Parlamentswahl : Griechen zwischen Angst und Hoffnung

Sparen oder Syriza, Euro oder Drachme: Am Sonntag müssen die Griechen sich entscheiden. Wie die Wahl ausgehen kann, erklärt F. Batzoglou, Athen.
Syriza-Chef Alexis Tsipras © Sean Gallup/Getty Images

Um 18:49 Uhr Athener Ortszeit schaut Alexis Tsipras im schönen neoklassizistischen "Zappeion"-Gebäude das erste Mal auf seine Armbanduhr. Es ist angenehm kühl im Raum, draußen herrscht hingegen eine brütende Hitze. Tsipras lächelt, wie er es so häufig tut – und guckt prüfend in die Runde."Gleich beginnt das Spiel", sagt er. Gemeint ist natürlich die EM-Begegnung zwischen Griechenland und Tschechien. Doch die Journalisten kennen auch nach zwei Stunden keine Gnade. Der hellenische Polit-Senkrechtstarter muss sitzenbleiben.

Der Chef des Bündnisses der Radikalen Linken (Syriza) hatte am Dienstagabend zur Abschluss-Pressekonferenz im griechischen Wahlkampf geladen. Bereits zum zweiten Mal innerhalb von 40 Tagen müssen die Griechen am Sonntag ein neues Parlament wählen , da beim letzten Mal eine Regierungsbildung scheiterte.

Die Positionen der Parteien sind hinlänglich bekannt.  Eine von ihm geführte Regierung, so Tsipras, werde die Auflagen von Griechenlands öffentlichen Geldgebern, in Athen nur "Memorandum" genannt, "sofort annullieren". "Auch wenn die EU-Partner hart bleiben und keine Kredittranchen mehr nach Athen überweisen?", fragt ein Journalist. "Wir rücken von unserer strikten Ablehnung nicht ab. Man kann nicht ein bisschen für das Memorandum sein. Ein bisschen schwanger geht auch nicht." Würde man unbeirrt an der bisherigen Politik festhalten, wäre das der "sichere Weg in die Katastrophe". Die griechischen Wähler müssten sich entscheiden: "Memorandum oder Syriza".

Wer noch vor wenigen Wochen prognostiziert hätte, Tsipras habe gute Chancen, am 18. Juni Griechenlands neuer Premierminister zu werden, wäre mit Sicherheit reif für die Athener Psychiatrie Daphni erklärt worden. Hatte Syriza im Oktober 2009 noch magere 4,6 Prozent der Stimmen auf sich vereint, waren es am 6. Mai 2012 allerdings schon knapp 17 Prozent. Das renommierte Meinungsforschungsinstitut Public Issue traut Tsipras und Co. nun sogar ein Wahlergebnis von mehr als 31 Prozent zu.

Nur Samaras kann Tsipras stoppen

Tsipras' Durchmarsch an die Macht kann nur noch der konservative Antonis Samaras vereiteln. Die Demoskopen sahen zuletzt ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den beiden Kontrahenten voraus. Die Beobachter sind sich einig: Für Samaras geht es jetzt endgültig ums politische Überleben. Im November hatte sich Samaras' Nea Dimokratia überraschend an einer Übergangsregierung unter dem parteilosen Ex-Banker Lucas Papademos beteiligt, nachdem der sozialistische Premier Giorgos Papandreou nach zwei Jahren desaströsen Krisenmanagements resigniert das Handtuch geworfen hatte.

Der bis dahin vom Ausland als notorischer Spargegner und unverbesserlicher Verweigerer gescholtene Samaras erklärte den perplexen ND-Anhängern seinen Schritt damit, dass er Griechenland vor dem sicheren Bankrott habe retten wollen – und wandelte sich flugs zum bekennenden Sparbefürworter. Die Quittung erhielt Wendehals Samaras bei der vorgezogenen Neuwahl am 6. Mai. Die Nea Dimokratia wurde zwar noch stärkste politische Kraft, stürzte aber auf 18,85 Prozent der Stimmen ab – ein Debakel. Im Oktober 2009 waren es noch 33,5 Prozent gewesen.

