MexikoKein Wort über den Drogenkrieg

Am 1. Juli wählt Mexiko seinen Präsidenten. Der Wahlkampf ist schrill, das größte Problem kein Thema: Einen Plan gegen die Mafia haben die Kandidaten nicht.

Präsidentschaftskandidat Andrés Manuel López Obrador auf einer Wahlkampfveranstaltung in Acapulco

Präsidentschaftskandidat Andrés Manuel López Obrador auf einer Wahlkampfveranstaltung in Acapulco

Politische Begeisterung ist in Mexiko schon für 100 Pesos die Stunde zu haben. Soviel kassieren die jungen Nachwuchsmodels, die sich zum Abschluss des Straßenwahlkampfes rund um den Kreisverkehr in Acapulco versammelt haben.

Die Sonne knallt am Nachmittag auf den Asphalt. Eigentlich hat keiner der Autofahrer, die den Verkehrsknotenpunkt mit dem schönen Namen Diana gleich unweit der Strandpromenade passieren müssen, zu dieser Zeit und bei gefühlten 35 Grad im Wageninneren Interesse an politischen Botschaften. Also hilft das lokale Wahlkampfteam von Andrés Manuel López Obrador etwas nach.

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López Obrador ist der Kandidat der linksgerichteten Demokratischen Revolution (PRD). Für umgerechnet 6 US-Dollar die Stunde stöckeln die jungen Frauen in Hotpants und mit hohen Absätzen bei jedem Stopp in der Kolonne auf die Fahrer zu, um ihnen Flyer oder Strohhüte mit dem Logo des lokalen PRD-Kandidaten zu übergeben.

Hilft auch das nicht, warten ein paar Meter weiter die traditionellen Tänzer mit großen Masken und ihren Peitschen, deren Knall die Zuhörer jedes Mal aufs Neue zusammenzucken lassen. Die Tlacololeros, so heißen die Männer in den Folkloretrachten, sollen offenbar die Nähe zur mexikanischen Tradition demonstrieren.

Hauptsache laut und bunt

Über Politik wird hier nicht geredet, stattdessen dröhnen die Songs von Star-DJ David Guetta aus den Boxen. Zumindest die Wahlkampfmodels freuen sich über die Klänge, der Rest des Wahlkampfteams schwenkt mehr oder weniger fröhlich die orangefarbenen Fahnen oder schwingt die Peitsche.

Eine Kreuzung weiter das gleiche Spiel, nur die Farben ändern sich. Die Anhänger der konservativen Kandidatin Josefina Vázquez Mota von der regierenden Partei der Nationalen Aktion (PAN) jubeln in Blau den Autofahrern zu, und die Helfer von Favorit Enrique Peña Nieto von der Partei der Institutionellen Revolution (PRI) tragen Rot.

Wie in dieser Woche in Acapulco ist der Wahlkampf längst zu einem inhaltslosen Wettstreit um die lautesten Töne und schönsten Bilder verkommen. Keiner der drei Kandidaten spricht offensiv das Thema an, das Mexiko am dringendsten lösen muss.

Der Drogenkrieg hat seit Amtsantritt von Präsident Felipe Calderón rund 50.000 Menschen das Leben gekostet und das Land traumatisiert. Bei Weitem nicht alle, aber erschreckend viele Regionen des riesigen Landes sind von Drogenmafia unterwandert. Politik, Justiz, Armee und Mafia arbeiten Hand in Hand, wer sich dem in den Weg stellt, lebt gefährlich.

Leserkommentare
  1. Auch wenn das Thema von den Kandidaten aus nachvollziehbaren Gründen nicht an die große Glocke gehängt wird, stehen die Kandidaten für verschiedene Lösungen.

    Josefina Vázquez Mota hat sich klar geäußert und steht dafür, den Drogenkrieg ihres Parteifreundes Calderón fortzusetzen. Enrique Peña Nieto würde wohl wie die Vorgängerregierungen seiner Partei ein Stillhalteabkommen mit der Drogenmafia abschliessen und die Probleme damit so gut es geht unter den Teppich kehren. Auch wenn er das selbst natürlich vehement abstreitet. Andrés Manuel López Obrador hält sich bedeckt und hat nur angekündigt, das Militär innerhalb von 6 Monaten von der Straße abzuziehen und die Armut bekämpfen zu wollen.

    Mir persönlich scheint der Ansatz von AMLO noch am sinnvollsten, allerdings ist er kurzfristig nicht erfolgversprechend und nach der emotionsgeladenen Kampagne der verlorenen Wahl vor sechs Jahren mit klarer Ansage, sind die Versprechen diesmal eher nebulös. Wahrscheinlich macht er es richtig. Auch in Deutschland hat man sich gezeigt: zuviel Ehrlichkeit im Wahlkampf zahlt sich nicht aus. Fragen sie Angela Merkel...

  2. Natürlich nicht. Sie sind die (Drogen)Maffia. In Mexico wird keine politische Funktion ohne der Zustimmung der Drogenmaffia besetzt. Weder Dorfbürgermeister noch Staatspräsident.

    Eine Leserempfehlung
    • FabiOe
    • 30.06.2012 um 9:35 Uhr

    Was soll man denn da als Politiker für ne Ansage machen, wenn man nicht erschossen werden will (oder schlimmeres...)?

    Es gibt (nur) eine erfolgversprechende Taktik gegen den Drogenkrieg... die passt aber den Alten und Konservativen ganz und gar nicht (und den Kartellen erst recht nicht), weshalb sie sich nicht im Wahlkampf ansagen lässt:

    http://www.faz.net/aktuel...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Calderón hat doch eine klare Ansage gemacht, und er lebt immer noch. Nur führt sein Drogenkrieg nicht zum Erfolg...

    "Alte und Konservative" trifft es auch nicht. Jedenfalls nicht in Mexiko. Die Liste der Unterstützer der Legalisierung ist lang und schliesst viele "Alte und Konservative" ein (z.B. die Expräsidenten Zedillo und Fox).

    Das Problem sind die USA. Mexiko kann es sich mit seinem großen Nachbarn nicht verderben. Und in den USA ist Innenpolitik allemal wichtiger.

    Calderón hat doch eine klare Ansage gemacht, und er lebt immer noch. Nur führt sein Drogenkrieg nicht zum Erfolg...

    "Alte und Konservative" trifft es auch nicht. Jedenfalls nicht in Mexiko. Die Liste der Unterstützer der Legalisierung ist lang und schliesst viele "Alte und Konservative" ein (z.B. die Expräsidenten Zedillo und Fox).

    Das Problem sind die USA. Mexiko kann es sich mit seinem großen Nachbarn nicht verderben. Und in den USA ist Innenpolitik allemal wichtiger.

  3. Calderón hat doch eine klare Ansage gemacht, und er lebt immer noch. Nur führt sein Drogenkrieg nicht zum Erfolg...

    "Alte und Konservative" trifft es auch nicht. Jedenfalls nicht in Mexiko. Die Liste der Unterstützer der Legalisierung ist lang und schliesst viele "Alte und Konservative" ein (z.B. die Expräsidenten Zedillo und Fox).

    Das Problem sind die USA. Mexiko kann es sich mit seinem großen Nachbarn nicht verderben. Und in den USA ist Innenpolitik allemal wichtiger.

    Antwort auf "Drogenkrieg"

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