AuslieferungGaddafis letzter Regierungschef kommt in Libyen vor Gericht

Baghdadi al-Mahmudi befürchtet, in seiner Heimat gefoltert zu werden. Tunesien hat ihn dennoch ausgeliefert und verlangt einen fairen Prozess gegen Gaddafis Getreuen.

Baghdadi al-Mahmudi am 16. Juni 2011 bei einer Pressekonferenz als Ministerpräsident Libyens

Baghdadi al-Mahmudi am 16. Juni 2011 bei einer Pressekonferenz als Ministerpräsident Libyens

Tunesien hat Baghdadi al-Mahmudi, den letzten Regierungschef aus der Ära des Diktators Muammar al-Gaddafi, an Libyen ausgeliefert. Das berichtete die tunesische Nachrichtenagentur TAP unter Berufung auf Kreise im Präsidentenamt. Baghdadi al-Mahmudi ist demnach am Vormittag in Tripolis eingetroffen. Er war von März 2006 bis zum Zusammenbruch des Gaddafi-Regimes im August 2011 Ministerpräsident. Tunesien hat seine Auslieferung an die Bedingung geknüpft, dass ihm in Libyen ein fairer Prozess gemacht werde.

Amnesty International hatte Tunis aufgefordert, al-Mahmudi nicht an sein Heimatland auszuliefern, da er dort unter anderem Folter zu befürchten habe. Al-Mahmudis Anwalt hatte erklärt, sein Mandant fürchte in Libyen um sein Leben, da er seit dem Umsturz und Gaddafis Tod der Einzige sei, der über Staatsgeheimnisse verfüge.

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Al-Mahmudi war Ende September 2011 an der tunesisch-algerischen Grenze festgenommen und zu sechs Monaten Haft wegen illegalen Grenzübertritts verurteilt worden. Ein Berufungsgericht sprach ihn jedoch wenige Tage später frei. Ein Gericht in Tunis hatte dem Auslieferungsgesuch der neuen libyschen Führung Ende November stattgegeben.

Von Seiten der tunesischen Präsidentschaft wurde kritisiert, die Regierung habe über die Auslieferung entschieden, ohne den Präsidenten zu konsultieren. Das Auslieferungsdekret trage nicht die Unterschrift von Staatschef Moncef Marzouki. "Diese Entscheidung wird Auswirkungen auf die Beziehungen zwischen Präsidentschaft und Regierung haben", sagte ein Berater des Präsidenten. Dieser Vorgang könne zu einer schweren Krise in Tunesien führen.

Al-Mahmudis Anwalt Mabruk Kurschid wertete die Auslieferung als illegal. Präsident Marzouki habe keine Auslieferungsverfügung unterzeichnet. Außerdem habe sein Mandant keine Gelegenheit erhalten, gegen die Entscheidung vor das höchste tunesische Gericht zu ziehen: "Das ist eine Rechtsverletzung." Er selbst habe von der Abschiebung erst nach ihrem Vollzug erfahren, sagte der Anwalt.

Das tunesische Justizministerium vertritt hingegen die Ansicht, eine Auslieferung sei wegen einer Gesetzeslücke auch ohne Marzoukis Unterschrift möglich. Der Präsident wollte vor seiner Unterschrift jedoch erst eine Zusicherung Libyens erhalten, dass Al-Mahmudi nicht misshandelt werde.

 
Leserkommentare
  1. ...fairen Prozeß"

    Na aber sicher doch - sind alles ehrlich Leut`und noch dazu Menschenrechtler.

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  2. Rechtsstaatlichkeit- so ähnlich wie Gaddafi selbst und seine Sohn.
    Die Meldung sagt eigentlich mehr über Tunesien als über Libyen und sollte den Gutgläubigen ein paar Illusionen über Tunesien nehmen.

