrisikogeschäfte? Ernsthaft? Wie ist es denn zur Bankenkrise gekommen? Zuviel Kuchenstücke auf Ackermann's Geburtstagsfeiern oder wie? Es wurde und WIRD Unmengen an Kapital in Risikoanlagen gesteckt, denn man konnte und kann sich mit "Systemrelevanz" herausreden wenn das Risiko eben auch mal zuschlägt. Die Verantwortlichen die sich dort dann kleinreden lassen von den Herren Bankern, die sollten dann auch mal persönlich dafür gerade stehen. Die gesellschaftliche Verantwortlichkeit für derlei Handeln liegt mindestens auf Kapitalverbrechen-Niveau (Mord etc). "Keine Risikogeschäfte" gilt nur für systemirrelevante Bürger.

Wahr gesprochen...

"Zum anderen finde ich es wirklich bemerkenswert, wie sehr der Kapitalismus noch verteidigt wird, mehrheitlich übrigens von Leuten, die ganz und gar nicht von ihm profitieren"

Da kann ich auch jedes Mal nur den Kopf schütteln, wenn ich hier oder anderswo Kommentare von "kleinen Angestellten" lese, die der "Lohnzurückhaltung" voller Begeisterung das Wort reden. Aber offenbar glauben die allen Ernstes, dass Ihre Bescheidenheit beim eigenen Gehalt ihren Arbeitsplatz dauerhaft sichert. Naja, die werden auch noch aufwachen...und es wird hässlich werden.

Sequenz und Konsequenz (I)

Ich will ihren Ausführungen noch ein paar eigene Beobachtungen hinzufügen, Swissmiss 7.

In Frankreich gibt es derzeit zwei Arten jemanden vor die Tür zu setzen:
Licenciement économique und Licenciement pour inaptitude.

Beide sind darauf angelegt die Rechte des Arbeitnehmers zu schützen und zu stärken. Allerdings, wie viele Regeln des paternalen französischen Staates schiesst man über das Ziel hinaus und löst einen eher kontraproduktiven Effekt aus:

Licenciement économique darf erst erfolgen, wenn ein Betrieb belegbar in die roten Zahlen gerät. Das muss er nachweisen und zieht auch diverse Konsequenzen nach sich. Z.B. Darf er direkt nach einer “Licenciement économique” Entlassungswelle nicht unmittelbar danach neue Leute einstellen und wer herausgeworfen wird entscheidet sich nach dessen sozialer Situation (jung, Familienernährer, etc.) und nicht nach der Qualifikation.
Licenciement économique ist in der Regel ein mühsamer Prozess, den die meisten französischen Unternehmer eh' vermeiden, bis ihnen das Wasser wirklich bis zum Hals steht. Und dann geht – statt einer graduellen ökonomischen Anpassung, auch gleich eine ganze Abteilung. Ist auch recht teuer...

Wenn man also überfluessige Abteilungen auflösen will (oder muss), dann muss man auf “Licenciement pour inaptitude” machen. Dazu ist es erforderlich, den Arbeitnehmer soweit zu überfordern und zu schikanieren, dass er seinen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen kann.

Sequenz und Konsequenz (II)

Da werden Leute quer durch die Republik zwangsversetzt, da werden Verantwortlichkeiten und Teams im Monatswechsel durchgewürfelt, das ganze Programm eben. Das muss man als Arbeitgeber dann eisern ein Jahr durchhalten, denn falls der Arbeitnehmer bis dahin nicht schon von selber aus dem Fenster gesprungen ist (wie die 40-50 Fälle bei France Telecom) dann kann er dann wegen Unfähigkeit entlassen werden. Wie in Deutschland endet das natürlich nicht selten vor dem Arbeitsgericht.

Also kommt man dann recht schnell in die Situation, wo Unternehmer nur so zögerlich wie möglich neue Arbeitnehmer mit einem festen Vertrag anstellen. Das führt dann zu der seit Jahren anhaltenden Situation in Frankreich, dass die Jugendarbeitslosikeit explodiert und man den jungen Arbeitnehmern einfach nur noch befristete Verträge gibt. Deutschland hatte eine “Generation Praktikum” als temporäres Phänomen, Frankreich hat dieses Problem festzementiert.

Um dies wiederum zu ändern, fällt dem französischen Staat dann die naechste Massnahme ein: Nach einem Jahr befristeter Anstellung, MUSS ein fester Vertrag geschlossen werden.
Das führt dann einerseits dazu, dass selbst befristete Arbeitsverhältnisse nicht mehr verlängert werden und man ANDERE Zeitarbeiter einstellt und somit rudelweise junge Arbeitsnomaden jahrelang von einer Befristung in die Nächste zwischen den Betrieben irrlichtern. Das ist dann auch schnell  über Zeitarbeitsvermittler wie SSII institutionalisiert, die in F. boomen.

Sequenz und Konsequenz (III)

Diejenigen, die da nicht unterkommen, treiben dann die Jugendarbeitslosigkeit durch die Decke. Ich kenne aus meinem Bekanntenkreis massenweise junge qualifizierte Leute im Alter zwischen 20-30 Jahren, die einfach nicht mehr unter kommen und wenn – dann fliegen sie nach einem Jahr schon wieder, denn dann müsste man ihnen ja einen festen Zeitvertrag anbieten. Das war auch schon 2006 so, und wurde durch die Kriese noch verschlimmert. Fußnote: Die sittenwidrigsten Arbeitsverhältnisse erlaubt sich der französische Staat als Arbeitgeber und Großaktionär übrigens selber (Unterbezahlung, Geldansprüche auf Überstundenkonten werden per Dekret auf die Rente und somit auf den Sankt Nimmerleinstag verbucht, Mobbing bei France Telecom das es nur so brummt, Zeitverträge dürfen nicht verlängert werden, etc...), während er gleichzeitig in der Öffentlichkeit als Vertreter der Entrechteten auftritt.

Also muss wieder gehandelt werden, weil die Gesellschaft irgendwie partout nicht so recht nach den vorgedachten Blaupausen funktionieren will. Als Lösung fällt dem französischen Pappa-Staat dann ein: Man schickt erstens die älteren Arbeiter früher in Rente (läuft natürlich wie in Deutschland effektiv entweder auf eine Rentenkürzung hinaus, oder auf ein Loch in der Rentenversicherung, dass man auf zukünftige Generationen abschiebt) und zweitens die jüngeren Arbeiter nach einer 35-Stunden in der Woche zwangsweise nach Hause.

Sequenz und Konsequenz (IV)

Spätestens hier ist dann die Produktivität der Klein- und Mittel-Staendler im freien Fall und die meisten machen sich dann wegen null Rentabilität mal langsam vom Acker.
Mein Dachdecker z.B. hatte mal (1994-2003) fuenf Angestellte in seinem Betrieb. Als Ich ihn kennenlernete, hatte er nur noch einen portugisischen Hilfsarbeiter, der zur Haelfte schwarz arbeitete. Wieso denn der Rueckbau, wollte Ich wissen: Ach meinte der, das war damals doppelt so viel Arbeit mit all den Leuten und am Ende vom Lied nur marginal mehr Gewinn als jetzt auch, trotz voller Auftragsbuecher. Man macht sich kaputt und es lohnt sich irgendwie doch nicht richtig, ist ja auch Saisonarbeit, also dann lieber ohne Festangestellte eine Nummer kleiner...

Sowas moechte Herr Hollande und die Sozialisten allerdings nun auch wieder nicht. Also wird er als Gesetzgeber wieder eingreifen und ein eine weitere ganz tolle Massnahme aus dem Hut zaubern, die die Dinge dann ins Lot bringen werden.

Das Problem an dem ganzen Gemurkse in F. ist, das man irgendwo ganz am Anfang über das Ziel hinaus geschossen ist. Statt dahin zurück zu gehen und einen vernünftigen Interessenausgleich zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer herbeizufuehren, doktert man dann Jahre spaeter mit einer stotternden Wirtschaft auf dem Buckel an den Nebenwirkungen der vierten Medizin, die verabreicht wurde um die Nebenwirkungend er dritten Medizin … usw ad infinitum.

Das rechnen sie Hollande an?

"Fußnote: Die sittenwidrigsten Arbeitsverhältnisse erlaubt sich der französische Staat als Arbeitgeber und Großaktionär übrigens selber (Unterbezahlung, Geldansprüche auf Überstundenkonten werden per Dekret auf die Rente und somit auf den Sankt Nimmerleinstag verbucht, Mobbing bei France Telecom das es nur so brummt, Zeitverträge dürfen nicht verlängert werden, etc...), während er gleichzeitig in der Öffentlichkeit als Vertreter der Entrechteten auftritt."

Tolle Leistung in einem Monat, alle Achtung. Oder war da nicht doch ein gewisser Sarkozy?

Korrekt.

