Syrien: Assads Sturz würde keinen Frieden bringen
Eine Intervention, die dem Assad-Regime ein Ende machen würde, wäre nur der Anfang. Der Kampf um die Macht in Syrien würde die gesamte Region in den Konflikt ziehen.
Im Februar 1982 ließ Hafis al-Assad, der Vater des heutigen Präsidenten Syriens, die Stadt Hama zerstören. Zehntausende Menschen kamen bei dem tragischen Ereignis ums Leben. In der mittelsyrischen Stadt hatten damals die regimefeindlichen Muslimbrüder, die in totaler Opposition zu Assad standen und ganz Syrien zuvor mit blutigen Bombenanschlägen überzogen hatten, ihr Hauptquartier errichtet.
Das Massaker von Hama – bis heute in Syrien ein Tabu – war der Höhepunkt in Assads Kampagne gegen die Muslimbrüder, die in der Folge ihren Aufstand einstellten. Die Herrschaft der Baath-Partei in Syrien, und damit die Herrschaft der Minderheit der Alawiten über die sunnitische Bevölkerungsmehrheit, war daraufhin für die nächsten Jahrzehnte gesichert, weit über den Tod Assads hinaus. Sogar den Zusammenbruch der Sowjetunion, des engsten Verbündeten Damaskus', überstand das religionsfeindliche nationalistische Regime nahezu unbeschadet.
Sein Sohn Baschar al-Assad hat bisher auf militärische Operationen dieses Ausmaßes verzichtet, um die Revolte gegen seine Herrschaft, die im Frühjahr vergangenen Jahres begann, in Syrien niederzuschlagen. Das Regime hätte die Revolte wohl auch schon längst im Keim erstickt, wären nicht von außerhalb Syriens Unterstützung, Geld und vor allem auch Waffen hineingetragen worden. Der ehemalige CIA-Agent und Nahost-Experte Robert Baer wies schon im vergangenem Jahr darauf hin, dass die Aufständischen militärische Unterstützung erhalten, unter anderem durch die Türkei und Saudi-Arabien.
Irans Einfluss zurückdrängen
In diesem Konflikt geht es nur vordergründig um den Sturz des letzten Regimes in der Region, das sich ideologisch auf den arabischen Nationalismus stützt. Vielmehr geht es auch darum, den iranischen Einfluss zurückzudrängen, beziehungsweise die schiitische Landbrücke zu zerstören, die sich vom Iran über den Irak und Syrien bis hin zum Südlibanon erstreckt. Und die sowohl im Westen wie auch in den reaktionären sunnitischen Golfstaaten unter der Führung Saudi-Arabiens als strategische Gefahr angesehen wird. Auch die Türkei ist aus eigenem machtpolitischen Kalkül heraus daran interessiert, die Allianz Iran-Syrien zu schwächen.
Schaul Mofas, Israels Vize-Ministerpräsident, forderte kürzlich ein militärisches Eingreifen in Syrien. Wie in Libyen solle der Westen auch in Syrien intervenieren, um das Assad-Regime in Damaskus zu stürzen, sagte Mofas. Was der israelische Spitzenpolitiker aber nicht erwähnte, obwohl er es eigentlich besser wissen sollte: Der Vergleich mit Libyen hinkt, schon allein aufgrund der höchst unterschiedlichen geopolitischen und militärischen Ausgangslage. Libyen hat gerade einmal 6,5 Millionen Einwohner, Syrien hingegen knapp 22 Millionen. Und das Land liegt mitten im explosiven Krisenherd des Nahen Ostens, grenzt an Israel, Jordanien, den Libanon, den Irak und die Türkei.
Gaddafis Armee umfasste circa 120.000 Mann. Die Armee Syriens besteht aus mehr als 400.000 Soldaten, ist hochgerüstet und mit modernsten russischen Waffen ausgestattet. Gaddafi war am Ende vollständig isoliert, nachdem man ihm im Westen zuvor den Roten Teppich ausgerollt hatte. In Libyen gründeten die Rebellen schon zu Beginn der Revolution den Übergangsrat als zu diesem Zeitpunkt glaubwürdige Vertretung des Volkes, in Syrien sind die Rebellengruppen zersplittert.





das kleinste Übel-sonst haben wir bald Lybien live, das brauchen wir noch weniger, oder ägiptische Anklagen gegen das Goethe Institut oder Ausganssperre für Touristen aktuell in Tunesien-nein kein Salafistengott schaffen, den brauchen wir nicht in Syrien und erst recht nicht hier.
Zum ersten Mal, dass ich hier in der ZEIT mal einen Artikel zu diesem thema lesen darf, hinter welchem ich ganz und gar stehen kann.
