U-Boot-GeschäftFurchtbare Logik der Abschreckung

Israel bestückt offenbar U-Boote deutscher Herkunft mit Atomwaffen. Doch sie dienen nicht dem Angriff, sondern schaffen Stabilität.

"Israel rüstet deutsche U-Boote mit Atomwaffen aus." So fasst die Deutsche Presseagentur an diesem Montag einen zwölf Seiten langen Bericht des Spiegel zusammen. Eine Sensation ist das nicht, denn deutsche U-Boote schnorcheln schon seit einem Dutzend Jahren für Israel. Drei U-Boote der Delfin-Klasse wurden um die Jahrtausendwende ausgeliefert. Demnächst folgen drei Delfin-II-Boote; eines von ihnen ist schon in der Erprobung. Diese neuen Boote sind größer, länger und vor allem leiser als die erste Klasse, weil sie neben den lärmenden, luftschluckenden Diesel-Motoren auch mit Brennstoffzellen ausgerüstet sind. Sie produzieren fast lautlos Strom für die tagelange Unterwasserfahrt.

Die zweite Generation der "Delfine" ist deutsche Wertarbeit, state of the art der U-Boot-Technik, begehrt in allen möglichen Ländern, innerhalb und außerhalb der Nato. Denn die USA, der größte Waffenexporteur auf Erden, sind längst aus dem klassischen U-Boot-Geschäft ausgestiegen und bauen nur noch atomgetriebene Unterwasserschiffe.

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Es ist auch keine Sensation, dass die Israelis U-Boote mit weit tragenden Geschossen ausrüsten können, jedenfalls, wenn die US Navy Recht hat. Schon vor zehn Jahren hatte sie im Indischen Ozean den Test eines israelischen Eigenbau-Marschflugkörpers namens "Popeye Turbo" registriert. Der sei 1.500 Kilometer weit geflogen und könne einen 200-Kilo-Sprengkopf tragen. Gerade richtig für eine atomare Ladung, aber zu klein für konventionelle Schläge. Nur die Geheimdienste wissen mehr. Oder auch nicht.

Josef Joffe
Josef Joffe

ist Herausgeber der ZEIT. Von 2001 bis 2004 war er auch ihr Chefredakteur, gemeinsam mit Michael Naumann. Davor leitete er das außenpolitische Ressort der Süddeutschen Zeitung. Weitere Texte von ihm finden Sie hier

Die Spiegel-Story suggeriert überdies, dass die Deutschen eigentlich schon immer ihr Händchen im atomaren Spiel der Israelis gehabt hätten, seit Franz-Josef Strauß selig. Richtig daran ist, dass Bonn und Jerusalem schon in den frühen fünfziger Jahren ein für beide Seiten einträgliches, wiewohl sorgfältig kaschiertes Geschäft mit konventionellen Waffen eingefädelt hatten. Anfänglich gingen die Deutschen mit Haubitzen und Panzern made in USA in Vorlage, die Israelis lieferten die legendäre Uzi-Maschinenpistole. Heute verkaufen die Israelis High-Tech vom Feinsten.

Nur: Die atomaren Komplizen saßen anderswo. Auch ist das israelische Atomprogramm älter als die Bundesrepublik. In Fahrt geriet es knapp zehn Jahre nach der Staatsgründung 1948, als Frankreich – damals noch sehr pro-israelisch – im Geheimabkommen von 1957 einen Forschungsreaktor anbot, der in der Wüste bei Dimona gebaut wurde. Angeblich produziert der im Volksmund "Schuhfabrik" geheißene Reaktor seit 1960 an die 22 Kilo Plutonium pro Jahr. Das ist genug für zwei bis drei Bomben.

Mit von der Partie waren die Briten. Sie hatten bis in die späten sechziger Jahre Schweres Wasser für den Plutonium-Brüter, Chemikalien für die Aufbereitung und hochangereichertes Lithium-6, geliefert. Letzterer Stoff vervielfacht die Explosivkraft von "normalen" Atombomben und wird auch für Wasserstoffbomben gebraucht. All diese Ingredienzien waren damals in Westdeutschland nicht zu holen.

Leserkommentare
    • edgar
    • 04.06.2012 um 22:42 Uhr

    "Diese antiisraelische Haltung in Deutschland in einem breiten gesellschaftlichen Konsens ist genauso offensichtlich wie beschämend."

    Nein;
    Diese proisraelische Haltung, tue Israel was auch immer, in Deutschland in einem sich als elitär brufen fühlendem Kreis ist nicht gerade rühmlich fpr diese "Elite".

    [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Relativierung. Danke, die Redaktion/ls

    2 Leserempfehlungen
  1. Leider ist die Lage dunkler als vielen vermuten. Ich weiß nicht in wie weit vielen der Kommentatoren hier die Situation im Nahen-Osten geläufig ist? Ich bin Israeli und Teil der "arabischen Minderheit" ... und auch wenn ich bereits viele Jahre hier in Deutschland lebe, so hab ich doch eine Menge Freunde in der Region (beidseits der Grenze). Was hier viele scheinbar nicht verstehen ist: Es geht tatsächlich um Isreals Existenz. Zwar gibt es Abkommen mit den Regierungen der Nachbarstaaten ... in den Augen eines Großteils der Bevölkerung jedoch sind diese Verrat. Und würde das militärische Gleichgewicht kippen, egal ab 1948/67/2012 oder 2040 ... es hätte das Ende dieses Staates zur Folge "PUNKT"
    Es stimmt, es gibt eine Menge Probleme und doch weiß ich meine Familie lieber in Isreal, als irgend einen anderen Staat der Region. Man kann als Frau (hier in Europa immer ein wichtiges Thema) frei sich bewegen, man kann homosexuell sein, seine Meinung frei aussprechen und es ist mir ein Grauen (auch als Moslem) mir ein Leben "nach" Israel für meine Familie und mich zu ersinnen. Des Weitern gab es von Seiten des "Juden-Staates"Präventiv-Schläge, bei sonst nur Rekationen auf Angriffe. Es ist wenig in deutschen Medien über die nahezu täglichen Angriffe mit Raketen zu hören (ich wohnte im Grenzgebiet zu Gaza).

    Punkt ist und bleibt: Für Israel sind Atom-Waffen eine Versicherung die einzig die Existenz sichert. Werd das anders sieht weiß wenig über die wahre Bedrohung dieses Landes.

    2 Leserempfehlungen
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    @perspektiven21

    Ich denke, weltweit denken eine Reihe von Menschen, dass die israelische Regierung die vielleicht wirklich "dunkle" Lage etwas aufhellen könnte, indem sie ihre aggressive Politik überprüft und ändert.

    Atomwaffen gegen Leute aufzustellen, die man in einem sich aufschaukelnden Prozess selbst hinreichend provoziert hat, klingt nicht sonderlich nach Streben um Stabilität.

    • Peip
    • 04.06.2012 um 23:20 Uhr

    Sehr geehrter Herr perspektiven21
    das mag alles richtig sein und es ist Aufgabe der israelsichen Politik und Militärs die richtigen Antworten zu finden.
    Aber warum sollten Drittstaaten diesen Weg unterstützen? Wenn Israel die Vision verfolgt, Sicherheit durch absolute milit. Überlegenheit zu erlangen. Bitteschön, ich glaube zwar nicht daran, aber gern.
    Nur mögen sie dann selber sich die Ausrüstung dazu beschaffen und bezahlen und sich auch allein den Kopf darüber zerbrechen, wie sie die Nachbarstaaten von ebensolcher Hochrüstung abhalten. Das kann nicht unsere Aufgabe sein

    @perspektiven21

    Ich denke, weltweit denken eine Reihe von Menschen, dass die israelische Regierung die vielleicht wirklich "dunkle" Lage etwas aufhellen könnte, indem sie ihre aggressive Politik überprüft und ändert.

    Atomwaffen gegen Leute aufzustellen, die man in einem sich aufschaukelnden Prozess selbst hinreichend provoziert hat, klingt nicht sonderlich nach Streben um Stabilität.

    • Peip
    • 04.06.2012 um 23:20 Uhr

    Sehr geehrter Herr perspektiven21
    das mag alles richtig sein und es ist Aufgabe der israelsichen Politik und Militärs die richtigen Antworten zu finden.
    Aber warum sollten Drittstaaten diesen Weg unterstützen? Wenn Israel die Vision verfolgt, Sicherheit durch absolute milit. Überlegenheit zu erlangen. Bitteschön, ich glaube zwar nicht daran, aber gern.
    Nur mögen sie dann selber sich die Ausrüstung dazu beschaffen und bezahlen und sich auch allein den Kopf darüber zerbrechen, wie sie die Nachbarstaaten von ebensolcher Hochrüstung abhalten. Das kann nicht unsere Aufgabe sein

  2. Und das "dass der kalte Krieg nie als heißer ausgebrochen ist, verdanken wir der Atombombe" ist nur eine Annahme.

    Aufgehoben ist nicht aufgeschoben.

    Die einfache Wahrheit ;-) ist:
    Was passieren kann, passiert auch.
    Das gilt auch für den Atomkrieg und ist nur eine Frage der Zeit.

    6 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Es fällt mir"
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    in diesem Fall könnte es sehr schnell passieren. Die Vorwarnzeit beträgt ja höchstens 2 - 3 Minuten, schon ein Fehlalarm könnte ausreichen, um einen heißen Krieg zu provozieren und die Hälfte des Nahen Ostens zu zerstören.
    Der Film Wargames beruht auf einem Fehlalarm, den es tatsächlich gab.
    http://www.zeit.de/2008/3...

    in diesem Fall könnte es sehr schnell passieren. Die Vorwarnzeit beträgt ja höchstens 2 - 3 Minuten, schon ein Fehlalarm könnte ausreichen, um einen heißen Krieg zu provozieren und die Hälfte des Nahen Ostens zu zerstören.
    Der Film Wargames beruht auf einem Fehlalarm, den es tatsächlich gab.
    http://www.zeit.de/2008/3...

  3. "Alles, was die strategische Stabilität im Nahen Osten stützt, nützt Deutschland, Europa und den Völkern in der gefährlichsten Arena der Weltpolitik."

    Sich die zukünftige atomare Bedrohung selbst zu befördern und dafür zu zahlen, das bringt auch nur Deutschland fertig. Es stimmt, was Peter Scholl-Latour gesagt hat: "Deutschland hat die Gedanken an seine militärische Verteidigung fast vollkommen aufgegeben. Man ist sich der Gefahr gar nicht bewußt und der Szenarien, die kommen könnten."

    [...]

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/ls

    2 Leserempfehlungen
    • tbw
    • 04.06.2012 um 22:47 Uhr

    Gegen Ende des Artikels mahnt Josef Joffe, man möge "Gerhard Schröder und Angela Merkel nicht der Sentimentalität zeihen."

    Ein sentimentaler Schröder?
    Eine sentimentale Frau Merkel?

    Es tut mir leid, aber beides vermag ich mir selbst bei bestem Willen nicht vorzustellen.

    Es handelt sich um eine völlig unnötige Sorge jener, die sich den deutschen Kanzler gern gefühllos wünschen.

  4. Warum erlauben sich millionen von Deutschen Kritik eines Landes, dass seit 60 Jahren eigene Bevölkerung von fast täglichen Raketenangriffen, Selbstmordattentätern und jetzt von Atombedrohung durch Iran zu schützen versucht?

    Was würde jeder von ihnen sagen, wen Deutschland in der gleichen Situation wäre? Nicht auszudenken eigentlich, aber einst haben die Deutschen bereits nach einem totalen Krieg verlangt. Waren es die dem heutigen Durchschnittsbürger völlig entfremdeten Wesen???

    Natürlich nicht, sie fühlten sich damals einfach von Juden und Kommunisten angegriffen, ohne angegriffen zu werden. Israel steht aber im Krieg, die arabische Länder gegen diesen jüdischen Staat seit mehr als 60 Jahren führen.

    Eine Leserempfehlung
  5. @perspektiven21

    Ich denke, weltweit denken eine Reihe von Menschen, dass die israelische Regierung die vielleicht wirklich "dunkle" Lage etwas aufhellen könnte, indem sie ihre aggressive Politik überprüft und ändert.

    Atomwaffen gegen Leute aufzustellen, die man in einem sich aufschaukelnden Prozess selbst hinreichend provoziert hat, klingt nicht sonderlich nach Streben um Stabilität.

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    Antwort auf "entweder .. oder! "
  6. . . .Stabilität soll so erzeugt werden, wie zu den Zeiten des Kalten Krieges. Nun, da hatten die zwei Großmächte Atomwaffen aufeinander gerichtet. Wer in der Nachbarschaft Israels macht auf zweite Atommacht, welche Atomwaffen sind jetzt auf Israel gerichtet? Soviel zur Stabilitätsthese, toller Ablenkungsversuch, ging daneben. Nimmt man die Tatsache, daß sich Israel in Aserbaidschan ( oder Tatschikistan ? ) in Reichweite Irans einen Stützpunkt gesichert hat und die Möglichkeit, das U-Boote vor Küsten auftauchen können, nun, was für eine Möglichkeit eröffnet das ? Nun, die Möglichkeit zu einem Regimewechsel von Außen. Der Iran ist militärisch nicht so schwach wie der Irak es war. Also , think big. Und Deutschland wäre dann daran beteiligt. Wie war das so um 1980 nochmal, der Tod ist ein Meister aus Deutschland.

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