Parlamentswahlen : Frankreichs Konservative verweigern Absprachen gegen Front National

Eine republikanische Front fordert die französische Linke – doch die gestürzte Regierungspartei UMP will keine Absprachen, um Rechtsextreme im Parlament zu verhindern.

Die französischen Konservativen weigern sich, nach der ersten Runde der Parlamentswahlen eine "republikanische Front" gegen die Rechtsextremen zu bilden, die 13,6 Prozent der Stimmen erhielten. Der Parteichef der UMP Jean-François Copé lehnte es am Montag ab, eigene Kandidaten zurückzuziehen und zur Wahl von linken Politikern aufzurufen, deren Sieg einen Erfolg des Front National verhindern könnte.

Ebenso sprach sich Copé aber auch gegen eine Allianz mit der Partei von Marine Le Pen aus. Er kritisierte die Ankündigung des UMP-Kandidaten Roland Chassain scharf, der im südfranzösischen Wahlkreis Bouches-du-Rhône seine Kandidatur zugunsten der Rechtsextremen Valérie Laupies zurückziehen will.

Die Vorsitzende der Sozialistischen Partei, Martine Aubry , hatte die UMP aufgefordert, gemeinsam zu verhindern, dass die Rechtsextremen Sitze in der Nationalversammlung erringen. Dies könnte durch Absprachen für die Stichwahl und den Verzicht auf rivalisierende Kandidaturen ermöglicht werden. "Ich fordere die UMP auf, deutlich zu sein", sagte Aubry.

Der FN brachte 61 Kandidaten in die Stichwahl, wofür ein Stimmanteil von mindestens 12,5 Prozent nötig war. In 32 Wahlkreisen kommt es rein rechnerisch zu "Dreieck"-Konstellationen, in denen ein Sozialist und ein Konservativer mit einem Rechtsextremen um den Sieg kämpfen – es sei denn, es kommt noch zu Absprachen zwischen den großen Parteien. In 20 Bezirken duelliert sich ein Sozialist allein mit einem Front National-Kandidaten, in neun ein Konservativer.

Ein einziger Sitz wäre für den FN ein Erfolg

Der Rückzug der sozialistischen Kandidatin Catherine Arkilovitch in Carpentras zugunsten des UMP-Kandidaten soll der FN laut Aubry dort "den Weg versperren". Carpentras ist ein besonders wichtiger Wahlkreis für die Rechtsextremen, weil dort nach der ersten Runde die 22-jährige Marion Le Pen, Enkelin des Parteigründers Jean Marie Le Pen , vorn liegt.

Einen ähnlichen Handel wie in Carpentras forderte Aubry von der UMP im südfranzösischen Nîmes, wo der FN-Kandidat Gilbert Collard nach der ersten Runde führt. Ein Rückzug des UMP-Kandidaten dort könnte den Weg für einen Erfolg der Sozialistin Katy Guyot freimachen.

Dann bliebe der FN nur noch die Hoffnung auf einen Wahlsieg im nordfranzösischen Wahlkreis Hénin-Beaumont. Dort gewann Parteichefin Marine Le Pen die erste Runde mit 42 Prozent. Nach dem Rückzug des Linkskandidaten Jean-Luc Mélenchon dürfte es dort ein Kopf-an-Kopf-Rennen Le Pens mit dem Sozialisten Philippe Kemel geben. Auch ein einziger Parlamentssitz wäre für den FN schon ein Erfolg, die seit 1988 nicht mehr in der Nationalversammlung vertreten ist.

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2002 nahmen die Konservativen gerne Absprachen an

Als Jaques Chirac 2002 die Unterstützung der im ersten Wahlgang der Präsidentschaftswahl unterlegenen Sozialisten zugesagt bekam, um jede Chance auf einen rechtsextremen Wahlsieg in der Stichwahl zu verhindern, haben sich die Konservativen nicht dagegen gewehrt, Chirac konnte von den Demokraten von rechts und links mit über 70% gewählt werden.

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