Zuerst jubelten die Menschen vor den Bildschirmen, als der Richter das Wort lebenslänglich aussprach. Dann kam schnell die Ernüchterung , als der Rest des Urteils folgte. Wie schon so oft im nachrevolutionären Ägypten , auch beim Schlussakt des Mubarak-Prozesses , lagen wieder einmal Euphorie und Enttäuschung, Aufbruch und Rückschlag, frustrierend dicht beieinander.

Dabei ist die lebenslange Haftstrafe für Ex-Pharao Hosni Mubarak ein Meilenstein in der Geschichte Ägyptens. Noch nie zuvor hat ein arabisches Volk seinen früheren Herrscher vor ein eigenes, ordentliches Gericht gestellt und für seine Untaten zur Rechenschaft gezogen. Gleichzeitig jedoch erweist sich der alte Machtapparat des Regimes ein weiteres Mal als undurchdringlich und uneinnehmbar. Die sechs mitangeklagten Polizeioffiziere wurden freigesprochen.

Bei allen ihren Ermittlungen im Innenministerium stießen die Staatsanwälte auf eine Mauer des Schweigens. Zeugen widerriefen ihre belastenden Aussagen. Fernsehbilder zeigten wachhabende Polizeioffiziere, wie sie nach Gerichtstagen stolz und unterwürfig vor dem angeklagten Ex-Innenminister Habib al-Adly salutierten. Die alte Komplizenschaft ist ungebrochen, die Uniformierten agieren weiter, als hätte es nie eine Revolution gegeben. Und die Bevölkerung muss ohnmächtig mit ansehen, wie der verhasste Polizeiapparat der Mubarak-Ära am Ende wohl weitgehend unbehelligt davonkommt.

Denn nach diesem Urteil wird wohl niemand mehr für die tödlichen Schüsse auf Demonstranten, für die zigtausendfachen Folterungen und die jahrzehntelange Willkürherrschaft der Sicherheitsdienste zur Rechenschaft gezogen werden. Kein gutes Omen für die demokratische Zukunft Ägyptens.