Mit Blick auf die Neuwahl am 17. Juni setzt Samaras im Wahlkampf nun voll auf Polarisierung. Das Memorandum will er zwar neu verhandeln, aber nicht wie Syriza ganz verwerfen. Den Wählern bläut Samaras immer wieder ein: Falls Syriza die Regierung übernehme, falle Griechenland bei den EU-Partnern in Ungnade. Die öffentlichen Geldgeber aus EU, EZB und IWF würden die Überweisungen an Athen unverzüglich einstellen. Eine Rückkehr zur Drachme sei dann nicht mehr zu verhindern. "Das ist Selbstmord. Ich werde nicht zulassen, dass Zauberlehrlinge auf dem Rücken eines strapazierten Volkes Experimente treiben", poltert Samaras in Richtung Syriza. Die Griechen müssten sich entscheiden: "Euro oder Drachme."

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Kommentare

57 Kommentare Seite 1 von 7 Kommentieren

" ... keine Kredittranchen mehr nach Athen überweisen"

Das ist doch sehr einfach. (Das war doch nie ein Problem, weil das Geld doch höchstens bis Eboli gekommen wäre ^^)

Dann werden die "EU-Partner" die Kredittranchen nach Franfurt überweisen, bzw. das Geld einfach dort belassen. Sonst wären die Panken der "EU-Partner" nämlich Pleite, was zu Scgwierigkeiten bei Parteienfinantierung führt.

Das kann doch keiner wollen!

es ist furz schnuppe egal

wer gewaehlt wird. aus der eu kann man nicht so einfach aussteigen. man hat nicht umsonst seine volle souveraenitaet aufgeben. ich war auf einem cdu treffen. wo commen porpuse gedankt wurde ohne ihre hilfe waere das alles nicht möglich gewesen. ausserdem waere es nötig noch mehr souveraenitaet aufzugeben. im gegenzug hat einer von commenpurpose gefrage wie lange es noch dauert bis die eu eine richtige regierung bekomm. die frage wurde verneint ?
es solle ein europa der vereinten nationen geben statt die vereinigten staaten von europa.

Bitte achten Sie auf eine sachlichere Wortwahl. Danke, die Redaktion/lv

@ Nr. 7

"Das Europa der Konzerne hat versagt!"

Wie kommen Sie darauf? Es läuft doch alles super für die Banken und Konzerne. Sie können Gewinn machen ohne Ende, und wenn es dann mal Verluste gibt, werden die kurzerhand von den Steuerzahlern beglichen. Gleichzeitig werden unter dem Druck der Krise alle feuchten Träume der Neoliberalen endlich Wirklichkeit: Privatisierung, Abbau der Sozialsysteme, Zurückfahren der Arbeitnehmerrechte usw. usf. Besser könnte es für Banken und Konzerne doch gar nicht laufen.

EU bruchen wir nicht

Vereintes Europa brauchen wir nicht , schon garnicht die deutschen , wir die deutschen kommen am besten lleine zurecht das haben wir über generationen bewiesen und nun sind wir nur noch am zahlen bis nichts mehr da ist ´, merken die politbonzen denn grnichts mehr sind die so tot und haben jegliche sinn für richtig und falsch verloren ? es hat den festen anschein und aus dem grund müssen die verantwortlichen weg und das schnell , frau lagarde hat auch ganz eindringlich gewarnt 3 monate noch hat sie verkündet und das mit recht

Wir Deutschen kommen am Besten alleine zurecht?

Das meinen Sie doch nicht im Ernst. Dieses merkwürdige Gebilde, das gerade einmal 150 Jahre alt ist, in dieser Zeit sechzig Jahre Diktatur hinter sich gebracht hat, zwei Kriege vom Zaun gebrochen und verloren hat, Millionen von Menschen ermorderte etc. soll mal wieder Europa den Rücken kehren? Wissen Sie eigentlich wovon Sie reden? Jeder nationale Alleingang mündete jedesmal in eine Katastrophe. Schon vergessen?

Soweit ich weiß

halten deutsche Banken kaum noch griechische Staatsanleihen. Die Commerzbank hat wohl gar keine mehr.
Solange sich nicht grundsätzlich am System etwas ändert wäre es fatal nach dem Schuldenschnitt auch noch den Rest der Ansprüche privater Gläubiger wegzustreichen. Gäbe es dann überhaupt noch jemanden, der in Staatsanleihen von wackelkandidaten Investiert? Aber vielleicht wäre dies auch gar nicht so schlecht. Wenn den Staaten kein Mensch mehr Geld leiht, dann bleibt nichts anderes übrig als die Notenpresse anzuwerfen. die Amerikaner fahren nicht schlecht damit. Die Geldmenge kann man dann in guten Zeiten über entsprechende Steuern wieder reduzieren (was leider ständig versäumt wird - irgendwo gibts immer Wahlen)