DANKE, ZEIT
vielleicht noch zur Klarheit zum Ergänzen:
sie schrieben:
"Es bleibt also keine andere Möglichkeit, als diplomatischen Druck auszuüben, humanitäre Hilfe zu leisten, Schutz für Flüchtlinge zu ermöglichen und die Waffenlieferungen nach Syrien zu unterbinden."
Ich hoffe der Druck ist auf Beide Seiten des Konfliktes gemeint, genauso wie das Verbot der Waffenlieferungen!
nur die vordergründigen Ereignisse neu aufgekocht wurden und Assad als irrer Schlächter stilisiert wurde, endlich mal endlich ein Beitrag, der den Vorhang ein wenig beiseite zieht und die traurige Wahrheit entblößt: Syrien ist Mittel zum Zweck, ein Spielball zwischen entgegengesetzten Machtinteressen im nahen Osten.
Das macht aus Assad keinen guten Menschen. Das zeigt aber, dass in den anderen Regierungen dieser Welt perfide Menschen sitzen, für die das syrische Volk nicht viel mehr bedeutet als der Bauer auf dem Schachbrett.
nur die vordergründigen Ereignisse neu aufgekocht wurden und Assad als irrer Schlächter stilisiert wurde, endlich mal endlich ein Beitrag, der den Vorhang ein wenig beiseite zieht und die traurige Wahrheit entblößt: Syrien ist Mittel zum Zweck, ein Spielball zwischen entgegengesetzten Machtinteressen im nahen Osten.
Das macht aus Assad keinen guten Menschen. Das zeigt aber, dass in den anderen Regierungen dieser Welt perfide Menschen sitzen, für die das syrische Volk nicht viel mehr bedeutet als der Bauer auf dem Schachbrett.
sachlich und klar.
... Vorschlag zum weiteren Vorgehen. Wenn der Autor hier einen Diktator will, der seine macht mit Massenmord erhält soll er es sagen. Er soll auch zugeben, dass diese Präzedenz andere Diktatoren und Warlords ermuntern, wie es weitere Verbrecher ermutigt, wenn man sieht, dass ein Don unbeschadet davon kommt.
Wenn er das nicht will, braucht es einen besseren Vorschlag als "weiter so".
... Vorschlag zum weiteren Vorgehen. Wenn der Autor hier einen Diktator will, der seine macht mit Massenmord erhält soll er es sagen. Er soll auch zugeben, dass diese Präzedenz andere Diktatoren und Warlords ermuntern, wie es weitere Verbrecher ermutigt, wenn man sieht, dass ein Don unbeschadet davon kommt.
Wenn er das nicht will, braucht es einen besseren Vorschlag als "weiter so".
Von Schaul Mofas, immerhin einem ehemaligen hochrangigen Militär hätte ich mehr Realitätssinn erwartet. Aber die Kommandeure der Zahal scheinen seit 2006 ohnehin nicht immer die Situation realistische einzuschätzen und glauben an die Überlegenheit von "high-tech".Syrien ist ein Pulverfass, politisch, religiös und ethnisch. Das explosive Gemisch besteht aus verschiedensten Religionen, Muslime sunnitscher, alawitischer und schiitischer Ausprägung, nur um die Wichtigsten zu nennen. Hinzu kommen Christen, mindestens 10-15% der Gesamtbevölkerung, unterschiedlichster Konfession, vor allem Orthodoxe Christen, aber auch Maroniten, Monophyisitische Sekten, Verehrer von Johannes dem Täufer, dann noch die Yesiden und Drusen. Hinzu kommen die ethnischen Gruppen, die auch nicht immer 1:1 die religiöse Spaltung wiedergeben, als da wären Araber, Assyrer,Türken, Kurden; politisch gibt es Islamisten von ganz radikal bis relativ gemäßigt, Sozialisten, Kommunisten, Panarabisten, Separatisten...kurzum, hier marschiert man nicht einfach ein macht mal "Frieden" wie in der Westbank. Das Land ist mit seinen 22 Millionen Einwohnern zu groß, das Terrain, mit Wüsten und Bergen zu schwierig. Man bräuchte etwa eine Millionen Mann unter Waffen um hier "Peacekeeping" zu betreiben, und so eine Streitmacht kann im Moment keiner Aufbringen, ganz zu schweigen, wer die finanziellen Mittel dafür hat. Deratige Vorschläge gehören ins Reich der Phantasie.
Jetzt bin ich sprachlos Herr Schack. Sie haben gerade die Ehre der ZEIT gerettet mit diesem ersten guten und ehrlichen Artikel seit langer langer Zeit zu dem Thema.
