NahostHamas verkündet Waffenruhe, doch es wird weiter geschossen

Die Spannungen am Gaza-Streifen zwischen Israel und Radikal-Islamisten halten an. Seit Wochenbeginn starben mindestens 15 Zivilisten, mehr als 70 wurden verletzt. von afp, dpa und reuters

Polizist der Hamas nach einem israelischen Luftangriff am 23. Juni 2012 in Gaza-Stadt

Polizist der Hamas nach einem israelischen Luftangriff am 23. Juni 2012 in Gaza-Stadt  |  © Mohammed Salem/Reuters

Die im Gaza-Streifen herrschende radikalislamische Hamas hat im Konflikt mit Israel von einer neuen Waffenruhe ab Samstagnacht gesprochen. Diese Vereinbarung sei unter Vermittlung von Ägypten zustande gekommen, sagte das führende Hamas-Mitglied Ayman Taha. Der palästinensische Widerstand werde den Waffenstillstand respektieren, wenn Israel dasselbe tue, sagte Hamas-Sprecher Aiman Taha: Wenn die "Besatzer" nicht mehr attackierten, werde es auch keine Angriffe der "palästinensischen Widerstandsgruppen" mehr geben.

Kurz darauf wurden jedoch wieder Raketen auf Israel abgefeuert. Das teilte das israelische Militär mit. Von israelischer Seite gab es keine Bestätigung für das Schweigen der Waffen. Ruhe werde mit Ruhe, Feuer mit Feuer beantwortet, zitierten israelische Medien ein ungenanntes Mitglied des israelischen Sicherheitsapparates. Bereits am Donnerstag hatte die Hamas eine Waffenruhe verkündet, die jedoch von radikalen Splittergruppen missachtet wurde.

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Raketen auf die israelische Stadt Sderot

Bei Luft- und Raketenangriffen Israels auf Ziele der radikal-islamischen Hamas im dicht besiedelten Gaza-Streifen waren am Samstag mehrere Palästinenser getötet worden. Die Nachrichtenagentur Reuters spricht von zwei, AFP von drei Toten. Mehr als 30 Menschen wurden nach Angaben von Rettungsdiensten am Samstag verletzt. Militante Palästinenser feuerten mehr als 50 Raketen auf Israel ab. Dabei wurde nach israelischen Angaben ein Mann verletzt. Die Behörden riefen die eine Million Einwohner im Süden des Landes auf, in ihren Häusern zu bleiben oder sich in der Nähe von Schutzräumen aufzuhalten.

Zuvor hatte in der Nacht zum Samstag die israelische Luftwaffe zwei Lager des bewaffneten Hamas-Arms Essedin-al-Kassam-Brigaden im Zentrum und im Norden des Gaza-Streifens angegriffen. Dabei wurden nach Angaben des Hamas-Gesundheitsministeriums rund 20 Menschen verletzt. Militante Palästinenser feuerten daraufhin am Samstagmorgen mindestens 23 Raketen auf israelisches Gebiet. Die meisten davon schlugen in der Stadt Sderot ein. Dort wurde ein Israeli verletzt, als eine Rakete ein Haus traf.

Die Spannungen zwischen Israel und bewaffneten palästinensischen Gruppen im Gaza-Streifen haben seit Wochenbeginn deutlich zugenommen. In den vergangenen Tagen wurden insgesamt mindestens 15 Palästinenser bei israelischen Luftangriffen getötet und etwa 70 weitere verletzt. In Israel wurden fünf Menschen verletzt.

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Leserkommentare
  1. Wie schon in den letzten Wochen immer wieder.
    Ohne Meldung, ohne Bericht.
    Und dann hier die Überschrift:
    "Hamas verkündet Waffenruhe, doch es wird weiter geschossen"-was ja wohl insisitieren soll, die bösen bösen Israelis.
    Einfach nur geschmacklos, diese parteiliche Berichterstattung weg vom wirklichen Täter.

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    der Hamas dies nun wirklich nicht ankreiden, denn die werden einen Teufel tun sich mit den Israelis anzulegen, nachdem ihre Fürsprecher in Syrien und Iran jetzt anderere Probleme haben und im E-Fall nicht mal helfen könnten.

    Da sind ganz andere am Werk und dazu fehlt leider ein fachlich und sachlich fundierter Kommentar der Nahostexperten Thumann und Gehlen, die dem geneigten ZEIT Leser ja bisher auch immer mit Insiderwissen zu den wahren Verhälntissen in der Region versorgt haben.

