Der Luxemburger Ministerpräsident Jean-Claude Juncker soll EU-Diplomaten zufolge wahrscheinlich doch eine weitere Amtszeit als Vorsitzender der Euro-Gruppe übernehmen. "Die Sache ist noch nicht ausgemacht, aber Juncker wird wahrscheinlich bleiben", sagte ein mit der Diskussion Vertrauter. Ein weiterer Diplomat bestätigte, dass von dieser Entscheidung auszugehen sei. "Wir haben keinen anderen", sagte er.

Junckers Mandat läuft Mitte Juli aus. Noch Anfang des Jahres hatte er erklärt, kein weiteres Mal antreten zu wollen. Als Nachfolgefavorit galt lange Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble ( CDU ), der jedoch von der neuen französischen Regierung nicht unterstützt wird .

Die Entscheidung über den Schlüsselposten der finanzpolitischen Koordination in der Euro-Zone ist Teil eines größeren Personalpakets. Seit Juni ist einer der sechs Direktoriumsposten in der Europäischen Zentralbank (EZB) vakant, den bisher Spanien besetzte. Doch die Regierung in Madrid präsentierte keinen überzeugenden Kandidaten. Als Favorit für die Stelle galt deshalb der Luxemburger Notenbankpräsident Yves Mersch. In EU-Kreisen hieß es, dies sei nur möglich, wenn Juncker nicht länger Euro-Gruppen-Vorsitzender wäre, da Luxemburg nicht zwei wichtige Posten besetzen könne.

Im Gespräch sei daher nun, dass Juncker sich informell bereit erklären könnte, nicht die volle Amtszeit von zweieinhalb Jahren zu bleiben. Unter diesen Umständen könnte Mersch ins EZB-Direktorium nach Frankfurt wechseln. Offen ist den Diplomaten zufolge noch, wer künftig Chef des Euro-Rettungsfonds ESM wird. Gute Chancen werden jetzt wieder dem Leiter des Vorgängerfonds EFSF eingeräumt, dem Deutschen Klaus Regling.

Der 57-jährige Juncker ist der dienstälteste Regierungschef in der Europäischen Union und entschiedener Verfechter der europäischen Integration. Er ist Vorsitzender der Euro-Gruppe, seit dieses Amt 2005 eingeführt wurde.