G-20-GipfelWarum die Schelte für Berlin ausblieb

Wie in einer Arie von Puccini: Die mächtigsten Staatschefs der Welt wissen, dass wenn nun einige versagen, alle untergehen könnten. Von Martin Klingst, San José del Cabo

Teilnehmer des G-20-Gipfels in Los Cabos

Teilnehmer des G-20-Gipfels in Los Cabos

Der zweitägige Weltwirtschaftsgipfel war so gut wie beendet, im Kongresszentrum zu San José del Cabo wollten nur noch der gastgebende mexikanische Präsident Calderon, der Russe Wladimir Putin und der Amerikaner Barack Obama vor der internationalen Presse den Schlussakkord setzen.

Da dröhnte plötzlich als Lautsprecherprobe geradezu symbolträchtig Puccinis Oper Turandot aus den Boxen. Niemand darf schlafen, heißt es sinngemäß in der berühmten Arie Nessun Dorma, denn sollte man versagen, werden alle untergehen!

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Das war die Botschaft der 20 wichtigsten Wirtschaftsnationen an sich, an Europa – und an die ganze Welt. Wenn jetzt nicht jetzt alle höllisch aufpassen, wird eine neue Rezession heraufziehen, vielleicht gar eine Depression.

Merkels Devise: Vor der eigenen Tür kehren

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte schon gleich nach ihrer Ankunft am äußersten westlichen Zipfel Mexikos gemahnt, man dürfe die Schuld an der globalen Krise nicht allein den Europäern in die Schuhe schieben, sondern jeder müsse ebenso vor der eigenen Tür kehren.

Und Merkel machte unmissverständlich klar, dass es im Prinzip bei der alten Devise bleiben müsse: Eisern sparen und grundlegend reformieren!

So intensiv hatten die Zwanzig wohl noch nie miteinander geredet und gerungen. Es gab Dutzende Vier-Augen-Gespräche und etliche Plenarsitzungen. Die Euro-Krise beherrschte alle und alles.

Zweimal traf sich der amerikanische Präsident nur mit den Vertretern Europas. Mit den Regierungschefs der Euro-Länder Deutschland, Frankreich und Italien und dem eigens zum Gipfel geladenen Spanien. Mit den Präsidenten des EU-Rats und der EU-Kommission. Und mit dem britischen Premier.

Großbritannien stand ein wenig im Abseits. Zwar gehört es zur G-20-Gruppe, ist aber im Augenblick nicht so wichtig. Vielleicht lieferte sich Premierminister David Cameron darum völlig überflüssige Schattengefechte mit Frankreich und Argentinien.

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