    • Mithra
    • 24. Juni 2012 10:48 Uhr

    Soweit ich die Meldungen verfolgt habe, kommt es nach jeder ausgehandelten Waffenruhe IMMER zu einem Angriff von palästinensischer Seite, beantwortet von einem Luftschlag der Israelis.
    In den Schlagzeilen wird diese Reihenfolge aber ignoriert oder sogar umgedreht.
    Ich halte das für Manipulation des Lesers, Meinungsmache und allgemein schlechten Journalismus.

    9 Leserempfehlungen
  2. Nun hat sie so lange zum Krieg aufgerufen, das man ihr die Friedensaufrufe im eingenen Lager nicht mehr glaubt und so selbst bei ausgerufenen Waffenstillstand ruhig weiterfeuert wie man es immer getahn hat.

    Es zeigt sich das die Hamas Führung kaum noch kontolle über ihre eigenen Splittergruppen hat und kaum noch für alle Sprechen und verhandeln kann.

    So sind wir nun an einen Punkt angelangt wo eine 1-2 Wöchige komplette Waffenruhe der Hamas Stärke vermitteln würde, da sie beweiisen würde das die Hamas noch immer das sagen hat und das man sich nach ihren ansagen richtet.

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    Leider gibt es kaum noch jemand in Palästina, der an eine friedliche Lösung glaubt. Wie denn auch? Israel weigert sich zu verhandeln, baut ganz in Ruhe ien illegale Siedlung nach der anderen, dreht den Palästinensern Wasser und Strom ab...

    Die Angriffe gegen Israel sind dumm, weil sie jedes Mal 1 zu 100 vergeltet werden.

    Die einzige Lösung für dieses Dilemma ist internationale Druck. Israel muss mit Sanktionen and en Verhandlungstisch gezwungen werden!

    Aber leider ist Israel internationalem Recht nicht verpflichtet. Genausowenig wie die USA. Zweierlei Maß, egal wo man hinsieht.

  3. Leider gibt es kaum noch jemand in Palästina, der an eine friedliche Lösung glaubt. Wie denn auch? Israel weigert sich zu verhandeln, baut ganz in Ruhe ien illegale Siedlung nach der anderen, dreht den Palästinensern Wasser und Strom ab...

    Die Angriffe gegen Israel sind dumm, weil sie jedes Mal 1 zu 100 vergeltet werden.

    Die einzige Lösung für dieses Dilemma ist internationale Druck. Israel muss mit Sanktionen and en Verhandlungstisch gezwungen werden!

    Aber leider ist Israel internationalem Recht nicht verpflichtet. Genausowenig wie die USA. Zweierlei Maß, egal wo man hinsieht.

    2 Leserempfehlungen
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    ... sich selber mit ihrer Aussage

    "Die Angriffe gegen Israel sind dumm, weil sie jedes Mal 1 zu 100 vergeltet werden."

    Ergo wären die Angriffe intelligent ergäbe es ein spiegelverkehrtes Vergeltungsverhältnis.

    Dann schreiben sie nur durch Internationalen Druck auf Israel (Sanktionen) könne etwas erreicht werden, hierzu Frage ich mich, ob sie die Syntax des Textes nicht begriffen haben, oder ob sie einfach reflexartig ihre pseudolinken, überholten Antiimperalismusthesen dreschen

  4. ... sich selber mit ihrer Aussage

    "Die Angriffe gegen Israel sind dumm, weil sie jedes Mal 1 zu 100 vergeltet werden."

    Ergo wären die Angriffe intelligent ergäbe es ein spiegelverkehrtes Vergeltungsverhältnis.

    Dann schreiben sie nur durch Internationalen Druck auf Israel (Sanktionen) könne etwas erreicht werden, hierzu Frage ich mich, ob sie die Syntax des Textes nicht begriffen haben, oder ob sie einfach reflexartig ihre pseudolinken, überholten Antiimperalismusthesen dreschen

    6 Leserempfehlungen
  5. "Israel weigert sich zu verhandeln, baut ganz in Ruhe ien illegale Siedlung nach der anderen"

    Nur halt nicht im Gaza-Streifen... Von dort hat sich Israel zurück gezogen und was ist passiert? Es gibt andauernden Beschuss. Passt irgendwie nicht so ganz ins Bild. Echt blöd. Nein im Ernst. Machen wir uns nichts vor. Den Palästinensern, die die Hamas mehrheitlich gewählt haben geht es nicht darum, die durchaus kritikwürdige Siedlungspolitik zu beenden. Es geht darum Israel zu vernichten.

    "Die Angriffe gegen Israel sind dumm"

    Falsch. Die Angriffe sind ein VERBRECHEN. Es geht darum die Zivilbevölkerung zu terrorisieren. Das als dumm zu bezeichnen ist eine zynische Verharmlosung der Situation.

    "Israel muss mit Sanktionen and en Verhandlungstisch gezwungen werden!"