Was noch fehlt: Die damals ins Ausland geflohenen Moslembrüder sind heute wieder mit von der Partie. Sie leiten z.B. den Syrischen Nationalrat vom Ausland aus (hauptsächlich England). Genau die gleichen Gestalten von damals, die geflohen sind, weil sie in Syrien für ihre terroristischen Anschläge hingerichtet oder lebenslang inhaftiert worden wären.
Die Moslembrüder sind der paramilitärische Arm der Saudis. Dieser Hintergrund muss dringend aufgearbeitet werden!
Bitte belegen Sie Ihre Aussagen mit Quellen. Danke, die Redaktion/mk
hinweisen:
CIA koordiniert Waffenlieferungen nach Syrien
21.06.2012 · Eine Gruppe CIA-Agenten ist offenbar im Süden der Türkei aktiv. Medienberichten zufolge koordiniert sie von dort aus, welche syrische Widerstandsgruppe welche Waffen erhält.
Von MATTHIAS RÜB, WASHINGTON
http://www.faz.net/aktuel...
hinweisen:
CIA koordiniert Waffenlieferungen nach Syrien
21.06.2012 · Eine Gruppe CIA-Agenten ist offenbar im Süden der Türkei aktiv. Medienberichten zufolge koordiniert sie von dort aus, welche syrische Widerstandsgruppe welche Waffen erhält.
Von MATTHIAS RÜB, WASHINGTON
http://www.faz.net/aktuel...
.. benennt und die Interessen der einzelnen Parteien erläutert. Wohltuend im Kontrast zu manchen Berichten medienweit, die unter Ignoranz der bekannten Tatsachen oft lediglich die Emotionen bedienen wollen und ein schwarz-weißes Bild malen.
So sind die Geschehnisse in Syrien mit "Revolte" auch treffender charakterisiert als mit "Oppositionsbewegung".
So bleibt am Schluss nur die pessimistische Feststellung, dass es höchstwahrscheinlich zu einem regionalen Krieg kommen wird, der von den Saudis, Israelis und den Golf-Despotien vorangetrieben wird. Aus der Bewegung heraus könnte so gleich das Problem des nuklear bewaffneten Irans in einem Abwasch erledigt werden. Selbstverständlich wollen die genannten Akteure sich nicht selbst die Hände schmutzig machen und trommeln daher für ein Eingreifen der NATO. Dass Mofas, Peres und Netanjahu zeitlich synchron sich auf einmal für Menschenrechte in der arabischen Welt interessieren, war schon sehr auffällig. Die Türken haben vermutlich kapiert, wohin die Reise gehen soll. Schon seit langer Zeit hört man aus Ankara keine markigen Worte mehr. Denn man ist jetzt Gastgeber der FSA, die bis an die Zähne bewaffnet nun politisch von einem Kurden geführt wird. Und langsam dürfte es den Türken dämmern, von wem ihr Gast die Befehle entgegennimmt. Von Erdogan bestimmt nicht.
http://www.debka.com/arti...
"ehemalige CIA-Agent und Nahost-Experte Robert Baer wies [..] darauf hin, dass die Aufständischen militärische Unterstützung erhalten, unter anderem durch die Türkei und Saudi-Arabien"
Die Türken sind jetzt die bösen?? Ich dachte Hillary war für eine massive Bewaffnung!! Die Türkei hat die Unterstützung längst aufgegeben. Massiv werden die Rebellen durch die Saudis und die CIA und den MI6 unterstützt. Und die Verlieren diesen Kampf weil wir nicht 1945 haben und Syrien nicht Deutschland ist. Syrien ist schon russischer Stützpunkt und Iranisches Einflussgebiet. Die USA und Saudis verlieren hier ihren ersten Rebellenkrieg.
Und was ist den jetzt -nach der Zusammenfassung von dem was alle Foristen nun schon alle seit langem schreiben - Ihre persönlich Prognose, Herr Schack?
Müssen sie dazu wieder CIA-Agenten zitieren oder haben Sie auch irgendetwas neues in Petto?
Was ist Israels Option wann werden sie in diesen Krieg offiziell eintreten? Wann bricht der Aufstand in Saudi Arabien los und den andere Golf Staaten? Wie kommen Sie auf die aberwitzige Idee, dass dieser Konflikt den Iran schwächt?? Meines erachtens kann der Iran jetzt erst recht vollständig durchgreifen.
Vollversagt haben bisher der Westen die USA, die Türkei und die Saudis, die "Freunde Syriens". Was für eine Truppe. Nochmal: Königsherrescherfamile und Israel-Hasser Club Al-Saud zusammen mit Hillary Clinton und Friedensnobelpreistrger Obama zusmmen mit Al-Kaida. Hahaha
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren