Frankreichs Präsident François Hollande (links) und Arbeitsminister Michel Sapin (Archiv) © Philippe Wojazer/Reuters

Firmen in Frankreich müssen nach einem Plan der Regierung bald viel Geld bezahlen, wenn sie Stellen abbauen. "Die Konzept sieht vor, Entlassungen für die Unternehmen so teuer zu machen, dass sie sich nicht lohnen", sagte Arbeitsminister Michel Sapin dem Radiosender France Info .

Mit dem Vorstoß reagierte der Minister auf eine stark gestiegene Arbeitslosenquote und drohende Entlassungswellen. "Es geht nicht um Bestrafung, aber Arbeitnehmer müssen einen richtigen Ausgleich erhalten."

Die Regierung werde nicht untätig bleiben, wenn Unternehmen Jobs streichen, um ihre Profitabilität zu steigern und die Dividende für ihre Anteilseigner zu erhöhen, sagte Sapin. Frankreich geht damit einen anderen Weg als Italien und Spanien , die unter dem Druck der Wirtschafts- und Schuldenkrise den Arbeitsmarkt liberalisierten.

Parallel zu Sapin arbeitet Industrieminister Arnaud Montebourg an einem Gesetz, das Werksschließungen verhindern soll. Stattdessen sollen die Unternehmen gezwungen werden, den Betrieb zum Marktpreis zu verkaufen. Damit setzt die Regierung ein weiteres Wahlversprechen des neuen Präsidenten François Hollande um.

Arbeitslosenquote über 10 Prozent

Die sozialistische Regierung und Gewerkschaften befürchten eine Entlassungswelle nach den Parlamentswahlen am 10. und 17. Juni. Sie vermuten, dass Unternehmen geplante Stellenstreichungen bis nach den beiden Wahlgängen verschieben, um das konservative Lager nicht weiter zu schwächen.

Die Arbeitslosenquote stieg bereits im ersten Quartal auf 10,0 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit Sommer 1999, wie das Statistikamt Insee mitteilte. Selbst während der weltweiten Finanzkrise 2008/09 war die Arbeitslosigkeit nicht so hoch. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone steckt in einer Flaute. Zu Jahresbeginn stagnierte das Bruttoinlandsprodukt, während es im benachbarten Deutschland um kräftige 0,5 Prozent stieg.

Rentenalter auf 60 Jahre zurückgesetzt

Am Mittwoch hatte die neue französische Regierung noch ein weiteres Wahlversprechen umgesetzt. Sie revidierte einen Teil der unter dem abgewählten Präsidenten Nicolas Sarkozy eingeleiteten Rentenreform. Damit wird das Rentenalter für diejenigen, die seit jungen Jahren gearbeitet hätten, wieder auf 60 Jahre zurückgesetzt.

Die Maßnahme werde Frankreich bis 2017 zusätzlich jährlich 1,1 Milliarden Euro kosten, danach pro Jahr zusätzliche drei Milliarden Euro, teilte Sozialministerin Marisol Touraine mit. Die Regierung Sarkozy hatte im Rahmen eines Sparkurses das Renteneintrittsalter auf 62 Jahre anheben wollen.