    Natürlich nur Israel... Sie sollten aufhören die Palästinenser wie kleine Kinder zu behandeln und ihre Verantwortung in diesem Konflikt auch klar benennen.

    8 Leserempfehlungen
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    Das fragwürdige Verhalten militanter Palästinenser und das Verhalten israels bei einer Einigung in der Palästinafrage sind für mich zwei verschiedenen Dinge. Ich halte es für falsch, Raketen auf Israel zu schiessen. Nicht nur, weil es dumm ist wenn man die Folgen mit einrechnet.

    Wenn ich mich aber mit der Frage beschäftige, wo das größte Hinderniss liegt für ein Ende des Konfliktes, dann lande ich bei der israelischen Regierung.

    Es ist vorallem die politische Führung von israel, die keine Lösung will. Eben weil sie vom derzeitigen Status Quo profitiert. Es scheitert nicht an ein paar selbstgebauten Raketen auf irgentwelchen israelischen Äckern, sondern an den Betonköpfen in der Regierung Netanjahu.

    Es ist doch Quatsch, dass die Palästinenser irgentwas tun könnten. Es gibt nichts, was sie tun könnten, damit die Israelis ihnen eine Grenze und einen eigenen Staat erlauben. Nichts.

    "Die Angriffe sind ein VERBRECHEN"
    -------------
    Der Terror gegen die Palästinensische Bevölkerung ist ebenfalls ein VERBRECHEN.
    Und? Stören sich beide Seiten dran? Nein!

  6. sondern BESATZER!
    Und wo in den Medien wird von solchen Geschichten berichtet?
    http://www.btselem.org/pr...
    Natürlich ist es politisch ausgesprochen unklug, immer wieder Raketen nach Israel abzuschießen. Tatsache ist aber auch, dass bei einer längeren eingehaltenen Waffenruhe von Seiten der Israelis irgendeine Provokation wie z.B. die ach so friedensfreundlichen "gezielten Tötungen", vulgo Mord, kommt, die dann zu den insgeheim durchaus erwünschten Reaktionen führen, die wiederum den Vorwand bieten, erstens Luftangriffe zu fliegen und zweitens zu behaupten, mit denen könne man nun mal nicht verhandeln.
    Wenn so ausgewiesen gewaltfeindliche Politiker wie Nusseibeh als die schlimmsten Terroristen bezeichnet werden und auch friedliche Demonstrationen regelmäßig zu Übergriffen, Verletzungen, Verhaftungen und gelegentlich auch Toten selbstverständlich unter Palästinensern führen, dann frage ich mich schon, welcher Weg für die palästinensische Seite überhaupt möglich ist.
    Vielleicht dieser:
    http://www.dradio.de/dlf/...

    Eine Leserempfehlung
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    • eras
    • 24. Juni 2012 14:27 Uhr

    "Tatsache ist aber auch, dass bei einer längeren eingehaltenen Waffenruhe von Seiten der Israelis irgendeine Provokation wie z.B. die ach so friedensfreundlichen "gezielten Tötungen", vulgo Mord, kommt..."

    Ich bin nicht ganz sicher, ob wir vom gleichen Konflikt reden. Welche "länger eingehaltene Waffenruhe" meinen Sie denn? In den letzten fünf Jahren steht Israel fast durchgängig unter Beschuss. Seit Sommer 2007 (!) gab es NICHT EINEN MONAT ohne Raketeneinschläge aus dem Gazastreifen. Nicht einen!

    Ausgesprochene Waffenruhen werden zwar zeitweise von Hamas selbst eingehalten. Die anderen Fraktionen schiessen aber (mit Wissen und Billigung von Hamas) eifrig weiter.

    Und was die gezielten Tötungen angeht, die Sie gerne zu Mord (=Tötung aus niederen Beweggründen) umdeuten würden: Das ist eine von zwei Optionen, die Israel hat, um den Raketenbeschuss wenigstens ein wenig einzudämmen (die andere heisst: Bodenoffensive). Insofern ist Ihr "Mord" eher "Notwehr"...

  7. der Hamas dies nun wirklich nicht ankreiden, denn die werden einen Teufel tun sich mit den Israelis anzulegen, nachdem ihre Fürsprecher in Syrien und Iran jetzt anderere Probleme haben und im E-Fall nicht mal helfen könnten.

    Da sind ganz andere am Werk und dazu fehlt leider ein fachlich und sachlich fundierter Kommentar der Nahostexperten Thumann und Gehlen, die dem geneigten ZEIT Leser ja bisher auch immer mit Insiderwissen zu den wahren Verhälntissen in der Region versorgt haben.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, Reuters
  • Schlagworte Hamas | Israel | Medien | Militär | AFP | Behörde
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