Euro-BondsEin Merkelleben lang

Keine Euro-Bonds, und zwar "solange ich lebe". So hat's die Kanzlerin gesagt und der politischen Empirie damit eine neue Maßeinheit beschert. Eine Glosse von D. Hugendick

Ein rhetorisches Lieblingsspiel von Verknallten, Aufschiebern, Herrschern und anderen Trotzköppen ist das Solange-Spiel. Solange du da bist, geht's mir super. Solange die erste Halbzeit läuft, räume ich die Spülmaschine nicht aus. Solange niemand vom Finanzamt fragt, zahle ich meine Steuern nicht. Solange es jemand wegmacht, pinkel ich halt im Stehen. Solange du die Füße unter meinen Tisch stellst, et cetera pp. Der Sprachwissenschaftler nennt das nüchtern eine temporale Konjunktion, was allerdings nach Grammatik und Hausaufgaben klingt und nicht nach Bedingungen von Weltpolitik. Eine viel schönere Bezeichnung hat die landläufige Berichterstattung gefunden, nämlich "das Prinzip der roten Linie", und zur Meisterschaft darin hat es Angela Merkel gebracht, vor allem in der Euro-Krise.

Ihr jüngster Streich hieß: Euro-Bonds wird es nicht geben, "solange ich lebe", was sich wahlweise nach Hollywood oderVersailles anhört. Oder eben ein bisschen nach dem großen Europäer Bata Illic: "Solange ich lebe / will ich dir gehören / und all meine Liebe / schenk ich dir allein." Nun wissen wir von Oscar Wilde, dass das Leben viel zu wichtig ist, um darüber leichtfertig zu reden. Doch wieso sollte Merkel ausgerechnet jetzt auf einen Iren hören? Da orientiert sie sich schon lieber an Joachim Löw, der Flexibilität zur obersten Pflicht erhoben hat. Und auch rote Linien sind beweglich, nicht nur am Taktiktisch der ARD, sondern besonders in trüben Krisenmomenten!

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So könnte sich Merkels Schwur bald situationsadäquat aktualisieren zu: Keine Euro-Bonds, solange ich nicht 67 bin, solange die EM läuft, solange der grüne Anzug in der Reinigung ist. Solange eben, bis die Macht des Faktischen greift, was manche Experten schon für Ende dieses Sommers prophezeien. Wer weiß, ob es damit Europa tatsächlich besser geht. Zumindest aber hätte die politische Empirie endlich eine Maßeinheit, um Entscheidungs- und Annäherungsprozesse zu beziffern: 1 Merkelleben (ML) ≈ 2 Monate.

 
Leserkommentare
  1. Schon Augustinus wusste:

    „Solange wir leben, kämpfen wir, solange wir kämpfen, ist es ein Zeichen, daß wir nicht unterlegen sind und der gute Geist in uns wohnt. Und wenn dich der Tod nicht als Sieger antrifft, soll er dich als Kämpfer finden.“

    So kämpft Frau Dr. Merkel also, in der Hoffnung, dass sie nicht unterliegen wird.

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    Und sie wird siegen, denn es waere gelacht, wenn die Versager Europas sich gegen Fr. Dr. Mekel durchsetzen wuerden.

    Und sie wird siegen, denn es waere gelacht, wenn die Versager Europas sich gegen Fr. Dr. Mekel durchsetzen wuerden.

  2. Ich würde mir wünschen, dass die Medien den Sachverhalt sauber aufklären. Laut Welt.de (http://www.welt.de/politi...) liest es nämlich so, als hätte Merkel eher doziert und darauf hingewiesen, dass es in der BRD nach 63 noch nicht einmal eine gesamtschuldnerische Haftung der Bundesländer gebe und Sie nicht glaube, das sie eine gesamtschuldnerische Haftung auf Euro-Ebene in Ihrer Lebenszeit erlebe.

    Dies klingt für mich anders als "Keine Euro-Bonds solange ich lebe". Natürlich ist erstere Darlegung des Sachverhalts weniger schlagzeilenträchtig. Ich würde mir allerdings wünschen, dass die Medien (auch wenn die Verlage Unternehmen sind) wieder mehr ihrer wichtigen Funktion in einer Demokratie nachkommen und transparent, nüchtern und neutral berichten und dem Bürger erlauben ein eigene Meinung zu bilden.

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    • deDude
    • 27.06.2012 um 16:36 Uhr

    "BILD" dir deine Meinung. Gute Nacht Deutschland.

    Der Bürger soll sich schon lange keine eigene Meinung mehr bilden. Wo sich Politiker und Medien früher gegenseitig beharkt haben machen sie heute zum Vorteil von Politik und Verlagen und zum Nachteil des Bürgers gemeinsame Sache.

    dann auch ohne literarische Freiheit:

    "Und doch ist es gefallen – denn Merkel war zwischendurch auch noch bei der FDP. In der liberalen Fraktion sagte sie tatsächlich, eine "gesamtschuldnerische Haftung", also auch Euro-Bonds, werde es nicht geben "solange ich lebe". Einige liberale Abgeordnete riefen spontan in den Fraktionssaal: "Wir wünschen Ihnen ein langes Leben!" Aus Welt mit dem Titel:
    "Merkel gegen Euro-Bonds — "solange ich lebe"...

