Der ehemalige ägyptische Präsident Hosni Mubarak wird auf einer Trage ins Gericht getragen (Archiv). © Stringer/dpa

Der frühere ägyptische Machthaber Hosni Mubarak ist zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Mubarak für die tödlichen Schüsse auf Demonstranten im vergangenen Jahr verantwortlich ist. Vom Vorwurf der Korruption wurde er freigesprochen. Ein Kairoer Gericht verkündete das Strafmaß gegen den ehemaligen Staatschef. Der Richter bezeichnete in seiner Urteilsverkündung die fast 30-jährige Amtszeit Mubaraks als "schwarze Ära". Mubarak kann gegen das Urteil Berufung einlegen.

Der Prozess ist in der arabischen Welt bisher einzigartig: Mubarak musste sich als bislang einziger Staatschef, der im Zuge des Arabischen Frühlings gestürzt worden, vor Gericht verantworten.

Der Ex-Staatschef war wegen Amtsmissbrauch, Bestechlichkeit und des Befehls zur Tötung von Demonstranten während des 18-tägigen Volksaufstands Anfang vergangenen Jahres angeklagt worden. Bei der Niederschlagung der Proteste kamen etwa 850 Menschen ums Leben.

Außer Mubarak war in diesem Verfahren auch der ehemalige Innenminister Habib al-Adli angeklagt, er wurde ebenfalls zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Die Anklage gegen die beiden Söhne des Ex-Präsidenten, Alaa und Gamal, wurde fallen gelassen. Sechs ehemalige Führungskräfte der Sicherheitsbehörden und Vertraute des Ex-Präsidenten sprach das Gericht frei.

Der Staatsanwalt hatte für Mubarak die Todesstrafe gefordert. Er sieht es als erwiesen an, dass Mubarak die Schuld am Tod von mehr als 800 Demonstranten im Januar und Februar 2011 trägt.

Hundertschaften der Polizei vor dem Gerichtsgebäude

Die Urteilsverkündung fand unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt. Mubarak wurde mit einem Helikopter in das Gericht in Kairo gebracht. Im Gerichtssaal lag Mubarak auf einer Trage, wie das Staatsfernsehen zeigte. Während der Sitzung hielten Gegner des ehemaligen Staatschefs Bilder von Demonstranten hoch, die bei den Massenprotesten im vergangenen Jahr getötet worden waren.

TV-Reporter vor dem Gerichtssaal berichteten, Richter Ahmed Refaat habe zuvor angeordnet, die Angehörigen der Opfer aus dem Saal zu entfernen. Nach ihren Angaben soll jeder Angeklagte vor der Urteilsverkündung Gelegenheit erhalten, eine dreiminütige Erklärung abzugeben. Refaat hatte gedroht, die Sitzung sofort zu beenden, falls es im Gerichtssaal zu Tumulten kommen sollte.

Gegner Mubaraks reagierten außerhalb des Gerichtsgebäudes spontan mit Jubel. Im Sitzungssaal kam es nach dem Urteil zu Prügelszenen. Gegner Mubaraks hatten, wie von der Staatsanwaltschaft gefordert, eine Todesstrafe erwartet. Hundertschaften der Polizei sollen vor dem Gerichtsgebäude den Ausbruch von Gewalt zwischen Anhängern und Gegnern Mubaraks verhindern.