    6 Leserempfehlungen
  3. Der Krieg in Libyen ist noch wie vor im Gange. Angeblich kommt es sogar zum Einsatz von Giftgas:
    "Die Zintan-Milizen haben Frauen und Kinder mit Gasgranaten bombardiert (wir berichteten). Es ist so bizzar, dass die Massenmedien absolut nichts darüber melden. Die libysche Bevölkerung stirbt und stirbt, während der Westen deren Befreiung behauptet."
    http://julius-hensel.com/... (mit Foto/Videomaterial!)
    Vielleicht sollte man der Sache auf den Grund gehen? Was sagen Korrespondenten der deutschen Medien in Libyen (in diesem Falle Mizdah) dazu? Wie ist es mit der Verantwortlichkeit der Befehlshaber der Bombardierungen durch die Nato für die jetzt anscheinend erfolgenden Massakern?

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    Verstehe es auch nicht,
    dass sowas verschwiegen/ignoriert wird von den Medien.

    Und im Frühjahr hieß es: "12000 amerikanische Infanteristen auf libyschem Boden".

    Nun versuchen sie es also schon wieder mit einer neuen "unwahren Idee", die als Gerücht lanciert wird und keinerlei Überprüfung vor Ort standhält.

    Aber vielleicht muss man das dem Unbedarften noch einmal erklären: Selbst bei Gaddafi, den internationale Aufregung nur am Rande berührt hätte, erschien der Einsatz des (von ihm angeschafften) Giftgasarsenal unwahrscheinlich, weil Überalterung/mangelnde Wartung die Gefahrt für denjenigen, der sie einsetzt, unkalkulierbar machten - und machen.

    Im Klartext: Die vorhandenen Arsenale sind zu instabil/gefährlich, um sie gegen irgendjemanden einsetzen zu können.

    Verstehe es auch nicht,
    dass sowas verschwiegen/ignoriert wird von den Medien.

    Und im Frühjahr hieß es: "12000 amerikanische Infanteristen auf libyschem Boden".

    Nun versuchen sie es also schon wieder mit einer neuen "unwahren Idee", die als Gerücht lanciert wird und keinerlei Überprüfung vor Ort standhält.

    Aber vielleicht muss man das dem Unbedarften noch einmal erklären: Selbst bei Gaddafi, den internationale Aufregung nur am Rande berührt hätte, erschien der Einsatz des (von ihm angeschafften) Giftgasarsenal unwahrscheinlich, weil Überalterung/mangelnde Wartung die Gefahrt für denjenigen, der sie einsetzt, unkalkulierbar machten - und machen.

    Im Klartext: Die vorhandenen Arsenale sind zu instabil/gefährlich, um sie gegen irgendjemanden einsetzen zu können.

  4. Verstehe es auch nicht,
    dass sowas verschwiegen/ignoriert wird von den Medien.

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  5. 5. na ja

    die "zeit" hat ausführlich und umfangreich den kampf der jungen menschen, also der rebellen, für demokratie und freiheit geschildert und keine frage aufkommen lassen, dass humane ziele kern und antrieb der bewaffneten auseinandersetzung sind.
    ich habe alles gelesen, da gab es keine zweifel in den artikeln.

    und diese humanistische bewegung hat gewonnen.

    was sollen also die zweifel, können einige kommentatoren nicht zeitung lesen?

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  6. unsere Zeitungen lesen, sondern sie denken sogar selbst.

    "was sollen also die zweifel, können einige kommentatoren nicht zeitung lesen?"

    2 Leserempfehlungen
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    Entfernt. Bitte bleiben Sie beim konkreten Artikelthema. Danke, die Redaktion/se

    Entfernt. Bitte bleiben Sie beim konkreten Artikelthema. Danke, die Redaktion/se

  7. Welches Rechtssystem in Libyen meinen die eigentlich? Dank NATO ist davon sicher nicht mehr viel übrig. Neben Gadhafi sind die Libyer auch von Institutionen und staatlichen Strukturen befreit worden. Aber sie verstehen sich sicher auch ohne Staatsapparat ganz gut. Sind ja alles Demokraten und Menschenrechtler.

    4 Leserempfehlungen
  8. 8. na ja

    Entfernt. Bitte bleiben Sie beim konkreten Artikelthema. Danke, die Redaktion/se

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