    Der Unterschied zum Titel der Zeit ist doch wohl eher marginal

    denn das Zitat bezieht sich nur auf die drei Worte "solange ich lebe", ob Frau Merkel nun eine Einschätzung gegeben hat (wonach es im Kontext sehr klingt) oder eine absolute Aussage getroffen hat (was, wie angemerkt ja nicht unbedingt typisch für sie ist).
    Ich kann Ihre Forderung von informativerem und weniger marktschreierischem Journalismus nur unterstützen.

    • deDude
    • 27.06.2012 um 16:36 Uhr

    "BILD" dir deine Meinung. Gute Nacht Deutschland.

    Der Bürger soll sich schon lange keine eigene Meinung mehr bilden. Wo sich Politiker und Medien früher gegenseitig beharkt haben machen sie heute zum Vorteil von Politik und Verlagen und zum Nachteil des Bürgers gemeinsame Sache.

    dann auch ohne literarische Freiheit:

    "Und doch ist es gefallen – denn Merkel war zwischendurch auch noch bei der FDP. In der liberalen Fraktion sagte sie tatsächlich, eine "gesamtschuldnerische Haftung", also auch Euro-Bonds, werde es nicht geben "solange ich lebe". Einige liberale Abgeordnete riefen spontan in den Fraktionssaal: "Wir wünschen Ihnen ein langes Leben!" Aus Welt mit dem Titel:
    "Merkel gegen Euro-Bonds — "solange ich lebe"...

    Der Unterschied zum Titel der Zeit ist doch wohl eher marginal

    denn das Zitat bezieht sich nur auf die drei Worte "solange ich lebe", ob Frau Merkel nun eine Einschätzung gegeben hat (wonach es im Kontext sehr klingt) oder eine absolute Aussage getroffen hat (was, wie angemerkt ja nicht unbedingt typisch für sie ist).
    Ich kann Ihre Forderung von informativerem und weniger marktschreierischem Journalismus nur unterstützen.

    • deDude
    • 27.06.2012 um 16:36 Uhr

    "BILD" dir deine Meinung. Gute Nacht Deutschland.

    Der Bürger soll sich schon lange keine eigene Meinung mehr bilden. Wo sich Politiker und Medien früher gegenseitig beharkt haben machen sie heute zum Vorteil von Politik und Verlagen und zum Nachteil des Bürgers gemeinsame Sache.

    4 Leserempfehlungen
  3. ...l'état, c'est moi.

    7 Leserempfehlungen
  4. Eigentlich hasst Angela Merkel das Wort „Schulden“.
    Seit Beginn ihrer Amtszeit als Bundeskanzlerin der
    schwarz-gelben Koalition setzte sie, trotz der
    Turbulenzen in der Finanzkrise, auf einen ausgeglichenen
    Haushalt. Merkel wollte ab 2011 keine neue Schulden mehr
    machen. Das ehrgeizige Ziel, nicht auf Pump regieren, hätte sie auch erreicht, wenn nicht Obama und der Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman zwecks weltweiter Wirtschaftsbelebung Angela Merkel nicht zum Gegenteil gedrängt hätten. Und jetzt auch noch die Vergemein-schaftung von Schulden ,anderer Länder, innerhalb Europas
    durch Euro-Bonds. Unter dem Aspekt ist die reflexartig Aussage der Bundeskanzlerin „Solange ich lebe“ vielleicht
    etwas nachvollziehbar.

  5. 6. [...]

    Entfernt. Bitte verfassen Sie sachliche Kommentare. Danke, die Redaktion/au.

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    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich sachlich. Danke, die Redaktion/lv

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    • Slater
    • 27.06.2012 um 17:01 Uhr

    hat Merkel, Schäuble und Co. oft genug eindeutig gebrochen,

    es liegt an den Medien das immer wieder prominent auf einen Zeitstrahl aufzulisten,
    und an den Wählern, daraus klug zu werden

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    • SuR_LK
    • 27.06.2012 um 17:03 Uhr

    Wo man nun hinschaut wird auf diesem Ausspruch nun herumgeritten; da der ESM trotz noch ausstehenem BVG Urteils wohl alternativlos ist rechnet für uns doch lieber mal unsere Verbindlichkeiten und Bürgschaften aus wenn im ESM andere Hauptgeldgeber ausfallen(was ja nun nicht unwarscheinlich ist) und wir statt 27% einen prozentual höheren Anteil schultern müssen, das könnte uns ins Knie treffen.

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    ....ganz nachvollziehbar und gar wahrscheinlich. Wer nun behaupten wuerde, dass diese Aengste und Bedenken weithergeholt seien, dem sei die Empirie der letzten Monate empfohlen.

    • Hermez
    • 27.06.2012 um 18:32 Uhr

    ....dass es teurer wird wenn der ESM nicht ratifiziert wird.
    Auf der anderen Seite werden durch den ESM auf nicht hinnehmbare Weise Souveränitätsrechte abgetreten.
    Dann wird es eben teurer...oder auch nicht...sehen Sie es einfach als Lösegeld für den Erhalt unserer Demokratie.

    ....ganz nachvollziehbar und gar wahrscheinlich. Wer nun behaupten wuerde, dass diese Aengste und Bedenken weithergeholt seien, dem sei die Empirie der letzten Monate empfohlen.

    • Hermez
    • 27.06.2012 um 18:32 Uhr

    ....dass es teurer wird wenn der ESM nicht ratifiziert wird.
    Auf der anderen Seite werden durch den ESM auf nicht hinnehmbare Weise Souveränitätsrechte abgetreten.
    Dann wird es eben teurer...oder auch nicht...sehen Sie es einfach als Lösegeld für den Erhalt unserer Demokratie.

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