In der Tendenz verhalten sich Unternehmer rational, deswegen werden sie eher in den Ländern investieren, wo die wirtschaftlichen Risiken, die durch Arbeitnehmerrechte für sie entstehen, gering sind. Deswegen wird Hollandes Politik mittelfristig tatsächlich wirtschaftlichen Schaden für Frankreich bedeuten.

Was ist jetzt aber die Konsequenz daraus? Doch wohl hoffentlich nicht, dass wir von allen europäischen Regierungen die schrittweise Abschaffung von Arbeitnehmerrechten fordern (oder von ihnen verlangen, dass sie keine neuen einführen).

Es handelt sich hier um ein weiteres Beispiel dafür, dass die politische Union genausoweit reichen muss wie die wirtschaftliche. Nur dann kann man tatsächlich darüber entscheiden, wie man den Arbeitsmarkt (und so einiges Andere) gestalten will. Ansonsten wird den Regierungen die Entscheidung von Sachzwängen aus der Hand genommen.

In Zukunft sollten Regierungen und mittlebar damit auch die Bevölkerung über die Regeln des Zusammenlebens entscheiden sollen, und sie nicht schon durch ein übergeordnetes System (gemeinsamer Wirtschaftsraum) indirekt vorgeschrieben bekommen. Das bedeutet zwingenderweise eine Verlagerung der zentralen Kompetenzen in Wirtschafts-, Arbeits- und Finanzpolitik auf europäische Ebene.

<???>

"Das bedeutet zwingenderweise eine Verlagerung der zentralen Kompetenzen in Wirtschafts-, Arbeits- und Finanzpolitik auf europäische Ebene."

Das kann Zweierlei bedeuten:

1) Ausdehnung Modell Hollande per gemeinsamer Arbeitsmarktpolitik auf ganz Europa, z.B. wenn in Zukunft jemand wie Hollande auf eine linke Bundesregierung treffen würde und die dann zusammen den Rest Europas unter Druck setzen.

Oder es kann bedeuten:

2) Man hofft auf Regelungen aus Brüssel, die solchen Unfug unterbinden. Das geht aber nur, wenn sich der Rest Europas z.B. unter einer konservativen dt. Regierung gegen Frankreich stellte.

Auch das ergibt wahnsinnige politische Spannungen! Irgendwann reicht es dem einen oder anderen Staat und die EU knallt auseinander.

1) oder 2)?

@Dylan51

Nein, durchaus nicht. Ich wollte nur einmal herausstellen, dass sich der französische Staat auch ganz gerne mal zu – na nennen wir die mal “erzieherischen” - Gesetzen hinreißen lässt, die dermaßen unpraktikabel sind, dass er diese dann mitunter selber umgeht – mit linker oder mit rechter Regierung.
Ich sehe Hollande durchaus differenziert, z.B. was er in Sachen Finanzmarktregulierung anregt, ist durchaus diskutabel (Was er davon durchsetzen kann, bleibt abzuwarten). Allerdings was in Sachen “Wirtschaft ankurbeln” und „Arbeitsmarkt“ bis jetzt kam, erinnert mich dann doch zu sehr an die dogmatischen Rezepte der alten (damals jungen) ENA-Truppe um Mitterand: Das hat doch alles Jospin und Aubry schon einmal gepredigt und dann teilweise in völliger Realitätsverweigerung durchgedrückt: Über eine halbe Millionen Arbeitsplätze wollte der damals quasi über Nacht per Dekret zur 35 Stunden Woche schaffen. Demnach hätte F. ja in der Altersgruppe 20-30 inzwischen beinahe Vollbeschäftigung ...

Abschaltwirtschaft

Zitat:

"Es werden sich keine neuen Unternehmen mehr in Frankreich ansiedeln und es werden mittelfristig mehr und mehr Mitarbeiter durch Maschinen ersetzt - die kann man in einer Krise nämlich abschalten."

Eine wichtige Erkenntnis: Menschen sind keine Maschinen. Man kann sie nicht einfach abschalten . Oder entlassen.

Ein Wirtschaftssystem, das damit nicht klar kommt, hat seine Existenzberechtigung verloren. Entweder es reformiert sich - zum Wohle der Menschen - oder es wird scheitern.

Frage

Was soll einen einzigen Investor dazu motivieren auch nur einen einzigen Euro in so einem Pleiteland zu investieren, wenn er bei Bonds und Aktien nur noch die minimale staatlich tolerierte Rendite erzielen soll und man die dann auch noch übermäßig mit Steuer dezimiert sieht, das Unternehmen letztendlich zur Mitarbeiterversorgungsanstalt umfunktioniert wird.

Man schaue sehr genau auf Hollande, Syriza, Die Linke und andere Exponenten unfreier Gesellschaftsformen. Die, die jetzt deren Realisierung fordern, schieben dann deren Scheitern dem angeblichen Kapitalismus in die Schuhe. Gerade Hollandeideen oder massive Obstruktion nötiger Anpassung durch links führt doch zu Problemen, wie Arbeitslosigkeit und Pleite.

Denen die sich wundern,

"wie sehr der Kapitalismus noch verteidigt wird,.."

sei gesagt, wir haben keinen Kapitalismus (leider), wir haben ein punktuelles dirigistisches "Rumdoktern", das bei Links zum Generalprinzip werden soll. Und wenn man die bisher gelebten Beispiele Ihres Traumsystems sieht, kann man sich nur wundern, warum Sie das wünschen.

Warum wollen so wenig Menschen dorthin, bzw. wird die Ausreise in der Regel stark behindert, aber das "Zentrum des Kaputalismus", die USA, müssen sich Gedanken zur geordneten Einwanderung machen. Haben Sie eine vernünftige Erklärung für diese Abstimmung mit den Füssen?

Hoffentlich werden die Absurditäten von Hollande durch einen "Investorenstreik", wie seinerseits bei Mitterand, wieder vom Kopf auf die Füsse gestellt.

Toll Hollande!

Müntefering hat absolut recht, wenn er der SPD vor allzu großer Nähe zu Hollande abrät. Was der Typ da gerade inszeniert, wird für die Franzosen in einem GAU enden.
Denkt Hollande eigentlich wirklich, dass die Deutschen motiviert sind Eurobonds zuzustimmen, während Frankreich seinen Wohlfahrtsstaat aufbläht?
Was gedenkt Herr Hollande gegen das immer größere Targetdefizit seines Landes zu tun?
Der neue volksnahe Präsident wird sein Land ruinieren und Deutschland bei der Gelegenheit mitreißen. A.......!

Muss leider zustimmen

Ich bin ein großer Freund Frankreichs, doch was gut klingt wird leider nur Schaden anrichten. Gerade als mittelständischer Unternehmer mit Firmen in Deutschland und Frankreich, weiß ich jetzt, dass wir in Frankreich - schon zum Schutz der bestehenden Mitarbeiter - besser keine weiteren Mitarbeiter einstellen.
Nun insofern, hilft Hollande dem deutschen Arbeitsmarkt. Hoffen wir das unsere Politiker vernünftiger regieren. Hoffentlich erkennen bald auch die französischen Politiker wie sie den Arbeitsmarkt wirklich beleben.

Eine Arbeitsmarktpolitik, die Arbeitsplätze vernichten wird,

ist das, sonst nichts.

Unrentable Unternehmen wird Hollande mit hohen Strafen nicht dazu zwingen können, ihre Arbeitsplätze zu erhalten.
Sie werden dann eben mit voller Belegschaft in die Insolvenz gehen, und der Staat wird als zusätzlicher Gläubiger (nicht gezahlte Entlassungsstrafen)trotzdem leer ausgehen.

Die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen wird erst Recht behindert, obwohl gerade das bei einer Arbeitslosenquote von 10 % (Jugendarbeitslosigkeit noch deutlich höher) dringend erforderlich wäre.

Vielleicht sollte sich die französische Regierung einmal mit dem pragmatischen System der Kurzarbeit in D auseinandersetzen, das etliche Arbeitsplätze während der letzten Wirtschaftskrise erhalten half.
Und das auch den Unternehmen zugute kommt, die ihre erfahrenen Mitarbeiter behalten können.
Ganz unspektakulär, allerdings.

k.

es geht doch nicht um unrentable Unternehmen...

aus dem Artikel:
"Die Regierung werde nicht untätig bleiben, wenn Unternehmen Jobs streichen, um ihre Profitabilität zu steigern und die Dividende für ihre Anteilseigner zu erhöhen, sagte Sapin."

ein Unternehmen wird doch nicht unrentabler, wenn es Gewinne an Aktionäre oder eben Angestellte/Arbeiter ausschüttet.

Eine Gesellschaft wir unrentabel, wenn Angestellte/Arbeiter entlassen werden um an Aktionäre mehr Geld zu verteilen.

Manchen hier im Forum scheint die Ideologie des Neoliberalismus den gesunden Menschenverstand benebelt zu haben.